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H. GLEIST
|^>S: HARVARD COLLEGE LI BRARY3!fc^
Inschriften
(römische, griechische, mittelalterliche (auch Runen-)Inschriften)
des
Mainzer Museums.
Dritter Nachtrag zum Becker^schen Katalog.
Zusammengestellt
Prof. Dr. K. Körber.
Mit 235 Abbildungen, zumeist nach Facsimile-Zeichnungen von
Heinrich Wallau.
y^
MAINZ
Verlag des Altertumsvereins
1900.
— 6 —
1 [JfoviJ ofptimo) m(aximo) ceterisque dU dejabufsque omnlbun]
[pro] Salute aftquej
[incolnmitatje et victofriisj
[d(ominiJ nfostri) impferatoris) GJordiani pli [felfir.isj Aug(uftti)]
5 fatque SJabiniae TranqufillinaeJ
[totiusque] d(omu8) dfivinaej eorum
[. , . , Ju8f L(uci) ffüiusjf Fabfia tribuj^ Annian[us]^
[Xvir stlijtibus iudicandifsy tribfunusj milfitumJJ
[legfionumj XXX IJlpiiae) et /] Min(erviae) Gordianarum, in [quo...]
10 /".... vijcfesj leg(ati) sustinuit^ qfuaestorj pr(o) pr(aetore) . . , .]
/". . . 7 ^**''* foder itam fj cfurator fj cfenaibna ?J civit(atium) admfini-
strandiaj limptisj
[OermJanfiaeJ Haliqfuensiumy et Chalitanofrum? . . .]
/". . sjevir tumi(ae) I eq(uitum) fromfanorumj] ad[, . .]
[. . Jnt(. . .J, praeffectus) fr(umenti) danfdfi) pljebfij ro[m(ahae)
eurCatorJ]
15 [Veie1]nt(%um) et missua advferausj kfostesj p(ublico8j in refgfionemj
Tra-J
[nspjadfanamj tirfonibus) legendfiaj et armfisj fabrficandisj in[ur(bej]
[Mejdiolfaniojf turidficua) per Calabriam
[Luc] an (tarn) et Bruttios, legfatusj legfionisj XXI[I]
[pri^migfeniaej pfiaej ffidelisj Gordianae vo-
20 tum sohlt Kalfendis) JullfisJ]
[Atti]co et Fraetextato cofnjsfulibusj .
Jüppiter, dem Besten und Höchsten, und allen übrigen Göttern und
Göttinnen (hat) für das Heil, das Wohlergehen und die Siege unsres Herrn
des Imperators Gordianus Pius Augastus, der Sabinia Tranquillina und
ihres ganzen erlauchten Hauses us Annianus, des Lucius Sohn, von
dem fabischen Burgerverbande, Mitglied des Zehnmännergerichtes, Kriegs-
tribun in den zwei Gordianischen Legionen, der dreissigsten Ulpischen und
der ersten Minervischen, in welchem Amte er Stellvertreter des Legaten
war , propraetorischer Quaestor , Schatzungsbeamter für die an der
germanischen Grenze gelegenen Gemeinden der Haliquenser und Chalitaner,
. . . , Vorsteher eines der sechs Geschwader der römischen Ritterschaft, . . . ,
ausserordentlicher Kommissär für die Verteilung von Getreide an das
römische Volk, Curator (kaiserlicher Verwaltungsbeamter) der Veienter,
gegen die Vaterlandsfeinde in die Landschaft jenseits des Po geschickt, um
Rekruten auszuheben und in Mailand Waffen herstellen zu lassen. Rechts-
pfleger in Calabrien, Lucanien und Bruttium, Befehlshaber der zweiund-
zwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, pflichttreuen und zuverlässigen,
der Gordianischen, — sein Gelübde erfüllt am 1. Juli unter dem Consulate
des Atticus und Praetextatus (i. J. 242 n. Chr.).
Dieses Denkmal mit der — nach v. Domaszewski — wichtigsten
Inschrift der Rheinlande, die aber andrerseits, wie Mommsen einmal be-
merkte, zu den schwierigsten Problemen der lateinischen Epigraphik gehört
und manche Rätse] aufgibt, die wohl für immer ungelöst bleiben werden,
wurde in mehrere Stücke, einen Hauptblock und einige grössere und
kleinere Teile, zerbrochen aufgefunden. Namentlich die ersten Zeilen sind
am Anfang und Ende schwer beschädigt. Das eine Eckstück des Krönungs-
gesimses, eine Volute in Rosettenform, passt nicht an das übrige, verloren
gegangen ist später ein kleines Stückchen am Ende von Zeile 20. Die Seiten-
flächen sind am unteren Teile des Steines noch teilweise erhalten und
damit für die Länge der Zeilen ein Anhalt gegeben, der freilich die Er-
gänzung der 10 ersten wenig zu fordern yerraag, zunial hier a. A. und
a. E. manchmal ein freier Raum geblieben zu sein scheint. — Z. 1 war
ursprünglich wohl die zweite : die erste wird nur die Widmung an Jupplter
(I'O'M) enthalten haben. Im übrigen ist die Ergänzung der ersten Zeilen
durch ähnliche ziemlich gesichert, nur lässt sich natürlich nicht mit Be-
stimmtheit sagen, welche Titel und Namen des Kaisers Gordian III.
(238—244) und seiner Gemahlin auf dem Steine gestanden haben. Z. 1
a. A. rechter Fuss des A, a. E. linker Schenkel des V. — Z. 2 ist die
Senkrechte des L noch in ihrem ganzen Lauf verfolgbar, völlig erhalten
ist davon nur der Kopf. Ebenso ist von dem folgenden kleinen Y nur
der Kopf des linken Schenkels noch vorhanden; T und E sind gebunden;
a. E. ist von A der linke Schenkel und der Fuss des rechten erkennbar. —
Z. 3 a. A. unten eine Wagrechte, dann von dem E die Senkrechte mit
oben anschliessender Wagrechten ; auf T folgt der linke Schenkel von V
und eine deutliche Senkrechte, auf C die Wagrechte und der Fuss eines T.
— Das Mas3 der Erhaltung der nächsten Zeilen ist aus der trefflichen
Nachbildung hinreichend deutlich erkennbar; zu bemerken ist höchstens,
dass Z. 6 fast die Hälfte der Zeile leer war. — Von dem Namen des
Stifters ist leider nur das Cognomen Annianus „erhalten; der Mann ist
sonst unbekannt. — Interessant ist die Folge der Ämter, die er bekleidet
hat. Wie die meisten vornehmen Römer begann er mit dem aus vier
verschiedenen Kollegien bestehenden Vigintivirat. Dann wurde man ge-
wöhnlich Militärtribun; Annianus war es, wie der Plural Oordianarum
beweist, in zwei Legionen, von denen jedoch nur der Name der einen
durch ihren Beinamen gesichert ist, es ist die leg. I Minervia ; die andere
wird die leg. XXX Uljna gewesen sein, welche damals ebenfalls in Unter-
germanien stand. Z. 9 a. E. scheint ein N gestanden zu haben, Z. 10 a. A.
ein C; die Ergänzung in[quo honore vi]c, leg. sustinuit hat das Bedenkliche,
dass sonst zur Bezeichnung der Stellvertretung vlces agere üblich ist.
Vielleicht ist das Objekt zu sitstiunit [proelia^ pericula u. ä.) ausgefallen
und zu lesen vic{ibii8) leg{ati) (so Gundermann). — Nachher war
Annianus quaestor pro praetore: Z. 10 a. E. ist ein Buchstabenrest
erhalten, der sehr wohl einem P angehört haben kann, nur die Gestalt des
Bruches verleitet leicht zur Annahme eines S. In welcher Provinz er aber
gestanden hat, ist unsicher, ebenso ob deren Namen überhaupt beigesetzt
war, denn auf das Z. 11 a. A. stehende, bisher unerklärte . . tiam (oder
. . . itam) endigt keine senatorische Provinz, und nur in einer solchen
gab es Qnaestoren. Daran aber, schon das erste PR* als Ab-
kürzung von praetor aufzufassen, hindert der Umstand, dass bisher kein
sicheres Beispiel der Verwaltung des Sevirats nach der Praetur vorliegt. —
Für die Zeilen 11 und 12 ist eine einwandfreie Deutung noch nicht ge-
funden. Die oben gegebene stützt sich auf eine am Feldberg gefundene
Inschrift, in welcher eine exploratio Halicfensis^) am germanischen Limes
erwähnt wird; zweifelhaft bleibt dabei ifreilich die Lesung des zweiten
Volksnamens, wenn überhaupt zwei genannt waren ; denn der Stein ist an
dieser Stelle so schwer beschädigt, dass die drei auf HALIQ folgenden
Buchstaben nicht mit Sicherheit festgestellt werden können. Weiteres
Bedenken erregt der Ausdruck curator censibus adminUtrandis für das
einfache eensitor. Auf jeden Fall stehen die eivitates unseres Steins nicht
auf einer Linie mit den römisch geordneten eivitates der Mattiaker (um
Wiesbaden) und der Taunenser (um Heddernheim), sondern sind als dem
römischen Regiment unterstehende, aber nicht nach dem römischen
Munidpalsjstem geordnete Barbaren-Distrikte aufzufassen. — Eine kleine
— 8 —
Lücke zw. Z. 12 und 13 ist vorläufig nicht auszufüllen. — Das nächste
Amt, das Annianus bekleidete, ist das Sevirat in einer der sechs turmae
der römischen Ritter; Z. 13 a. A. steht sicher ein E, ob davor noch ein
Rest des S vorhanden, ist ungewiss; in der Mitte folgen auf das überhöhte
I Buchstabenspuren, die auf EQ' hinführen, hinter dem ROM' ausgefallen
ist. — Was in der mit AD (Z. 13) beginnenden und mit gebundenem NT
aufhörenden Lücke gestanden, ob hier wirklich, wie vermutet wird, die
Praetur genannt war, ist zweifelhaft. — Dann übernahm Annianus als
ausserordentliches Amt die Aufsicht über die Getreide- Austeilung an die
römische Plebs: die Ergänzung der Lücke an dieser Stelle scheint sicher,
obschon der Zusatz plebi Bomanae sonst nur in griechischen, nicht in
lateinischen, Inschriften vorkommt. Auch in der Lücke zw. Z. 14 und 15
kann kaum ein anderes Amt erwähnt gewesen sein, als eine cura
dvitatium; die oben genannte ist natürlich nur beispielsweise zu nehmen.
— Während er diese cura verwaltete, erhielt er vom Senat den Auftrag
(vergl. vita Maximi X. 1) gegen den damals aus Pannonien heranrückenden
Maximinus — dieser war mit seinem Sohne Maximus zum hostis pulUcua
erklärt worden — den Widerstand zu organisieren : er sollte in Oberitalien
Truppen ausheben und zu deren Ausrüstung in Mailand Waffen herstellen
lassen. — Z. 15 ist bemerkenswert die Doppelsetzung von H und P zur
Bezeichnung des Pluralis (vergl. Becker, Mainzer Inschriften Nr. 134:
B B • F P • = beneßciarii). Darauf folgt eine überhöhte Senkrechte, an
welche der schräge Strich des N sich anlehnt, also war hier I und N ge-
bunden. Die nächsten Reste können nur zu einem R gehört haben, auf
das (als einzig möglicher Vokal) ein E gefolgt ist. — Der übrige Teil der
Inschrift bietet keine erheblichen Schwierigkeiten. Annianus versah noch
das Amt eines kaiserlichen Rechtspflegers in einem, auch aus einer anderen
Inschrift bekannten, unteritalischen Sprengel und war zuletzt, als er den
Altar stiftete, Befehlshaber der zweiundzwanzigsten Legion, deren Anwesen-
heit in Mainz dadurch für das Jahr 242 festgestellt ist: später wird sie
auf einer datierten Inschrift nicht mehr erwähnt. Als Keller den Stein
zuerst abschrieb, war Z. 20 a. E. noch ein L, welches jetzt verloren ist,
vorhanden. Somit ist der erste Juli als Stiftuogstag gesichert. — Nach
der Mitte der letzten Zeile ist von den Buchstaben T und X nur noch
die Hälfte erhalten, zwischen den darauf folgenden Resten zweier Senk-
rechten, wird der rechte Fuss eines dazwischen geschriebenen kleinen A
sichtbar.
Vergl. Keller, Nachtr. II, 23b; Ihm, Bonner Jahrb. LXXXIV (1887),
S. 88; V. Domaszewski, Korrbl. d. W. Z. XI. Sp. 230 und Rhein. Mus. 1893,
S. 343 f. A. 2; Momrasen, Limesbl. 1. Sp. 13.
2. Votivaltar, gewidmet den Kaisern, dem Juppiter, der
Fortuna, der Vesta, . . . , den Laren und Penaten, gefunden am
1. April 1892 beim Neubau des Hauses Schillerstrasse Nr. 24.
Geschenk der Herren Architekt F. Suder und Rentner J. Klein.
Grauer Sandstein. H. 62, Br. 35, T. 25 cm. Oben auf dem
Altar ist eine flache Schale eingehauen. Vorder- und Rückseite
trugen ursprünglich dieselbe Inschrift, doch ist dieselbe zum
grossen Teil offenbar absichtlich weggemeiselt.
— 9 —
■mv
r^/^'r-'
c
1:7,B.
Numinibfus) AugfusiorumJ^ JfoviJ \ofpfimoJ m(aximo) , Fortulnael^
V\est]aei . . . , LaribuSy Penatibus, Lfucius) Sallustius Sedatus hospes vfotumj
sfolvit) Ifibens) mferiioj.
Der Gottheit der Kaiser, Juppiter, dem Besten und Höchsten, der
Fortunae, der Vesta, . . . , den Laren und Penaten hat der Gastwirt
Lucius Sallustius Sedatus sein Gelübde gern und nach Gebühr erfüllt.
Von der Vorderseite sind nur die zwei ersten Zeilen einigermassen
gut erhalten; Z. 3 a. A. muss zuerst ein N gestanden haben, dann waren
vielleicht A und E gebunden. Dann folgen auf V einige undeutliche Buch-
stabenreste, worauf ein A und die Hälfte eines E im Umriss erkennbar
wird. Am Ende stand ein D; wie die Lücke hier zu ergänzen ist, bleibt
ungewiss ; vermutet wird c?[w meijs oder auch d[eabu]H oder d[mnn]n. Von nun
an ergänzen sich Vorder- und Bückseite gegenseitig, so dass über die Lesung
kein Zweifel mehr entstehen kann. Hospes (Z. 6 u. 7) ist hier wohl der
Quartierwirt fiir Soldaten (vergl. Tac. bist. II, 66. III, 2. 44), daher steht
keine weitere Bestimmung dabei. Inhaltlich passt für dieses Gewerbe,
dass Fortuna, Vesta, Laren und Penaten angerufen werden. Diesen Kreis
von Gottheiten gibt ein Bild bei Baumeister, Denkm. S. 811, das auch
zum „Wirtshause" passt. — Auffallend ist die Ausmeiselung beider
Exemplare der Aufschrift, die sich vielleicht durch die Annahme erklärt,
dass der Altar in einem öffentlichen Gebäude stand ; dafür, dass die Rasur
christlichen Ursprungs ist, könnte das Kreuz sprechen, welches auf der
Vorderfläche Z. 6 a. E. eingehauen ist.
Die Verzierung über dem Sims des Altars ist, wie man trotz der
argen Zerstörung erkennt, so ähnlich derjenigen anderer Altäre unseres
Museums, dass man die Herkunft aus einer Werkstätte annehmen muss.
Mehrere derselben (Nr. 12, 33, 38, 73 des Becker'schen Katalogs und Nr. 7
10
dieses Nachtrags) sind datiert: sie stammen alle aus den Jahren 198—211.
Diesen Jahren wird also auch unser Stein ungefähr angehören und unter
den Z. 1 genannten Augusti (die Mehrzahl ist durch numinibus gesichert)
wird man also an Septimius Severus und seine Söhne denken müssen.
Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 292 und Korrbl. d. W. Z.
XVI, Sp. 112.
3. Weihinschrift an den Juppiter und die Juno, gefunden im
Dezember 1889 bei Kanalisierung des Dampfmühlengässcbens
(an der Augustinerstrasse). Sandstein. H. 30, Durchm. 26 cm.
Oben ist der Stein abgebrochen,
unten mit einem Zapfenloch ver-
sehen.
JfoviJ ofpt'moj m(aximo) et Jun(oni)
reg(inae) .
Juppiter, dem Besten und Höchsten,
und der Königin Juno.
Der runde Aufsatz stand wahrschein-
lich auf einem Viergötter-Postamente
und trug eine sogen. Gigantensäule.
Vergl. Hang, Westd. Zeitschr. X,
S. 60, A. 8.
1:7,5.
4. BruchstUcl( von einer Weihinschrift an (Juppiter und ?) Juno,
gefunden im April 1888 in einem Pfeiler der römischen ßhein-
brücke. Sandstein. H. 33, Br. 40, Durchm. 20 cm.
. — . \J(ovi) o(ptimo) mfaximoj et Juti]oni reg[inae
'""^^"^ *~~^I;^^^ i/i honorem dom^us divin[ae\ . . .
.>-/ M I K L v^ Juppiter, dem Besten und Grössten, und der
a/ S I ^ I V I -P Königin Juno zur Ehre des erlauchten (Kaiser-)
Hauses .
Z. 1 a. E. Bogen eines C oder G. — Die Formel
IM honorem domus divinae ist von dem Jahre 170 an üblich (zuerst auf dem
frühesten Viergötter Sockel nachweisbar, der in Kastei gefunden und im
Wiesbadener Museum aufbewahrt ist (vergl. Zangeraeister, N. Heidelb.
Jahrb. V, 60. — Z. 3 Reste zweier Senkrechten und eines N. — Dass die
Platte auch dem Juppiter geweiht war, ist nur Vermutung.
Vergl. Keller, Nachtrag I, 132 a.
11 —
5. Oberteil eines Votivaltars, den Ollogabien geweiht, gefunden
am 17. Juli 1896 bei der Kanali-
sierung der grossen Kirchgasse
in Kastei. Geschenk der dortigen
Bürgerraeisterei. Gelbl. Kalk-
stein. H. 42, Br. 40, D. 32 cm.
Der Sims ist mit einem Perlstab,
von den beiden Seitenflächen die
eine mit zwei Schöpflöffeln (sim-
pula), welche auf einem anderen
Gegenstand zu stehen scheinen,
die andere mit einer Kanne in
flachem Kelief verziert.
OUogabiabus Änuva Messo . . .
Den Ollogabien (hat) Anuva, Messos
QqQ^^ I^(? Tochter oder Frau diesen Altar
gestiftet.)
Die Ollogahiae gehörte zweifellos zu
den gallischen „Matronen". Diese
werden in der Dreizahl als segen-
bringende Göttinnen — ausser in
keltischen Landen, wie es scheint, be-
sonders am Niederrhein — verehrt.
Bei ihren Namen ist die Dativ-
Endung abu8 sehr gebräuchlich, viel-
leicht in Anlehnung an das Keltische.
(Über die Matronen vergl. Ihm, Bonner
Jahrb., Heft 83.)
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV,
Sp. 200.
6. Bruchstück von einer den Ollogabien geweihten Votivplatte.
.f^nr^,
:tar]
Wie die teilweise erhaltene Umrahmung zeigt,
ist es die linke obere Ecke. Alter Bestand.
H. 29, Br. 26, D. 7 cm.
Ollog\ahiahus\ C , Mam . . .et Arr , . . [quon]dam . . .
Z. 5 Beste eines M,
Über die Ollogahiae s. Z. Nr. 5.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 201.
1:10
7. Votivaltar, den Aufanien geweiht, gefunden am 18. April
1895 beim Neubau des Hauses Petersstr. Nr. 8. Sandstein.
H. 75, Br. 44, D. 24 cm. Die Verzierung der Opferplatte
kommt mit geringer Abänderung an einer ganzen Beihe von
Altären unseres Museums vor (vergl. z. Nr. 2).
(l'U^s G^Sz.'^f'S
— 13
der drei ersten Buchstaben des Wortes deabus (?). Z. 3 a. A. obere Hälfte
eines C. Z. 5 a E. war vielleicht VS in kleinen Buchstaben übereinander-
stehend dem N eingeschrieben. Z. 7 sind die zwei letzten Buchstaben sehr
undeutlich. — Die Suleviae gehören ebenfalls zu den gallischen Matronen
(s. z. Nr. 5) oder stehen ihnen wenigstens nahe (vergl. Zangemeister, N.
Heidelb. Jahrb. V, 52, A. 3); sie kommen in Deutschland sehr selten vor.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 5.
9. Votivaltar, dem Mithras geweiht, gefunden im September
1893 bei Vertiefung eines Weinkellers in der Altenauergasse.
Roter Sandstein. H. 36, Br. 22, D. 21 cm. In den Ver-
tiefungen Spuren roter Bemalung.
D(eo) {{nvictoj M(ithrae). Q(uintusJ VfaleriusfJ
Jfustinusy vovit [s]olvit Ifibens) IfaetusJ.
( . f^ J [ Dem unbesiegbaren Sonnengotte hat Quintus
|^*\ "^^V^'fvüi Valerius (?) Justinus (?) (diesen Altar) gelobt und
(sein Gelübde) gern und freudig erfüllt.
Eine Erklärung der rätselhaften Zeilen 2 — 4 ist
nur möglich unter der Annahme, dass der Steinmetz
mehrfache Fehler begangen hat, die dann durch
die Bemalung verdeckt und verbessert wurden. So
steht Z. 2 a. A. zweifellos für Q und Z. 4 a. A.
fehlt wahrscheinlich ein S, während nachher LV
viell. infolge missverstandener kursiver Vorlage zu
IN geworden ist. Dafür, dass neben dem Prae-
nomen auch Gentile und Cognomen bloss mit den
Anfangsbuchstaben bezeichnet sind, findet sich in
dem Mainzer Museum bereits ein Beispiel (vergl.
Keller, Nachtr. 1. 4a). Nicht unmöglich wäre übrigens,
dass der Stifter gar nicht genannt wäre, weil der
Altar in seinem eignen Hause stand ; dann würde qul vovit, sohlt zu lesen sein.
Vergl. Zangemeister, Korrbl. d. W. Z. XII, Sp. 226.
10. Weihinschrift, der Fortuna Salutaris gewidmet, gefunden
am 22. September 1896 beim Neubau des Hauses Schuster-
strasse Nr. 46. Rotbrauner Sandstein. H. 16, Br. 28 (wovon
jedoch rechts etwa 11 cm von der Schriftfläche abgesplittert
sind), D. 28 cm. Unten und an beiden Seiten zeigen die glatt
behauenen Flächen die ursprüngliche Grösse des Altars, oben könnte
dagegen eine Zeile der Inschrift oder eine Skulptur abgeschlagen sein.
Deae Fo[rlun^ae
pVIT
1:7,5
tivS'Lvc:
/l'MB'P-F-LV
iriA-MAXIMI]
^
J
1:4
8alut[ari Aei\lius
Luci[aniL8\
trib(unu8) p(ro)
f(ilio) Ifibens)
vfovitjf P[rivaf]
tiaMaximina \uxor
pfosuitj].
Der Göttin For-
tuna salutaris bat
der (Kriegs-)Tri-
bun Aelius (?)
Lucianus für
— 14 —
5
itvn;
IS ' L'M|
ItlO.
seinen Sohn gern dieses Bild (?) gelobt; seine Gemahlin (?) Privatia (?)
Maxiraina hat es herstellen lassen.
Ergänzung und Erklärung nach Mitteilung Zangemeisters. Z. 1
sind von dem F nur noch schwache Spuren vorhanden. — tribunus allein
für tribunus militum kommt öfter vor. — Privatia schlägt Z. nur bei-
spielsweise vor, besser wäre ein etwas längerer Name. — Z. 5 a. E.
führen bei oberflächlicher Betrachtung die Spuren auf ein V, bei genauerem
Zusehen aber erscheint A zum mindesten ebenfalls möglich.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVI, Sp. 35.
11. Weihinschrift mit Statuette der Fortuna, gefunden im
September 1888 bei Kanalisierung der Schusterstrasse. Über
der Inschrift eine sitzende Frauen-Figur in Stola nnd Palla;
Kopf und Hände mit den Attributen fehlen.
Bild und Inschrift ist links zu einer glatten
A --S— vr; * -^^ Kundung behauen, rechts nach hinten zu
RTVN/V abgeschrägt. Höhe der Figur 35 cm; H.
CCIDJVS Br. und D. des Inschriftteiles: 37, 19 und
^ -^ -^ 24 cm.
D{eae) [Fo\rtunae [Pl'^^acidius [C^urio [?j(o-
tum)\ 8{olv%t) (libens) m{erito) [i]n suo.
Der Göttin Fortana hat Placidius (?) Curio (?)
sein Gelübde erfüllt gern nnd freudig nach Gebühr,
auf seinem Eigentum.
Z. 3 a. A. Fuss eines A.
12. Votivaltärchen, den Nymphen geweiht, gefunden im Herbste
1894 beim Bau des Hauses Bingerstrasse Nr. 17. Feiner gelblicher
Kalkstein (von den Italienern Palombino genannt, derselbe Stein,
aus dem die tabula Hiacau. ä. gearbeitet ist), in den Bheingegenden
bei Maastricht brechend. H. 29,
Br. 18, D. 15 cm. Oben ist eine
flache Schale eingehauen, an der
noch deutliche Brandspuren sicht-
bar sind. Die Blume unter der
Inschrift soll wohl eine Wasserlilie
darstellen, die für Nymphensteine
typisch ist. In den Vertiefungen
der Buchstaben Spuren roter Farbe.
Q{uintu8) Atüius Nympis (= Nymphis)
v[otum) s{plvit).
Quintus Atilius hat den Nymphen
(des nahe gelegenen Münsterweihers?
durch Errichtung dieses Altares) sein Ge-
lübde erfüllt.
Daraus, dass der Stifter des Cog-
nomens noch entbehrt, ist zu schliessen,
dass die Inschrift aus der Zeit vor Kaiser
Claudius (41 — 54) stammt.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV,
Sp. 81.
1:4
-''^iu-^
15
13. Weihinschrift an die Julia Domna, Gemahlin des Kaisers
Septimius Severus, als Caelestis dea; gefunden im Jahre 1887
beim Abbruch der alten Stadtmauer am Eisgrubenweg. Gelbl.
Sandstein. H. 87, Br. 82, D. 23 cm. Der das Inschriftfeld
noch auf zwei Seiten einfassende Kahmen ist mit Weinranken,
Trauben und Vögeln verziert. In den Vertiefungen sind rote
Farbspuren erhalten, die manchmal von einem weissen Überzug
bedeckt sind, der auch sonst auf dem Steine sichtbar ist.
:aelesti deae-
is-caesaflis-
NI PII-FELI Cl S ^
I CI-M AX f MJ •
'iMl-GEIVMAN ICI
Ie-senatVs-pa-ri|
fJ^M-INHONOR.EMf!'
^TONINIANAE'R-
I RI NAAN
1:8.
[Juliae Avgu8tat\ Caeleati deae^ [matri imperato]ri8 Caesaris
[M(arci) Anreli Anton^ini pii felicis [Auyuati Farth]ici maximi
[Briiannici maxi]miy Oermanici [maximi et ffj matr]e sfnatua patri-
[atiltni (IJ ea8tror]um. in honorem [l^gionis XXII A^ntoninianae pr(imigeniae)
[p(iae) f(idells) ] U9 Quirina (trihu) An [ An ^niana
Der himmlischen Göttin Julia Augusta, der Matter des Imperators
Caesar Marcus Aurelius Antoninus Augustas, des Frommen und Glücklichen,
de» grossen Parther-, Britannen- und Germanen-Besiegers, ihr, der Mutter
— 16 —
des Senats und des Vaterlandes sowie des Lagers, hat zur Ehre der zwei-
undzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, pflichttreuen und zuverlässigen
fis An ... , von dem quirinischen Burgerverbande (und seine
Gemahlin ?).... ana (diese Tafel gewidmet ?).
Die linke Hälfte des Denkmals fehlt, ebenso der Schluss. — Z. 6
a. A. ist infolge eines Versehens, zu dem das Vorhandensein der Vulgär
form maire für matri beigetragen haben kann, £ statt I eingehauen. Das
Versehen blieb entweder bestehen, oder es wurde nachträglich, nach Be-
malung des Buchstabens mit Bot, durch Einstreichen von Stuck in die
drei Querstriche verbessert. — Z. 6 ist ein Apex über dem V; vereinzelt
kommt dieses Zeichen noch bis Gallienus vor.
Das Denkmal ist der Julia Domna geweiht, welche hier als die
afrikanische Juno Caelestis (die phönikische Astarte) verehrt wird. Der
Titel mater casirorum bezeichnet die Aufstellung des Genius der Kaiserin
im Fahnenheiligtum , wie der Titel mcUer senatus et patriae die gleiche
Verehrung im Senat und allen Stätten des Eaiserkultes. Ebenso unrömisch
wie die damit angedeutete Mitherrschaft der Frau ist auch der Titel mater
Äugusti, d. h. Mutter des Sultans. Da diese Titel erst seit der Zeit der
Syrerin Julia Domna {Domna nach Nöldeke eine Übersetzung des im N. T.
zuerst vorkommenden syrischen Namens Martha = Herrin) auftreten, so ist
sie es ohne Zweifel, welche diese orientalischen Herrschaftsbegriffe in die
dynastische Politik einführte, und unser Stein ist ein hochinteressantes
Denkmal dieser Ent Wickelung.
Die Inschrift stand, wie ihr Inhalt beweist, ebenfalls in dem Fahnen-
heiligtum des Praetoriums. Da der Sohn der Kaiserin M. Aurelius
Antoninus (= Caracalla), unter dessen Regierung sie geweiht wurde, bereits
den Titel Oermanicus führt, den er im Jahre 213 annahm, so ist sie zwischen
213 und 217, seinem Todesjahre, entstanden. Von dem Namen des
Weihenden ist leider Z. 9 bloss die Endung des Gentiles (. . . us) und der
Anfang des Cognomens {An . . .) erhalten.
Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. IX, 296 und v. Domaszewski,
Westd. Zeitschr. XIV, 62 und 72.
14. Weihinschrift an den Kaiser M. Aurelius Antoninius (d. h.
Caracalla) als Ammon; gefunden im Februar 1887 beim Abbruch
der alten Stadtmauer am Eisgrubenweg. Grünlicher Sandstein.
H. 136, Br. 45, D. 20 cm. In den Vertiefungen Spuren roter
Farbe; über dieser sind, wie aucli an anderen Stellen des
Steines, vielfach Reste eines weissen Überzugs erhalten.
17 —
J.
1N\
15
IMP-CAE^
JJ0-A(VJT['
PIOFELI\
TO PARTI
BRITANNs'
FlCfMAXf
COSlIllP)
QiVNJX5
i
D(to) i'nv%\cto /SWi] impferatori)
Gae[s(ari) M(arco) Aurejlio Anto[nino
pio felU[i Augu8]tOy Parth[ico max~
(imo)\ Britanni[co^ ponti]fici max-
fimojf [iribfuniciaj p(otestate) . , .] ,
co(n)8{uli) IUI [pfatrij p(atriae)y
procofnjsfulij] Q(uintus) Junius [. . ,
ffüiusjf ....,] Quintia[nus, legfatusj]
eiu8 pr{o) [pr(aetore) Germdjmae su-
[perioria^ deroti[ssimu8] numin\i elus
di[cati88[imn8que].
Dem unbesiegbaren Sonnengotte,
dem Imperator Caesar Marcus
Aurelius Antoninus Augustus, dem
Frommen und Glücklichen, dem
grossen Parther- und Britannen-
besieger, dem Oberpriester, dem Vater
des Vaterlandes und Proconsuln hat
im (sechzehnten ?) Jahre seiner
Tribunengewalt, in seinem vierten
Consulate Quintus Junius Quintianus,
des Sohn, von dem Bürger-
verbande, sein Statthalter von Ober-
germanien, seiner Gottheit unter-
thänig und ergeben (diesen Altar
errichten lassen).
Der Stein besteht aus zwei über-
einander gehörigen Stücken, durch
deren einstige Trennung Z. 10 arg
beschädigt wurde. Die rechte Hälfte
fehlt ganz; in der Bruchkante sind
die Buchstaben mehrfach (Z. 2 — 5,
9, 10, 13, 15) nur noch zum Teil
erhalten ; unten ist noch leerer Raum
für eine Zeile. — Z. 1 a. A. ist
1 : 10. von dem durch den Sinn geforderten
D nur die Senkrechte vorhanden und
mehr scheint auch niemals eingehauen gewesen zu sein: der Bogen wurde
also durch Bemalung ergänzt. — Der Sonnengott, dem der Stein geweiht
war, ist zunächst Ammon, der im karthagischen Gebiete als Hauptgott
verehrt wurde. An Mithras darf darum nicht gedacht werden, weil er ein
Gott der Perser d. h. eines Volkes war, das nicht zum römischen Reiche
gehörte ; darum ist derselbe nie ein Heeresgott geworden. Unter jenem
Ammon ist aber dann der Kaiser Caracalla selbst gemeint (vergl. z. Nr. 18).
Gondermann vermutet übrigens, dass jenes I gar nicht als D zu lesen,
lind Juppiter Dolichenus zu verstehen sei, der ebenfalls invlctus genannt
werde (z. B. Wilm. Nr. 92). — Z. 13 befindet sich über dem ein
regelmässig eingehauener Strich, der wohl nichts anderes als ein
Apex sein kann (vergl. Nr. 13, Z. 6). — Das Jahr der Inschrift lässt sich
wegen des Fehlens der Ziffer der trlb, pot, nicht sicher bestimmen, denn
das vierte Ccnsulat des Caracalla, das in das Jahr 213 fällt, wird in der
TitaUtar bis zu seinem Tode (217) fortgeführt. Da aber der Kaiser
2
eivs-?r(
NIAE-S'
DEVOT
CAUSf
i
— 18
^js-^
gerade im Jahre 213 am rätischen Limes und auch gegen die Chatten
kämpfte und den Titel Germanicus annahm, so kann man nicht ohne
Wahrscheinlichkeit das Jahr 213 als das Entstehungsjahr der Inschrift
ansehen.
Vergl. Keller, Nachtrag II, 66a und 97a; Zangemeister, Westd.
Zeitschr. XI, 315; v. Domaszewski, Westd. Zeitschr. XIV 62, ^^ und 73.
15. Weihinschrift an die Pietas der zweiundzwanzigsten Legion
und den Honos ihres Adlers, gefunden im Jahre 1887 beim Ab-
bruch der alten Stadtmauer am Eisgrubenweg. Gelblicher
Sandstein. H. 92, Br. 74, D. 15—23 cm. Der das Inschrift-
feld einfassende Kahmen ist mit Guirlanden von Weinranken
und Trauben verziert. In den Vertiefungen ist noch hier und
da rote Farbe, häufiger die weisse Masse sichtbar, mit der der
Stein zu irgendeiner Zeit bedeckt wurde.
u(&riETATl-.LEG,
^^ft-i_JJXl
C)
10
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L^i_nJQ-wCij
1:7^
— 19 —
PietcUi legiionis) XXII pr(imigeniae) [Älexandr({anae)] p{iae)
/{idelis) et honori aquüae L(ucius) Domüiu[s Jul]i[anus Junior
[tr{ibunus)] (?) L{uci) Domlti Juliani quondam p{rimi) p{ili) fil(iu8) d(^ono)
d(edit) ob merita dedicante Maximo Attiano c^larissimo) v(iro), leg{ato)
Aug{u8ti) [p^r(o) pr{aetore) G(ermamae) [8{upe7'ioris] ante dient) qiiintum
Kal{endas) Äpril(e8) \d{omino)\ n{o8tro) Äle[x]andro [Aug(u8to) III et\
Dtone c[o(n)8(tLlibu8)].
Der Pflichttreue der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen,
Alexandrianischen, gewissenhaften und zuverlässigen und der Ehre ihres
Adlers hat der Tribun Lucius Domitius Julianus der jüngere, Sohn des
ehemaligen Primipilus (vornehmsten Centurionen der Legion) ihrer Ver-
dienste wegen (diese Tafel) zum Geschenk gemacht. Geweiht wurde sie
dureh den hochberöhmten Kaiserlichen Statthalter von Obergermanien
Maximus Attianus am fünften Tag vor den Kaienden des April unter dem
dritten Consulate unseres Herrn des Kaisers Alexander und (dem zweiten)
des Dio (= 28. März 229 n. Chr.).
Der Stein besteht in seinem jetzigen Zustand aus drei Teilen, der
oberen rechten Ecke und den zwei grossen Stücken, die nur rechts am
Rande zusammenpassen: dadurch ist die vierte und fünfte Zeile stark be-
schädigt; auch sonst ist die Inschrift infolge von Verwitterung oder Ab-
reibnng schwer lesbar. Z. 2 und 12 ist der Kaisername weggemei;selt,
doch lässt er sich an letztgenannter Stelle unter der Rasur noch feststellen.
DasB gerade in Mainz und Umgegend der Name des Alexander Severus
durchgängig getilgt ist, spricht für diejenige Überlieferung, nach welcher
der Kaiser bei Mainz von den Soldaten erschlagen wurde.
Die Söhne der Primipili gelangen im dritten Jahrhundert immer
zur müitia equestris und dienen später als trib. leg. in der Legion ihrer
Väter. Der Grund für die Errichtung dieses Altares und desjenigen Nr. 18
dieses Nachtr. ist der Primipilat des Vaters, der einmal den Legionsadler
verteidigt hatte (v. Domaszewski).
Das Denkmal stammt aus dem Fahnenheiligtum des Mainzer Prae-
toriums; deshalb ist es auch von dem Statthalter in eigener Person
geweiht worden.
Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 297 und v. Domaszewski,
Westd. Zeitschr. XTV, 41, 62 und 110.
16. Zwei Bruchstücke einer Weihinschrift an . . . und den
Honos des Adlers der zweiundzwanzigsten Legion; gefunden im
Februar 1887 beim Abbruch der alten Stadtmauer am Eis-
grubenweg. Graugelber Sandstein. Zwei übers Kreuz zu-
sammengehörige Stücke. Ihre Masse sind: 1) oberer Teil:
H. 75, Br. 35, D. 24 cm., 2) unterer Teil: H. 67, Br. 46,
D. 22 cm.
— 20 —
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1:10
[. . . et h]ono[ri aquUae l\eg{ionis) XXII [pr{lm{geniae) p{iae) /{idelis)
Antoni]Hian[ae . . .) M{areug) Tillius M(arci)] /(iliita) Tert\tina (tribu) Bufua]
Alinae [ p(rimus) p{üu») leg(ionis) t(upra) $(criptat) d[ono)
d{edit) ex]trecenario) [dedicante . ., A]vito[leg(ato) Aug{u>li) pr{o) pr{aetore)
0{ermaniae) ){uperiorU) . . .] d{pmino) n{oitro) im[p{eratore) Antonino\ Aug{tutd)
[IUI et] BalHn[o II co(n}s{iUibus)].
. . . nnd der Ehre des Adlers der zweiundzwanzigsten Legion, der
erstgeworbenen , pflichttreuen und zuverlässigen , Antoninianischen ....
hat Marcus Tillius Rufus, des Marcus Sohn, von dem teretinischen Bürger-
verbände, geboren zu Atina (Stadt in Latinm) Primipilus (vornehmster
Centnrio), der genannten Legion, gewesener Trecenarins (wahrscheinlich
— 21
derjenige Centurio, der die 300 speculatores, die kaiserlichen Leibwächter,
des Praetoriums befehligte) (diesen Altar) zum Geschenke gemacht. Geweiht
wurde er von Avitus , dem Kaiserlichen Statthalter von Ober-
Germanien . . . unter dem vierten Consulate unseres Herrn des Imperators
Antoninns Augustus und dem zweiten des Balbinus.
Das Denkmal ist durch die Ungunst der Verhältnisse arg mitge-
nommen ; sowohl vom oberen, wie vom unteren Teil fehlt über die Hälfte,
und zwischen beiden ist wohl eine ganze Zeile ausgefallen. Desgleichen
ist das auf der rechten Seite verbliebene Stück von Z. 7 durch einen ver-
suchten Einschnitt bis auf die Reste der beiden Buchstaben LA oder EA
zerstört. — Z. 10 ist von dem ersten C nur noch die untere Rundung und
von dem vierten Buchstaben die Senkrechte im Bruche schwach sichtbar. —
Auch diese Inschrift stammt zweifellos aus dem Fahnenheiligtum des
Mainzer Praetoriums, weshalb sie von dem Statthalter selbst geweiht
ist. Dies geschah im Jahre 212 n. Chr. unter der Regierung des Caracalla
(Antoninus Augustus).
Vergl. Keller, 134 b u. 97 b, Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 315
und V. Domaszewski, Westd. Zeitschr. XIV, 41.
17. Weihinschrift an die Numina castrorum und den Honos
des Adlers der zweiundzwanzigsten Legion; gefunden im Mai 1886
'fj-iyiv.
i=Z_-J
10
bEDICAK
1:10
— 22 —
beim Abbruch der alten Stadtmauer am Eisgrubenweg. Gelb-
licher Sandstein. Zwei übers Kreuz zusammengehörige Stucke.
Ihre Masse sind: 1) oberer Teil: H. 60, Br. 43, D. 23 cm.
2) unterer Teil: H. 54, Br. 48, D. 29 cm. In den Vertiefungen
Spuren roter Farbe ; der ganze Stein scheint später einen weissen
(Gips-?) Ueberzug erhalten zu haben.
[. . . . con8ervator]i et nu[minib(u8)] ca8tro[rum hon]or{q(ue) leg{ioni8)
[XXII 2}r{imi- geniae) p{iae) /{idelis) Alexandrianae . , . .] s Dv
pirimus) p{ilu8) legiiones) a^upra) [8{riptae) di^ono) d{edit) . . . ."] dedican\te
Sex(to) Catio] Clemen[tino leg{ato) Aug^usti) pr(o) pr{aetore) G{ermavi<ie)
8(uperiori8)]
dem Beschützer und den Gottheiten des Lagers und dem ruhm-
vollen Adler der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworhenen, pflicht-
treuen und zuverlässigen, Alexandrianischen, hat s Du Primipilus
(vornehmster Centurio) der oben genannten Legion (diesen Altar) zum
Geschenke gemacht. Geweiht hat ihn Sextus Catius Clementinus, der
Kaiserliche Statthalter von Ober-Germanien.
Auch dieses Denkmal ist in ähnlicher Weise schwer beschädigt, wie
das eben besprochene: von den vier Stücken, in die es zerschlagen wurde,
sind nur zwei erhalten geblieben, und auch auf diesen ist die Inschrift
am Anfang und Ende abgehauen oder unkenntlich gemacht; ferner ist
liier ebenfalls zwischen dem oberen und unteren Stück eine Zeile verloren
gegangen. — Z. 1 scheint a. A. ein V, a. E. ein N gestanden zu haben,
neben dem V ist eine Senkrechte deutlich sichtbar. Es war hier ein Gott
genannt, und zwar, da der Stein unter Alexander Severus geschrieben ist.
wahrscheinlich ein orientalischer, der dann wohl, als der vom Kaiser er-
wählte Schutzgott, den Beinamen conservator geführt haben wird (vergl.
Keller, 11, 25b). — Die numina ca8trorum kommen sonst nicht vor; man
wird darunter die genü der Truppen und die signa zu verstehen haben —
Z. 5 ist der Name Alexanders ausgemeiselt (vergl. z. Nr. 15), doch ist ein N a,
A. noch deutlich erkennbar. — Z. 8 stand a. A. ein P, a. E. ein S. — Dass
auch dieser Stein aus dem Fahnenheiligtum des Praetoriums stammt, ergiebt
sich schon daraus, dass der Statthalter ihn geweiht hat. — Dass das
Denkmal unter Alexander Severus (222—235) gesetzt ist, ergiebt sich aus
dem Beinamen der Legion, welcher seinerseits dadurch gesichert ist, dass
der einweihende Statthalter offenbar derselbe Mann ist, der im Jahre 230
Consul war.
Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 317 und v. Domaszewski,
Westd. Zeitschr. XIV, 42 und 95.
18. Zwei Bruchstücke einer Weihinschrift an den Adler der
zweiundzwanzigsten Legion, gefunden am 10. und 26. September
1896 in einem unter der Wallaufschüttung am Gauthor be-
grabenen Teil der mittelalterlichen Stadtmauer. Kötlicher
Sandstein. Zwei übers Kreuz zusammengehörige Stücke. Ihre
Masse sind: 1) oberer Teil: H. 32, Br. 50, D. 17 cm, 2) unterer
Teil: H. 34, Br. 68 cm, (wovon jedoch 28 an der Schriflfläche
abgebrochen sind), D. 23 cm. Geschenk der Militärbehörde.
tef»
^VT
R
— 23 —
[Honort] aquilae \legioni8 XXr\I
pr(imigeniae) p(iae) /(idelia)
. . . rus [quondam p{rim%) p{ü%)'\
fil{iu8) d(pno) \d{edit) oh merita]
r> n r> T^ 10 leg{ioni8)ei[u8dem)dedic(ata)](ante
'^l Tvi 'r ' J^ diem) V Kal{enda8) [. . . duobua
*^"-»-^«-^*-_/L-0 ^ugg, (= Augv^stis)] Sever[o III
1*-^ it Antonino co{n)8{ulihu8)'\,
""T '^^^ — rrr^y^r — r \ ^®' ^^^® ^®^ Adlers der zwei-
T*^i J 1 ^^<iz wanzigsten Legion, der erst-
\^ [^ Q^ t l / , ' / geworbenen , pflichttreuen und
. _. I / zuverlässigen hat rus, Sohn
y/^ K/v 1/ i / ^^^^^ ehemaligen Primipilus,
wegen der Verdienste derselben
Legion (diesen Altar) zum Ge-
schenke gemacht; geweiht am
28 (oder 27 oder 25) . . , als
die beiden Kaiser Severus und
Antoninus — ersterer zum dritten
SEVE
1 ; 15 Male — Consuln waren.
Die Zusammengehörigkeit beider Stücke sah Zangemeister zuerst.
Es ist eine Weihinschrift ähnlich der Nr. 15 dieses Nachtrags behandelten
und sie hat gleiches Schicksal gehabt wie die Nr. 16 und 17. — Z. 3
Reste der drei Buchstaben R (P oder B) V S, zum Namen des Stifters,
der der Sohn eines Primipilus war, gehörig. — Zeile 5 zwei Füsse von
Senkrechten, dann Rest eines E oder L und eines D. — Z. 6 musste auf
V Kai. der abgekürzte Monatsnamen folgen, der die Lücke nicht ausfüllt,
und darauf unmittelbar das Consulat. Wäre dieses ein gewöhnliches, so
würde Severo an zweiter Stelle stehen, was zuletzt im Jahre 141 vor-
kommt. Da aber die Inschriftsn honori aquilae, wie es scheint, erst mit
Septimius Severus (193 — 211) beginnen und die Legion keinen Kaisernamen
führt, der Stein also vor Caracalla gesetzt ist, und endlich die Buchstaben-
form die des dritten Jahrhunderts ist, so wird die Lücke auszufüllen sein,
wie oben geschehen. Dann gehört sie dem Jahre 202 n. Chr. an. Der
Statthalter, der die Weihe vollführte, war nicht genannt. — COS wird
(?ielleicht in kleineren Buchstaben) in der Mitte unter den Consulnamen
gestanden haben.
Über die Errichtung des Altars durch den Sohn eines Primipilus
vergl. z. Nr. 15 dies. Nachtr.
Ergänzung und Erklärung nach Mitteilung v. Domaszewskis.
19. Bruchstück eines Votivaltares, einem orientalischen Gotte
geweiht, gefunden im Mai 1886 beim Abbruche der alten Stadt-
mauer am Eisgrubenweg. Sandstein. H. 30, Br. 51, D. 83 cm.
Die linke Seitenfläche ist glatt behauen, auf der rechten dagegen
springt vorn und hinten je eine Leiste von 13, bezw. 10 cm
Breite und 2,5 cm Ausladung vor. Wir haben also das rechte
Endstück einer längeren Inschrift vor uns. In den Buch-
staben Reste roter Farbe, auf den Flächen Reste eines weissen
Anstriches.
24 —
bPILHlPPI
rCYBIRÄ
[. . . . legiionu) p\r{imigeniae) p{iae)
fiidelis)
[. . .] L{uci) ? fil{ius) Hippi
[ (J]adyan\d\a
[....] ö Cyhira .
Z. 1 sind die Fasse eines B, einer
Senkrechten mit folgendem Punkt
und eines P sichtbar. — Z. 3 a.
E. ist infolge einer Verletzung des
Steines zwischen N und A ein
Buchstabe ausgefallen; es kann
dies nur ein I gewesen sein oder eine Ligatur von B, D oder P mit N:
ein wagrechter Querstrich hätte eine, wenn auch schwache, Spur hinter-
lassen müssen. Da Cybira im südlichen Phrygien unweit der karischen
Grenze liegt, Hippus in Carien selbst, so wird die Endung wie in Alabanda,
Labranda, Caryanda, Laranda u. a. zu ergänzen und die Stadt Cadyanda
genannt gewesen sein. — Z. 4 a. A. linker Schenkel eines A im Bruche
noch sichtbar. — Da die vielen Steine, die in derselben Mauer gefunden
wurden, fast ohne Ausnahme einem Heiligtum entstammen, so wird auch
unser Bruchstück von einem Altare herrühren. Die Lage der drei auf ihm
genannten Städte aber lässt auf einen orientalischen Kult schliessen.
Vergl. Keller, Nachtrag II, 236 f. und ,v. Domaszewski, Westd.
Zeitschr. XIV, 62 und Anm. 259.
20. Unterteil eines Votivaltares, gefunden am 16. Juli 1896
beim Neubau des Hauses Markt Nr. 2, 4 und 6. Geschenk
des bischöflichen Domkapitels. Weisser Marmor, der an der
Verwitterungsschichte rötlich geworden ist. Die Ecken des er-
haltenen Blockes sind teils abgebrochen, teils beschädigt. H. 42,
Br. 74, D. 57 cm.
'/■
(ÄMNEMSll^PROSAl^
's VA S V OjPt /A\ QVE O] ■
...q\u\annen8Ü
pro 8al[u\te 8ua
snorumqueom-
nium aram de-
dicatam posuit
Cenaore t^e[r-
um] et Lepido
iteru[m co]n'
sulibus.
.... aus . . .
hat den (ge-
wissen im
fehlenden Stück genannt gewesenen Göttern) geweihten Altar für sein und
aller der Seinigen Wohl errichtet unter dem zweiten Consulate des Censor
und dem zweiten des Lepidus.
Z. 1 a. A. hat oder Q gestanden, C und G sind durch die runde
Form des oberen Bogens ausgeschlossen. Der Name enthielt die Heimats-
bezeichnung des Stifters. Z. 4 a. A. ist von dem P noch ein kleines
Stückchen des Bogens erhalten. — Ein Consulat des Censor und Lepidus
wird in den fasti nicht erwähnt, trotzdem werden es conaules ordinarii
gewesen sein , aber von einem Gegenkaiser, wahrscheinlich von Postumus
yl^/Jy\ A Ps^^iV, D L D J C A'
\OSVlT " CZNSOPvEITj
1:10
25 —
(258—268), als Gegenconsuln ernannt. Diese Vermutung hat Dessau
(Prosopogr. imp. rom. s. v. Lepidus) ausgesprochen und begründet, worauf
Zangemeister mich aufmerksam machte.
Vcrgl. Körher, Korrhl. d. W. Z. XV, Sp. 201.
21. Unterteil eines Votivaitares, errichtet von einem Marke-
tender, gefunden am 14. Februar 1896 an der Wallstrasse hinter der
Konservenfabrik. Gelblicher Sandstein. H. 46, Br. 28, D. 25 cm.
. . . voto su[8]ce]pto Lucius Vireius Dexter
seplasiarius in legione prima adiutrice
Votum solvit laetus libens merito.
Seinem Gelübde entsprechend hat
Lucius Vireius Dexter, Marketender in
der ersten Legion, der hülfreichen (den
im verlorenen Teil genannten Göttern),
sein Gelübde gern und freudig nach
Gebühr erfüllt.
Am Anfang werden etwa zwei Zeilen
weggefallen sein; die erste erhaltene ist
stark beschädigt : von den beiden V a. A.
und a. E. sind nur noch schwache Spuren,
von dem in der Mitte die untere Kun-
dung sichtbar. — Das auffallende ex voto
suscepto Votum solvit kommt öfter vor.
Dagegen ist das Wort seplasiarius ausser-
ordentlich selten ; seine ursprüngliche Be-
deutung war „Salbenhändler", später
lehren, den Marketender. — Die legio I ad,
bis Mitte der 80er Jahre,
d. W. Z. XV, Sp. 84 und 184.
EPTO
vmiEW
E}arER^5
I LEG-T-AÜ
]\r?K\
1:7,5
bezeichnet es, wie die Glossen
stand in Mainz vom Jahre 70
Vergl. Körber, Korrbl
22. Bruchstück eines Votivaltares. Alter Bestand. Sand-
stein. H. 17, Br. 18, D. 10 cm.
"'-h Z. 1 VS . CI (die letzte Senkrechte vielleicht nur
^ \ Teil eines Buchstabens). — Z. 2 a. A. stand E, dann C
'Of/C^EIv\ oderG, hinter welchem ein Punkt gewesen sein kann;
I .' ^7^ \ r} ^'^' stand N. — Z. 3 a. E. ist der Punkt ungewiss ;
[l/\jl V'S davor unsichere Spuren eines kleinen Sj ebenso ist
[Ajjyr,^^^ zweifelhaft, ob das A einen — vielleicht winkeligen
^^^^^ 10 Querstrich gehabt hat. — Z. 4 ergänzt sich leicht zu
* * voto l(ibens) l{aetus) m{erito).
23. Oberteil eines Votivaltares. Alter Bestand. Sandstein.
H. 23, Br. 32, D. 17 cm.
Die Gestalt des Steines lässt vermuten,
dass er einem Altar angehört hat. —
Z. 1 a. A. stand ein A, a. E. ein S. —
Z. 2 Keste der Buchstaben MINI, dann ein
Punkt und a. E. ein V.
\ ^>v AFKl ^ I V. Domaszewski vermutet:
\^JLi^^»^^;^^^^^ [•] Aq{uiliu8) Mens{or)
JJ\1_J1>\>^ y/ [nu]mi'ni v{otum) »(olvit)
liibena) l{aetu^) m{erito)'\.
1:7,6:
r
::i
IL EuisemisGliTifteii, Keilensteine und
BauinselirifteiL
24. BnichstOck einer Baumschrift, angebracht am ArcMtrav
des Fahnenbeiligtums des Mainzer Legionslagers, gefdnden am
26, September 1896 in der unter der Erdaufsehüttung des Walles
(ygtlicb Tom Gaatbor entdeckten mittelalterlicben Stadtmauer.
Geschenk der Militärbebörde. Sandstein. H. 31, Br. 39, D.
100 cm. In den Buchstaben sind noch Beste roter Farbe er-
balten^ über welcher der auch sonst stellenweise erhaltene weisse
Stucküberzug sichtbar ist.
Imp(erator) Caes{ar) oder Imp(eratores)
Caes(ares) [ ] leg{ion%) XX[II prijmi-
geniae) p{ iae\ ßjideli) d(ono) d(edit) oder d{ede'
\Ä P^ (^ A r Q ru7it) dediicante) legiato) Äug{ust%) oder
IV L i ^-/ V L k/ Ang(us/ornin) pr(o) pr(ti€tore)].
Der (oder die; Imperator(en) hat
(^haben) der zweiundzwanzigsten Legion, der
^ K^J^ erstgeworbenen, pflichttreuen und zurer-
/ lässigen, (dieses Bauwerk) zum Geschenke
g-k:
i^
1 : 10 gemacht. Geweiht hat es der Kaiserliche
Statthalter
Links scheint nichts zu fehlen, obschon eine Randleiste nicht mehr
vorhanden ist. Die Tiefe des Steines (1 m!), sowie die geringe Höhe im
Vergleich zu der bei Ergänzung des Kaisemamens sich ergebenden Länge
weist auf eine Verwendung am Epistylbalken eines Gebäudes hin. Die
Inschrift ist ergänzt nach den von v. Domaszewski Westd. Zeitschr. XIV,
8. 17 zuerst als solche erkannten Bauinschriften der Fahnenheiligtümer.
Vier unter den fünf dort angeführten gehören dem Septimius Severus allein
oder in Verbindung mit seinen Söhnen an. Da nun sämmtliche datier-
baren Steine, die nach Inhalt und Fundort wahrscheinlich aus dem Mainzer
Fahnenheiligtume stammen, der Zeit dieses Kaisers oder seiner nächsten
Nachfolger angehören — nämlich der Zeit des Septimms /Severus (193 — 211)
die Inschriften : Körber, Nachtr. III v. J. 204, wahrscheinlich auch Becker,
«4; derjenigen des Caracalla (211—217): Körber, III, 16 v. J. 213, ders.
III, 14, wahrscheinlich ebenfalls v. J. 213, Brambach, C. I. Rh. 974 v. J. 217,
ferner Körbor, III, 13; derjenigen des Alexander Severus (222 — 235): Körber,
III, 15 V. J. 229, Becker, 65 v. J. 231, ferner Keller, II, 25b u. Körber, III,
17 - so ist auch hier zunächst an ihn und seine Söhne zu denken, unter deren
Dynastie, der historischen Entwickelung der Heeresreligion entsprechend, der
Kaisorknltus eintrat, der dazu bestimmt war, die Fahnenreligion des Principats
zu Tordrängen. Die Bauwerke, welche die Kaiser in sonst nie wieder-
i
— 27 —
kehrender Weise als ihr Geschenk an die Truppen bezeichnen, sind geweiht
gewesen und also für die Zwecke des Lagerkultus bestimmt. Alle anderen
Gegenstände und Gebäude, welche dem Lagerkulte dienen, sind ebenfalls
Geschenke und bei den Truppen römischer Bürger vom Statthalter, dem
Stellvertreter des Kaisers, geweiht. Demnach können jene Bauwerke nur
die vornehmsten Heiligtümer des Lagers, die Heiligtümer der Fahnen,
gewesen sein. Wenn dem Fahnenheiligtum der Name fehlt, so ist dies
ein Beweis, dass das Lager im Grund genommen kein Heiligtum besitzt,
sondern nur einen Platz im Praetorium, wo heiliges Geräte aufbewahrt
wird. So befremdend dies erscheint, so ist es doch nur eine nothwendige
Folge der Idee, welche alle Einrichtungen des Lagers durchdringt. Das
Lager der Römer ist ein Marschlager und kein Standlager, denn die Sprache
unterscheidet wohl zwischen castra hiberna und castra aestiva^ aber sie hat
keinen Ausdruck für den Begriff des Standlagers. Auf dem Marsch kann
das Heer keinen Tempel mit sich fuhren. Deshalb ist das Fahnenheiligtum
nie eine organische Institution des Heeres geworden, und alles, was zu
seiner Ausstattung dient, behält den Charakter der freiwilligen Spende.
Die Bedeutung des Bruchstückes erkannte v. Domaszewski; für die
Erläuterung vergl. v. Domaszewski, Westd. Zeitschr. XII, 18 f.
25. Sockel für die Bildsäulen des Kaisers Septimius Severus
und seiner Söhne und Mitregenten Caracalla und Geta sowie seiner
Gemahlin Julia Domna. Drei aneinander passende Bruchstücke
sind bis jetzt aufgefunden, zwei davon 1854 (oder 1858?) auf
dem Kästrich, eines (das obere) am 10. September 1896 in
dem unter der Wallaufschüttung östlich vom Gauthor erhaltenen
Teil der mittelalterlichen Stadtmauer. Letzteres Geschenk der
Militärbehörde. Hellroter Sandstein. Die Masse der Bruchstücke
sind: l) unterer Teil: H. 39, Br. 70 cm; 2) mittlerer Teil:
H. 32, Br. 28 cm; 3) oberer Teil: H. 30, Br. 41 cm. Die
Dicke wechselt zwischen 30 und 13 cm, da das Denkmal nach
allen Richtungen zerschlagen ist.
1 [Imp(eratori) C]aes(ari) L{uci6) Septim\io Severo Pio Pertinaci Aug{u8to)
Arahico]
[Adiaben\{4:o Parth[ico max{in».o) trib{unicia) pot{e8tate) XII, imp{erator%)
XI\ co{n)s{uli) Uly proco{'n)8(uli), p(atri) p[atriae)]
[et imp(eratori) Ca]esari M{arco) Aurel[io Antonlno Aug(ii8to), Ij(uci)
Septimi Severi Aug(u8ti) n(pstri) ßlio, trib{unicia) pot(e8tale) VII ^
co(n)8(uli)]
[et L(ucio) Septimio Getae Caes(ari\ L(ucl) Septimi Severi Aug^nisti)
n[p8tri) filiOf et Juliae Domnae Aug{u8tae), matri castrorum].
5 primi o[7'di]n[es et centuriones et evocatus leg{ionis) XXII pr(imigeniae)
p(iae) /{idelis)]
coh(or8) pri[ma]
Ammianiis ür[svLS ?]
[V"\al{eriib8) Catul[u8]
[Cd\lvi8(ius) P/-[*wM«] \^Fy,oreni[inu8)
10 [3/a^e]rr^[^^9] ? V[o\lus{iii8) Vcr{uH)
Valferius) Alexand{er) Jul{iu8) Hi8i)an{us).
Val{eritL8) Alexand{er)
Dedieatae {sunt imagines) Ci[l<me et JAhone co(n)s{ulibtis) ]
ICO^PART]
COH'P
,\MAAAN'V
^L•CATV
LVI5'P!>
^ — ^-T5
VAL-ALExAJsD
VA1ALEX/\^D -^
DgDJCATAE- Cl
1:7,5.
Dem Imperator Caesar Lucius Septimius Severus Pius Pertinax
Augustus, dem Besieger Arabiens und Adiabenes, dem grossen Parther-
besieger, im zwölften Jahre seiner tribunicischen Gewalt, als er zum elften
Male zum Imperator ausgerufen, zum dritten Male Consul gewesen war,
dem Proconsul und Vater des Vaterlandes, — und dem Imperator Caesar
Marcus Aurelius Antoninus Augustus, unseres Kaisers Lucius Septimius
Severus Sohn, im siebenten Jahre seiner tribunicischen Gewalt, als er zum
ersten Male Consul gewesen, — und dem Lucius Septimius Geta Caesar,
unseres Kaisers Lucius Septimius Severus Sohn, — und der Julia Domna
Augusta, der Mutter des Lagers, — (haben) sämtliche Centurionen und
der Evocatus der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, pflicht-
treuen und zuverlässigen (diese Standbilder errichtet).
Erste Cohorte:
Ammianus Ursus (?)
Valerius Catulus
Calvisius Primus
Matemus (?)
Valerius Alexander
Valerius Alexander
. . . Florentinus
Volusius Verus
Julius Hispanus.
— 29 —
Geweiht (wurden die Standbilder) unter dem Consulate des Cilo
and Libo (im Jahre 204)
Z. 1. a. A. Fuss von dem rechten Schenkel eines A. Z. 2 a. E. ist
eine Senkrechte noch im Bruche sichtbar ; desgleichen Z. 3 a. A. Kest eines
oben nach links gerichteten Buchstabens. Z. 4 ist vollständig ausgemeiselt.
Z. 5 ist auf dem neugefundenen Stück ganz unten noch ein Buchstaben-
rest erhalten (von dem N in ordines, wie es scheint). Zeile 6 gehört coh,
prima der Buchstabenverteilung nach auch zur zweiten Columne. Unter
Kaiser M. Aurelius hatte die Cohorte acht Centurionen (vergl. C. J. L.
VII[. 18,065, und v. Domaszewski, W. Z. XII, Nr. 147), unter Sept.
Severus kann sie recht wohl deren elf gehabt haben. Der evocatus, der
nach Analogie der eben erwähnten Inschrift sicher auch hier genannt war,
ist ein seit Hadrians Zeit den Legionen der Provinz zugeteilter Officier,
welcher die militärischen Neuerungen, die man in Rom im Praetorium des
Kaisers anzuwenden oder zu erproben für gut fand, auf die armaturae, die
Exerciermeister, der Legionen und somit auf die Provinzialheere übertrug. —
Die beiden hier genannten Centurionen Volusius Verus und Valerius
Alexander werden auch auf zwei im Jahre 1858 auf dem Kästrich gefundenen
Altären (Brambach, C. I. Rh. 1024 und 1025, ersterer jetzt in Wies-
baden) erwähnt. Z. 7 und 8 a. A. sind die beiden A nur sehr schwach
sichtbar. Becker sah im Jahre 1875 an ersterer Stelle ein mit A gebundenes
V; von einem solchen ist jetzt nur noch der Kopf eines Schenkels vor-
handen. Es wird nicht mit A verbunden und das von Becker davorgesetzte
Q nie vorhanden gewesen sein, wenigstens hat derselbe Becker es
im Jahre 1859 (Mainzer Zeitscbr. II, 192) nicht gesehen, auch wäre es
auffallend, wenn nur ein Centurio mit Praenomen versehen gewesen wäre.
Verloren ist jetzt das von Becker Z. 10 noch gesehene MA; von den Buch-
staben BN dieser Zeile sind nur noch die Füsse da.
Unsere Bruchstücke gehörten zu einem grossen Sockel, der, wenn
die Centurionen aller 10 Cohorten der Legion, wie es scheint, nebeneinander
aufgeführt waren, mehrere Meter breit war. Er trug, wie v. Domaszewski
bereits erkannt hatte, ehe das obere Stück mit den Kaisernamen auf-
gefunden war, die Standbilder des Septimius Severus, seiner Söhne Caracalla
und Geta, sowie seiner Gemahlin Julia Domna. Die Eltern werden in der
Mitte gestanden haben. Der Name des Geta ist später auf Caracallas
Befehl, nachdem dieser ihn im Jahre 212 ermordet, wie überall im Reich,
so auch auf diesem Denkmal getilgt worden. Errichtet wurde dasselbe
von der Gesamtheit der Centurionen der Legion. Ausser dem Statthalter,
dem Legionslegaten, sowie dem nächsthöchsten Officier, dem tribunus
laticlamiu, und dem höchsten aller Centurionen, dem primua pilua, hat nur die
Gesamtheit der Tribunen und die Gesamtheit der Centurionen das
Recht, Altäre und Statuen innerhalb des heiligen Bezirks zu setzen. So
war auch unser Sockel, bestimmt für die Genien des Kaisers und der
Kaiserin, aufgestellt im Fahnenheiligtume der Legion.
Vergl. Bramb. C. I. Rh. 1038, Becker 114; die Zusammengehörigkeit
des neu gefundenen Stückes mit den alten erkannte v. Domaszewski;
vergl. ausserdem v. Domaszewski, Westd. Zeitscbr. XIV, 32 f., 69 (m.
A. 276) und 111.
26. Bruchstück einer Ehreninschrift auf Kaiser Trajan, gefunden
am 17. Juli 1896 bei Kanalisierung der grossen Kirchstrasse in
Kastei. Geschenk der Bürgermeisterei Kastei. Kalkstein. H. 45,
Br. 33, D. 7 cm. Vielleicht war die Platte unter einem Trajans-
Denkmal angebracht, dessen Sockel man in nächster Nähe an
der Nordseite der alten römischen Strasse 50,75 m von der
Mauer des Castrums entfernt auffand.
30 —
v<:l
1MPCAE3
NERYMl
PONTM#
LEe-X)
1:10.
Imp{eratori) Cae8a\ri^ divi Nervae /(i/io),]
Nervae Tr[aiano Aug(it8to) Qerm(anic6),]
pont{ifici) wa[a?(imo), trib{iinicia) pot{e8tate) Uly
cd{n)8{uli) //,]
p(atri) piairiae) [co[n)8{uli) desfynato) III]
leg{io) X[XII pr{iinigenia) p{ia) fildelis)].
Dem Imperator Caesar Nerva Traianus
Augustus Germanicus, dem Sohne des ver-
götterten Nerva, dem Pontifex maximus, dem
Vater des Vaterlandes, (hat) im dritten Jahre
seiner tribunicischen Gewalt, als er zum
zweiten Male Consnl und zum dritten Male
dazu bestimmt war, die zweiundzwanzigste
Legion, die erstgeworbene, pflichttreue und
zuverlässige (dieses Bild? errichtet).
Die Ergänzung von Z. 1 ist sicher; damit ergibt sich bei Berück-
sichtigung der so gefundenen Zeilenlänge, dass Z. 2 auf Traiano nur noch
gefolgt ist: Aug(u8to) Germ.(anico) , dass die Inschrift also vor dem Jahre
102 verfasst ist, wo Trajan den Beinamen Dacicu8 erhielt. Nicht ganz so
zweifellos ist die Ergänzung der dritten und vierten Zeile. Ist sie richtig,
so stammt die Inschrift aus dem Jahre 99, zu welcher Zeit Trajan am
Rheine persönlich die Organisation des Befestigungssysteras der germanischen
Provinzen betrieb. Die Stellung von P. P. ist auffallend, aber nicht
ohne Beispiel.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 197.
27. Meilenstein aus der Zeit des Hadrian, gefunden am
15. Juli 1896 bei Kanalisierung der grossen Kirchstrasse in
Kastei. Er stand noch aufrecht am alten Standorte 52 m von
dem Ost-Thor des Castrums entfernt ; der obere Eand des Steines
lag nur ungefähr 50 cm unter dem heutigen Pflaster. Geschenk
der Bürgermeisterei Kastei. Flonheimer Sandstein. H. 2,10 m
(wovon 70 cm auf den 50 cm breiten Sockel kommen), Umfang
der Säule 1,66 m.
-^HADI^IA-NOAVG
PON)TMAX-TP.ia-PQT
Vl-CüS ■ 111 -P -P
MF- VI
I N^
l
ItlO
— 31 —
[Imp{eratort) Cae8{ar%)^ divi Traiani Parthid filio ^ divi Nervcbe] nepoti^
Traiano Hadriano Aug{u8to)y pont{ifici) max{imo)j trib(unicia) pot{e8tate) Vif
co(n)8(ul{) Uly p(atrt) p{atriae). Ah Aquis Mattiacorum m(ilia) p{a88uum) VI.
Dem Imperator Caesar Trajanus Hadrianns Augustus, dem Sohne
des vergötterten Trajanus Parthicus, dem Enkel des vergötterten Nerva,
dem Pontifex maximns und Vater des Vaterlandes, im sechsten Jahre
seiner tribunicischen Gewalt, als er zum dritten Male Consul gewesen.
Von Aquae Mattiacorum (d. h. Wiesbaden) sechstausend (Doppel-) Schritt.
Die Ergänzung vor der ersten, nur in der unteren Hälfte erhaltenen
Zeile ist durch andere Inschriften völlig gesichert. Der Stein ist unter
Hadrian i. J. 122, zu welcher Zeit der Kaiser persönlich in Obergermanien
anwesend war, gesetzt und gibt die Entfernung von Wiesbaden auf
6 römische Meilen = 9 Kilometer an. Die Fundstelle neben der römischen
Strasse, die geradeswegs nach dem bei Hof heim liegenden Kastell führt
(ausserhalb der Stadt Kastei jetzt Elisabethenstrasse genannt), beweist,
dass die Strasse nach Wiesbaden hinter unserm Brückenkastell von der
nach Hof heim rechtwinkelig abging, bezw. dieselbe schnitt, um in ihrer
rückwärtigen Verlängerung am rechten Mainufer, wo Wolff sie an ver-
schiedenen Stellen aufgedeckt, nach Frankfurt weiterzulaufen. Ferner ist
durch unsern Fund Zangemeistera Vermutung (s. W. Z. III, 245 A.), dass
Aquae Mattiacorum der Hauptort der civitas Mattiacorum gewesen sei,
glänzend bestätigt.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, 183.
28. Bruchstück eines Meilensteines aus der Zeit nach 202,
gefunden gleichzeitig mit und dicht neben dem unter Nr. 27 be-
schriebenen (2 m weiter von dem römischen Lagerthor entfernt).
Geschenk der Bürgermeisterei Kastei. Flonheimer Sandstein.
H. 1,55 m (wovon 65 cm auf den 39:47 cm breiten Sockel
kommen), Umfang der im Durchschnitt etwas ovalen Säule 1,44 m.
\ab\ Aq{ui8 Mattiacorum) l{eu-
gae) IUI.
Von Wiesbaden vier keltische
. .Q Meilen.
Auch dieser Stein stand bei der Auffindung noch aufrecht am
ursprünglichen Platze und ragte bis etwa 50 cm unter das heutige Pflaster,
das seinerseits auf einer älteren Chaussierung aufliegt. Da er etwas höher
stand als sein gleichartiger Nachbar, verlor er bei Anlage der modernen
Strasse noch mehr von seinem oberen Theil, so dass von der Inschrift nur
noch Beste der untersten Zeile stehen blieben. Aus diesen ersieht man,
dass die Entfernung von Wiesbaden in Leugen angegeben war, was vom
Jahre 202 an in Obergermanien üblich wurde. 4 leugae = 6 römische
Meilen = 9 Kilometer. — Die Praeposition ab hat in der letzten Zeile
gewiss nicht, vielleicht aber in der vorausgehenden gestanden. — Dass an
einer Stelle zwei Meilensteine gefunden wurden, ist nicht auffallend,
traf man doch bei Ladenbarg deren fünf, bei Altripp sieben, bei Heidelberg
gar acht beisammen an.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, 193.
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-- 33 —
Stäben ES. DaAEESACES deutlich ein Wort ist, und dann publice
folgt, so wird es eine geographische Bezeichnung und vicani davor zu
ergänzen sein (ist es nicht ein ganzes Wort — yergl. die matres Arsacae,
Bramb. C. I. Rh. 1969 — , so kann kein anderer Buchstabe als L voraus-
gegangen sein). Diesen vicani gehörte der Tempel und sie setzten den Stein
auf Gemeindekosten. — Inschriften, die sich auf den Mars Leucetius oder
Loucetius beziehen , sind ausserdem noch bei Marienbom. bei Worms
und in England gefunden worden. Herr Pfarrer Dr. Falk, jetzt in Klein-
Wintemheira, übersandte mir vor einiger Zeit eine handschriftliche Notiz
eines gewissen N. Fleck (jetzt in Nackenheim), laut welcher auf einem
ebenfaUs „im Füllkeller'* gefundenen, aber mit dem unsrigen nicht iden-
tischen Steine in zwei Zeilen die Buchstaben: ETI mit Blume als Punkt
und V C E T I gestanden haben. Dieser Stein war später in Ober-Olm
eingemauert, ist aber jetzt verschwunden.
Vergl. Brambach C. I. Kh. 925, Becker 105, Zangemeister, Korrbl.
d. Westd. Zeitschr. VII, Sp. 116. A. 1. — Ergänzung und Erklärung nach
V. Domaszewski.
Legionsbausteine.
30. Bauurkunde der ersten Legion, bis zum 5. Januar 1895
neben dem Eingange der hiesigen Citadelle eingemauert, dann
als Geschenk der Militärbehörde in das Museum verbracht.
Kalkstein. H. 50, Br. 116 cm.
.^
LEG'IADIVT
LFLAVI'PV
Leg(io) I adiut(rix)f
>• L(uci) Flavi Pu-
dentis.
1 : IB.
Die erste Legion, die Helferin;
die Centurie des Lucius Flavius Pudens.
Die legio I adiutrix stand etwa vom Jahre 70 n. Chr. an mehrere
Jahre lang in Mainz. Dass so viele Bausteine dieser Legion und der legio
XIIII gemina Martia victrix, welche mit den beiden letzten Beinamen in
den Jahren 70—90 hier war (während ihres früheren Aufenthaltes 14—43
führte sie nur den ersten), in Mainz gefunden werden, darunter zwei (Becker,
293 und Nr. 35 dieses Nachtrags, vergl. auch Nr. 40) in der Mauer, in
welcher nur Reste des Praetoriums vermauert sind, deutet darauf hin, dass
in der flavischen Zeit ein vollständiger Umbau des Lagers und des Praetoriums
stattgefunden hat. Mainz ist während des hatavischen Aufstandes nicht
genommen worden (Tac. h. IV, 61), geriet aber in harte Bedrängnis (Tac.
h. IV, 37). Wahrscheinlich war das Lager, wie das in gleicher Zeit ent-
standene Vetera ohne Bücksicht auf die Möglichkeit einer Belagerung an-
gelegt (Tac. h. IV, 23), so dass eine Erneuerung der Befestigung notwendig
wurde.
Vergl. Brambach C. I. Rh. 1102 und Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV,
94; far die Anmerkung: Ritterling, Westd. Zeitschr. XII, 115, v. Doma-
Bzewaki, W. Z. XIV, 62, Anmerkung 258.
3
ß
— 34 —
31. Bauurkunde der ersten Legion. Alter Bestand. Kalkstein.
H. 30, Br. 50, D. 21 cm.
Leff({o) I ad(jkUrix)
>► D{eciwu) Juni Ve-
reeundK
Die erste Legion, die Hel-
ferin ; die Centarie des Jonios
Verecundus.
lecTad :
LE
)D'1VNIVE'
U^ ' KECVNDI [^
r <.M-T7f- ,->T.7 — '
■ ■ M»JU.U.Jl. - I^K-4>J ?
1:16.
32. Bauurkunde der ersten Legion, bis zum 5. Januar 1805
neben dem Eingange der Citadelle eingemauert, dann als Geschenk
der Militärbehörde ins Museum verbracht. Kalkstein. H. 49,
Br. 98,5 cm.
Leff(io) I adi(utrix)f
>• G{at) Porci
Valentis.
Die erste Legion,
die Helferin; die Cen-
tn rie des Gajus Por-
cius Valens.
;^/\|>C.rORCI ,_
i
1:1B.
Vergl. Bramb. C. I. Kh. 1104. Körber. Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 95.
!£'
33. Bauurkunde der ersten Legion, bis zum 5. Januar 1895
neben dem Eingange der Citadelle eingemauert, dann als Geschenk
der Militärbehörde in
das Museum verbracht.
Kalkstein H. 47, Br.
91 cm.
Leg{io) I ad{iiUrix)
>- M(arci) Sili
Januari.
Die erste Legion, die Hel-
ferin; die Centarie des
Marcus Silius Jannarins.
Die hinter dem M sicht-
bare geschlängelte Linie
scheint infolge von Ungeschicklichkeit eingehauen zu sein ; sie wurde wohl
nachher durch Zustreichen beseitigt.
Vergl. Bramb. C. I. Rh. 1103. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 95.
LE GIAD .^_
/l/SILlirn
lAJSJVAPJ
1:15.
35 —
34.
t>
Bauurkunde der ersten Legion, gefunden am 17. September
1889 hinter dem städtischen Wasser-
werk in der Walpodenstrasse. Kalk-
ig stein. H. 41, Br. 58, D. 37 cm. Eote
j und darüber weisse Farbspuren.
Leg{io) I ad(iutrix) Die erste Legion,
L{uci) Valeri die Helferin ; die Cen-
Modesti turie des Lucius Va-
lerius Modestus.
VergL Velke, Korrbl. d. W. Z. VIII, Sp. 246.
LEGI'ADJ
j!jZiZ£.:".T.-aia i-J
1:1B.
35. Bauurkunde der ersten Legion, gefunden am 15. September
1896 in der östlich vom Gauthor in den Festungswällen vergrabenen
mittelalterlichen Stadtmauer. Geschenk der Militärbehörde. Kalk-
stein. H. 51, Br.
96, D. 24 cm.
Leg{io) I adiut{rix)
> C{ai) Vetti Paulli.
Die erste Legion,
die Helferin ; die
Centurie des Gajus
Vettius PauUus.
\tEg4^AOl
.^GVETTI^rAVLl
1:1B.
36, Bauurl(unde der ersten Legion, gefunden am 10. September
1896 in der östlich vom Gauthor verborgenen alten Stadtmauer.
Geschenk der Militärbehörde. Ein grosser Quader aus Kalk-
stein; auf der Eückseite ein mehrfach gegliederter, 24 cm aus-
ladender Sims. H. 46, Br. (ohne Sims) 45 cm.
L{eg%6) I ad-
{iutrix).
Die
erste Legion,
(_^,^ J die Helferin.
L^l AB
37. Bauuricunde der vierzehnten Legion.
Sandstein. H. 30, Br. 50, D. 21 cm.
Alter Bestand.
i
LEC M;
GE;V\-I
Die vierzehnte Legion,
die doppelte.
.--.•^
1:1B
Legiio) XIIII
ge7}i{ina)
Der Umstand, dass die Legion auf diesem
Stein nur den einen Beinamen gemina führt,
lässt darauf schliessen. dass er aus der Zeit
ihres ersten Aufenthaltes in Mainz (14—43
n. Chr.) stammt (s. z. Nr. 30).
36 —
38. Hälfte einer Bauurkunde der vierzehnten Legion, gefanden
am 14. November 1896 in der stadtseitigen Mauer des Haupt-
walles westlich vom Gauthor. Muschelkalk. H. 30, Br. 18,
D. 18 cm.
[Leg{io)] XIITI Die vierzehnte Legion,
[g{emina)\ M{artia) v{ic- die doppelte, Martische,
tr{x)y siegreiche; die Centurie
[> Cor]neli des Cornelius Capito (?).
[Cap'^]iton{i)8.
Z. 3 ist das L zwischen E und I vielleicht nach-
träo^lich eingehauen; Z. 4 wird der zweite Buch-
stabe wohl ein dem I oft sehr ähnliches T sein;
vor dem S scheint das I der Endung ausgelassen
zu sein.
Der Stein stammt aus der flavischen Zeit
(s. z. Nr. 30). Lesung und Ergänzung nach Zange-
meister.
39. Bruchstück einer Bauurl(unde der vierzehnten Legion,
gefunden am 10. September 1896 im Gewölbe der am Gauthor
befindlichen Poterne. Sandstein.
L{egio) Xllll
>- Juli
Die vierzehnte Legion,
die Centurie des Julius . . .
1:7,5
Links scheint zweimal ein Buchstabe
weggefallen zu sein, unten eine ganze Zeile
mit dem Cognomen des Centurionen. Auch
dieser Stein gehört, weil die Beinamen der
Legion fehlen, wahrscheinlich der Zeit ihres
ersten Aufenthalts in Mainz (14 — 43) an (vergl. z. Nr. 30). Dazu stimmt
die Abkürzung L für leglo, die auch auf Ziegelstempeln nicht später als
70 n. Chr. vorkommt (vergl. Wolif, Frankf. Archiv, 1893, S. 340.
40. Bauurl(unde der zweiten Gehörte der vierzehnten Legion,
gefunden am 10. September 1889 bei Kanalisierung der Erbacher-
hofstrasse. Muschelkalk. H. 17, Br. 33, D. 20 cm.
.^^.^ C{p)ho{rs)II
^ \ iin 'iT^^- i l^gi}^) XII II g(emina) M(artia) r(icfrix)
-tt^SP^""'^'
r^
\
>• Juli Sedati.
Die zweite Cohorte der vierzehnten
der doppelten, Martischen, sieg-
die Centurie des Julius Sedatus.
Die Angabe der Cohorte scheint in
den rheinischen Inschriften ohne Beispiel
zu sein. Z. 3 hinter dem ersten I ein
gebogener Strich : wohl ein Versehen des Steinmetzen. Der Stein gehört
den Jahren 70-90 an (s. z. Nr. 36).
Vergl. Velke, Korrbl. d. W. Z. XIII, Sp 244.
1: 7,6
37
41. Bauurkunde der vierzehnten Legion (?), gefunden am
15. Juli 1896 bei Kanalisierung der grossen Kirchstrasse in
Kastei. Graue Sandsteinplatte, in den Sockel verbaut, in dessen
Nähe sich die Ehreninschrift auf Kaiser Trajan (s. Nr. 26)
vorfand. H. 26, Br. 60, D. 14 cm.
L{egio) XIIII, Die yierzehnte Legion.
Die Inschrift ist in die rauhe Platte sehr
roh eingehauen; dass es eine Bauurkunde der
14. Legion sei, yermutete zuerst Dr. Eitterling;
sie würde dann wohl der Zeit yor Claudius an-
gehören (s. z. Nr. 37 und 39). Doch könnte
die Inschrift eine blosse Versetznummer sein
1:20. = l(oco) XIIII (so Zangemeister).
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 198.
42. Bruchstück von einer Bauurkunde der zweiundzwanzigsten
Legion, gefunden am 18. April 1895 beim Bau des Hauses
Petersstrasse Nr. 8. Kalkstein. H. 59, Br. 67,
D. 16 cm. Nur rechts ist eine Eandleiste
erhalten, doch fehlt auch oben nichts.
Leg{l6) XXII Die zweiundzwanzigste
[p\r{imigenia) p{ia) f{idelis). Legion, die erstge-
worbene , pflichttreue
und zuverlässige.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, 82.
m. Grrabsteine und Särge.
a. Soldaten der vierten Legion.
43. Grabstein des italikers M. Aurelius Metel(l)us, gefunden
im September 1889 bei Bretzenheim in der Nähe der römischen
Wasserleitung. Geschenk des Herrn Bauführers Lother. Kalk-
stein. H. 130, Br. 66, D. 17 cm. Giebel und Fries mit Akan-
thusblättern verziert.
M(arcu8) Aureliu^f M(arci) f(tl%us), Camilia
(tribu), Metel(l.tis, Alha^ m\l{e8) leg(iani8) IUI
Mac(edonicae)f an{norum)^ XXX, 8tip(endiorum)
X, h{ic) s(itu8) e(8t): h{ere8) /(aciendum) c{uravit).
Marcus Aurelius Metel(l)us, des Marcus Sohn,
von dem camilischen Bürgerverbande, aus Alba,
Soldat der vierten Legion, der Macedonischen,
30 Jahre alt, 10 im Dienst, liegt hier be-
graben. Sein Erbe liess (ihm diesen Grabstein)
setzen.
Am Ende der ersten Zeile ist ein Rest des
schliessenden S erhalten; Metelu8 steht wohl
für Metel{l)us. Die Formel hie aitus est und
die Verzierung unter dem Giebel weisen auf
das erste Jahrhundert n. Chr., die Nennung
der vierten Legion bestimmter auf die Jahre
43-70.
SnPXHSElji
HF'C
Vergl. Velke, Korrbl. d. W. Z. VIII, Sp. 245.
44. Grabstein des
LIABI
IMWO/Wl
iiEcirn-MAc!
wvici>yf/v\ooil
IfXIV/ßHCfC ii
iiM
Spaniers L Fabius Fabius, gefunden im
Anfang des Jahres 1890 an der Mainzer-
strasse in Bingen beim Bau des Hauses
Nr. 20/21. Kalkstein. H. (der Schrift-
fläche) 65, Br. 39, D. 26 cm.
L(uciu8) Fahius^ L(uci) f{iliu8\ Oal{er%a
tribu), Fahiu8, Nerto(briga), mil{e8) leg{ioni8)
IUI Mac{edonicae\ an{norum) XL, 8t{i)p{en-
diorum) XXI: Anicius Mode8tu8 h(ere8)
/(aciendum) c(uravit),
Lucius Fabius Fabius, des Lucius Sohn,
von dem galerischen Bürgerverbande , aus
Nertobriga (j. Frejenal de la Sierra in Süd-
Spanien), Soldat der vierten Legion, der
1:15
— 39 —
Macedonischen, 40 Jahre alt, 21 im Dienst. Anicius Modestus, sein Erbe,
liess (ihm diesen Grabstein) setzen.
Die Knrsiyschrift der Vorlage ist von dem nnerfahrenen Stein-
metzen teilweise missyerstanden oder nicht in Lapidarschrift umgesetzt
worden. — Z. 2 Jjönnte man nach FAB zur Not auch ein T
annehmen (vergl. Z. 7) und an eine Verschreibung für FABATVS
denken; aber wahrscheinlicher ist Fabius, obgleich sich f&r die
Benutzung desselben Namens als Gentile und als Cognomen kein weiteres
Beispiel finden dürfte. Als Einzelnamen und (nach Erteilung des Bürger-
rechtes) als Cognomina werden die Gentilicia bei Peregrinen nicht selten
verwendet. Vergl. die von Keller (Korrbl. d. W. Z. VlI, Sp. 97) und
Zangremeister (ebenda VIII, Sp. 252) veröffentlichte Inschrift von Nierstein.
— Z. 5 ist STIP verschrieben, ob aber SIP oder STP dasteht, ist zweifel-
haft. — Z. 7 könnte das erste C commilito u. ä. bedeuten, aber wahr-
scheinlicher ist es aus Versehen eingehauen und dann zugestrichen worden.
— Die vierte Legion stand in den Jahren 43—70 n. Chr. in Mainz.
Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 299.
45. Bruchstück von dem Grabsiein eines Unbekannten. Alter
Bestand. Kaltstein. H. 19, Br. 27, D. 23 cm.
Links ist ein Rest der alten Umrahmung er-
halten. — Z. 1 ist wohl ein Stück des Cognomens
oder des Heimatsnamens erhalten. In letzterem Falle
wäre vielleicht an Valentia zu denken, denn aus
Spanien wurde die vierte Legion im Jahre 43 n. Chr.
nach Ober-Germanien versetzt: der Buchstabe am
Ende der Zeile könnte sehr wohl auch ein E gewesen
sein. — Dass Z. 2 die vierte Legion genannt war.
1:10.
Lit allerdings nur wahrscheinlich, gedacht werden könnte auch an die
zweite, die in den Jahren 14—43 in Vindonissa (j. Windisch in der Schweiz)
stand und also ebenfalls dem in Mainz residierenden Befehlshaber des ober-
germanischen Heeres unterstellt war; sie hat aber hier nur sehr wenig
Spuren hinterlassen. — Z. 3 begann mit ANN (orum) die Altersangabe
des Verstorbenen. — Gesetzt ist der Stein, wenn die obige Annahme richtig
ist, in den Jahren 43—70 n. Chr.
46. Bruchstück von dem Grabsteine eines Unbekannten,
gefunden im April 1896 beim Abbruch des alten Kirchturmes
in Bretzenheim. Geschenk des Herrn Pfarrers Dr. Probst.
Gelblicher Kalkstein. H. 26, Br. 19, D. 16 cm.
Die Buchstabenreste der ersten Zeile gehören noch
zur Namensbezeichnung des Verstorbenen, in der zweiten
war seine Heimat angegeben, vermutlich Tolosa (j. Toulouse),
in der dritten die Legion, in der er diente. Dies muss,
da an die zweite kaum zu denken ist, die yierte gewesen
sein : die erste ist ausgeschlossen, da die Wagrechte über
dem I sich viel weiter nach rechts als nach links erstreckt,
auf das I also noch weitere Zahlzeichen gefolgt sein müssen.
In der vierten Zeile begann wohl mit 8T[l?{endiorum)] die
Nennung der Dienstjahre.
Körber, ^Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 161.
40
b. Soldat der achten Legion.
47. Bruchstück von dem Grabstein eines Unbekannten, ge-
funden am 22. Juli 1896 bei Eanalbauten in der grossen Eirch-
gasse zu Kastei. Geschenk der Bürgermeisterei Kastei. Oelber
Kalkstein. H. 24, Br. 24, D. 16 cm.
In der Zeile ist noch ein unbestimmbarer Teil der
Namens- oder Heimatsbezeichnnng erhalten. Daran!
folgte die Angabe, in welcher Legion der Verstorbene
gedient; sie fahrte, wie die dritte Zeile lehrt, den
Beinamen Augusta, könnte also an sich sowohl die
zweite als anch die achte gewesen sein. Beide haben
nicht in Mainz gestanden : jene von 14 — 43 inVindonissa,
diese von 70 an sehr lange Zeit in Strassbnrg. Da
jedoch in Mainz die zweite Legion wenig, die achte
aber viele Spuren hin terla ssen hat, so ist wohl zu
ergänzen MIL • L[EG • VIII].
1:10.
c. Soldaten der vierzehnten Legion.
48. Grabstein des
PWAAVX
At&VTIVS
L
1:15
dann wieder 70—90 in Mainz
ltalil(ers Primus Aebutius, gefunden im
Oktober 1889 bei Kanalisierung
des Augustinergässchens. Kalk-
stein. H. 185, Br. 61, D. 28 cm.
Im Giebel eine Kose nebst pal-
mettenartigen Blättern, zu beiden
Seiten desselben als Akanthus-
ranken gebildete Akroterien.
Primus Aebutius^ L{uc%) f(ilivb8\ Veiu-
ria (tribu), Fla(cenHa) ^ vet[er]amis ex
j 8(ignifero) leg{ioni8) XIIII^ anno{rum)
J LV, aeroru(m) XXII^ h(ie) s(itu8) e(8t).
Primus Aebutius, des Lucius Sohn,
von dem veturischen Bürgerverbande,
aus Placentia (j. Piacenza), ehemaliger
Fahnenträger der vierzehnten Legion,
55 Jahre alt, 22 im Dienst, liegt hier
begraben.
Der Stein war in der Mitte gebrochen,
daher die Verstümmelung an dieser
Stelle. — Die Buchstaben sind sehr un-
regelmässig eingehauen. — Primus ist
Praenomen, schon darum, weil ein
solches, was vor der Angabe L.F* nicht
angeht, fehlen wurde, wenn Primus
Cognomen wäre. — aerorum statt
aerum auch noch auf drei anderen
Steinen des Mainzer Museums. — Die
stilisierten Akroterien und die Formel
hie Situs est deuten auf das erste Jahr-
hundert n. Chr.; in der That lag die
14. Legion in den Jahren 14 — 43 und
Vergl. Velke, Korrbl. VIII, Sp. 245.
41
49. Grabstein des Q. Lo(llius?), gefunden im April 1892
hinter dem Fort Karl, wo er als Deckplatte einer fränkischen,
sonst mit Steinen abgegrenzten Grabstätte verwendet war. Ge-
schenk der Militärbehörde. H. n. Br. der Schriftfläche 105 u.
56, D. 17 cm.
Q(uintus) Lo\lliu8 ?], M{arci) /(ilius), Volf(inia
tribu)f — , mil(es) legiionU) XIIII geminae,
ann{prum) XXXX^ 8Hp(€ndiorum) XVI 11^ h{ic)
8{ittL8) e{st),
Quintus Lo(lliu8?), des Marcus Sohn, von
{;] dem voltinischen B&rgerverbande, aas ?, Soldat
der vierzehnten Legion, der doppelten, 40 Jahre
alt, 18 im Dienst, liegt hier begraben.
Z. 1 ist die linke Eundang des nur noch
im Brach erhalten, daher bei der Nachbildung
nicht sichtbar — Fftr den Schlass des Gentiles
ist kaum noch Platz: er stand also wohl aaf
dem Eand. Ähnliches gilt für den Heimats-
namen, wenn er üherhaapt angegeben war. —
Ob Z. 3 XIII oder XIIII gestanden, lässt sich
nicht entscheiden. Indes hat sich von einem
gemeinen Soldaten der dreizehnten Legion,
welche während der hier in Betracht kommen-
den Jahre zwar zam obergermanischen Heer gehörte, aber in Yindonissa
(j. Windisch in der Schweiz) lag, in Mainz noch kein Grabstein gefunden.
Daher besitzt die Einsetzung der vierzehnten Legion hier die grösste Wahr-
scheinlichkeit. — Nach dem Fehlen des Cognomens gehört der Stein in
die Zeit vor Claudius (41—60).
Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 291.
1:20
50. Grabstein des Italikers Q. Clodius. Alter Bestand. Kalk-
stein. H. 77, Br. 49, D. 15 cm. In dem runden Abschluss-
bogen eine roh eingehauene Rose.
Q{uinttL8) Clodius^ Q(uintt) /{ilius) Ani{end tribu),
Verc{e1)li8 , [mi\l{t8) leg(ionis) XIIII geminae^
[ann{prum) X]XXV , . . .
Quintus Clodius, des Quintus Sohn, von dem
aniensischen Bürgerverbande, aus Yercellae (j.
Vercelli), Soldat der vierzehnten Legion, der doppelten,
35 Jahre alt, ....
Das Gentile reicht noch üher die Umrahmung
hinaus, wie auch nachher Punkte und Buchstaben-
teile auf ihr stehen. — Z. 3 Verdis verschrieben
für Vercellis, — Z. 5 passt XIHI besser in den
Baum als XIII; ausserdem vergl. das zu Nr. 49
1:20 Gesagte. — Z. 6 lautete entweder : ANN-XXXXV
oder AN • XXXXV. — Das Fehlen des Cognomens lässt auf die Zeit vor
Claudius schliessen; in den Jahren 14—43 n. Chr. stand die vierzehnte
Legion zum ersten Mal in Mainz.
— 42 —
d. Soldaten der zweiundzwanzigsten Legion«
51. Grabstein des C. P(?)ullinius Decimus, lag bis zum
1. Juli 1895 unter einem grossen Steinkreuz an der Elisabethen-
strasse, V2 Stde. von Kastei. Kalkstein. H. 90, Br. 95, D. 32 cm.
In dem sehr beschädigten Giebel eine Rosette.
^ 1:10
D{ls) [M(anibuif)]. C{aio) \^P{^)\ullinio Decimo, [te[8)'\9€rarxo l€g{ioni8)
XXII }){rimigeniae) p(lae) f^idelis)^ an(7i)orum XXX VIF, 8tipen{d)iorum X VIII
Regln iu8 .... eques
Den Manen (Schattengöttern); Dem Gajus P(?)ullinius Decimns, dem
Tesserarius der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, pflicht-
treuen und zuverlässigen, welcher 37 Jahre alt war und 18 diente, hat der
Reiter Reginius
Durch drei eingehauene Dollenlöcher, sowie durch Absplitternng ist
die Inschrift leider sehr beschädigt. — Z. 2 wäre auch Jullinio u. ä. denk-
bar. — Z. 3 sind vor S die Füsse von TE eben noch sichtbar; tesserarius
ist derjenige ünterofficier, der die vom Feldherrn für die Nacht gegebene,
auf ein Holztäfelchen geschriebene Parole (tessera) den Truppen überbrachte.
— Z. 4 annorum mit einem n. — Z. 5 stipendiorum ohne d geschrieben. —
Z. 6 das Cognomon bis auf eine Senkrechte ausgefallen. — Z. 7 noch uner-
klärt; am Ende vermutet Zaugemeister ; [e]x ({ustode) a(rmorum), — Z. 8
— 43 —
unsichere Buchstabenreste. — Der Stein ist jedenfalls junger als 90 n.
Chr. ; in diesem Jahr erhielt die Legion die Beinamen pia fidelis wegen
ihrer bei Unterdrückung des Aufstandes des Saturninus bewiesenen Treue.
(s. Ritterling, de leg. X, gem. p. 11 ff.).
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XfV, Sp. 180.
52. Grabstein des C. Valerius Secundus, gefunden am 23. Juni
1888 an der Böschung der neuen Anlage gegenüber der Eisen-
bahn-Überführung. Er war als Deckel eines Frauen-Sarkophags
verwandt. Grauer Sandstein. H. 210 (wovon die Hälfte in der
Erde steckte und deshalb rauh gelassen wurde), Br. 64, D. 25 cm.
Den oberen Abschluss bildet ein leider sehr beschädigtes Relief:
zwei Greife halten mit je einer Tatze einen schalenartigen Gegen-
stand, aus welchem Keller noch drei Mohnstengel mit den Kapseln
hervorwachsen sah. In den Zwickeln zwischen dem Inschriftfeld
und der oberen Querleiste schwebt je ein Delphin, den Kopf nach
abwärts gerichtet.
D(^is) M(anibus). C{aiu8) Valerius] Secundus,
mil{e8) legiionia) XXII pr{imigeniae) p{iae) /{idelis)^
stip(endiorum) XXV \ Valerius Veranius fratri
f[aciendum) c(uravit).
. . _ Den Manen (Schattengöttern). Gajus Valerius
Sft'VALEKIV^^l Secundus, Soldat der zweiundzwanzigsten Legion,
1.1/ , ,^ f^i ir* -i n jgy eistgeworbenen, frommen und treuen, 25 Jahre
im Dienst. Valerius Veranius Hess (diesen Stein)
seinem Bruder setzen.
Das Denkmal gehört etwa in das zweite Jahr-
hundert n. Chr. ; denn der Umstand, dass es als
Deckel eines spätrömischen Sarkophages diente,
lässt auf frühe Zeit schliessen , aber nicht vor
SECVNDVSMIIU
LEGXXIIPflPF
STIPXXVVAL
VEKANIVS
FHATKIFC
- " j.'^ 90 n. Chr. (vergl. z Nr. 51).
Vergl.* Keller, Korrbl. d. W. Z. VIII, Sp. 167.
53. Steinsarg des Vitalinius Salutaris, gefunden im April 1892
hinter dem Fort Karl. Geschenk der Militärbehörde. Roter Sand-
stein. H. 69, L. 220, Br. 80, Wandstärke 12 cm. Bei der
Auffindung war der Sarg seines Inhalts bereits beraubt.
</lTALINIOSALVTARI'EQ:LECXXIIP>
a-Q.VINTlNAVXOR.'J'SALVTARlI
VICTORINAVICTOKINVS
V I C T O R'FIL I
F ' C
1:22
Vitalinio Salutari, eq{uiti) leg{ioms) XXII pr[imigeniae\ Q{uintinia ?)
Quintina uxor et Salutarii Victorina , Victorinus , Victor fili /(aeiendum)
e(uraverunt).
— 44 —
Dem Vitalinius Salutaris, Reiter der zweiundzwanzigsten Legion, der
erstgeworbenen, haben seine Gattin Q(aintinia ?) Qaintina und seine Kinder
Salutaria Victorina, Salutarius Yictorinus und Salutarius Victor (diesen
Sarg) machen lassen.
Z. 1 a. E. stand entweder bloss PR (primigeniae) , wie oben an-
genommen, oder die letzte Senkrechte ist zu P zu ergänzen, dem dann
wohl ein kleines F untergeschrieben war {primig eniae piae ßdelis). —
Z. 2 a. A. ist Q. wahrscheinlich Abkürzung des Geschlechtsnamens, denn
Q{uae8tori) ist nach equiti nicht gut möglich. — Die Inschrift bietet einen
hübschen Beleg für die eigentümliche Namenbildung, dass Kinder (und
Freigelassene) ein nach dem Cognomen des Vaters (oder Patrons) gebildetes
Gentile haben. Dabei sind die Cognomina aller Geschwister, wie das oft
der Fall ist, von einem Stamm gebildet. — Der Sarg stammt wohl ans
dem dritten Jahrhundert n. Chr., um dessen Mitte die Brandgräber durch
Skelettgräber verdrängt werden. Der letzte datierte Stein, auf dem die
22. Legion vorkommt, ist der Annianus-Stein (vergl. Nr. 1) v. J. 242; über-
haupt erwähnt wird sie zuletzt auf einer Münze des Caransius (287 — 293)
(vergl. Cohen, 149). Freilich stand sie wohl bis zum Ende der Römer-
herrschaft in Mainz, aber die sorgfältige Arbeit spricht gegen das vierte
Jahrhundert.
Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 291.
54. Grabstein des Kärtners Catulus, gefunden am 30. April
1895 beim Bau des Hauses Petersstrasse Nr. 8. Kalkstein.
H. 68 (an der vorderen Fläche nur 58), Br. 70, D. 50 cm. Der
Oberteil fehlt.
-^v^^^^^,^^ — -^,^ .... Catulus^ VirunOj mt7(efi) leg{ioni8) XXI[1'^
(J/\| V L V !V\v pr(imigeniae)f anfnorum) i/F, 8Hp(endlorum)
W j D W |\J (^^)-vj| j ^^^f h(ic) 8{ittL8) e{8t) : h{ere8) /{(iciendum)
PQ^M^A\KTH. * ■ " ^**^^"^ ^^ Virunum (j. Zollfeld bei
I K'AlM'LV'N I 1|I|. Klagenfurt in Kärnten), Soldat der zweiund-
aXXtiSl'Ht'CIII zwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, 55
Jahre alt, 30 im Dienste, liegt hier begraben.
1*20
Sein Erbe liess (ihm diesen Grabstein) fertigen.
Z. 1 ist von dem Querstriche des T nur noch der rechte Apex schwach
sichtbar; ebenso ist Z. 4 das mit P gebundene I in dem Worte STIP
nicht mehr sehr deutlich, aber doch wohl sicher.
Der Stein stammt aus den Jahren 43—70, wo die 22. Legion zam
ersten Male in Mainz stand ; darauf fuhrt der Umstand , dass die Legion
nur primigeriia, nicht auch ^na ßdelis heisst (s. z. Nr. 51) in Verbindung
mit der Anwendung der Formel H • S • E, die auf rheinischen Denkmälern
nur im ersten Jahrhundert vorkommt.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 84.
55. Bruchstück von dem Grabstein eines Unbekannten. Alter
Bestand. Kalkstein. H. 25, Br. 27, D. 8 cm.
45
"m.
:il 'PRl
IIKT
Aus der zweiten und dritten Zeile ergibt sich,
dass nnser Bruchstück von dem Grabstein eines
Soldaten der zweiandzwanzigsten Legion stammt.
In der ersten Zeile würde man also die Formel
MIL(c«) [LEG(ionw)] erwarten. Aber die Buch-
stabengruppe MI ist von dem folgenden L soweit
getrennt, dass beide schwerlich zu einem Wort ge-
hört haben können, auch ist in dem Bruchrand
noch deutlich der trennende Funkt erkennbar. Man
wird also wohl annehmen müssen, dass der Stein-
metz (vielleicht aus Versehen) MI statt MIL ein-
Die vorausgehende Bucbstabengruppe LI' gehörte dann zur
Am Ende der Z. 2 lassen die erhaltenen Spuren
1:10
gehauen hat.
Heimatsbezeichnung.
darauf schliessen, dass auf FBl{migenla) sogleich mit AN{norum) die Alters-
angäbe folgte, nicht etwa weitere Legionsbeinamen. — Z. 4 gehören die
Buchstaben P (od. B od. R) OTT wohl zum Namen des Mannes, der den
Stein gesetzt; auffallend ist jedoch der weite Zwischenraum zwischen
und T. — Zu lesen wäre also mit Berücksichtigung des bei der Ergänzung
der ersten und zweiten Zeile sich ergebenden Raumes : . . . LI- MI(les)
L[EG(ionü) X\XIl PRI{migemae) [ANlnorum) XX] VIII' ST[I{pendiorum)
r//?] .... — Da die Legion nur den Beinamen primigenia führt, so
dürfte der Stein wohl während der Zeit ihres ersten Aufenthaltes in
Mainz (43 — 70) gesetzt sein; sicher ist dies nicht.
e. Soldaten der Hilfstruppen.
56. Grabstein des C. Julius Hastaius (von der ersten Cohorte
der Bogenschützen) und der Amoena, gefunden im Februar 1891
zu Bingen. Geschenk des Herrn Dr. P. Puricelli. Bräunlicher
Sandstein. H. (von der ünterkante der Inschrift an) 128, Br. 69,
D. 23 cm. In dem runden Abschlussbogen eine grössere und
zwei kleinere Rosetten.
C{aiu8) Julius Hastaius^ c(o)hor(ti8) 8agi{ttari-
orum) mi8(8)iciu8 (et) Amoena l{iberta) h{ic) 8(iti)
8(unt).
Gajus JuUus Hastaius, veraUschiedeter Soldat
der Cohorte der Bogenschützen, nnd die Frei-
gelassene Amöna sind hier begrahen.
Die cohor8 I sagittariorum (deren Nummer
hier weggelassen ist) ist noch aus drei weiteren
zu Bingen oder Bingerbrück gefundenen Grab-
steinen bekannt (Bramb. 738 und 739, Korrbl.
d. W. Z. XVI, Sp. 36). Sie scheint aus Orientalen
bestanden zu haben. — Z. 4 misicius für
missicius. Zu dem Asyndeton Z. 4 und 5 vergl.
z. B. Bramb. 737. — Die Schlussforrael H ' S * S
lässt auf das erste Jahrhundert n. Chr. schliessen ;
damit stimmt auch die Abkürzung SAGI,
welche mit dem Ende statt mit dem Anfang
der Silbe abbricht. Gerade auf den ältesten
Inschriften der Eheinlande finden sich hiervon
zahlreiche Beispiele.
Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 300
f
ASTAIV5
(BQßiSACI
AAISICIV5I
AMOI
AL HS'S
■ jtMjkUüa ai iw
1:20
— 46 —
57. Grabstein des Dataurters Beasas Tvea der vierten Cohorte
der Daimater;. gefunden im Mai 1S62 oberhalb des englischen
Hofes Tor dem Draisthor in Bingen : 6es€h«ik des Herrn Wein-
händlers Sander in Bingen i23. Aog. 1895). Kalkstein. H. 61,
Br. Gl, D. 15 cm. In dem Giebel über der Inschrift eine grössere
und zwei kleinere Rosetten: auf beiden Seiten desselben je ein
nach unten schauender Delphin, eine Kose mid drei als Akanthus-
ranken gebildete Äkroterien.
Beu»a4^ Sutt\ßilius\, Delmai{a), nnl{es) coh{ort%»)
IUI [Dtlmat]aruMi
Bensas, des Sattos Sohn, aus Dalmatien, Soldat
der rierten Cohorte der Dalmater
ßEVSAS^Wr
I j TIFDELMAT
Delmata, andere Schreibweise für Dalmata.
Z. 4 a. E- sind noch die Köpfe der vier letzten
Bachstaben des Wortes D£LMATAB(tim) erhalten.
— Dass die vierte Cohorte der Dahnater in der
Gegend von Bingen stand, ist aach noch dordi
zwei andere in Bingerbräck gefandene Grabsteine
(Bramb. 741 a. 742) bezengt. — Die Verzierang
ntben dem Giebel lässt aaf das erste Jahrhundert
n. Chr. schliessen, and zwar auf die Zeit vor 74, da in den Militärdiplomen
der nächsten 60 Jahre zwar die dritte nnd fanfte, nicht aber die vierte
Dalmater-Cohorte vorkommt.
Vergl. Bramb. C. J. Rh. 869. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV. Sp. 8.
1:20.
58. Bruchstück von dem Grabstein eines Soldaten einer
Thracier-Cohorte. Alter Bestand. Kalkstein. H. 37, Br. 28,
D. 19 cm.
Aas Z. 1 ersieht man, dass der Verstorbene
einer Thraciercohorte angehörte, welcher,
ist ungewiss, zumal über die Herkanft des
Steines nichts bekannt ist; in Betracht
kommt die erste, vierte und sechste. — Nach
Z. 2 betrag seine Dienstzeit 13 Jahre. —
Nach Z. 3, wo a. A. noch Reste der drei
letzten Ruchstaben des Wortes Acre» sicht-
bar sind, liess ihm sein Erbe den Grabstein
setzen.
mpxiiL
1:15
59. Grabstein eines Reiters einer spanischen Ala (Schwadron),
gefunden am 26. April 1896 bei Eanalbauten in der grossen
Eninieransstrasse gegenüber dem Haus Nr. 25. Kalkstein. H: 150,
Br. 87, I). 30 cm. 75 cm der Höhe sind roh zubehauen; auf
die Inschriftfläche kommen nur 25 cm. Mit dem Anfang der
Inschrift ist auch die sicherlich darüber befindliche Beiter-
darstellung verloren. Rechts ist noch etwas von einer säulen-
artigen Verzierung übrig.
— 47 —
. . . eques [a\la{e) Eispanorum [st]up(en'
diorum) XXII a'n[n)o(rum) XLV hi(c)
Situs est,
. . Reiter der spanischen Ala (Schwad-
ron), 22 Jahre im Dienst, 45 alt, liegt
hier begrahen.
1-15 Z. 1 sind vor EQVES noch Buch-
stabenreste erhalten (A mit vorausgehender und folgender Senkrechte),
die wohl zum Namen der Heiraath gehörten. — Dieselbe Ala ist auch auf
zwei Wormser Steinen genannt (Weckerling, die römische Abteilung des
Paulusmuseums, S. 60 if.), sowie auf einem in Mainz gefundenen, der jetzt
in Mannheim steht (Hang, die römischen Denksteine des Grossherzoglichen
Antiquariums in Mannheim, S. 36). — Z. 2 [A]LA für ALAE. — Z. 3
[ST]VP = STIP. — ANO- und Z. 4 HI- seltene Abkürzungen für AN- und
H; bei ersterem ist noch das Fehlen eines N zu bemerken. — Nach der
Schlussformel stammt der Stein aus dem ersten Jahrhundert und zwar
vermutlich aus der ersten Hälfte desselben,, da eine ala Hispanorum in
keinem der 5 erhaltenen, aus den Jahren 74 — 134 stammenden Militär-
diplomen genannt ist.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 162.
60. Grabmal des Betasiers Annauso von der zweiten flavischen
Ala (Schwadron), gefunden im 17. Jahrhundert im Vorhause der
alten Peterskirche und später beim Bau des Minoritenklosters
verwendet. Kalkstein. H. 128, Br. 75, D. 13 cm.
Der Grabstein ist offenbar, wie die bis auf Einzelheiten sich er-
streckende Ähnlichkeit beweist, in derselben Werkstätte gearbeitet worden,
wie der viel besser erhaltene des C. Romanius Capito (Becker, Nr. 224;
oftmals abgebildet, z. B. Lindenschmit , Altert, unserer heidn. Vorz. III.
VIII. 4; derselbe, Tracht und Bewaffnung des römischen Heeres, VII, 3,
beidemal mit eingehender Beschreibung). Üeber der Inschrift befindet sich
in einer Nische unter einem mit Blattwerk verzierten Bogen die Dar-
stellung des vollständig bewaffneten, bärtigen Reiters, der sein Pferd über
einen besiegten Feind hinwegsprengen lässt. Den Kopf bedeckt ein Helm
mit Stirnschild und Nackenschirm ; in der Helmhaube ist zur Verstärkung
ihrer Widerstandsfähigkeit die Nachbildung von Haarlocken ausgehämmert.
Der Lederpanzer ist an seinem unteren Rande geschlitzt und mit breiten,
nach innen aufgerollten Achselplatten versehen, welche durch eine Spange
zusammengehalten werden; er reicht bis zum Oberschenkel. Von etwa
vorhanden gewesenen Hosen ist nichts mehr sichtbar. Der Fuss ist ab-
gebrochen. Der Reiter schwingt mit der Rechten die Wurflanze, in der
Linken führt er einen verhältnissmässig sehr langen sechseckigen, mit
einem starken Metallrand beschlagenen Schild. Am Gürtel hängt auf der
rechten Seite das lange Reiterschwert, an dessen Griff der grosse Knauf
bemerkenswert ist. Drei runde, mit concentrischen Kreisen verzierte
Schmuckplatten sind am Riemenzeug des Pferdes sichtbar. Am Sattel
fällt das stark aufstrebende Rückende des Sitzes auf. Links im Hinter-
grund steht ein Sklave, der zum Unterschied von dem auf dem Romanius-
Stein dargestellten keine Waffen trägt. Er scheint mit Hosen und mit
dem Sagum, dem gallischen weiten Ärmelmantel (vergl. Hcttner, Westd.
Zeitschr. II. 11) bekleidet zu sein; am Hals wird der breite Saum des
im Rücken hängenden Cucullus (Kapuze) sichtbar. Der am Boden liegende
Feind — natürlich ist an einen Germanen zu denken — hält in der Linken
einen ebenfalls länglich-sechseckigen, aber viel kürzeren Schild, bei welchem
der auf gallischen Schilden häufige Grat deutlich hervortritt. In der
Rechten hat er ein nach unten gekehrtes Schwert oder Messer, von welchem
nur der Knauf sichtbar ist.
— 48
f ;~
A^^^^/sosoA:
VONISf CIVES
.BETAStv '"
1:13
i* «f(iio) «Ice] // J'torta[e
des SedATO Sohn,
der Bekaaier - Gemeinde
.BceCz m BnlNUitX ehemaliger
S<Mat der iweitea flamehen Ak,
der dofpdtcB, li^ hier hegrahen.
Z. 1 b^gnat das O, da es kleiner
Kt als die aadenn Bachstahen,
SewiBB kein aeiies Wort, wie
Becker meinte; sMidefn gchöft lam Torhergeheadca. Der Puikt dahinter
iit aUerüngs iveifelhaft — Mit dem XamcB Sedmwo ist zu rergleichen
ff^dmur^y anf einer KohKT and das daron abgleitete Haldmuoaniu» auf
einer Bonner Inschrift (s. Zaag«»eiiln; Westd. Zeitschr. XI. 273). —
Ciret in Germanien and Gallien sehr banfig for dria — Der Z. 3 hinter
BETASI deatlieb sidithare Pankt ist so iladi eü^c^anen, dass man an-
nehmen darf, er beniht aaf einem frib bemokten Ycndien. — Bei den
Tnippenahteihmgen, veldie aas Xiehtbärgem bestehen, wird die politische
Heimat dnrdigänging darcb das Ethnicam beiädmet (Mommsen,
Hermes, XII, 25).
Die ala II Flarim ^fmmm kommt nar aaf den bdden fr&hesten
Militir-Diplomen Tor, die wir Ton den Hil£atiiippcn Oberipermaniens be-
sitzen, anf denjenigen xon 74 and 83; sdwn im Jahre 90 scheint sie
nicht mehr hier gewesa sein, sie ist also anter den FlaTiorn gekommen
and anch gegangen. Dadorch ist die Zeit des Steines genfigmid bestimmt.
Ergininng und Eiklirang nach Mittdling Gandermanns und
Zangemeisters.
YergL Becker, röuL Inschr. t. Mainz, Kr. 221.
f. Grabsteine von Soldaten unbekannter
Zugehörigkeit
61. Grabstein eines Unbekannten. Alter Bestand. Kalkstein.
H. 92, Br. 33, D. 19 cm.
Die Bnchstabenreste der ersten Zeile gehören wohl
xnm Namen : C{aitu) C . . . Z. 2 folgt die Angabe
des Börgerrerbandes (Tribos): es war der pnblilische;
der Heimatsname scheint mit A begonnen sn haben.
Die L^on, der der Verstorbene ang^drte, ist weg-
gefaUen, ebenso der grösste Teil der Xltersbeaeichnnng.
Aaf die Formel T * F - 1 * = tutawkento ßeri iusnt folgte
der Name desjenigen, der gemäss der testamentarischen
Verfügung des Verstorbenen den Stein setzen Uess.
Der letzte Buchstabe scheint ein D gewesen tu sein.
iPVBi
Mit
1:15
62. Bruchstuck von dem Grabstein des Asper. Alter Bestand.
Unförmlicher Steinklotz. U. und Br. der Schriftflftche 22 und
— 49 —
^.^ 32, D. 22 cm. Über der Inschrift undeut-
S?K^^'\ liehe Teile der Bekrönung des Steines.
^^fl Z. 1 ist vor dem Cognomen Asper noch das Ende
eines V mit dahinter stehendem Punkt sichtbar. —
Z. 2 scheint die Tribus VolHnia genannt zu sein;
Asper war also römischer Bürger und höchstwahr-
scheinlich — wenn man die Verhältnisse des römischen
Mainz in Betracht zieht — Legionssoldat.
1:15
63. Grabstein eines Unbekannten, bildete im Kreuzgang der
Stephanskirche einen Teil des Bodenbelags; von den Herren 0.
Winterhelt aus Miltenberg und P. Th. Kessler aus Mainz entdeckt,
wurde er als Geschenk des Herrn Pfarrers Körner am 10. Juli 1895
ins Museum verbracht. Leider sind von den vier Stücken, in
die er zerschlagen war, nur drei aufgefunden worden, und zwar
in sehr beschädigtem Zustand: die drei ersten Zeilen sind mit
grosser Gründlichkeit ausgemeiselt und an den Spaltungskanten
ist jedesmal der Raum von etwa einer Zeile verloren gegangen. —
Sandstein. Die Bruchstücke sind 17 cm dick und haben folgende
Grösse: a) H. 43, Br. 34 cm; b) H. 70 (den inschriftlosen unteren
Teil gibt die Nachbildung nicht ganz wieder), Br. 36 cm;
c) H. 52, Br. 35 cm.
. . . o{enturia) Clau(dt)
[S]ecund{f [an{norum)
• • • I st]i(pendiortim)
trium h(ic) 8{itU9) e{8t):
heredes [f]ece(runt) et
vi{ator) dic{at) , sit
t[ibi terra levis].
, . . aus der Centarie
des Claudias Secun-
dus , . . . Jahre alt,
3 im Dienst, liegt
hier begraben. Seine
Erben Hessen (ihm
diesen Denkstein)
setzen und der
Wanderer sage : möge
die Erde ihm leicht
sein.
Z. 1 ist mit Sicher-
heit nur noch ein A
und ein K zu erkennen; Z. 3 a. E. steht eine zur Legionsbezeichnung
gehörige I. — Die Formel H • S • E weist auf das erste Jahrh. n. Chr.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 181.
50
g. Privatleute, Frauen und Kinder.
64. Grabstein des Gamuxperus^ gefunden am 18. April 1895
beim Bau des Hauses Petersstrasse Nr. 8. Kalkstein. H. und
Br. 58, D 11 cm.
I){is) M[anibu8). Gamuxpero, Andangi
{filio)f Titus filius fac(iendem) cur(avit).
Den Manen (Schattengöttem). Dem
Gamuxperas, dem Sohn des Andangns, bat
sein Sohn Titus (diesen Grabstein) setzen
lassen.
IP
D ' M
GAMVXP3lo|
ANQANGI
TI T V S
Fl LIV S
FAC' CVRI
Also Vater und Grossvater haben noch
barbarische, der Enkel bereits einen rö-
mischen Namen.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XI7,
Sp. 83.
1:16.
65. Grabdenkmal des Q. Voltius Viator, gefunden Mitte Juni
1888 bei Erweiterung der „Neuen Anlage". Er war zuletzt als
Deckel eines Steinsargs verwandt, in welchem eine mit Gyps
übergossene Leiche lag. Weisslicher Kalkstein. H. 275, Br. 75,
D. 30 cm. Von der Höhe kommen 80 cm auf den roh ge-
lassenen Sockel, der zum Einstecken in den Boden bestimmt
war; dann folgt nach einem glatt bearbeiteten Stück das 51 cm
hohe, etwas eingetiefte Inschriftfeld, von kräftigen Profilen um-
rahmt ; darauf ein 88 cm hohes gleichfalls eingetieftes Skulptur-
feld mit der Darstellung des Verstorbenen; zuletzt eine 35 cm
hohe flache Nische mit sitzender sphinxartiger Figur. Das Ganze
schliesst giebelförmig ab, an den Ecken streben aufrecht stehende
Ohren empor, die mit je drei Ranken verziert sind.
Eigentümlich ist die Skulptur-Darstellung des Verstorbenen. In der
Mitte steht der Jüngling in Tunica und Faenala zwischen seinen zwei
Pferden oder Maultieren; dabei stützt er auf den Bug des vorderen die
Rechte, mit welcher er die Zügel beider Tiere hält, während er mit der
langgestreckten Linken die Gerte zum Treiben gefasst hat. In kindlich-
naiver Weise hat der Steinmetz die Perspektive zu ersetzen und alle drei
Gestalten zur Anschauung zu bringen gesucht. Der Körper des Jünglings
ist in zwei Hälften zerschnitten, von denen die eine über dem Bücken, die
andere unter dem Bauch des vorderen Tieres sichtbar wird (noch dazu
seitlich etwas verschoben) : es sollte eben nichts verdeckt werden. Natürlich
erscheint die Gestalt dadurch übermenschlich lang. Dieser Eindruck wird
noch dadurch erhöht, dass die Tiere nicht auf gleicher Fläche, wie der
Jüngling, sondern mit Vorder- und Hinterbeinen auf je einem kubischen
Sockel stehen, das hintere steht — namentlich mit dem Hinterleib —
noch höher. Wir werden in dem sechzehnjährigen Jüngling mit seinen
zwei Tieren wohl einen jungen Bauernsohn oder auch einen jugendUehen
Pferdehändler zu erkennen haben, den der Steinmetz nach römischer Sitte
80 dargestellt hat, wie er im Leben zu erscheinen pflegte. Das Belief ist
flach eingehauen und macht auf künstlerischen Wert keinerlei Anspruch.
51
loyoLTivsci
H • ^, '. E ;!
MATER- ETPATERi-
mO'PIETATroS^/.l
1:15
Vergl. Keller, Korrbl. d. W.
Zeitschr. YIII, Tafel 11.
Q(uintus) Voltius, Q(uintt) f{üiu8),
Viator, an(norum) XVI, h{ie) 8{itui)
e(st): mater et pater pro pietat(e)
posuere.
Qaintus Yoltius Viator, des Quintus
Sohn, 16 Jahre alt, liegt hier begraben.
Seine Mutter und sein Vater haben
ihm aus Liebe (diesen Stein) gesetzt.
Z. 1 steht F zum Teil auf der Rand-
leiste. — Die Formel hie situs est
weist auf das erste Jahrhundert n. Chr.
Z. Vm, Sp. 214; abgebildet Westd.
66. Bruchstück von dem Steinsarg des Vind(ius?), gefunden
im Juli 1897 bei Kanalisirung der Frühlingsstrasse in Kastei.
Geschenk der Bürgermeisterei
Ti VI
DI V S P R 1
I I-PRPFß-FTR'ß\
C I NVSF RA
1:1B.
Kastei. Roter Sandstein. H. 42,
Br. 75, D. 12 cm.
Da die römischen Steinsärge
bis zu 2,25 m lang sind, so können
links gegen 1,60 m fehlen. Be-
rücksichtigt man dies und den
Umstand, dass nach Z. 4 von Ge-
schwistern die Rede ist, deren
Cognomina oftmals miteinander
und mit denjenigen des Vaters
verwandt sind, so dürfte folgende
Ergänzung möglich erscheinen:
[D{is) M(anibu8) et perpet(uae) 8ecuri]tati Vindt[ Vin]diu8 [Priscianus
mU{e8 legiionU) X[XII pr{imigeniae) p(iae) /(idelis), h{ene)f(lciariti8) tri-
b{unt) et Vindi Priscus et Prücinus, fra\ter et fratri8 fil\l heredes /(acien-
dum) c{uraverunt).
Den Manen und der ewigen Euhe des Vindius . . . haben sein
Bruder Vindius Priscianus, Soldat der zweiund zwanzigsten Legion, Bene-
ficiarns (Bureaubeamter) eines Tribunen und Priscus Vindius und Priscinus
Vindius, seine Neffen, als Erben (diesen Sarg; machen lassen.
Auffallend ist bei dieser zum Teil auf Mitteilungen Zangemeisters be-
ruhenden Ergänzung, dass Z. 1 hinter der Buchstabenß^ruppe TATI kein
Punkt steht oder gestanden hat. — Das Gentile ist aus Z. 1 und 2 com-
biniert; es ist auch sonst nicht selten. — Der Sarg stammt vermutlich
aus dem dritten Jahrhundert (s. z. Nr. 53).
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVI, Sp. 33.
67. Steinsarg eines Registrators, gefunden im Sommer 1888
auf dem römischen Friedhof in der „Neuen Anlage". Gelblicher
Sandstein. H. 59, L. 143, T. 75, Wandstärke 15 cm. Der
Sarkophag wurde als Bruchstück (links fehlt etwa die Hälfte der
Inschrift) und leer gefunden. Die Mitte ist durch einen roh ein-
gehanenen Palmzweig gekennzeichnet.
/RTtabvlamoj
a-conivx/^m^
clafiuae-ether *2^'>w
..] imlmlmrio
. .1^ eomimi^ Aur
r DemBegistntor...
1:30 bmbcB leiiie Gatkm
... da and seine Töchter nad Erbinneii Aiirriia(?) . . . md Anrdia (?)... roda
(diesen Sarg) machen liwn.
Der Friedhof in der Anlage geht^rte der biigeriicheD Berölkemng
des römischen Mainz an. — Der Sark<^hag stammt etwa ans dem dritten
Jahihnndert (s. z. Nr. 53).
Vergl. Keller, KorrbL d, W. Z. Tm, Sp. 170.
Stein. H. 24, Br
KBVENßr
1:10
68. Bruchstück von den Grabstein eines Freigelassenen, ge-
fanden am 4. April 1897 beim Abbrach des Nenthores. Ealk-
11 cm.
Beddere pa\trimo cum\
Munera facta [ro/e^«i],
Pereeni in teneb\ras\
D'Uuq{ue) ad Tartara [praeceps]
Et luce ereptus tris[ti8]
[Per funera mortis].
Als ich meinem Beschützer die erwiesenen
Wohlthaten vergelten wollte, sank ich jäh-
lings ins Dunkel hinab und in des Pinto Unterwelt nnd, dem Lichte ent-
rissen, ins Grab des finsteren Todes.
Z. 1 sind noch Buchstabenrestc vorhanden, die der Entziffemng
einstweilen noch harren. — Z. 4 a. E. ist im Bruch die Senkrechte des
B erhalten. — Z. 6 luce für litci; a. E. wird noch der Fuss eines S sicht-
bar. — Über die Zeit der Inschrift wage ich kein Urteil abzugeben.
Vergl. Lindenschmit, Westd. Zeitschr. XIII, 300 (wo nach einem
Vorschlage Zangemeisters Zeilen 2 und 3 als Pentameter ergänzt sind:
redt lere patrono munera facta mihi) und Bücheler und Eiese, Antol. lat.
II, H4(), Nr. 1828.
69 u. 70. Steinsarg der Attiania Ursa mit Deckel von dem
Steinsarg des L. Peregrinius Justinus, gefunden im 20. Juni 1888
beim Bau eines Fabrikgebäudes in der Bheinallee. Geschenk
dos Hauherrn, Herrn Geh. Kommerzienrats Keuleaux. Eoter
Sandstein. H. 68 (mit Deckel 105), L. 225, Br. 68, Wand-
stärke 21 cm. Der Deckel gehörte nach Ausweis der iDSchrift
ursprünglich zu einem anderen Sarg. Dieser Umstand, sowie
die gute Erhaltung der in dem Sarkophag aufgefundenen Gerippe
und der Mangel jeglicher Beigabe beweisen, dass der letzte
Inhaber bereits einer spateren, christlichen Zeit angehört hat.
— 53 —
Der Deckel hat an den Ecken vier oben abgerundete viereckige
Aufsätze. Der Sarg zeigt neben der Inschrift eine sehr flach
gehaltene Verzierung
ATTIAN lAEVKSAEDOMlTlVS SAL
VIANVSCON IVNXCTDOM ITI I
VKSVSETSALVlAn LI I F C ^
1:22.
I>(is) M{anibu8). L(ucio) Peregrinio Justino^ fi^io, Solid . . .
Attianiae Ursete Domitius Salvianus conjunx et Domitii Ursus et
Salvia filii /(aciendum) c(uraverunt).
Den Manen (Schattengöttern). Seinem Sohne Lucius Peregrinius
Jastinus hat Soliti .... (diesen Sarg machen lassen).
Der Attiania Ursa haben ihr Gemahl Domitius Salvianus und ihre
Kinder Domitius Ursus and Domitia Salvia (diesen Sarg machen lassen).
Der Vater des L. Peregrinius Justinus hiess vielleicht L. Solitius
Peregrinus (vergl. Hettner, röm. Steindenkm., S. 92, o.).
Von den auf dem Sarg genannten Kindern fuhrt der Sohn ein von
dem Gentile der Mutter, die Tochter ein von dem Gentile des Vaters ge-
bildetes Cognomen. Der Sarg stammt wohl aus dem dritten Jahrhundert
D. Chr. (s. z. Nr. 53).
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 81.
71. Grabstein des L. Cominius Pollentinus, gefunden im Anfang
des Jahres 1890 an der Mainzerstrasse zu Bingen beim Bau des
Hauses Nr. 20/21. Sandstein. H. 92, Br. 78, D. 23 cm.
L{ucitLs) Cominius^ Q{uinti)f{iliu8)^ Pollen-
1:16
tinu8 h{ic) 8(itu8) e(8t) et Cominiae^ Sp{uri)
f(iliae)f Secundae.
Lucius Cominius Pollentinus, des Quintus
Sohn, liegt hier begraben, und der Cominia
Secanda, der Tochter des Spurius, (hat man
diesen Stein setzen lassen?).
Z. 1 a. A. ist von L nur ein Teil der
Wagrechten erhalten. — Z. 2 a. E. ist der
Querstrich des T nur schwach an dem N zu
erkennen ; Pollentinus ist wohl als Cognomen
aufzufassen, abgeleitet von dem Namen
einer der drei Städte Pollentia. — Z. 3 der
— 54 —
Apex über Y ist wohl unbeabsichtigt, aber alt. — Z. 5 nnd 6 liegt
Constraktions-Wechsel vor, eine Nachlässigkeit, die mit der Schrift im
Einklang steht; die zwei E am Ende beider Zeilen bestehen z. B. ans
blossen Senkrechten. — Nach der Formel hie situ« est ist der Stein dem
ersten Jahrhundert zuzuweisen.
Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 208.
72. Steinsarg der Attillia Runa, gefunden am 20. Juni 1888
beim Bau eines Fabrikgebäudes in der Bheinallee. Geschenk
des Bauherrn, Herrn Geh. Commerzienrat Beuleaux. Grauer
Sandstein. H. 68 (mit Deckel : 96), L. 225, Br. 85, Wand-
stärke 12 cm. Der Deckel ist oben dachförmig erhöht mit
giebelartigen Aufsätzen in der Mitte und würfelförmigen an den
vier Ecken.
cx
"^' ~'m
ATTfLLIAERVNAE-MATRI'RESPECri VS
S E RVANDVS'M ILPECVAR'LEGX)<IITRES'
FECTIVSRE RESPECTlNVSFlLlJ^y
ANDIAMAXIMINAJSERVANDIVS
SEN/ERI NVSNEROTESF-C
1:22
2>(w) M{anihuis). Attilliae Bunae mairi Bespectitis Servandus^ mil{e8)
pecuar{itis) leg^ionis) XXII et Bespectius Bespectinus fili et Servandia
Maximina et Servandius Severinus nepotes /(aciendum) c{uraverunt).
Den Manen (Schattengöttem). Ihrer Mutter Attillia Bona haben
ihre Söhne Kespectius Servandus, Tierarzt (?) der zweiondcwanzigsten
Legion, und Kespectius Eespectinns, sowie ihre Enkelkinder Servandia
Maximina und Servandius Severinus (diesen Sarg) machen lassen.
Z. 1 D • M • auf dem Deckel. — Z. 4 Doppelschreihang der Silbe
R E ; sie konnte nicht durch Zustreichen spurlos heseitigt werden, wie Z. 6
die ebenfalls aus Versehen eingehauene Senkrechte hinter SE; statt des
P derselben Zeile scheint der Steinmetz ursprünglich ein B hahen ein-
meiseln wollen. — Ein miles pecuarius wird nur selten erwähnt ; Marquardt-
Mau (S. 466) erklärt ihn für den Aufseher über die Viehherden, v.
Domaszewski (W. Z. XIV, 87) für den Tierarzt, für welchen es eine andere
Bezeichnung nicht gäbe. — Das Gentile der Enkel ist aus dem Cognomen
ihres Vaters gebildet (s. z. Nr. 53).
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 82.
73. Steinsarg der Lucania Victorina, gefunden beim Neubau
des katholischen Pfarrhauses in Nierstein. Er stand seitdem im
dortigen Pfarrhof und wurde am 26. Oktober 1893 von dem
katholischen Kirchenvorstande dem Verein übergeben. Boter
Sandstein. H. 70, L. 210, Br. 87, Wandstärke 12,5 cm. Rück-
seite beschädigt.
— 55 —
MEMORIAEAETERNITATISLVCANIAE-
victorinaeconivgipvdicissima'e'
adqve<:astissimaepervincivsro*
mvlvsbfcosmaritvsjromanvsfLVs
..obinmensvrabilempietate/vieivs
1:22
Memoriae aeternitatis Lucaniae Victorinae coniugi pudiclssimae adqus
eastissimae Pervinciits Bomulus b{ene)f{iciariu8) co(n)8(ulari8) maritus et
Romamts filivs oh inmensurabilem pietatem eius.
Zum ewigen Gedächtnis! Seiner sittsamen und ehrbaren Gemahlin
Lucania Victorina (liess) ihr Gatte Pervincius Eomulus, Beneficiarius (Bureau-
Beamter) des Statthalters, und ihr Sohn Bomanus (dies Grab bereiten) aus
massloser Liebe zu ihr.
Z. 3 adque für atque.
Vergl. Bramb. C. I. Rh. Nr. 920.
74. Steinsarg der Marcellinia Marcella, gefunden am 22. Mai
1842 in der Nähe von Klein- Winternheim. Seitdem stand er,
als Brunnentrog dienend, im Pfarrhof und nachher auf der
Strasse. Am 7. September 1895 wurde er von dem Verein
gegen einen neuen Steintrog eingetauscht. Koter Sandstein. H. 71,
L. 225, Br. 98, Wandstärke 12,5 cm. Schon bei der Auffindung
war die sehr flach in den rauhen Stein eingehauene Schrift
schwer zu lesen; der Deckel zerfiel in mehrere Stücke. Den
Inhalt bildeten wenige Knochenreste, Spuren von Kalk und ein
Gläschen.
i! / • 1 CTISSI MAEET'DVLCISSLVU; SMWOfA
Ic7^/;yi-IV5SV-EIVS^IVbPATERNI NVS'DFCA I..\ 2
Y ^-' Ol ANABCOr^J : VGM N CC M PA R ARLi F C
1:22
Marcelliniae Marcellae coniugi dilectlssimae et dulcissimae sarcofagum
iuHSU eiu8 Julius Paterninus, dec{urio) alae Tndianae coniugi incomparabili
/(aciendum) c(uravit).
Seinem geliebten, süssen Weibe, seiner unvergleichlichen Gemahlin
Marcellinia Marcella hat auf ihr Geheiss Julius Paterninus, Decurio
(Befehlshaber von 10 oder auch 30 Reitern) der Ala Indiana diesen Steinsarg
machen lassen.
Von manchen Buchstaben sind nur noch schwache Spuren sichtbar,
namentlich in der Mitte und am Ende der ersten, sowie am Anfange der
zweiten Zeile. — Auffallend ist die Doppelsetzung des Wortes coniugi Z. 1
und 4. -— Die ala Indiania stand (nach Ritterling, W. Z. XII, 211) in der
ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts in Obergermanien, nachdem sie
dann eine Zeitlang dem brittanischen und dem niedergermanischen Heere
angehört, kehrte sie etwa in der hadrianischen Zeit nach Obergermaniea
zurück. Ihr Name ist von demjenigen ihres ehemaligen Befehlshabers
(dem Tac. ann. III, 42 genannten Julius Indus?) abgeleitet. Sie heisst
auf dem von Zangemeister im Limesblatte, Sp. 68 veröffentlichten Militär-
Diplom aus Neckarburken ala Indiana Gallorum. — Unser Sarg gehört
wohl erst dem dritten Jahrhundert n. Chr. an (s. z. Nr. 53).
Vergl. Klein, Zeitschr. d. Mainzer Altertumsvereins, I, 497. —
Bramb. C. I. Rh. 924. — Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 95.
75. Vorderseite des Steinsarges der Mogetia Quintina, gefunden
im Juni 1888 beim Bau eines Fabrikgebäudes in der Kheinallee.
Geschenk des Bauherrn, Herrn Geh. Kommerzienrats Reuleaux.
Roter Sandstein. H. 50, L. 205, D. 12 cm. Der Deckel war
bei der Auffindung nicht mehr vorhanden ; wegen der Schwierig-
keit, den Sarg ganz zu heben, wurde die Vorderseite abgesprengt;
die Beschädigung dieser hat bereits früher stattgefunden.
SANCTlSSI'QVlNTINfVSf RVEN
LIBEKTVST'HERES^PATRONE-O
INSEPIET-ET^REVEI\ENTIAE
N DVSI
3PTIMJ
FC I
1:22
Mogetiae Quintinae matronae sanctissimae Quintinius Fruendus lihertus
et Tieres patron{a)e optim(ae) in se piet^atis) et reverentiae /{aciendum)
c(uravit).
Der ehrwürdigen Frau Mogetia Quintina, einer Beschützerin von
ausgezeichneter Liebe und Eücksichtnahme gegen ihn, hat ihr Freigelassener
und Erbe Quintinius Fruendus (diesen Sarg) machen lassen.
Z. 1 sind nur noch die Fasse der einzelnen Buchstaben erhalten,
die jedoch eine ganz sichere Ergänzung möglich machen. — Das Gentile
des Freigelassenen ist aus dem Cognomen der Patronin gebildet (s. z. Nr. 53).
— Die Inschrift gehört wohl dem dritten Jahrhundert an (s. z. Nr. 53).
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 83.
76. Grabstein der Turrania Suadulla und der Urbana, gefunden
am 30. April 1895 beim Bau des Hauses Petersstrasse Nr. 8.
Kalkstein. H. 100, Br. 68, D. 34 cm. In dem an der Spitze
beschädigten Giebel eine Rose, an seinen Seiten scheinen Akanthus-
Ranken angebracht gewesen zu sein. Die oberen vier Zeilen
stehen gewissermassen auf einer Tafel mit besonderem Rahmen,
der auf zwei Säulen ruht, zwischen welchen der übrige Teil der
Inschrift steht oder stand.
— 57
RRRANlAl
'ISvAOtA!
'ANm^5M\
ANXH'S_^ S
Turrania^ T(iti) l(iherta), Sua-
dulla^ anfnorumj XXV ^ Urhana
an(norum) XX h(icj sfitaej sfuntj.
Lucilius Hilario sororifbus . , . .J
Turrania Suadulla, des Titus
Freigelassene, 25 Jahre alt, und
Urbana, 20 Jahre alt, sind hier
begraben. Lucilius Hilario hat den
Schwestern (diesen Stein setzen
Z. 4 ist das Zahlzeichen V fast
nur noch im Bruch erhalten. —
Die jüngere der Schwestern war
bei ihrem Tode, da sie nicht als
Freigelassene bezeichnet wird, noch
Sklavin ; daher führt sie nur einen
Namen. Hilario ist dagegen Frei-
gelassener; er führt ein anderes
Gentile als Suadulla, weil er bei
einem anderen Herrn in Diensten
gestanden. Denkbar wäre es freilich auch, dass die Schwestern gar nicht
seine Schwestern sind. — Z. 5 überhöhtes I vielleicht zur Be:^eichnung
der Länge.
Die Inschrift gehört wegen der Formel H . S . S (und wegen der
Akanthus-Kanken neben dem Giebel) dem ersten Jahrhundert an.
Vergl. Körber, Korrbl. XV, Sp. 83.
1:15
77. Bruchstück von dem Grabstein dreier Mitglieder einer
Familie, gefunden am 16. November 1896 beim Abbruch des
Gauthores in der Mauer des westlichen Hauptwalles. Geschenk
der Militärbehörde. Kalkstein. H. 28, Br. 25, D. 24 cm. Die
ursprüngliche Begrenzung des Steines ist gegeben durch das
Vorhandensein der alten Seitenfläche rechts neben der zweiten
und dritten und links neben der letzten Zeile; unten ist un-
regelmässiger Bruch, doch scheint hier von der Inschrift keine
Zeile zu fehlen, oben wohl nur die eine, von der nur noch ein
Rest sichtbar ist.
Wie aus der letzten Zeile sich zu ergeben scheint,
hat Macrina diesen Stein ihrem Gemahl und ihren
Geschwistern oder Kindern (die Angabe des Verwandt-
schaftsverhältnisses ist hinter E T wegg' fallen) Maturus
und Marina, die also beide wohl dasselbe Gentile (wovon
Z. 4 noch A, Z. 5 noch lA mit überhöhtem I erhalten ist)
gehabt haben. — Der Buchstabenrest Z. 1 hat einem
angehört. — Z. 6 ist in dem Worte co{n]iug{i) das n
ausgelassen, wie das in späteren Inschriften häufig
J:10 geschieht.
— 5S —
78. Bruchstück von dem Grabstein eines Kindes (?), alter Be-
stand. H. 29, Br. 23, D. 9 cm.
Z. 1 sind noch die Fasse von zwei Senkrechten er-
halten. — Z. 2 und 3 enthält die Altersangahe ; da
hier Monate und Tage genannt werden, so wird es sich
um ein Kind handeln, das 13 Jahre, einige Monate
und Tage alt war. — Z. 4 Reste der Buchstahen A
und E oder F.
1:10
79. BruchstUcl( von dem Grabstein einer Frau, gefunden im
Sommer 1888 bei Erweiterung der „Neuen Anlage". Unregel-
mässiger Kalkstein-Brocken. H. 27, Br. 41 (an der Schrift-
fläche 27), D. 18 cm.
. . . ra h(ic) 8{ita) e(»/), . . . ticits coniux <i(e) «(wo) p[o8uit)
> merit[o].
. . . ra liegt hier hegrahen , ihr Gemahl . . . ticus
setzte (ihr diesen Grahstein) aus seinem Vermögen
nach Verdienst.
Z. 1 a. A. Rest eines E ; a. E. steht das E hereits
auf der Umrahmung. — Z. 5 undeutliche Buch-
stahenteile (der scheinhare Querstrich an der linken
Hasta ist zufällige Verletzung). — Die Formel hie
j^.j^Q sita est weist auf das erste Jahrhundert.
Vergl. Keller, Korrbl. d. W. Z. VIII. Sp. 171.
80. Bruchstück von dem Grabstein einer Frau. Alter Be-
stand. Sandstein. H. 30, Br. 34, D. 7 cm.
D{{8) [M{anibu8)]. Fortes . .
[sub hoc la]p{de iac{et) ....
\ma]trona 8[anctaf (oder der Name)
nocte dlieque't].
A Den Manen (Schattengöttem).
S\
Z. 1 Rest eines D. — Z. 2 a. E. Fußs eines
S. — Z. 5 a. E. sah Zangemeister vor mehreren
Jahren hinter dem D noch zwei Senkrechte, die
jetzt ahgebrochen sind.
Ergänzung und Erklärung nach Mitteilung Zangemeisters.
PI DE I Abs
1 Avü In A J>^^ unter diesem Steine liegt die Frau ....
NOCTFI
81. Zweiseitig skulpierter Block von einem sehr grossen
Grabdenkmal herrührend. Älter Bestand. H. 47, Br. 78, D. 104 cm.
Über der Inschrift ist noch der linke Fuss und die untere
Mantelpartie von der Darstellung eines Mannes erhalten. Neben
dem Ganzen ein 21 cm breiter Pilaster mit nackter Knaben-
Figur (Kopf fehlt). Auch die rechte Seitenfläche des Blockes
ist mit Skulpturen bedeckt : in der Mitte der bis über das Knie
— 59 —
reichende Unterteil einer lang bekleideten Göttin; sie stützte
sich vielleicht mit dem linken Arm auf einen Altar, der neben ihr
steht (also eine SecuritasP); die Umrahmung bilden auf beiden
n Seiten Pilaster, jeder ebenfalls 21 cm
^.r-,- ^^^ breit, mit Akanthus- Verzierung.
Von der Inschrift sind nur noch die Köpfe
von M (zur Hälfte), A and N erhalten, zn lesen :
[du] man(^lbu8).
t
\
^Aus^^jn
1:1B
82. Steinblock von einem grossen Grabdenkmal herrührend.
Alter Bestand. Kalkstein. H. 37, Br. 72 (an der Inschriftfläche,
weiter zurück reichlich 10 cm auf beiden Seiten breiter), D. 70
cm. Die verwaschene Beschaffenheit des Steins, besonders auf
der Rückseite, lässt darauf schliessen, dass der Block s. Z.
im Rhein gefunden wurde.
Von der Inschrift ist nur die Formel:
h(ere8) /(aciendum) c(uravit) (der Erbe
Hess das Denkmal setzen) übrig gehliehen.
83.
Reste von der Grabschrift eines Unbekannten blieben
namentlich am Anfang und Ende
der Zeilen erhalten, als der römische
Grabstein im Mittelalter zum Zinnen-
stein der mainzischen Stadt Eltville
umgearbeitet wurde. Fuchs fand ihn
30 Schritte links vom Ausgang der
Peterspforte (an der westlichen Ecke
des jetzigen Schlossplatzes, also in
der Richtung nach Eltville) in der
Stadtmauer und liess ihn mit vielen
anderen herausbrechen.
^-^ p^ V^ r / Ausser einzelnen Buchstaben ist noch
:^-^r^ rn l die alte Umrahmung nehst dem giehel-
förmigen Abschluss erhalten. Die spätere
Inschrift lautet: cives de Elteville haben t
quattour cinnas, die Bürger von Eltville
haben 4 Zinnen (nämlich zu erhalten
und zu verteidigen).
Vergl. Bramh. C. I. Rh. 1129.
l;X5
IV. Inschriften auf Grebrauclisgegenständen
aus Stein.
84. DrehmUhle einer Centurie. Alter Bestand. Basalt-Lava.
Erhalten ist etwa ein Drittel des Läufers, an dessen runder
Aussenseite die Inschrift angebracht war. Entfernung der inneren
von der äusseren Kante: 16 cm, H. und Br. der runden Aussen-
seite: 11 und 38 cm. An der inneren Kante Best eines
schwalbenschwanzähnlichen Loches zur Befestigung des Zapfens,
an welchem der Läufer rotierte.
^m
)VET
)
Virei Centurie des Virejus
Vet , . . . Centurie des Vet
1:7,B
Die Inschrift ist in den schwer
zu bearbeitenden Stein mit Mühe
eingehauen. Die Mühle wird meh-
reren Centurien hintereinander
gedient haben.
85. Brotstempel einer Centurie der vierzehnten Legion, ge-
funden am 29. Juni 1897 bei Anlage einer Eadfahrer-Rennbahn
vor dem Gauthor. Kalkstein. H. und D. 5 cm, L. 11 cm.
Die vier Längsseiten (a — d) sind in Spiegelschrift beschrieben.
^lW0T3Mt
1:4
Lfegioj XIIII
g(emina) M(artia)
vfictrixj
Die vierzehnte Legion,
die doppelte, Martische,
siegreiche.
Caecili V
Sabinei
Centarie des Caecilias,
(Arbeit) des Sabineias.
Centurie des Caecilins,
(Arbeit) des Musentius,
des Gehülfen.
:^ Caedll V (fj
Musenti
adiutforlsj
>- Caecili V Centurie des Caecilius,
Metoni (Arbeit) des Metonius.
Seite c ist am schlechtesten erhalten, doch
ist die Lesung kaum zweifelhaft ; nur bei dem
dritten Buchstaben (von rechts) des mittleren
— 61 -^
Wortes könnte man aach an G denken, Zangemeister hält ihn aber wohl
mit Becht für ein liegendes S. Nicht mehr recht erkennbar ist hier das auf
den beiden entsprechenden Seiten hinter Caecili stehende V. — Der Stein
ist wahrscheinlich ein Stempel für Brot und wird aas der Legionsbäckerei
stammen. Jenes V bezeichnet wohl eher deren Nummer, als das Cognomen
des Ceutario. In dieser Bäckerei haben drei Männer gearbeitet oder die
Aufsicht geführt: Sabineius, Musentius und Metonius; Musentius ist nur
Gehülfe gewesen. Die Brote wurden gestempelt entweder mit Seite a und
b oder mit a und c oder mit a und d.
Erklärung nach Mitteilung Zangemeisters.
(Vier steinerne Gewichte werden im Zusammenhang mit
denjenigen aus Metall behandelt werden.)
V. Inschrifteii,
deren ehemalige Bestimmimg nicM festgestellt ist
86. Grosse schwer beschädigte Platte. Gefunden 1839 am
Eisgrubenweg. Geschenk der Militärbehörde. Schiefriger Sand-
stein. H. 100, Br. 85, D. 22 cm. Der grösste Teil der Vorder-
fläche ist abgesplittert. Von dem Bildwerk, welches über der
Inschrift angebracht war, ist gerade an dem Trennungsstrich
der beiden Columnen noch ein
mit ausgebreiteten Flügeln
breitspurig dasitzender Adler
erkennbar. Rechts unter der
Inschrift sah Klein i. J. 1845
(s. Mainzer Zeitschr. I. S.
208) noch zwei Figuren, von
denen die eine sass, die andere,
kleinere, stand und eine Keule
im linken Arm führte. Von
jener sieht man jetzt nur
noch die Füsse, während der
Herkules besser erhalten ist.
Dagegen entging Klein die
Bildnerei auf der verhältniss-'
massig gut erhaltenen rechten
Seitenfläche. In der Mitte der-
selben befindet sich eine 44
cm hohe Nische, über ihr liegt
ein 3 cm hoher Balken und
auf diesem ein 16 cm hoher
Wulst. In der Nische steht
rechts ein Mann, dessen Kopf
und rechter Arm abgebrochen
und nur in den Umrissen
noch erkennbar ist. Er trägt
eine oberhalb des Ki^ies
endigende Tunica , darüber
ein Sagum, dessen einer Zipfel
auf dem linken Arm liegt.
1:4
— 63 —
Zwischen Tunica und Mantel nicht recht verständliche Gewand(?)-
Stücke. (Vielleicht ein Lederschurz mit rundem Loch zum Ein-
stecken eines Werkzeuges ?) In der Linken hält er ein Kästchen,
die Rechte scheint er einem neben ihm stehenden Knaben, dessen
Körper bis auf dia Beine fast ganz zerstört ist, aufs Haupt zu
legen. Ganz links steht ein zweiter Knabe, der seine Hände
auf die Schultern des anderen Knaben zu legen scheint. Beide
tragen ein einfaches, bis zu den Waden reichendes Gewand. Unter
der Nische ist eine 32 cm hohe glatte Fläche, in welcher
sich unten ein Zapfenloch von 15 cm Höhe und 3 cm Breite
befindet.
Von der ursprünglichen Inschrift ist nur der kleinste Teil noch
erhalten und teilweise schwer lesbar; jedoch dürfte seit ihrer Auffindung
nichts Wesentliches daran verloren gegangen sein. Sie scheint nur Namen
enthalten zu haben.
Vergl. Bramh. C. l. Rh. 977.
87. Bisher unerklärte Inschriftplatte. Orauer Sandstein.
Alter Bestand. H. 64 cm (von welchen nach oben hin etwa
18 inschriftlos sind und darum bei der Nachbildung wegblieben),
Br. 52, D. 18 cm.
r\ N Kl
J\/l)iy\V|^Nii^
Bis jetzt ist es un-
möglich gewesen, die zu-
fälligen Kritze, die sich
auf dem weichen Sand-
stein leicht bildeten, von
den absichtlich einge-
hauenen Schriftzeichen
überall zu trennen. Da-
her enthält auch die bei-
stehende Nachbildung
gewiss manchen Lese-
fehler und kann nicht in
dem Grade, wie wir dies
sonst hoffen, das Studium
des Steines ersetzen. Von
den vorkommenden
Namen scheinen Secun-
dinus und Satuminus
festzustehen.
1:7,6
64
88. Bruchstück, vielleicht von einer Weihinschrift, gefunden
am 3. September 1895 im Rhein in der Nähe
der Eisenbahnbrücke. Roter Sandstein. H. 46,
Br. 28, D. 12 cm.
Über der Inschrift ist eine vorspringende Be-
krönung abgemeiselt. Links scheint vor den drei
ersten Zeilen nichts zu fehlen. —ZI vieto[riaf];
Z. 2 milii[um ?] ; Z. 3 a. A. könnte mit dem P ein L
gebunden sein; Z. 4 a. E. vielleicht noch der linke
Fuss eines A im Brache sichtbar; Z. 5 Beste der
Buchstaben I (?', C (oder G) und T.
1-10
89.
Bruchstück, wahrscheinlich von einer Altarinschrift, ge-
funden am 15. September 1896 in der mehrfach er-
wähnten mittelalterlichen Stadtmauer östlich vom Gau-
thor, in welcher ausser Bauinschriften fast nur solche
aus Heiligtümern verbaut waren. Kalkstein. H. 45,
Br. 25, D. 11 cm.
Auf der Randleiste sitzt oben ein Kapital, über welchem
die Ansätze einer Rundung sichtbar sind. Für die Ergänzung
der Z. 2 liegt [Cla]ud(ia tribu) nahe.
i:20
90. Bruchstück, wahrscheinlich von einer Bauurkunde, ge-
funden am 15. September 1896 in der unter dem Walle östlich
vom Gauthor entdeckten alten Stadtmauer. Kalk-
stein. H. 39, Br. 29, D. 12 cm. In den Vertiefungen
Reste roter Farbe und weissen Stuckes.
I [Leg(io) XXII] pr{imigenia) p{%a) [/(t(£eZw)].
\ Die zweiundzwanzigste Legion, die erstgeworbene, pflicht-
^ ^»- J treue und redliche.
'^. ^ Unten eine Randleiste von IV2 — 2 cm Ausladung.
1:20
91.
Inschrift auf einem grossen Bauquader, gefunden in der
mittelalterlichen Stadtmauer
östlich vom Gauthor. Sand-
stein. H. 53, Br. 71, D. 75
cm. An der einen Ecke ist
eine rechtwinkelige Vertiefung
ausgehauen, von 25 und 27 cm
Seitenlänge und 41 cm Tiefe.
Auf der rauhen Fläche ist <iquü
roh eingehauen ; welche Bedeutung
das Wort hier hat, ist unbekannt.
1:15
65
92. Bruchstück, vielleicht von einem Grabsteine, gefunden
am 15. Dezember 1895 beim Abbruche des ehem.
Bilhildisklosters. Geschenk des Herrn Bierbrauerei-
besitzers Geyl. Kalkstein. H. 14, Er. 20, D. 13 cm.
Das, wie es scheint, in Z. 1 allein stehende M weist
auf [0{i8)] Ma{nihu8) hin.
1:10
1:7,5
1:20
93. Bruchstück, wahrscheinlich von einem Grab-
stein. Alter Bestand. Kalkstein. H. 20, Br. 17,
D. 4 cm.
Z. 4 weist auf annorum hin. — Z. 3 Beste eines
S, C oder G.
94. Bruchstück, wahrscheinlich von einem Grab-
stein. Alter Bestand. Sandstein. H. 18, Br. 16,
D. 6 cm.
Z. 2 a. E. Kopf des linken Schenkels eines V.
95. Bruchstück, wahrscheinlich von einem Grab-
stein. Alter Bestand. H. und Br. 32 cm.
V. Domaszewski vermutet: Ciaius) Tlitius^ , T{iti)
/(ilius)^ Q[ui{rina)\. Doch hat hinter F (oder E) kein
Punkt gestanden , ob hinter dem vorausgehenden T ist
zweifelhaft. Der letzte Buchstabe könnte auch ein C,
G oder gewesen sein.
96. Bruchstück, wahrscheinlich von einem Grab-
stein. Alter Bestand. Sandstein. H. 45, Br. 39,
D. 18 cm.
Z. 1 kleiner Rest einer Senkrechten. — Z. 2 Qui\rind\
oder [A]qui\liu8\'^ — Z. 3 a. A. Rest einer Senkrechten,
a. E. Rest einer Hasta.
97. Bruchstück, vielleicht von einem Grabstein.
Alter Bestand. Weisser Marmor. H. 26, Br.
19, D. 5 cm.
Z. l gebundenes MA, [/>(w)] Mainibus)'^ — Z. 2 a.
A. eine Wagrechte, wohl zu einem L oder E gehörig. —
Z. 3 a. E. Rest eines F oder E.
1X7,5
66 —
98. BmchstBek, vieMdit i i mm
gefanden am 12 Mii 1S9> beim B^a des Ha
Peurrä3traä3e Xr. ^. Sän*lstiHa H. 31, Br
D lö cm
Z 2 a. C. ein 0, damnter lukeh rechts hm an :
wie "»r über Zahlzeichea m stehen pfte^
Verel. Körber. Korrbl. .1. W. Z. XIV-, Sp. 84.
99 UnbestaMbares BracksHcfc.
L. .>- Bestand. Sandstein. H. 9, Br. 24, D. 1
Vj!^i A J\J n / ^^ «cheint a A. V S. a. E. DD g«1
100. Unbesümnbares BracksHck.
Bestand. Sandstein. H. 12, Br
D. 13 cm.
1:7^
VI. Die seit 1897 gefimdenen Inschriften
nebst einigen früher unriolitig veröffenüicliten.
a. Altäre und Weihinschriften.
101. Altar, dem Juppiter geweiht, gefunden i. J. 1858 auf
dem Kästricli. Der allein erhaltene Oberteil ist in zwei Hälften
zersprengt. Sandstein H. 76, Br. 100, D^ 17 cm. Die Ver-
zierung des Rahmens ist abgehauen.
TITT^"
tr^
I ^ Ö
PROSAU
jJlAELlAV
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M 1^1-
fei,
TE ^IM?p'
EUCoMfö
1:1B
J{oüi) o(ptimo) m{aximo) pro salute imp{eratori8) L{u€i) Aeli Aureli
Commodi ÄugusH pii fel(icu) p(atri8) p(atriae) et . , , .
Dem Juppiter, dem Besten und Höchsten, (hat der Stifter) für das Wohl
des Kaisers Lucius Aelius Aurelius Commodus Augustus, des Frünimeii
und Glücklichen, des Vaters des Vaterlandes und (diesen Altar errichtet).
Z. 4 a. E. war E mit L verbunden. Z. 5 erkennt man hinter P.
noch die Köpfe von P, E und T. — Commodus (180—193) nahm den Titel
piu$ i, J. 183, denjenigen felix i. J. 185 an. L. Aelius Aurelius Commodus
6
68 —
nannte er sich nur in den ersten Jahren nach 176 als Mitregent des Marcus
Anrelius und nachher v. 191 an. Unser Stein stammt sdso aus der Zeit
191—193.
Vergl. Becker, Mainzer Zeitschr. II. 171 ; ders. röm. Inschr. v. Mainz 3.
102. Altar, dem Juppiter geweiht, gefunden im vorigen
— '-^ '"'^ Jahrh. auf der Jungenfeld'schen Au
( (Lothary's An) oberhalb Weisenau.
Kalkstein. H. 66, Br. 23, D. 25 cm.
Geschenk des Herrn Gedult von
Jungenfeld. Bechts sind an Sockel
und Krönung die Profile abgehauen.
J{pvi) o(ptimo) m{aximo) Zasimua Papiri
c{enturioni8) lib{erttis) pro piUr{ono) 9{uo)
p{o8uit).
Dem Juppiter, dem Besten und Höchsten,
hat Zosimus, des Centurionen Papirios Frei-
gelassener, (diesen Altar) für seinen Patronen
errichtet.
, iif '*m%Ahi&
PAPj.Rlt>iß^
PRÖ^ATR
Bemerkenswert ist die geschwungene Form
des Z (Z. 2) und diejenige des umgekehrten
C (Z. 3), sowie dass zweimal üher dem langen
(Z. 2 und 4) der Apex gesetzt ist. —
Z. 2. a. E. ist im Bruche noch etwas von S
sichtbar. — Am Schluss ist zwischen S und
P eine Verzierung, kein Buchstabe.
Vergl. Becker, röm. Inschr. v. Mainz 1.
1:7,5
103. Altar, dem Juppiter geweiht, gefunden i. J. 1858 auf
dem Kästrich. Sandstein. H. 95, Br. 70, D. 40 cm. Die auf
drei Seiten vorhanden gewesenen Inschriften waren bereits bei
der Auffindung fast ganz zerstört und nur einzelne teilweise
unsichere Buchstaben erhalten. Inzwischen scheint der Zerfall
noch Fortschritte gemacht zu haben.
— 69
1:7,B
J{ovi) o(ptimo) m{aximo) con8{ervatori) Ap[ron(iu8)f] Sentian[u9 »ig-
(n(/*er)?|l«i] Vena{tiu8) Saturninua te8(8erariu8) ex [v(oto)'\ 'p[o8(uerunt) agente\^
lustro Atini Iu8ti[, . . cum d]upli(carii8) quorum n[omina infra 8cr]ipt(a)
sunt
Juppiter, dem Besten und Höchsten, dem Beschützer errichtt»ten
(diesen Altar) der Fahnenträger (?) Apronius (?) Sentianus und der Tessora-
rius Vena(tius?) Satuminus infolge eines Gelübdes, beide beschäftigt im
Lustrum des Primipilus (?) Atinius lusti. . . nebst den Doppellühnern,
deren Namen unten genannt sind.
— 70 —
V
v::
VECIC.V I
IV
1:7,5
Daniiif i'oh^U! eine j,m)sso Anzalil von Namen, die bis auf v
Spuren jetzt zerstört sind, ebenso wie die am Sehluss befindliche F
der pjnweilmng, die nacli der Abschrift, wekdie Becker i. J. 1855
öiVent lichte, im September stattt^efunden zu haben scheint. Aucl
Insehriften, mit wehhen die beiden Nebenseiten bedeckt waren, sind
fast völli«,' verscliwunden.
Dass der Gott den Beinamen ronyerraior führt, deutet au
dritte Jalirh. (ver^l. z. Nr. 17j. Auch werden duplicarii erst seit Sepl
SrNrrius öfter genannt, da von dieser Zeit an die dona mUltarta dun
Krböbunjr des S<ddes ersetzt wurden.
Z. 1 wiird«' sich mit dem Vorhandenen der Name Senilianns le
\rreini»i:en hissen als Saidanus, doch scheint man den ersteren
^'«'bildet zu haben. --- Z. 2 war a. A. V mit E, nachher T, V und R,
71 —
N und T, sowie T und E mit einander verbunden. — Auf derselben Zeile
scheint hinter EX für V(oto) kaum noch Platz zu sein. — Z. 3 a. E. ist
von V nur der linke Strich sicher. — Z. 4 a. A. muss cum mit einem
kleinen v geschrieben gewesen sein. — Z. 5 waren vor sunt I, P und T
mit einander verbunden.
Vergl. Becker, Mainzer Zeitschr. II, S. 171; Brambach, C. I. Rh., 1021 ;
Becker, röm. Inschr. v. Mainz, 115; v. Domaszewski, Korrb. d W.
Z. XVII, Sp. 153.
104. Zwei Bruchstücke eines dem iuppiter und der Juno
geweihten Altares, gefunden i. J. 1808 in einem Ikunnen zu
Kastei. Sandstein. Vom Oberteil ist die rechte Hälfte erhalten,
die auf drei Seiten beschrieben ist. H. 27, Br. 17, D. 17 cm.
Dazu der Sockel mit Angabe des Konsulates. H. 18, Br. 37,
D. 27 cm.
1:7,5
a) Oberteil, Vorderseite; [/('*) ?i{ono-
rem)] d(omu8) d{ivinat) [ f{ovi) o(ptlvw)]
m(ax{m9) [et Jnn]m[']. Zu Ehren
des erlauchten (Kaiser-)hauses dem
Juppiter, dem Besten und Höchsten,
und der .Tuno.
b) Oberteil, Kückseit«' : in h(ono-
rem) [d{omiUi) d(ivinae) et (?)....
Zu Ehren des erhiuchten (Kaiser-)
Hauses und ....
c) Oberteil, Nebenseite. Die Buch-
staben sind mit unsicherer Hand
mehr eingekratzt als eingehauen und
scheinen die Inschrift der Vorder- oder (d. li. und?) l^ückseite zu wiederholen,
d) Unterteil: Laeto et Ceriale co{n)s{ülibus). Unter dem Consulat«.-
des Laetus und des Cerialis = im Jahre 215 n. Chr
Vergl. Becker, röm. Inschr. v. Mainz 18.
105. Altärch^n, dem iuppiter und der Juno geweiht, gefunden
1861 auf dem Kästrich. Sandstein. H. 44, Br. 20, l). 1(5 cm.
— 72
10
V . 'TIA
\^ AK'A
\ .NAI II
1:7^
J(om) o{ptimo) fn{aximo) [et Jun{(mi) r]eg{mae)
Alweliua He[r]me8 [mil{es) lT\eg{itmi8 [XXII ? . . . .
v{otum)] 8{olvit l{ibenit) l{aeft*s) m{erifo).
Juppiter, dem Besten und Höchsten, nnd der
Königin Juno hat Aurelius Hermes, Soldat (?) der
22. (?) Legion (?)... sein Gelübde gern, froh und
nach Gebühr erfüllt.
Z. 2 ist nur a. E. eine Senkrechte und die linke
Seite eines runden Buchstaben erhalten; die ge-
gebene Lesung scheint möglich bei Annahme einer
Ligierung von ET. — Z. 4 ist hinter H die Um-
rahmung eines E fast ganz erhalten. — Z. 5 scheint
EG sicher zu sein. — Z. 7 ist lA sicher, voraus
[^"S könnte auch ein E gegangen sein. — Z. 9 könnte
1 vor den beiden Senkrechten a. E. ein R gestanden
haben.
Vergl. Klein, Mainzer Zeitschr. IL 331. Brambach
C. I. Rh., 1020, Becker röm. Inschr. v. Mainz 16.
106. Altar, dem Juppiter, der Juno, Fortuna und Minerva
geweiht, mit dem Lebenslauf eines Centurionen, gefunden i. J. 1832
im Garten des ehemaligen Bischofshofes (j. Höfchen). Bötlicher
Sandstein. H. 125, Br. 60, D. 26 cm. Geschenk des Domkapitels.
Der Stein diente früher zu einer Treppe, weshalb die Inschrift auf
der Vorderseite in der Mitte vollständig abgetreten ist; links
ist ausserdem fast ein Drittel abgehauen. Auch die z. T. noch
erhaltene rechte Nebenseite war mit einer Inschrift bedeckt, die
freilich rechts zur Hälfte verloren, links stark beschädigt ist.
a) Vorderseite: [-^(ov*)] o{ptiino) m{aximo) lJu]noni retinae, [For]iunae^
Minervae [leg(ioni8) X]XII pr{imigeniae) p{iae) [/{idelU) imp(era-
tore) Commodo VII] et P]ertinace II lc]o{n)s{ulibu8).
Dem Juppiter, dem Besten und Höchsten, der Königin Juno, der
Fortuna und Minerva (hat . . . Primipilus ?) der zweiundzwanzigsten Legion,
der erstgeworbenen, gewissenhaften und zuverlässigen, (diesen Altar errichtet)
unter dem siebenten Konsulate des Kaisers Commodus und dem zweiten
des Pertinax (192 n. Chr.).
Z. 3 a. A. ist noch ein Rest des T sichtbar, a. E. sind V, A nnd E
verbunden. — Z. 4 sind ausser einer Senkrechten nur noch die Köpfe der
Huchstaben G (oder C), E und N erhalten. — Z. 5 gehört ATE (Reate?)-
zur Namensbozeichnung des Stifters ; doch ist bei dem zweiten Buchstaben
die linke Hälfte des Querstriches, bei dem letzten der untere Querstrich
sehr unsicher. — Am Schluss ist der Name des Kaisers Commodus getilgt.
b. Nebenseite:
[(?(aiw«)? S]exti[liu8f C{a{)'? fil(iu8)\\An{ien8i tribu)] Marc[ianu8l domo]
[Ve]rcell[l8 munici pio] Itali[ae qui e8i]
5 \fa]ctus vi[ile8 in cohor',\te] VII pr(aetoria) p[robatu8 imp{erafore) An-]
[ton]mo J[IIco{n)s(ule),factu8princi\pali]s Erv[c{io) Claro II et Cl{audio) 8e-]
[ve]ro [c]o[{n)8{ulibu8), militavü ex\\a.]ctv[8] I[esserariit8 optio]
— 73 —
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J
1:10
[9ig]niß<ßr) b{ene)f{iciariu8) [pr(aefecti) pr{aetorio)j /actus in leg{ione)\'XÄ]lI
pr(imigenia) p(ia) [/{idelis) evocatus]
[B\arbar[o et Begulo\\c]o{ii)8{ulibti8) VI a[7tn(o) ab imperatore]
lb[o]rdinibu[s ad8criptu8\\in {ordinem) X pU{i) p[r(iori8) ob virtutem]
viritim [successit c(entu7no)"leg(ioni8) ann(o8) [XXIX meruit^ /miV]
c{enturio) leg(ion%s) I [iMiner{viae)'? c{enturio) leg({<mis)]'VIII Aug(u8tae)
[c(enturio) leg{ionis) XIII (?) ge-]
m»Ti(o)e, c{enturio) l[eg(ioni8) .... c{eniurio) l\eg(ionis) X[ ]
{c{fmturio) (\eg{ionis) J [ . . . . p(rimu8) p(ilwi)\,
Gajus (?) Sextilius Marcianus (?), des Gaius (?) Sohn, aus der anien-
sischen Tribas, von Vercellae (j. Vercelli), einem Municipiuni Italiens, welcher
— 74 —
nachdem vt im dritt<^n Cönänlate des £jü»n Antoniniu li. J. 140 n. Chr.)
ansgehoV^n war, .Soldat wurde in der siebenten Cohorte der Leibwache;
der Principalid ^UnterofBcier^ wurde, als Enicias Claras and Gaadins Serenn —
ereterer zam zweiten Male — Consoln waren li. J. 146 n. Chr.), und
als Bachführer, Tesserarim (TergL Xr. 51 z. Z. 3». Optio (StellTertreter des
Centorionen). Fahnenträger, and Beneficiarios (Boreanbemmter) des Pneto-
rianer-Oberaten diente nnd dann anter dem Con^nlate des Barbaras und
Kegala-s (i. J. 157 n. Chr.) za weiterer Dienstleistang ab Erocatiis bei der
zweiandzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, zaTerUssigen und trenen
aufgefordert and sechs Jahre später fi. J. 163 n. Chr.) Tom Kaiser (Marcos
Aarelias j anter die Centorionen aafgenommen, wegen seiner Tfichtigkeit
einzeln (d. h. nicht im Jahres- Avancement) in die erste Centnrionenstelle
des zehnten Triarier-Manipels aufrückte and als Centaiio der Legion nenn-
andzwanzig Jahre lang diente; der nacheinander Centorio war in der ersten
(3Iinervischen ?), der achten (Angastischen). der dreizehnten (doppelten), der
ten, der .... zehnten und der (ersten — vierten ?j and zuletzt Primipflns.
Links ist die Inschrift Z. 16 — 21 vollständig, in den vorausgehenden
Zeilen fehlen also hier jedesmal 1—3 Buchstaben; rechts lässt sich die
Lücke mit voller Sicherheit nur Z. 13 bestimmen, wo (bei weit auseinander-
stehenden Buchstaben) O'/j Buchstaben fehlen.
Z. 1 a. A. sind der obere und der untere Querstrich des E erhalten. —
Z. 3 a. E. stand L. — Z. 4 ist vor A der obere Teil eines T noch
schwach sichtbar. — Z. 5 a. A. ist der Rest des A sehr unsicher; von T
fehlt die rechte Hälfte des Querstriches. — Z. 6 ist, was den beiden Senk-
rechten a. A vorausgeht, unsicher ; zwischen dem ersten (undeutlichen) P und
rlf;m K steht ein Punkt. — Z 7 ist das auf der linken Seite etwas eckig. —
Z. 8 a. A. geht dem S eine lange Vertiefung voraus, die aber nicht
Buchstabe ist. — Z. 10 a. A. steht C oder G ; der Buchstabe hinter dem ersten
T ist unsicher, doch scheint er ein V gewesen zu sein. — Z. 13 a. A. ist
noch der rechte Fass von A. a. E. eine Senkrechte im Bruche erhalten. —
Z. 15 a. A. ist der Rand der von oben bis hierher gehenden Abschrägung
v<*rtieft, so dass das R scheinbar seine verlorene Senkrechte an falscher Stelle
wieder <*rhalten hat. — Z. 16 a. A. steht das I und die linke Hälfte des
N noch etwas im Bereich der Abschrägung. — Z. 19 kann die leg, I
adiutrix (rlanials in Ober-Pannonien) oder leg. I Minervia (in Bonn) gemeint
sf'in. — Die leg. VIII Augusta (Z. 20) stand in Strassburg. — Z. 20 a. A. ist
<li»; F>gänzung Miner mae unmöglich, weil in dieser Zeit die Abkürzung mit dem
Vokal sich nicht mehr findet, es stand also gemln{a)e da; von den vier
Legionen, die so lieissen, führt aber die VII (seit Vespasian, bezw. Trajan)
den Beinamen pia oder jyia felix und die X. (seit 80) den Beinamen pia
fidelia, die XIIII. (seit 66) den Beinamen Martia victrix^ es bleibt also
nur di«* XIII. übrig, die damals in Dacien lag. — Z. 22 und 23 a. E. lässt
KJrh nicht mit Sicherheit entscheiden, ob der Zahlstrich noch über die
«TliJiltenen Zahlzeichen hinaus nach rechts ging. — Da kein anderer
('«•ntiirio für sich allein im Praetorium einen Altar errichten durfte, als der
rriniipiluH (vergl. Nr. 25), so muss Sextilius Primipilus, natürlich der
zw<'iundzwanzig.st»'n Legion, gewesen sein.
Vergl. li«'ck«*r, röni. Inschr. v. Mainz, Nr. 23; v. Domaszewski, Korrbl*
d. \V. Z. XVIII, Sp. f)? und persönliche Mitteilung.
107. Altar, dem Genius einer Centurie geweiht, gefunden 1857
auf dorn Kilstrich. Sandstein. H. 75, Br. 59, D. 25 cm. Die
— 75 —
Profilierung von Sockel und Bekrönung setzt sich auf den Seiten
fort. In der Mitte derselben ist links ein Rebstock dargestellt,
an dessen Trauben ein Vogel pickt, rechts ein springendes Bind
unter einer oben mit einem Stierkopf geschmückten Bogenwölbnng ;
über dieser sind die Umrisse eines Delphins cingehauen.
1:10
Oenio 8anc[t]o c{enturiae) , . . . ni Di tius .... c(enturio) ....
Dem heiligen Genius (Schutzgeiste) der Centurie des ... . (haben)
und .... tius . . . ., Centurio .... (diesen Altar errichtet).
Z. 1 a. A. sird von G nur noch die Hörner vorhanden; das darauf
folgende E war mit N verbunden; a. E. ist ein kleines c sichtbar. —
Z. 2 und 5 besteht das Centurien-Zeichen aus c mit einem Querstrich in
der Mitte. — Auf den folgenden Zeilen sind infolge von Absplitterung der
Steinoberfläche nur noch einzelne Buchstaben erhalten geblieben. Z. 2 und 3
war zunächst der Name des Centurionen genannt, nach dem die Centurie
hiess, welcher der Stifter seither angehörte, und deren Genius der Altar
gewidmet war. Darauf folgten die Namen des Centurionen, der bei seiner
Beförderung den Altar errichtete. Vielleicht waren es aber mehrere Stifter.
Vergl. Becker, Mainzer Zeitschr. 11, 186. Bramb., C. I. Rh., 1031.
Becker, röm. Inschr. von Mainz, 67.
108. Altar, errichtet vom Statthalter Caerellius und seiner
Familie, gefunden 1842 im ehemaligen Dominikanerkloster
(Dominikanerstrasse). Sandstein. H. 91, Br. 67, D. 45 cm.
Geschenk des Herrn Baumeisters Wetter.
— 76 —
THRAGMDIS-SVPPJS
CEPrfSWETBRITT)
ETMODEmANAElf
FTCAEPLLllAAAR
CIANVSETCTRAAA
NILLA Flui i
v^e:^:^
^
[. . . . Caerellitu . . .
Ieff{atu8) Aug(u$Hjj\
P^i"^) pT(ctetore) pro»
[v%ne(iarum) Thrae»
(iae)t Moe^iae) su-
j}(eriori8)f Baet(iae),
Oerm(aniae) suplerio-
ris) et Britt{anniae)
et Modeatiana eiua
(coniunx) et CaerellU
Mardanua et Oerma-
nilla ßlü,
(Dem;., errichtete
diesen Altar . . . Cae-
rellius . . .) (nach ein-
ander) Statthalter der
Provinzen Thracien,
Ober-Moesien, Eae-
tien, Ober-Germanien
und Brittannien,
nebst seiner Gemahlin
Modestiana and seinen
Kindern Caerellius
Marcianns nnd Cae-
rellia Germanilla.
1:10
Z. 1 in der Mitte sind noch die Füsse der sieben Bachstaben
PRPRPRO (letzterer im Bruche) erhalten, Z. 2 a. E. kleine Reste von
T. — I ist zweimal (Z. 5. u. 7) überhöht. — Dass der Stifter Caerellius
hiess, ergiebt sich aus dem Gentile seiner Kinder.
Raetien wurde bis 166 von Procuratoren verwaltet, Caerellius kann
also erst nach diesem Jahre hier gestanden haben, und zwar in ausser-
ordentlicher Mission, da diese praetorische Provinz zwischen zwei consu-
larischen genannt ist. Da femer Brittanien i. J. 197 in Brittanvia superior
und inferior geteilt wurde, hier aber noch als Ganzes vorkommt, so fällt
die Inschrift, die man wegen der Buchstabenformen vor 150 setzen möchte,
erst in die Zeit zwischen 167 und 196. In der vita Severi 13 wird erzählt,
dass Kaiser Severus nach Niederwerfung des Albinus, also 197 oder 198,
drei Caerellier, den C. Macrinus, C. Faustinianus und C. Jnlianus habe
hinrichten lassen. Einer davon wird unser Legat sein (oder sein Sohn,
wenn, wie Ritterling meint, dort Marcianus statt Macrinus zu lesen ist).
Vergl. Brambach, C. I. Rh., 1033. Becker, röm. Inschr. v. Mainz, 79.
Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 314.
109. Altar, den Bewohnern und den Hastiferi von Kastei
geweiht, gefunden am 18. Juni 1866 zu Ober-Olm als Aussetz-
stein eines fränkischen Grabes. Sandiger Kalkstein. H. 66,
Bt. 44, 1). 13 cra. Der Stein war früher schon zu anderen
Zwecken verwendet, wie der Kest einer Verzierung auf der linken
Seitenfläche beweist ; zur Aufnahme der jetzigen Inschrift wurde
nur der obere Teil der Vorderseite geglättet.
— 77 —
TIACORVM-AVr
fcVLARIV5-MATIcJ
^L rc^c^i Nif
-H^
1:7,5
.... [i']icow[i]« e[t hasHfleris Castelli Mattiacorum Aur^elius) Candidas
cornieularitu Mat{t)i{a)corum Oordianor(um) allectus inter ip[808].
Den Bewohnern und den Hastiferi von Kastei hat Aurelius Candidus,
Comicularius (eine Art Unteroflicier) der gordianischen Mattiaker, nachdem
er in ihre Gemeinschaft aufgenommen, (diesen Altar gewidmet).
Z. 1 lassen die vorhandenen Reste eher auf vicanis hastiferU schliessen,
doch ist der Stein hier so beschädigt, dass et bei Annahme von Buchstaben-
Verbindungen im letzten Wort nicht ausgeschlossen ist. Für den Sinn ist es
wohl kaum zu entbehren. Auffallend ist freilich solche Sparsamkeit in der Ver-
wendung des Raumes, da, wie es scheint, a. E. hinter E noch Platz für einen
Buchstaben gewesen wäre. — Der Ausdruck vicani Castelli Mattiacorum
beweist, dass Kastei in röm. Zeit nur ein Flecken war (vergl. die Bem. zu Nr. 27).
— Das Collegium der haatiferi oder, wie sie auch genannt werden, dendrophori
war ein sacraler Verein, dem auch der örtliche Sicherheitsdienst in der Grenz-
stadt übertragen gewesen zu sein scheint. Dass ein aktiver Soldat in ihre
Gemeinschaft aufgenommen wurde, ist gegen alle Regel. — Ebenso uner-
hört, aber vielleicht durch ein Versehen erklärlich, ist es, dass hinter corni-
cülarius der Name seiner Militär-Abteilung fehlt. An eine Kohorte ist nicht
zu denken, eher wird es ein den Namen Mattiaci führender numerus gewesen
sein, d. h. eine unter dem Oberbefehl eines Of&ziers stehende und ein Ganzes
bildende Abteilung, die weder Legion, noch Ala, noch Kohorte ist. — Am
Schluss ist die Lesung ipsos unsicher, namentlich scheint der Raum zwischen
den Resten von R und I etwas klein zu sein, doch sind gerade hier die
Spuren sehr verwaschen. Eine weitere Zeile fehlt am Ende jedenfalls nicht.
— 78
TIBADN'SlOySNS.
ROSALVlSVAai
^^^^^^....-rrölSA^
Aus Z. 6 ergiebt sich, dass die Inschrift aus der Regierungszeit Gordians 111.
238—244 stammt.
Vergl. Becker, röm. Inschr. von Mainz, 267; Mommsen, Korrbl. d.
W. Z. VIII., Sp. 27 und 50.
HO. Altar, gefunden im Juli 1841 am GutenbergspL Nr. 10.
Geschenk des Herrn Lammert. Grauer Marmor. H. 71, Br. 36,
D. 30 cm. Der Oberteil ist schräg nach vorn vom Ganzen
abgebrochen, wobei links oben und namentlich unten ein Teil
der Vorderfläche verloren ginof.
[Ar]am Tib{eriu8) Adn{amiu8f)
Sequens pro scUute sua et Sem-
(iliaef) l ]etae eon[iuff{u)
et . , . , ß]liorum et T{itus) StUur-
nin{u8) Aurelius pro saltUe sua et
Juniae Lucillae coniuff(i8) et TUi
Aur(eli) ApoUinaris fili haruspiei*
b{tis) colilegia) d{ed%i) d{edieavit).
Diesen Altar haben Tiberius
Adnamius (?) Sequens für sein Wohl-
ergehen und für das seiner Frau
Senilia (?) .... eta und seiner
Kinder , sowie Titus Aure-
lius Satuminus fttr sein Wohl-
ergehen und das seiner Frau Jnnia
Lucilla und seines Sohnes Titus
Aurelius Apollinaris den Harus-
pices (Opferschauem), seinen Amts-
genossen, geschenkt und gewidmet.
Z. 2 ist die Abkürzung ADN'
nicht mit Sicherheit auraulösen.
Nur ein Gentilicium, das so anfängt
ist mir bekannt : Adnamius (Insclur.
aus Cilli V. J. 158, C. I L. ÜI,
5161 und 5162). Cognomina sind
etwas zahlreicher, nämlich anss^
Adnamus noch Adnama, Adnamato
und Adnamatus — Die Z. 3 n. 4
genannte Frau wird auf unserer
Inschrift wohl zwei Namen geführt haben (vergl. Z. 10), doch ist es zweifel-
haft, wie sie geheissen haben. — Z. 4 hat vor dem zur Hälfte erhaltenen C
oder Ct ein nach oben rechts ausladender Buchstabe gestanden, also wohl
ein E oder T, davor wird noch ein anderer ausgefallen sein. Beide gehörten
wohl zum Cognomen ; dann ist SEN Abkürzung des Gentiliciums, etwa
Seniliae. — Auf Z. 5 u. 6 standen die Namen zweier Kinder; die Grösse
der Lücke ist gesichert, da die Stücke hinten aufeinander passen (durch
ungeschicktes Aufsetzen hat das obere freilich eine schiefe Lage erhalten). —
Z. 8 steht das Cognomen vor dem Gentile — Die oben gegebene Auflösung
von COL* Z. 13 verdanke ich v. Domaszewski, der die Inschrift ungefähr
in die Zeit des Caracalla (211 — 217) setzt. Die frühere falsche Aunösong
col(omae) hat zu manchen verkehrten Annahmen geführt.
Vergl. Klein, Mainzer Zeitschr. I, S. 66; Brambach, C. I. Rh. 1002;
Becker, röm. Inschr. von Mainz, 96; Bergk, Westd. Zeitschr. I, 511, A. 2.
10
ET'
TSATVRMI MAVRELIVS
PRO SALVT E S VAET
IVNIAELVCILLAE
CON I VC^tTTI T I A/R
APOLLINARJSFILl
H ARVS Pier BCOUD'D
J:7,B
— 79 —
111. Unterteil eines von der zwanzigsten Legion geweihten
Altares, gefunden i. J. 1854 bei Erbauung der Häuser Mathilden-
terrasse 17 und 19. Sandstein. H. 41, Br 35, D. 25 cm. Die
Oberfläche scheint durch einen Brand stark beschädigt zu sein.
. . , leg{ionis) XX pro *[a-
l{ute)\ canabe(n8ium) ex r[o]/o
j)oa(uervnt) [rei(cr«?)? ad]
ca7)[aba8 ]^ia7)[a5 ab
expedit]ione VI Kal{enda8) [. . .
Vale]riano III et G[allieno II
co{n)8(ulibui5)].
(Dem betr. Gott) haben (die
. . . .) der zwanzigsten Legion
ihrem Gelübde gemäss (diesen
Altar errichtet) für das Wohl der
Canabenser (d. h. der Bewohner
der canabae, der hölzenien Buden
vor dem Lager, wo aus Vete-
ranen u. s. w. sich ein Gemein-
wesen bildete), nachdem sie von
dem Feldzug zu den
1:7,5
Canabae zurückgekehrt sind unter dem dritten Konsulate des Valerianus und
dem zweiten des Gallienus (d. h. i. J. 255 n. Chr.) am 27. (2() od. 24)ten ....
Die legio XX Valeria victrix stand damals in Britannien. Der Unter-
nehmung, welche die Veranlassung zu unserer Inschrift gab, wird auch noch
auf einem anderen in Pannonien gefundenen Altare gedacht (C. I. L. III
3228), der für das Wohl des Gallienus und der aus den germanischen und
britannischen Legionen abgesonderten Heeresabteilungen errichtet worden
ist. Es handelte sich dabei um einen Bürgerkrieg, da expeditio keinen
Beinamen (etwa germanica) hat. — Z. 1 ist von den Buchstaben P u. R
nicht viel mehr als die Senkrechten erhalten. — Z. 2 wäre die in einen
Vokal ausgehende Abkürzung CANABE in dieser Spätzeit sehr auffallend,
wenn es nicht für canaben stünde und also noch ein scliwacher Nasal hörbar
gewesen wäre. — Z. 3 zeugt das übergrosse S, welches auf das ungewöhnlicher
Weise unten auf der Linie stehende kleine folgt, von geringer Sorgfalt
des Steinmetzen; auch Z. 6 ist sehr unregelmässig eingehauen. — Z. 4 u. 5
läge es nahe, an [Mogov]fiana8 zu denken : doch ist die Namensform
Mogontia (oder vielmehr Magantia) bisher nicht vor Venantius Fortunatus
(um 530—600) nachweisbar gewesen.
Vergl. Laske, Abbildungen von Mainzer Alterthümern VI, S. 18.
Bramb., C. I. Rh. 1039. Becker, röm. Inschr. von Mainz, 109. Ergänzung
und Erklärung nach v. Domaszewski.
112. Weiheinschrift an die Fortuna supera und den Honos des
Adlers der zweiundzwanzigsten Legion, wurde i. «T. 1819 von Lehne
aus der mittelalterlichen Stadtmauer in der Nähe der von den
Franzosen errichteten Artillerie-Kaserne ['dm Kästrich) ausge-
brochen. Kalkstein. H. 70, Br. 95, D. 57 cm. Der Rahmen
der Inschrift ist mit rankenden Keben verziert. Auf der linken
80 —
Nebenseite sind die Attribute der Fortmia : Steuerroder und Füll*
hörn, auf der rechten der Adler mit dem Lorberkranz im Schnabd
dargestellt.
FORTVNAM
SVPERAMHO- t
NORIACCVILAE \%
tEC-XXllPRPF-M '
MINICIV^-M'FILI m
NjqyiR-Ll N D-OM/J^«-^
1:10
>■!
:^3inj
Fortunavi superam honori aquilae leg(ioni8) XXII pr{imigeniae) p(iae)
/{Idelis) M{arcvs) Minicius M(arci) fil{iu8) Quir{ina tribu) Lindo Afar[eef|-
/t[nu«] p{rimus)] j){ilu8) leg^ionis) ei(u8dem)
Dem Adler der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, xn-
verlässigen und treuen zu Ehren (hat) M. Miniciua Marcellinus, des Marcus Sohn,
aus der quirinischen IVibus, von Lindus (auf der Insel Rhodus), PrimipUus
(vomchnister Centurio) der nämlichen Legion die Fortuna snpera (d. h. ihr
Standbild) (aufstellen hissen).
Der Acousativ Fortunam 8uperam bezeichnet den Sockel als Trftger
des (Jötterbildea, ebensogut könnte auch der Dativ stehen (vergL Nr. 15). —
Sujura heisst die Fortuna wohl ohne besonderen Nebensinn als eine der
oberirdischen Gottheiten (sonst nur noch C. I. L. 111 1014). — Der Stein
— 81 —
stammt zweifellos ans dem Fahnenheiligtum des Praetorinms (vergl. Nr.
15 ff.) ; über das Recht des Primipilus, hier Standbilder zu errichten, vergl.
zu Nr. 25. — Die Inschrift gehört wahrscheinlich der Zeit des Septimius.
Severus (193—211) an (vergl. z. Nr. 18).
Vergl. Lehne, ges. Sehr. I, 296. Bramb., C. I. Rh., 1033. Becker, röm.
Inschr. von Mainz, 79. v. Domaszewski, Westd. Zeitschr. XIV. 40 und persönl.
Mitteilung.
113. Weiheinschrift an den Genius der zweiundzwanzigsten
Legion und den Honos ihres Adlers, gefunden am 21. Jan. 1881
in einem ?fei1er der römischen Bheinbrücke. Boter Sandstein
(jetzt infolge jahrelanger Aufbewahrung im Hofe des eisernen
Turmes durch den Buss der vorüberfahrenden Eisenbahnzüge
geschwärzt). H. 63, Br. 86, D. 54 cm. Die Schmalseiten haben
eine einfache Leisten-Umrahmung.
r.ENIVM'LE
r' i-xxii-jÄ-rf-Ho
^^ AVPsELI
1;10
Oenium legumi{H) XXII pr(imigeniae) p(iae) ßidelia) honori aquilae
legiionis) 8(upra) s(eriptae) Äureliu» ....
Den Genins der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, zu-
yerlässigen und treuen (d. h. sein Standbild) hat dem Adler der oben
genannten Legion zu Ehren Aurelius .... (gestiftet).
Die Buchstaben-Striche der unteren Zeilen sind vom Wasser zu flachen
Mulden ausgewaschen, die man fast besser fühlt als sieht. Namentlich
sind das G Z. 3 a. E. und die beiden S Z. 4 a. A. fast ganz erloschen.
über den Accusativ zu Anfang, Zeit der Errichtung u. s. w. vergl. Bemerk,
zu Nr. 112.
Vergl. Keller, Nachtr. I, 68 a.
114. Weiheinschrift an den Bonus Eventus (glücklichen Erfolg)
der Soldaten des obergermanischen Heeres, aus der mittelalter-
lichen Stadtmauer, neben der äusseren Gaupforte (bei dem 1857
in die Luft geflogenen Pulverturme) ausgebrochen. Weisslicher
Sandstein. H. 60, Br. 67, D. 24 cm.
82 —
r
PJIO^ SALVTE
, DD • i^ N
^ 5ANCTTS^l vfoKVM
'1^ INC? P
Y bOtslO^EVt NTV ^ MI L
STRATOPv
1:7^
Pro Salute d{pmiuorum) n{pstrorum) sanctUsimorum imp(eraiorum) bono
eventv{i) mU{itum) exercitus G{ermaniae) s{uperior%8) Materniua Perletut
mU{es) [l]eg(ioni») XXll iyT{imigeniae) p{iae) /{idelU) strator [co{n)i{ulari*)
c{uram) a{gente) . . . .]to po[8uU ....].
Für das Wohlergehen unserer Herren, der erhabensten Kaiser, hat dem
Bonus Eventus (glücklichen Erfolg) der Soldaten des obergennanischeii
Heeres der Bereiter des Statthalters (?) Matemius Perletus, Soldat der
zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, zuverlässigen und treuen,
(diese Tafel) gesetzt, indem . . . . tus dafür Sorge trug.
Z. 2 ist die Mehrzahl durch Verdoppelung der Anfangsbuchstaben,
die Abkürzung durch ein besonderes erst vom oritten Jahrb. an üblicher
werdendes Zeichen über den beiden N, den Silicus, angedeutet. Die beiden
hier gemeinten Kaiser sind fast zweifellos Septimius Severus und Caracalla,
die von 198 — 209 zusammen regierten. — Z. 4 ist die Mehrzahl, wie ge-
wöhnlich, durch Verdoppelung des letzten Konsonanten der Abkürzung
bezeichnet. — Z. 5 ist eventu die aus eventui contrahierte Form des Dativs. —
Z. B ist die Länge des u durch den Apex angedeutet (vergl. Nr. 13), der
Z. 7 infolge eines Versehens auch über einem kurzen u steht. — Z. 8
heisst 6traior nicht Stallmeister (das ist der centurio strator), sondern Be-
reiter; die stratores consularis haben auch den Stein Becker 85 errichtet
ikide Denkmäler stammen aus dem im Praetorium befindlichen Heiligtam
der Stratores. — Z. 9 hinter PO fehlt kein Buchstabe. — Die Inscmift
stammt aus den Jahren 198 — 209.
Vergl. Fuchs, Gesch. v. Mainz I, 60. Bramb., C. I. Rh., 983. Becker,
röm. Inschr. v. Mainz, ()4. v. Domaszewski, Westd. Zeitschr. XIV S. 30
und 102.
— 83 —
115. Weiheinschrift an den Bonus Eventus (glUcIclichen Erfolg)
der Reiter der zweiundzwanzigsten Legion, in zwei Stücken gefunden
in der alten Stadtmauer am Eästrich. Weisser Sandstein.
H. 33, Br. 62, D 9 cm.
AL B A Nlk^5ywG W OLAr
^rMACPt\^^lX>S^IVLI
W VPcÖiMfVE S'SVhA HLC^
?ElANoja\ELIGHAJ^
1:7,B
Bonum eventum eq{uüum) Ug{itmi8) XXII pr{imigeniae) p(iae) ßidelU)
Aibaniua Agricola et Macrinius Jidianus q{uae8tore8) cives Sumelo{een8e8)
[Po]mpeiano et Ptielignian[o] co{n)8{ulibus),
Pas Standbild des) Bonus eventus (glücklichen Erfolges) der Reiter
der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, zuverlässigen und
treuen (liessen) die Quaestoren Albanius Agricola und Macrinius Julianus,
zwei Bürger von Sumelocenna (Rottenburg), (errichten) unter dem Konsulate
des Pompeius und Paelignianus (i. J. 231 n. Chr.).
Z. 2 ist die Bezeichnung der Mehrzahl durch Verdoppelung der
beiden Anfangsbuchstaben E und Q bemerkenswert (vergl. Nr. 1 Z. 15),
während Z. 5 die Verdoppelung nur des ersten Zeichens demselben Zwecke
dient. — Die equites einer Legion gehören zu den niedersten Chargierten,
die im Rang zwischen dem gregarius und dem tesaerarius stehen. — Zweimal
ist ein kleines angewendet (Z. 3 und 5), ein drittes Mal war es wohl
Z. 5 a. £. der Fall. — Z. 7 ist vom S nicht viel mehr als ein Schatten
vorhanden. — Die Tafel war in der schola (Nische des Hofes vor dem
Fahnenheiligtum) der equites legionis aufgestellt, welche wie die anderen
dhargierten ein Kollegium bildeten mit einer Kasse, arca, deren Verwalter
die quae$tore9 sind.
VergL Klein, Mainzer Zeitschr. 11, 448; Bramb., C. I. Rh., 1034;
Becker röm. Inschr. v. Mainz, 65 ; v. Domaszeswki, Westd. Zeitsch. XIV, 44.
116. Steinlcuge! mit Inschrift. Im Herbst 1897 auf dem
Hofe des kathol. Lehrlingshauses, Ecke des Ackers und der
Breidenbacher Str., aufgefunden. Geschenk des Vorstandes des
kathol. Lehrlingshauses. Die oben und unten ein wenig abge-
plattete, aus sehr weichem Kalkstein bestehende Kugel hat einen
Durchmesser von 44 cm. Um die Mitte läuft ein 7 cm breites
Yertieftes Band, in welchem ein Metallreifen gelegen haben
könnte. Nach oben und unten wird es durch je eine Reihe
Yon Punkten abgegrenzt, die jedoch an manchen Stellen ver-
schwunden sind.
84
1:5
L{uciu8) Otacüius Fabriciu[8 . . . , X vir] 8tlitib{u8) iudie(€mdu)
trib{unus) mil{itum) leg^ionis) X \. , . . quae8t(pr)] trib(unu8) pleb(is) praetor
legiahia) Ca[c«(ari«) Aug{usti) {legionia) .... posiuit)],
Lucius Otacüius Fabricius . . . . , Mitglied des Zehmnännergerichtes,
Kriegstribun in der . . . sten Legion, Quaestor, Volkstribun, Praetor, Befehls-
haber der . . . sten Legion hat (den betr. Gegenstand) aufgestellt.
Der ursprüngliche Zweck der Kugel ist zweifelhaft; möglicher Weise
bildete sie mit einem darunter liegenden Würfel die Basis fttr irgend ein
Weihgeschenk (vielleicht eine Viktoria-Statue ?). — Die 30 cm lange Inschrift
ist rechts durch eine 26 cm lange Beschädigung des Steines verstümmelt. —
Z. 1 ist Fabricius zweites Gentile, das Cognomen fehlt. Leider ist der
Mann sonst unbekannt, und man kann daher auch nicht wissen, in welcher
Legion er Kriegstribun gewesen, und welche er später befehligt hat. Die
Ergänzung der letzten Zeile beruht auf einer Vermutung Zangemeisters. -—
Auffallend ist das Fehlen von imperatoris vor Caesaris. — Die Inschrift
gehört dem ersten Jahrb., und zwar wahrscheinlich der ersten Hälfte
desselben, an.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII, Sp. 1.
b. Kaiserinschriften, Ehreninschriften,
Bauinschriften.
117. Inschrift zu Ehren des Kaisers Claudius, gefunden am
30. Aug. 1878 bei Kanalisierung der hinteren Bleiche in der
Nähe des Münsterthores. Kalkstein. H. 125, Br. 90, D. jetzt
noch 54 cm. Aus vielen Stücken zusammengesetzt.
Ti{berio) Claudio Caesari Aug{u8to) Oermanico pant(ifict) max{imo)
trib{unicia) pot{e8tate) III, imp{eratori) IUI p{atri) p{atriae) co{n)s{uli III
cives romani manticulari negotiatores, C[aio) Vibio Bufino leg(a(o) pro
2)r[aetore).
Dem Tiberius Claudius Caesar Augustus Germanicus, dem Pontifez
maximus, dem Vater des Vaterlandes (haben) im dritten Jahre seiner
tribunicischen Gewalt, als er zum vierten Male zum Imperator aosgemfen
und zum dritten Male Consul war, die Kleinhändler römischen Bürgerrechtes
(dieses Denkmal errichtet) als Gajus Vibius Rufus Statthalter war.
^ 85 -
Sämtliche T (ausser auf Z. 6) überragen die übrigen Buchstaben j
einmal, Z. 8, ist die Länge der I durch Überhöhung ausgedrückt.
Zu Z. 6/7 schreibt Mommsen, Korrbl. d. W. Z. „Die negotiatores
maniieularii kommen sonst nicht vor, aber da manticula der Geldbeutel ist
(Festos p. 133 mantietikirum usus pauperibus in nummU recondendls etiam
3/
MO
GERAAMiCCy
ponIMaiTribpoT
llliMPIlllPfCOS-III
cf^S-RQMNlMANTl
CVLARl-NlGCpMÖ
tlcvlBIOfiVFlNOl&PR'PR
\
J
'}
■I
1:10.
noitro aaeeulo fuit)^ so würden es die Kleinhändler sein, die gegen bar im
Laden oder Trödel verkaufen, der Gegensatz der magnarii^. — Nach Z. 4/5
ist die Inschrift i. J. 43 n. Chr. verfasst.
Vergl. Keller, Nachtr. I und II, 130 a.
86
118. Bruchstück einer
Nachtrags.
Sockelinschrift. Yergl. Nr. 19 dieses
L'FILHIPPI
©YAlO
YBIRÄ
^
[. . . . irib{unt) mü{itum) leg(iomii)
XXII p\r{tmigenxae) p{iae) f{ideti»)
[. . . pr(im£) pi\l{t) fU{ius) Bippi
[. . . . C]adyan[d\a [. . . .]a Oybira,
(Die Bildsäule stifteten dieEriegs-
tribunen der zweiundzwanzigsteii
Legion), der erstgeworbenen, «i-
yerlässigen und treuen, nämlich
.... eines Primipilos Sobn ans
Hippns, .... aus Cadyanda, .... aus Cybira.
Die Inschrift gehörte wohl zu einer Basis, auf der ein Standbild
des Kaisers stand. Dies war aber gewiss Septimius Severus (193—211),
denn unter ihm wurde das Heiligtum der Legion umgebaut (vergL Nr. 24),
und alle dort aufgestellt gewesenen Steine, wozu auch der unsrige zweifellos
fehörte, sind unter ihm und seinen Nachfolgern errichtet; aus der Zeit
er letzteren aber kann unser Stein darum nicht stammen, weil die Legion
keinen Kaisemamen fahrt. — Da mehrere Stifter genannt sind, so kann
nur die Gesamtzahl der Centurionen oder die Gesamtzahl der Tribunen
in Betracht kommen. Die ersteren sind bei der Grösse der Schrift wegen
des sich dann ergebenden Umfangs der Inschrift ausgeschlossen ; also waren
es die (mindestens sechs) Tribunen, wie es scheint lauter Asiaten, was auf
die Absichten der damaligen Regierung ein bezeichnendes Licht wirft.
Einen davon glaubt v. Domaszewski gefunden zu haben in einer griechischen
Inschr. aus dem in Lykien bei Cybira gelegenen Balbura, s. Denkschriften
der Wiener Akademie, 1897, S. 39: T. Magxioy KoviQsira JeioraQucyoy
^BiXlaq^ov Xeyiioyog xß' ngeifiiysysiag vloy MaQxiov Tiruxyov indg^ov
anBiQüiy xetXiuQ^ov XeyitoyeDy f nQSifimsCXov xrCarov rijg noXeiag, Diese
Inschrift stammt nämlich aus derselben Zeit wie die Mainzer, da einerseits
auch hier die Legion keinen Kaisemamen hat, andererseits der Vater des
Tribunen, obgleich Provinziale praefecttLs cohortium, trihurtua müüum, primi-
pilus war. Vor Septimius Severus aber waren alle Primipili Italiener.
Vergl. V. Domaszewski, Korrbl. d. W. Z. XVm, Sp. 97.
119. Sockelinschrift der zweiundzwanzigsten Legion, gefunden
in Mainz. Kalkstein. H. 42, Br. 61, D. 18 cm.
IIPRIJ
[Ley(io) Ä]XII pr%m(igen%a) \p(ia) /(idelit)
Anio]nini(ana).
Die zweiundzwanzigste Legion, die erst-
geworbene, zuverlässige und treue, die Anto-
ninianische.
1:20
Die Inschrift war vermutlich an der Basis eines Kaiserbildes an-
gebracht. Wen dieses darstellte, ergiebt sich wohl aus dem Beinamen
der Legion, der auf M. Aurelius Antoninus, d. h. auf Caracalla (211 — 217)
hinweist.
Vergl. Klein, Mainzer Zeitschr. 11 1, 71. Bramb., C. I. Rh., 1367
Becker, rüm. Inschr. v. Mainz, 296. Ergänzung nach v. Domaszewski
— 87 -
120. Ehreninschrift für die zweiundzwanzigste Legion, in
üainz errichtet von der Bürgerschaft der Stadt Trier, gefunden im
Mai 1886 beim Abbruch der mittelalterlichen Stadtmauer am
Bisgrubenweg. In zwei Stücke zerbrochen. Kalkstein. H. 128,
Br. 86, D. 36 cm. In den Vertiefungen sind Spuren roter
Farbe sichtbar.
10
vJf
/i
IN'HLSEPTIMI
SEVEKIPII-PERTI NA
ClSAVGINVICtllW
ETMAVREU'ANTO
NINI-CAES
LEC[^ NIXXTl-PR-P
. hi g N oru sy I KTVi s
■tAVSACivTt-\^;I?lC^^
V.EROaV|^
INOBSlDlOi^ÄTJEA
DEFEN5A
'"Tmwk -a-
1:10
In h{onorem) Huct) Septimi Severi Pii Pertinacia Aug[u8ti) invieti
mp(eratori8) et M{arci) Aureli Antonini Caes(ari8) legioni XXII priimi"
geniae) p(tae) /[Ideli) honoris virtutisq(ue) causa civitas Treverorum in
obtidione ab ea defenaa.
— 88 —
Zu Ehren des unbesiegbaren Kaisers Lucius Septimius Severus Plus
Pertinax Augustus und des Kronprinzen Marcus Aurelius Antoninus (widmet)
der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, zuverlässigen und treuen
ihrer Ehre und Tapferkeit halber die von ihr verteidigte Stadt Trier (dieses
Ehrendenkmal).
Z. 2 ist das zweite I von Pii etwas überhöht. — Z. 6 ist das
fast völlig verschwunden und a. E. von F nur noch der obere Winkel
übrig geblieben. — Z. 7 sind V und T verbunden, dahinter ein kleines I;
a. E. ist von Q nur noch der linke Bogen erhalten. — Z. 8 ist das lange I
in civltaa überhöht; die letzten Buchstaben sind oben beschädigt. Durch
Abschürfung sind auch das M (Z. 9) und die Ligierung NE (Z. 10) übel
mitgenommen. — Septimius Severus erhob seinen Sohn M. Aurelius
Antoninus (= Caracalla) i. J. 196 zum Caesar, 197 zum Imperator desti-
natus, um die Jahreswende 197/8 zum Auguatua, Da wenigstens letzterer
Titel auf unserer Inschrift nicht fehlen durfte, so muss sie zwischen
196 und 198, wahrscheinlich i. J. 197 verfasst sein. Im Februar dieses
Jahres aber wurde der Bürgerkrieg zwischen Septimius Severus und seinem
Gegenkaiser Clodius Albinus durch die Entscheidungsschlacht bei Lyon
beendigt. In diesem Krieg hatten auf Seiten des Severus, wie dessen Legions-
münzen beweisen, u. a. auch die germanischen Legionen gestanden, und
ihrem Beispiele waren wohl auch die benachbarten Teile Galliens, also
namentlich die Treverer, gefolgt, während das übrige Gallien sich wie
Spanien und Britannien für Albinus erklärt zu haben scheint. Die Partei
des letzteren hat dann offenbar die von der zweiundzwanzigsten Legion
besetzte Stadt Trier zu erobern gesucht. Handelte es sich um einen Einfall der
Germanen, so würden diese wohl als Barbaren ausdrücklich genannt worden
sein, während man die Nennung von Mitbürgern als Feinden feinfühlig unter-
liess. Die Inschrift wird also noch i. J. 197 unmittelbar nach der Nieder-
werfung des Albinus gesetzt sein, worauf auch die Bezeichnung des Severus
als invictiis imperator hinweist, welchen Beinamen er auf Münzen erst
nach dem parthischen Krieg führt.
Vergl. Keller, Nachtr. II, 134 a; Keller, Korrbl. d. W. Z. V, Sp. 138;
Mommsen, Möller und Keller ebenda Sp. 185 ff. ; Zangemeister ebenda Vll,
50 ff. ; Hirschfeld, Sybels Zeitschr. LXXIX (1897), S. 469 ff.
121. Widmungs- Inschrift an einem Ehrenbogen, gefanden im
November 1898 in den Grundmauern der mittelalterlichen Stadt-
mauer nordwestlich vom Gauthor. Geschenk der Festungs-
behörde. Gelblicher (Flonheimer ?) Sandstein. Die Inschrift be-
stand ursprünglich aus vier mächtigen 73 cm hohen und bis
35 cm dicken Platten, von denen leider eine fehlt. Auch die Um-
rahmung ist rechts und mehr noch links unvollständig erhalten.
Sie bestand aus einer Art von Amazonenschild, der oben und in
der Mitte von einem Genius gehalten wird. Von den erhaltenen
— 89
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Platten ist die eine 127, die zweite
98, die dritte 65 cm lang; die
dazwischen fehlende wird ungefähr
einen Meter lang gewesen sein.
In h{pnorem) d(omus) d(ivinae) J(ov{)
o(2?ftmo) m(<iximo) conservatori ar[cu8 cum
8{gni]8f quos Dativiua Victor dec(ur%o)
cimt[aii8) Taun[ensium vicania] Mogon-
tiacensibus [p]romi8it Victor[li Probus f et
Frim f]u8 fili et heredes con8umma[verunt
l(ibenteg) 7n[erito)f],
Zu Ehren des erlauchten (Kaiser-)
Hauses haben dem Juppiter, dem Besten
und Höchsten, dem Beschützer, einen mit
bildlichen Verzierungen geschmückten
Bogen, welchen Dativius Victor, Ratsherr
der Gemeinde der Taunenser (um Heddem-
heim) den Bewohnern von Mainz ver-
sprochen, dessen Söhne und Erben Victorius
Probus (?) und Victorius Primus (?) gern
und nach Gebühr errichten lassen.
Zu dem in der Inschrift genannten
Bogen können dem Materiale nach die
sieben gleichzeitig gefundenen Wölbsteine
gehören, an deren unterem Teil die Zeichen
des Tierkreises angebracht sind, während
darüber rechts und links je ein feierliches
Opfer dargestellt war. — Das Gentile
der Söhne ist abgeleitet vom Cognomen
des Vaters (vergl. Nr. 53). — Die Formel
IN-H-DD ist nicht vor 170 üblich
(vergl. Nr. 4) und der Beinamen des Gottes
conaervator weist vollends auf das dritte
Jahrhundert.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. X VII,
Öp. 202.
90 —
122. Bauurkunde der ersten Legion, gefunden im Nov. 1898
in den Grundmauern der mittelalterlichen Stadtmauer nordwestl.
vom Gauthor. Geschenk der Militärbehörde. Bötlich-gelber
Sandstein. H. 49, Br. 83, D. 84 cm. Die Inschrift ist offen-
bar ebensowenig wie Nr. 36 und 91, die sich auf ähnlichen
Baustücken finden, für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen.
Infolge einer späteren Abschrägung
des Steines wurde sie am Ende ver-
stümmelt.
i V* I 'ß^^ VT^ H^iSfio) I ad(iutrix) e{oJioräf) X (?).
I V. Die erste Legion, die Helferin ; zehnte
\ J Kohorte.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVn,
1:10 Sp. 203.
r
123. Bauurkunde der ersten Legion, gefunden im November
1896, im übrigen vergl. Nr. 91
L(eg%o) I adfiulrix) (eoharä f) V,
Die erste Legion, die Helferin
fünfte Cohorte.
Auf die richtige Lesnng brachte,
Herr Hilfs-Conservator P. Th.
Kessler.
1:1B
124. Bruchstück einer Bauurkunde der vierten Legion, gefunden
am 14. April 1885 beim Bau der Station Neuthor
in römischem Mauerwerk. Weisser Kalkstein.
H. 43, Br. 36, D. 10 cm.
Le[g{io) If ad(iutrix)'i Die erste Legion, die Helferin.
iJ/[. ...] M....
Z. 2 wird einen Centurionen-Namen enthalten haben.
^'^ Vergl. KeUer, Nachtr. II 132 g; ErklÄnmg nach
V. Domaszewski.
125. Bruchstück einer Bauurkunde der zwelundzwanzigtten
Legion, gefunden am 25. Mai 1898 bei Legung einer Wasser-
leitung auf dem Fahrweg zwischen Gauthor und Fort Joseph.
Weisslicher Kalkstein. H. 24, Br. 39, D. 9 cm. In den Ver-
tiefungen der Buchstaben Spuren roter Farbe.
91 —
1:16
Die mehr oder weniger erhaltenen Zahlzeichen XXI
mit dem Über OrdinalzaUen üblichen Strich deuten auf:
[Leg(i6)] XX1[I pr{imxgen%d^ p{ia) /(idelis).
Die zweiundzwanzigste Legion, die erstgeworbene,
zuverlässige und treue.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII, Sp. 102.
c. Grabinschriften.
^
/tAHTONM
126. Grabstein des L Antonius Senilicus von der vierzehnten
Legion, gefunden in Nieder-Ingelheim beim umbau des Hauses
Obergasse Nr. 8, am 29. September 1898 ins Museum verbracht.
Kalkstein. H. 120, Br. 73, D. 34 cm.
L(uciu8) Antonius L{uct) f(üitu) Vol-
{tinia) tribu [....] Senilic{u8) [eq{ue9) ?]
leg(toni$) XIIII gem(inae) [. . . .].
Lucius Antonius Senilicus, Sohn des
Lucius, aus der voltinischen Tribus,
Reiter (?) der vierzehnten Legion, der
illLEOiÖffiCÖÄJ doppelten ....
i ~1. s^^^T-^-^Ä: J ' Neben den deutlich erhaltenen Schrift-
11 A . i K zeichen finden sich auf dem Stein zahl-
reiche Basuren, deren Veranlassung nicht
recht klar ist. Gegen blosses Verhauen
spricht vor aUem die Easur am Schluss,
fegen wiederholte Verwendung desselben
teins der Umstand, dass seine Oberfläche
an vielen Stellen durchaus unverletzt ist. —
Z. 2 ist zwischen und L die deutliche
Spur einer Senkrechten sichtbar. Hinter
dem Tribusnamen erwartet man auf dem
freien Raum, dessen erste (nicht aber
zweite) Hälfte Spuren früherer Schrift
sehen lässt, die Heimatbezeichnung, die
dem Steinmetzen vielleicht nicht bekannt war. Z. 3 hat an Stelle des S,
nur etwas weiter nach links gerückt, vorher wahrscheinlich ein G (oder C)
rinden, und das erste I zeigt an seinem oberen Ende ganz deutlich
Spuren eines T-Striches. Am Ende der Zeile fehlt ein Wort wie
vdl(e$) oder «g(M««); letzteres könnte nach der Form der Rasur in der
Thai da gestanden haben. — Dass in der getilgten fünften Zeile ehemals
Martia victrix gestanden hat, welche Beinamen die Legion erst während
ihres zweiten Aufenthaltes in Mainz (70 — 90) führte, ist nicht wahrschein-
lich. Vielmehr scheint der Stein aus der Zeit ihres ersten Aufenthaltes
zu stammen, aus den Jahren 14—43 v. Chr. Es ist möglich, dass am
Schluss der Name des Erben als eines der bei dem Soldaten- Aufs tande
nach Augustus* Tod besonders belasteten Rädelsführer getilgt worden ist.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVm, Sp. 17.
127. BruclistUcic von dem Grabstein eines Soidaten der zwei-
undzwanzigsten Legion, gefunden am 26. Mai 1898 am Triton-
platze neben dem Theater. Weisslicher Kalkstein. H. 44, Br.
25, D. 20 cm.
1:90
1:16
— 92 —
. . .f{iliu8) Pa\^p{ir%a trihu) Ni\grinu\9 2f\ar-
h{one) mi[l{e8) legilonis)] XX[TI pr(imigeniae) p{iae)
' f{idelU) . . .
. . . Nigrinus, Sohn des . . , von dem papirischen
Bürgerverbande, aus Narbo, Soldat der zweiund-
zwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, treuen
und zuverlässigen ....
Z- 3 a. A. ist ein A im Bruche deutlich erkennbar; die Ergänzung
zu Narb{one) ist daher so gut wie sicher. Da am Ende dieser Zeile nur
mil(e8) gestanden haben kann, so ist die ursprüngliche Breite des Steines
gegeben. — Dass Narbo zur papirischen Tribus gehörte, ergiebt sich u. a.
aus der Inschrift bei Becker Nr. 154. (Vergl. auch Kubitschek, imp. rem.
tributim discr. p. 210). Nun passen die Buchstabenreste Z. 1 a. E. sehr
gut zu einem oben nach rechts hin ausladenden Buchstaben mit folgendem
A ; also stand hier wahrscheinlich PAP(iria). Dann bleibt für das Cognomen
des Mannes, dessen sonstige Namensbezeichnung verloren ist, kaum etwas
anderes als Nigrinus übrig. — Z. 4 wird man an die 21. Legion kaum
denken. — Der Stein dürfte um die Wende des ersten und zweiten Jahr-
hunderts zu setzen sein.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII, Sp. 104.
128. Bruchstück von dem Grabstein eines Reiters von der
Ala (Schwadron) der Noriker, gefunden i. J. 1859 im Fort Karl.
Kalkstein. H. 104, Br. 43, D. 10 cm. Von dem ursprünglich
vorhanden gewesenen Reliefbilde ist jetzt nur noch der ver-
stümmelte Oberkörper des Barbaren übrig, der unter dem Pferde
des römischen Reiters lag. Die Hosen, mit denen der sonst
nackte Mann bekleidet war, sind mit einem Gürtel festgehalten;
die dadurch veranlassten Falten sind deutlich sichtbar. Sehr
kräftig hervorgehoben ist auch das Rückgrat.
Was aber über der rechten Schulter unter-
halb des lockigen Haupthaares dargestellt
war, ist nicht gewiss ; vielleicht war es der
(dann allerdings sehr verzeichnete) linke
Unterarm.
)RICORVM;
u
UlU,Ji " f^^'* "
1:15
. . . [Sf]trat(mi8 [/{ilitu) eq(ues) cUa Ny>ricorum
)[an(norum) .... 8]tip(endiorum) VII h(ic) s^iiua)
[e{at) heres ?] fecit,
. . . Sohn des Strato (?), Reiter des norischen
Geschwaders, .... Jahre alt, sieben im Dienst, liegt
j «J I hier begraben. Sein Erbe (?) liess ihm (diesen
Grabstein) errichten.
Auf den fünf aus den Jahren 74 — 134 stammen-
den Militär-Diplomen ist die ala Noricomm nicht
genannt ; da die Formel H * S ' E eine spätere Zeit
ausschliesst, so stammt der Stein aus den voraus-
gehenden Jahren.
Vergl Bramb., C. I. Rh. 1118 und 2081, 6 ;* Becker
röm. Inschr. von Mainz 225 und 285.
— 93 —
129. Grabstein des Helvetiers Julius Ingenius von der ersten
.flavischen Ala (Schwadron), gefunden am 8. Februar 1898 beim
Bau des Hauses Kurfürstenstrasse Nr. 56. Geschenk des Herrn
Tünchermeisters Holz. Grünlicher Sandstein. H. 214, Br. 76,
D. 20 cm. Die unteren 80 cm sind rauh behauen ; sie steckten
in der Erde.
Über der Inschrift befindet sich die Relief-DarsteUung eines sogen.
Totenmahles in sehr handwerksmässiger Ausführung. Der Verstorbene liegt
in einer muschelförmig gebildeten Nische auf dem Lager und hält mit beiden
Händen eine grosse gerippte Schale. Der Sklave steht in der Haltung des
auf Befehle Wartenden am Fussende. Die Unterarme sind übereinander
gelegt; zwischen den Fingern der rechten Hand scheint er den Stiel eines
Schöpfgetässes (simpulum) zu halten, dessen unterer Teil abgebrochen ist.
Zwei doppelhenkelige Kumpen stehen auf dem dreibeinigen Tischchen, eine
Kanne mit kleeblattförmigem Ausguss steht neben demselben. Unter dieser
Darstellung ist in schönen Buchstaben die Inschrift eingehauen :
Julius Ingenius Massae fiüius) cives
{h)elvetiu8 mi8s(u8) ex al(a) I Fl(avia) hie
8it(us) est h{ere8) faciendum) c(uravit),
Julius Ingenius, Sohn des Massa, helve-
tischer Bürger, verabschiedeter Soldat der
ersten flavischen Ala, liegt hier begraben. Sein
Erbe Hess (ihm diesen Grabstein) fertigen.
V. Domaszewski vermutet, dass der Be-
stattete in Wirklichkeit den sehr häufigen
Namen Ingen(u)u8 geführt habe. — Seine
Heimat ist, da er als Soldat der Hilfs-
^ '^ truppen das römische Bürgerrecht nicht
besass, nicht durch einen Stadtnamen, sondern durch den Namen seines Gaues
bezeichnet. — Die erste flavische Ala, die ebenso wie die zweite auch
noch den Beinamen gemina führte, kommt auf den obergermanischen Militär-
Diplomen aus den Jahren 74, 82, 90 und 116 vor. Die Formel hie sitvs est
weist noch auf das erste Jahrhundert.
MASSAE^
CIVESEIVET^^
MISSEXA&FÖ
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII, Sp. 67.
130. Bruchstück von dem Grabstein des P. Septimius, von
Herrn Lieutenant BüUe im Fort Karl entdeckt und von der
Festungsbehörde am 3. Juni 1898 dem Museum geschenkt.
Kalkstein. H. 48, Br. 86, D. 25 cm. Der mit Akanthus-
blättern verzierte Giebel ist stark beschädigt. Von der
Inschrift ist fast nur noch erhalten der Name des Bestatteten.
P{uhliu8) Septimius. Z. 2 a. E. Rest
eines S, das vermutlich zur Endung des
Cognomens gehörte.
Das Bruchstück stammt wohl von
einem Soldaten-Grabstein spätestens aus
der Zeit Trajans.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII,
Sp. 105.
^'^cEEuiiys]
1:90
— 94 —
131. Grabstein der Paulina, gefunden am 12. August 1898
beim Hause Eurfürstenstr.
47. Geschenkt von Fräulein
Achenbach. Gelblicher Sand-
stein. H. 89, Br. 44, D.
32 cm. Der Stein hat die
Gestalt eines Altars, und dieser
war den Manen geweiht. Das
Erönungs - Gesims ist etwas
beschädigt, doch erkennt man
noch sehr gut, dass seine Ver-
zierung derjenigen der Altäre
Nr. 2 und 7 dieses Nachtrags
gleich war.
2>({«) M{anibii8) Paulinae filiae
anno XII {a)etati{8) infeliei8sim{a)e
Quietius Secundus lib{rarius) Icgati
et Secundinia Paula patres f(aeien'
dum) c(uraverunt).
Den Manen (Schattengöttem).
Seiner Tochter Paulina im zwölften
Jahre ihres jammervollen Daseins.
Ihre Eltern Quietius Secundus,
Schreiber des Legionslegaten, und
Secundinia Paula Hessen (diesen
Grabstein) fertigen.
Z. 3 und 4 ist die Konstruktion unsicher, doch ist etati infeUeissime
wohl als Genetiv abhängig von anno XII aufzufassen. — Bemerkenswert
ist noch die sonderbare „Silben "-Trennung am Ende der vierten Zeile. —
Der Name der Tochter ist von dem Cognomen der Mutter abgeleitet. —
Aus den zu Nr. 2 a. E. angegebenen Gründen stammt der Stein aus der
Zeit um 200 n. Chr.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVU, Sp. 145.
AhNO^XIPETÄTl
I^FEICISSlVE<^V
lETlVS^SECVN
DVS^LIB^LEGAt
3PSecvn:)itnIa
PAVLA-PäTRES
F C
SLJ!fiLW..3 r ^ ' j. ?.ugj J^S ^
1:10
132. Grabstein der Seeundina Paula, gefunden wie Nr. 131.
Geschenkt von Frl. Achenbach. Gelblicher Sandstein H. 105,
Br. 55, D. 34 cm. Die Verzierung des Krönungs-Gesimses, die
wohl gleich derjenigen bei Nr. 131 war, ist hier völlig abgeschlagen,
doch ist oben der Opferteller erhalten, der dort fehlt.
[D(i8) M(anibii8)]. Secundiniae Paul(a)e coniugi incomparabüi et pten-
tis8lm(a]e aarito ob8equenti8sima(e) Quietius Secundus b{ene]f[iciarius) leffoH,
Den Manen (Schattengöttern). Seiner unvergleichlichen, treuen und
dorn Gemahl gehorsamen Frau Secundinia Paula (hat) Quietius Secundus, Bene-
liciarus (Bureaubeamter) des Legionsobersten (diesen Grabstein fertigen lassen).
— 95 —
n^
:a
Hv
EGVNDINIA
PAVLECONIVa
INGOMPÄ^BILI
ETPIENTISSIME
MARITO OBSE
QVENTISSIMA
QV1£TJVSS EC
V N D V S B F
L E G A r 1
Nach dem Muster des
vorausgehenden Steines
wird auch hier DM* auf
dem Sims gestanden haben.
— Statt der Endung ae
steht zweimal (Z. 2 und
4, e, einmal (Z. 6) a. —
Z. 6. a. E. überhöhtes I
zum Zeichen der Länge. —
Nur einmal (Z. 2) werden
die Worte durch einen
Punkt getrennt, zweimal
aber hat der unwissende
Steinmetz einen solchen
in die Mitte des Wortes
gesetzt, nämlich Z. 3, wo
er ursprünglich nach
incompa stand, hinter dem
dann erst nachträglich die
durch Abirren des Blickes
von R auf B vergessene
Silbe ra eingefügt wurde,
und Z. 7 hinter Qui, —
Die hier genannten
Personen sind dieselben,
welche auf Nr. 131 vor-
kommen. Unser Stein
stammt also aus derselben
Zeit wie jener. Quietius
Secundus war inzwischen
vom librarius legati zum
heneficiartus legati auf-
gerückt.
Vergl. Körber, Korrbl.
d. W. Z. XVII, Sp. 147.
1:10
133. Bruchstück von dem Grabstein eines Unbel(annten, ge-
funden am 20 Mai 1898 beim Bau des Hauses Eurfürstenstr.
Nr. 47. Geschenk von Frl. Achenbach. Rötlicher Sandstein.
H. 17, Br. 9, D. 17 cm.
Eine Kandleiste ist nicht erhalten, doch scheint in
Z. 2—5 links kein ganzer Buchstabe zu fehlen. — Z. 1
ist der Rest eines, schwerlich zweier N erhalten. — Z. 4
a. E. stand M ; Z. 5 TELE. — Eine Ergänzung der
Inschrift ist nicht möglich. Doch lässt der in Z. 4
enthaltene Superlativ ebenso wie der Fundort, ein röm.
Friedhof, auf einen Grabstein schliessen. — Der Form
der Buchstaben und dem Materiale nach gehört der
Stein der späteren Zeit (dem 3. oder 4. Jahrh.) an.
1:5
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII, Sp. 104.
— 96 -
134. Unterteil des Grabsteines eines Unbekannten, gefunden
wie Nr. 131. Geschenkt von Frl. Achenbach. Graner Sand-
stein. H. 82, Br. 51, D. 31 cm. Unter der Inschrift sind
Zimmermanns-Werkzeuge dargestellt: Winkelmass mit Senkel,
Holzschlägel mit Bohrer (?) gekreuzt, Feile mit deutlichen
Riefen und Texel (ascia). Sie beziehen sich auf den Stand des
Verstorbenen oder seines Vaters.
ilARISSIMAEFO
maier
1:7,6
fil{i)ae
karissimae /(adendum) c[uraini)
.... mia Nigrina
oder c{uraverunt).
die Mutter . . . mia Nigrina hat (oder haben) ihrer teueren
Tochter (diesen Grabstein) setzen lassen.
Z. 1 a. A. ist noch die Endung von dem Gentile der Mutter er-
halten. — Z. 3 war ursprünglich fieae eingehauen, darauf hat der Steinmetz aus
dem E ein L gemacht (die Spuren des E wurden wohl zugeschmiert), aber
das I hinzuzufügen vergessen : es wird derselbe gewesen sein, der auch die
Inschrift Nr. 132 einmeisselte. - Bemerkenswert ist der seltene Buchstabe
k Z. 3. a. A. — Der Stein wird wohl derselben Zeit angehören, wie die
mit ihm zusammen gefundenen, Nr. 131 und 132, d. h. aus dem Anfang
des dritten Jahrhunderts.
Vergl. Körber, W. Z. XVII, Sp. 147.
- 97^-
135. Unterteil des Grabsteines eines Unbeicannten, gefunden
wie Nr. 131. Geschenk von Frl. Achenbach. Gelblicher Sandstein.
H. 83, Br. 61, D. 24 cm.
;OR:ET
^AMlMOS^
FC
1 : 10
«... Aquil[iniiL8f Men]8or et [, , , ,]ia Ammosa patri carissimo etfratri
/(aciendum) c(uraverunt).
Aquilinius (?) Mensor (?) und . . . ia Ainmosa haben ihrem teueren
Vater und Bruder (diesen Grabstein) setzen lassen.
Z. 3 a. A. ist der Fuss eines I im Bruche erhalten. — Z. 4 war
T und E in patri verbunden, wie es nachher auch in fratri der Fall ist. —
Viermal (Z. 3 u. 4) sind kleine Buchstaben verwendet ; dieselben sind hoch
gestellt, einmal sogar überhöht — Der gleiche Fundort des Steines deutet
auf die gleiche Zeit wie Nr. 131, d. h. auf ungefähr 200 n. Chr.
Vergl. Körber. Korrbl. d. W. Z. XVII., Sp. 148.
136. Grabstein eines Unbekannten, gefunden 18. Dezember
1898 an der ehemaligen Heiligkreiizkirche zwischen Hechfcsheim
und Mainz. Koter Sandstein. H. 53, Br. 61, D. 9 cm. Die
Flafcte diente bei ihrer Auffindung als Deckel einer Steinkiste
aus Kotsandstein, in der sich ausser der Asche des Verstorbenen
ein Kugelglas, ein Glasfläschchen, zwei gewöhnliche Thonkrüge
mit schleifenförmigen Henkeln und ein sehr abgenutztes Grosserz
von Hadrian fanden. Die Inschrift der Platte war vor der
zweiten Verwendung fast völlig ausgemeisselt worden.
— 98
1:7^
Ave f rater. D(u) M(anxbu») TUperii) füi
Sei mir gegrüsst, Bruder! Den Manen (Schattengöttem) des
Tiberius (?)
Z. 1 ist hinter T aus Versehen ein Punkt gemacht und P statt E
mit R verbunden. — Z. 3 a. A. ist noch T erkennbar mit folgender Senk-
rechten, Z. 4 N mit folgender Senkrechten, Z. 5 0, dahinter ein P1^)kt ; Z.
6 begann mit FILI, davor ein Epheublatt; gegen Ende der Zeile scheint
noch ein Punkt sicher zu sein.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVm, Sp.
137. Bruchstück vom Grabsteine eines Unbelcannten, gefanden
am 19. Januar 1898 beim Bau des Hauses Kurfürstenstr. Nr.
56. Geschenk des Herrn Tünchermeisters Holz. Grauer Sand-
stein. H. 17, Br. 37, D. 7 cm.
Mit RI wird wohl ein GentUe — vielleicht des
P^_^— v,^^^ Vaters — endigen, mit REGT das zoffehOrige Cog-
iTRHVKTl nomen beginnen. Doch steht hinter BI kein Punkt,
r\^TA n/^^^^ ^^^ ^^^^ *^^^ hinter dem A der nächsten Zeile weg-
M^V/VX? / gelassen ist. Diese ist aufzulösen:
q(ui) oder q(u<ie) v{ixU) a{nnos) X . . . , welcher
1: iB (oder welche) . . . Jahre lebte.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVH, Sp. 67.
— 99 —
138. Untere Hälfte des Grabsteines eines Unbel(annten, ge-
funden am 4. Mai 1898 beim Bau des Hauses Kurfürstenstr.
Nr. 47. Geschenk des Frl. Achenbach. Grobkörniger gelblicher
Sandstein, der aber nach oben zu infolge einer gewaltigen Glut,
die das Eisenoxydhydrat etwa 10 cm tief in Eisenoxyd ver-
wandelte, eine rote Farbe angenommen hat. Er stand aufrecht
im Boden, die obere Kante lag 1,75 m unter der Oberfläche
(über 4 m unter der jetzigen Strasse). Der untere unbe-
schriebene Teil wurde vor der Herausnahme aus der Baugrube
abgeschlagen, wobei auch der obere in 3 Stücke zerbarst und
mehrere Splitter abflogen. Das Erhaltene ist 57 cm hoch, 60
cm breit und 20 cm dick.
.... Iieg(iniM ?) pro pietati eius dat de
suo dat.
Keginus (?) schenkt ihm aus Liebe zu
ihm (dies Grabmal) ; er schenkt es aus
seinem Vermögen.
Z. 1 a. A. stand KE, wie die dort
vorhandenen Spuren beweisen und eine
Abschrift bestätigt, die vor der Zer-
trümmerung des Steines genommen wurde,
als hier noch etwas mehr erhalten war.
Der nächste Buchstabe ist wahrscheinlich
1:15 ein G, in welches ein kleines I oder V ein-
geschrieben gewesen sein könnte. Was darauf folgte, ist durch die nach der
Auffindung stattgehabte Beschädigung unkenntlich geworden, so dass eine
Sicherheit über das Wort nicht zu gewinnen ist. Voraus ging der Name
des Verstorbenen, dem zu Liebe Reginus oder wie er sonst geheissen haben
mag den Grabstein setzte. — Z. 2 pietati für pietate. — Z. 3 ist das I von
eiw« beim Zerspringen des Steines grösstenteils verloren gegangen. — Das
Praes. dat ist in solchen Widmungs formein ungewöhnlich, noch auffaUender
seine unnötige Wiederholung. — Die Inschrift gehört wahrscheinlich noch
dem ersten Jahrh. an.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII, Sp. 102.
139. Bruchstück eines Steinsarges, von Bauaufseher Herr
an der Böschung der Kreyssigstrasse gefunden, wahrscheinlich
aber früher im Hause Schillersfcrasse Nr. 24 verbaut gewesen.
Am 29. September 1898 ins Museum verbracht. Gelblicher
Sandstein. H. 14, Br. 31, D. 11 cm.
Erhalten sind wenige Buchstaben der beiden
ersten Zeilen der Inschrift mit einem Stück
des Rahmens :
[P]rimit[ivae'?] dulci88[imae coniugi'?] =meiner
lieben Gattin Primitiva (?).
Vergl. Körber, d. W. Z., XVIII, Sp. 17.
8
1:10
— 100 —
140. Unbestimmbares Bruchstück, gefunden am 14. April
1885 in römischem Mauerwerk beim Bau der Station Neuthor.
Geschenk der hess. Ludwigsbahn. Kalkstein. H. 32, Br. 38,
D. 10 cm.
Z. 1 folgte anf die untere Hälfte eines M eine Senk-
rechte. Z. 2 ging dem LE ein mit endigendes Wort
voraus. Z. 3 hat hinter dem worttrennenden Ephen-
blatt PAE oder BAE gestanden. Ergänzung vorläufig
nicht möglich.
Vergl. KeUer, Nachtr. II, 132 f.
1:20
vn. Insclirifteii auf fretouchsgegenstäiideii
aus Metall, &las, Thon, Holz und Leder.
a. Gewichte.
Die Gewichte gehören bis auf zwei alle dem älteren Bestände
an, und ihr Fundort ist daher meist unbekannt. Qestalt und
Grösse sind aus der Abbildung ersichtlich.
141. Dreipfund-Gewicht, gefanden im Juli 1896 in der grossen
Eirchstrasse zu Kastei (s. Korrbl. d. W. Z. XVI, Sp. 33). Sandstein, bezeichnet
mit III (s. Abb. oben links). Wiegt jetzt 987 Gr., ist also etwas schwerer
als drei römische Pfund (982,35).
142. Dreipfund-Gewicht. Basalt, bezeichnet mit in (s. Abb. oben
rechts). (Katal.-Nr. 2276). Wiegt jetzt 970 Gr., ist also etwas zu leicht.
143. Drelpfund-Gewicht, etwa von der Gestalt des letzten, aber
kleiner. (Katal.-Nr. 2278). Blei, mit drei eingeritzten Strichen bezeichnet.
Gewicht 946 Gr.
144. Pfund-Gewicht. Basalt, bezeichnet mit I, worüber drei bisher
unerklärte Buchstaben (s. Abb. unten in der Mitte). (Katal.-Nr. 2275).
Jetziges Gewicht 309 Gr., während das römische Pfund = 327,45 Gr. war.
145. Pfund-Gewicht. (Katal.-Nr. 2279). Bronce, bezeichnet auf
der einen Seite mit I, auf der anderen mit der punktierten Inschrift LVO,
— 102 —
die wohl als Namen zu deuten ist (s. Abb. unten links). Gewicht 324 Gr.,
also etwas zu leicht.
146. Vierunzen-Gewicht. Basalt, bezeichnet mit vier Dreiecken
(s. Abb. unten rechts). (Katal.-Nr. 2274). Gewicht 109 Gr., also sehr genau,
denn vier Unzen = Vs römisches Pfund = 109,15 Gr.
147. Vierunzen-Gewicht. Bronze, bezeichnet mit den griechischen
Buchstaben 0//, das heisst oyxiai cT = 4 Unzen (s. Abb. unten links).
(Katal.-Nr. 2281). Gewicht 107 Gr., also etwas zu leicht.
148. Vierunzen-Gewicht, von der Gestalt des vorigen ; gefunden am
«Dimesser Ort" (s. z. Nr. 158). (Katal.-Nr. 340). Blei mit dünnem Über-
zug von Bleioxyd, das teilweise in Carbonat verwandelt ist. Der Wert
ist durch vier rundliche Zinnscheibchen bezeichnet, welche sich von dem
rötlichen Bleioxyd gut abheben. Letzteres ist also vielleicht durch Anätzen
absichtlich hervorgerufen. Gewicht 108,54 Gr. (Dr. Mayrhofer.)
149. Zweiunzen-Gewicht, aus stein, bezeichnet mit • • (s. Abb.
unten rechts). (Katal.-Nr. 2273). Gewicht 50 Gr. st. 54,58 Gr.
150. Ein länglich-viereckiges BleistUck, dessen Ecken abgerundet
und dessen Querschnitt trapezförmig ist, dürfte wohl ebenfalls als Gewicht
anzusprechen sein. (Katal.-Nr. 2264). Es trägt auf der Oberseite ein N,
das mir jedoch verdächtig erscheint. In der Mitte war eine Handhabe
angebracht, von der nur noch ein Rest vorhanden ist. Jetziges Gewicht
1230 Gr. (4 römische Pfund = 1310 Gr.).
b. Bronzegefasse.
151. Bratpfanne aus Bronze, gefunden im Rhein, im Nov. 1885
o ^ (s. Abb. Nr. 3). Die punktierte In-
/ «•••%•%•*• i \ Schrift: L{uci) Coreli = „Eigentum
eingehauen.
1:1
— 103 —
152. Bratpfanne aus Bronze, gefunden am 27. September 1892
^ im Ehein unterhalb der Strassenbrücke.
P: / : iTT/\ .•. (s- Abb. S. 102, Nr. l). Die punk-
J\ .5 . V • • • •/•••• tierte Inschrift: Nettaa Mucurua ist
• *• I Ix.****» O *** ^^ jetzt noch nicht gedeutet. Sie be-
• •* ^ r «•* •••••;* findet sich ebenfalls auf der ünter-
*•- * 'i* !• ^ Seite des Stieles, wie auch der schwer
/ •%••• J lesbare Stempel VMIDI ?
1:1
153. Bratpfanne aus Bronze, gefunden am 29. juni 1897 im
Rhein. Auf der Unterseite des Stieles hat offenbar
der Besitzer zur Wahrung seines Eigentumsrechts
eingeritzt: Aucti^ d. h. dem Auctus oder Auctius
gehörig.
154. Kupferkessel, gefunden im Rhein am 27. November 1897.
(Vergl. Abb. S. 102, Nr. 2). Er ist 25 cm hoch und fasst 15—16 Liter.
1:1
Er scheint der Form nach der frühen Kaiserzeit anzugehören. Auf dem
umgebogenen Rande findet sich die punktierte Inschrift: c{enturia) CaU
p(umi) Maxlmi^ Centurie des Calpumius Maximus.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII, Sp. 3.
c. Gewandnadeln aus Bronze und Silber.
155. Charnierfibel aus Bronze. (Katal.-Nr. 2944.) Fundort: Mainz
oder Umgebung. Der Inschrift Aucisaa
gehen drei Striche voraus, die wohl
bedeutungslos sind. Das A a. E. ist
so gebildet, dass der Zwischenstrich
fast senkrecht zwischen den weit aus-
einandergestellten Seitenstrichen steht.
li»/\VCl5Vy\ VÄ. Gleichartige Fibeln mit demselben
keltischen Fabrikantennamen sind weit
verbreitet. Bis jetzt sind zehn be-
kannt. Eine, sicher ebenfalls in Rhein-
^ • ^ hessen gefundene, besitzt Dr. Fliedner
in Monsheim, eine (aus Dalheim) ist in Trier, drei befinden sich in Berlin
(davon stammt eine aus dem Kaukasus und eine aus der obersten Schichte
von Hissarlik!), eine ist in Siszeg (Croatien) und eine in Marzabotto (bei
Bologna) gefunden, je eine wird in Neapel und St. Germain aufbewahrt. —
Diese Fibelgattung wird von Tischler in die Zeit des Kaisers Augustus gesetzt.
Vergl. Becker, Mainzer Inschr. S. 113, Nr. 13; Schumacher, Korrbl.
d. W. Z. XIV, Sp. 2h. Riese, Korrbl. d W. Z. XVI, Sp. 13B und XVII,
Sp. 56 ; Olshausen, Verh. d. Berl. anthropol. Ges. 1897, S. 286.
— 104 —
156. Charnierfibel wie die
vorige. (Katal.-Nr. 2945). Pnnd-
ort: Mainz oder Umgebung. Die
Inschrift Ur8inu{9) ist bis jetet
auf solchen Fibeln nicht nach-
gewiesen.
Vergl. Riese, KorrbL d. W. Z.
XVI, Sp. 136.
1:1
157. Silberne Charnier- Armbrustfibel, gefunden im Bhein, an-
gekauft am 14. September 1898. Die durch Zusammenbiegen des Fusses
entstandene cylindrische
Höhlung ist sonderbarer
Weise nicht unmittelbar
zur Aufiiahme der Nadel
bestimmt, sondern ent-
hält eine viereckige, seit-
lich geschlossene Hülse,
in welche die Nadel von
oben hineingesteckt
werden musste. Dies
konnte natürlich nur dann
geschehen, wenn der Stift,
um welchen sie sich selber
vermittelst einer Öse an
ihrem oberen Ende be-
wegte, aus der querliegen-
den Hülse herausgezogen
wurde, was an einem der
beiden seitlichen Köpfe
geschehen Ijonnte , von
denen der eine an ihm be-
festigt, der andere, jetzt
verlorene, nur aufgesteckt
war. (Einen ähnlichen
Mechanismus beschreibt
Lindenschmit, Altert-uns.
heidn. Vorz. EI, Heft II
zu Tafel IV, 5). —
Auf dem Bügel sind Verzierung und Schrift mit Niello (Schwefelsilber) ein-
gelegt, das jedoch an manchen Stellen herausgefallen ist. Auf der einen
Seite steht VT(ere) FELIX = „gebrauche (sie) glücklich", auf der anderen
DEOMAR. Nach gütiger Mitteilung Bohn's ist der Name Deomariua oder
Deomartius durch den aus Arentsburg stammenden, im Leydener Museum
aufbewahrten Töpferstempel DEOMARTI gesichert. So dtbfte denn auch
unsere Inschrift zu deuten sein, obwohl es auffallend erscheinen mag, dass
sich ein gallischer Einzelname bei einem vornehmen Manne bis in so späte
Zeit — Lindenschmit setzt diese Fibelgattung ins 4. bis 5. Jahrhundert n. Chr. —
erhalten hat; ein Höriger aber hat dies wertvolle Schmuckstück gewiss
nicht besessen. An ein Weihgeschenk für den Gott Mars zu denken, ver-
bietet wohl der Segenswunsch utere felix.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVIH, Sp. 19.
1:1
— 105 —
d. Fingerringe aus Gold, Silber und Bronze.
158. Goldener Fingerring, der Überlieferung nach vom „Dimesser
Ort* stammend, einem in der Nähe des Rheinthores in den
Bhein ragenden Landvorsprong, bei dessen Beseitigung im
Jahre 1^7 eine grosse Menge römischer Altertümer zum
Vorschein kam. (Den Namen leitet Falk neuerdings von
St. Dyneste = Theonestus ab, dessen Kapelle neben dem
jetzt Reuleaux'schen Gebiete lag.) Die Inschrift VF ist
wohl als Abkürzung von utere fellx = , gebrauche (ihn)
glücklich" zu deuten. Ringe, Fibeln, Gefässe u. s. w. mit solchen Anreden
begegnen uns von der Mitte des dritten Jahrh. an häufig (Schumacher,
Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 27).
159. Goldener Fingerring, aus Ebersheim bei
Mainz. Die Inschrift Jan ist wohl eine Abkürzung
für Januarii,
1:1
160. Fingerring aus Silber, angebHch aus Zahlbach b. Mainz. Am
24. Nov. 1898 von Herrn Ernst Zais
in München geschenkt. Von den vier
Stücken, in die dem früheren
Besitzer der Ring zerbrach, ist eines
verloren; doch scheinen nur zwei
Buchstaben darauf gewesen zu sein.
Dann ist zu lesen Jo{vi)na M%nerv(a)e
d{edit) = Jovina schenkte den Ring
der Minerva (wohl für eine Statue).
^jj c:^L3ä3Xfi;^$2^g3
r.i
Vergl. Körber, Korrbl. d. W^Z. XVHI, Sp. 19.
161. Fingerring aue Bronze, unbekannter
Herkunft (im Jahre 1895 von Reiling angekauft).
Die Inschrift scheint Vividi gelesen werden zu
müssen.
e. Schwertscheiden.
162. Zwei Stücke eines (?) Schwertscheiden-Ortbandes aus
Bronze, in verschiedenen Zeiten auf dem Kästrich gefunden, so dass
die Zusammengehörigkeit, wenn auch nicht erwiesen, so doch auch nicht
ausgeschlossen ist.
1:2
— 1Ch> —
AhrJichr h<*^L\ker Eilt t-rr-rli^n Iisä.rLri?r =in»i bisiver »jcii i
irord*!!. D*h-ir i^tt dir: YjzkLrzi^ Irr •iTj-rLbn-^h-rt^n * j-i-sr s>r4rt»äfieteB)
IiiVrhrift z- ; Aqui* H^ize^idi ' 'Jmi^iaM' »j4 / »cii kcistem Zv«£frl anfer-
irorf*?n. Vor «ui4 hinter dric •'►rt.-TiÄEL'jiL i-er rönisJrh'rn B€uidminif ron
Badrn in drT .SoriTrii. Ut ein-r •chnaU-enÄnnige V-eni^raag' skhtfaar. Von
dfT Kndarig d*r* Fa&rikantrnnamesii sind aoi imä^rem Stc^ ausser fen S
and deiri j^'^/Sfe^rrn Trü des V aach n-.-rh di-r einr SenkTS^hce des X nr
HäJfte and von d^r anderrrn d»rr ob-rre Ansatz rifaalt^n. — V.>n d«3i fibiigen
Eifrrnplaren i^t eine» bri Friedb^r? in Oberbessrn gefond^n vorden. eines
F/ei K^'rD'ibare. zwei in dfrr .Schw-eiz und »rinrs in Frankreich: von
jÄt der Fandort nicht bekannt.
Vergl. .Schumacher, Korrbl. d. W. Z. Vm, Sp. 136.
f. Metallgegenstände Ungewisser
Verwendung.
163. Bleipläitchen, gefanden am 15. Janaar 1S96 beim Ban des
Gatenbergbadeä an der Franziskanerstrasse.
Aaf der Vorderseite befindet sich innerhalb
einer verzierten Umrahmong ein Porträtkopf,
nach der Beischrift Caesfar) den Aogastns
darstellend; links and rechts davon Weih-
wedel und Augurstab, als Zeichen der priester-
lichen Würde. Auf der sonst glatten Rflck-
seite ist ein etwa 5 mm breiter Bleistreifen an
den beiden Enden so aufgelötet, dass er in
der Mitte bogenförmig absteht. Vermittebt
der so entstandenen Öse konnte das Plättchen
an irgend einem Gegenstand zur Verzierung
befestigt werden.
164. Bronzeplättchen, unbekannter Herkunft.
Auf der Rückseite befindet sich in der Mitte der
Rest eines Stieles (?). Die punktierte Inschrift auf
der Schauseite liest Zangemeister c{eniuria} Octiianei .
Fers{. . . .) Sabinl, Fers(. . .) Sabinus wäre dann
der Eigentümer.
165. Sechsseitiger Bronzegriff einer Isisidapper (sistrum) (7),
(Kaial.-Nr. 2419), gefunden in Heddernheim. Die punktierte Inschrift steht
auf vier Seilen.
/. 1 ist der erste Buchstabe unsicher. An ein Centarienzeichen
lässi sich wolil nicht denken ; f^'cgen R sj)richt die weite Entfernung von
(h'ii f()lgeiid«'n nuclistahen, zu denen er dann gehören müsste; am wahr-
sclH'inlichsten scheint noch L zu sein. — Z. 2 dürfte wohl an vierter
— 107 —
l-UblJ
stelle R zu lesen sein. —
Z. 3 posi< = posuit ist
häufig. — Z. 4 stehen drei
Gruppen von je zwei Buch-
staben, die zusammen das
Wort aerari bilden würden,
wenn man von den Punkten
absähe. Also : L(uciu8)
Ulenti(u8) 8i8tru(m) po8{u)it
aerari (?). Eine Erklärung
der rätselhaften Inschrift
ist noch nicht gefunden.
Vergl. Becker, Mainzer
Inschr. S. 111, c. 3.
1:1
g. Brennstempel aus Bronze und Eisen.
166. Siegelstempel aus Bronze. (Katal.-Nr. 2413). Fundort un-
bekannt. Der rückläufige Stempel
ist wohl zu lesen: Egn(atiu8) Vigax
(oder Vicax). Der Name Vigax ist
allerdings sonst nicht nachweisbar,
auch ist der Nominativ in solchen
Bezeichnungen höchst selten, doch
ist eine andere annehmbare Deutung
noch nicht gefunden.
|^DIÜI/iD3
1:1
Vergl. Becker, Mainzer Inschr. S. 113, Nr. 14.
1: 1
167. Siegelstempel aus Bronze.
(Katal.-Nr. 2414). Fundort unbekannt.
Die rückläufige Inschrift lautet: L{ucii)
Lucr(eti%) Secun{di).
168. Eiserner Brennstempel. Gefunden im Rhein, angeblich im
Jahre 1883 nach Beendigung der Räumungsarbeiten etwas unterhalb der
römischen Brücke. Br. 12 cm, an einem 20 cm langen Eisenstiel. Die
1:1,5
rückläufige Inschrift scheint zu lauten Fl(avii) Neri(i) Sahin(i). Zange-
meister schreibt darüber: „Das Gentile Nerius kommt vor, und es liegt
kein Grund vor, dies hier nicht anzunehmen. Die Abkürzung FL* für das
Gentile Ftavius ist schon früh nachweisbar, für das Praenomen aber
kommt sie doch erst in der Zeit des Constantius Chlorus und besonders
seines Sohnes Constantin d. Gr. auf. Unser Stempel ist aber gewiss
beträchtlich älter. Nimmt man also Flaviud als Gentile, so würde dieser
Mann zwei Gentilicia gehabt haben, was höchst unwahrscheinlich ist, da
Ift? —
^eh^!Hfi<» ku)^. AC^ B<*ii»ki*A fdb£QKii szr »ij»i3rc& nidkt pA obci za
^^, B<9Mc4«r3 <rvart«t num «me gkidkir V^eihtvii^ aodi aof da* anderen
'M^,, wf, \V7 m.^h% Tf/muA^ kt iiA andi nkfct T*jriiJ»deB gewocn ist
liju OffrTi^/tMak k^ßtanXr ui^h. .Sarinn« gelautet IuIkb; doch ist das Vor-
haiykRi<ia dksK!« Xameiu nidxt fakbert.
V-^ Velkft, Zeha^hr- d. Hainzcr T«r. S. 592, Tafd YTTT.
1:1
Fundort
169. KUkmr
anbekannt; erworben im Jahre 1864. An dem
8 cm langen rmiden Stiel sitzt ein Inner. Tineckiger Kopf
mit den erhabenen rncklaufigen Buchstaben SL Der
.Stempel dfirfte eher znm Einschlagen ab zom Einbrennen
gedient haben.
1l Sonstige eiserne Werkzeuge.
170, Ei$6rfier Beilhainmer, gefunden am lö. Xorember 1888 im
Khein, Da« 22 cm lange Werkzeug trog am einen Ende eine erhaben
eingeschnittene r&ck-
lädSge Inschrift, die
wohl dazu bestimmt
war, in frisches Holz
eingehanen zn wer-
den. Erhalten ist da-
von noch M • S • so-
wie die Hälfte eines
senkrechten (nicht,
wie die Abbildung
vermuten lässt, schrä-
gen) Striches. Dieser
dürfte einem N an-
gohftrt haben, Hchwerlich einem H oder M.
Vcrgl. Lindenschmit, Westd. Zeitschr. IX, S. 298, Tafel XVI, 4.
171. Eiserne Axt, gefunden in der römischen Pfahlbauniederlassung
am „Dimesser Ort". Oben
auf dem 17,7 cm langen,
vorzüglich erhaltenen
Werkzeug befindet sich in
der Nähe des hammer-
artigen Teiles die Inschrift
Mainetitts,
r:2
iMwwsnvsi
1 : 3 und 1 : 1
172. Eisernes Beil, gefunden im Ehein bei Gelegenheit der
Kännmngsarlx'itcn anfangs der 80er Jahre. 26 cm lang. Der Stempel
wur auf dor Untorsoite zweimal eingedrückt, einmal längs und einmal quer.
109
Seine Erhaltung ist leider so schlecht, dass die Lesung C ' Ii(man{i)u{8) keines-
wegs sicher ist.
Vergl. Velke, Zeitschr. d. Mainzer Ver. HI, S. 592, Tafel XIII.
173. Grosses eisernes
Werkzeug von zweifel-
hafter Bestimmung, gefun-
den im Rhein. 36 cm hoch
und breit. Am eckigen Theil
des Stiels steht auf beiden
Schmalseiten die Zahl XIHI ;
auf dem runden Teil des-
selben ist eine Inschrift ein-
gehauen, die Zangemeister
T{iti) Ulpi .... lesen zu
dürfen glaubt.
^IVUI /^ UU(i
1:4 und 1:2
174. Eiserner Meissel, gefunden im Rhein bei Gelegenheit der
Eäumungsarbeiten anfangs der 80er Jahre. 26 cm hoch. Die schlechte
tmi^r./
j
1:3 und 1:1
Erhaltung des Stempels gestattet keine sichere Lesung mehr.
Vergl. Velke, Zeitschr. d. Mainzer Ver. m. S. 592, Tafel Xin.
— HO —
175. Eiserne Loch- oder Queraxt, gefunden am gleichen Ort i
zu gleicher Zeit wie die vorige Das 40 cm lange Werkzeug wurde hau
3
/
\M IM I
l;4und 1;1
sächlich von dem Zi
mermann zum Lochen
Balken gebraucht. I
bar ist die eingehau<
Inschrift Alpini. D<
trägt die Axt noch eii
unlesbaren Stempel.
176. Eisernes Messerchen. (Katal.-Nr. 526.) Gefunden am .Dimes
Ort". Das Messerchen hatte einen Haken zum Aufhängen. Auf d
beinernen Stiel ist eine schwer lesbare Inschrift eingekratzt, die mit MO
beginnen scheint.
i. Einzelne Buchstaben aus Bronze.
177. Einzelne Buchstaben und Buchstabenteile, gefunden 187S
der Umgebung des Ftirstenberger Hofes in Mainz (Katal.-Nr. 1148 — 1156). l
Buchstabe
sind aus n
siver 1,3
dicker Bro
hergestellt \
stark ver^
det. Auf
Bückseite
od. waren 1
dicke run
od. Viereck
1:10 Bronzestä
chen eingezapft (bei dem G gehen sie, drei an der Zahl, bis auf die Ol
Seite hindurch, und ihre Köpfe sind daher auf der Zeichnung sichtbar),
welchen etwa 2 cm von der Rückseite des Buchstabens ein ähnliches Q\
Stäbchen angebracht ist. Offenbar sollten die Buchstaben durch diese \
richtung auf einer Unterlage festgehalten werden. Der erste ist ein G '
merkwürdiger Form, die nicht etwa durch Verbiegen entstanden ist;
besteht aus 2 genau aneinander passenden Stücken. Auf der Bückseite
die Zahl XXIX eingehauen. Dann folgt auf unserer Zeichnung ein hal
A, daneben ein halbes L, aus 2 Stücken bestehend, deren oberes auf
— 111
Bückseite die (vielleicht nicht vollständige) Zahl XX zeigt. Darüber ein
Stück von der rechten Hasta eines (zweiten?) A. Neben dem L untere
Hälfte eines F, darüber Rest einer Senkrechten. Ganz rechts zwei drei-
eckige Punkte.
178. Einzelne Buchstaben und Buchstabenteiie aus Kiein-
Wintemheim und Mettenheim. (Katal.-Nr. 699—701, 1148—1156, 1159).
Sie sind aus Bronzeblech
geschnitten, nur das grössere
A ist nicht ganz flach,
sondern zeigt in der Mitte
seiner Striche einen Grat,
der durch Treiben des Bronze-
bleches entstanden ist. Nach
dem Ankaufsbuch des
Vereines sind im Jahre 1854
zwei einzelne A aus Metten-
heim erworben worden. Da
keine anderen vorhanden
sind, werden es die ab-
gebildeten sein, obgleich sie
seither als Teile der Sammlung Gold ausgestellt waren, und Becker das kleinere
— offenbar fälschlich, denn es hat nicht die Grösse der anderen Buch-
staben — als Klein -Winternheimer Fund veröffentlicht hat. (Becker,
Mainzer Inschr. S. 114, Nr. 17). Das vollständige S, das kleinere Stück
einer Hasta rechts darunter und die Senkrechte ganz rechts gehören
zusammen und sind in Klein -Winternheim gefunden worden, wie auch,
jedoch bei anderer Gelegenheit, die übrigen bereits von Becker a. a. 0.
veröffentlichten Buchstabenteile eines S, V, M, N, N und M(?). Mit Aus-
nahme des grösseren A sind sämtliche Buchstaben mit Nietlöchem ver-
sehen, bei dem halben M (oben rechts) stehen deren immer zwei beieinander.
1:10
k. Gläser.
1:7,B
179. Weisser Glasbecher mit Resten ehemaliger Vergoldung
(s. Abb. Nr. 5; Katal.-Nr. 1059), gefunden im Sommer 1888 auf dem
römischen Friedhofe in der , Neuen Anlage" bei Mainz. Um die Mitte des
Glases läuft die Inschrift:
VlTJ^MXIBlQyiEßClSQyiDSIT
1:1
— 112 —
Die zweizeilig um den Becher herumlaufende Inschrift : Vitam tibi
quia 8ci8 quid sit honum = ,Das Leben (wünsche ich) Dir, weil Du weisst,
was gut ist" scheint zuerst in das Glas eingeätzt und dann mit Gold belegt
gewesen zu sein. Jetzt ist sie infolge Ab Witterung der Oberfläche nur noch
mit grösster Mühe lesbar, immerhin aber in allen Einzelheiten feststehend.
Der Becher befand sich in einem Steinsarg zusammen mit zwei gewöhn-
lichen Kugelgläsem, fünf kleinen in einander stehenden Glasbechem und
einer Erzmünze des Hadrian. Letztere gibt einen Anhalt für die Zeit-
bestimmung nach oben; die Buchstabenform weist schon auf das dritte
Jahrhundert, dem alle Gräber dieses Friedhofes anzugehören scheinen.
Vergl. Lindenschmit, W. Z. Vm, S. 270.
180. Bläuliches Kugelglas mit trichterfUrmigem Hals (s. Abb.
S. 111, Nr. 1; KataL-Nr. 1125), gefunden im Sommer 1888 auf dem
römischen Friedhofe in der „Neuen Anlage** bei Mainz. Die Inschrift
CVILRlirVEIlR
1:2
Curre puer m{i) = „laufe, mein Knabe (Sklave)* ist auf der Schulter des
14,5 cm hohen Glases eingeritzt ; dahinter ein Palmzweig, darüber eine aus
fischgrätenartig zusammengestellten Strichen bestehende Verzienmg. Die
Abkürzung M = mi ist sehr ungewöhnlich. Das Glas befand sich mit drei
gewöhnlichen Kugelgläsem in einem Steinsarg. Es wird aus derselben Zeit
stammen wie das vorhergehende.
Vergl. Keller, Korrbl. d. W. Z. Vm, Sp. 172.
181. Weisse Schale mit eingeritzter Jagd-Scene: ein Jäger verfolgt
mit eingelegter Lanze, von zwei Hunden begleitet einen Eber (s. Abb. S. 111,
Nr. 3). Gefunden Mitte der 70er Jahre bei Anlage der neuen Festungs-
ümwallung auf dem römischen Friedhof am Fort Hauptstein. (Katal.-Nr. 46fö.)
2AV1 VT n 3 JAV
1:2
Um den Band steht die rückläufige Inschrift: Valeri vivas = „Valerius,
lebe (hoch oder glücklich)". Die hinter S (also vor V) scheinbar noch sicht-
bare Senkrechte ist wohl nur als Ast-Ende eines Baumes zu betrachten,
welcher den Wald als Schauplatz der Jagd andeuten soll. Bruchstücke
einer ganz ähnlich verzierten Schale sind im Sommer 1897 bei den Aus-
grabungen des Altertumsvereines vor dem Gauthor aufgefunden worden. —
Der unter der Abbildung der Inschrift angegebene Massstab bezieht sich
nur auf die Grösse der Buchstaben; aus praktischen Gründen sind sie
verhältnismässig näher zusammengerückt. Die Schale hat einen Durchmesser
von 17,5 cm. Die Inschrift scheint darauf berechnet gewesen zu sein (beim
Trinken) von innen gelesen zu werden: dann erscheint sie rechtläufig.
182. StUck eines weisslichen Glases
mit eingeritzter Inschrift, gefanden in
einem römischen Fass im ehemaligen
Münsterweiher (Katal.-Nr. 802). Von der
Inschrift ist nur noch der grössere Teil
von E oder F und ein P erhalten.
— 113 —
)3. BodenstUck einer
^orQL.
1:1,5
blauen viereckigen Glasflasche. Ge-
funden zu gleicher Zeit und an demselben
Ort wie Nr. 181. (Katal.-Nr. 4558). Die
rückläufige Inschrift ragt nebst ihrer Um-
rahmung aus der Fläche hervor; sie ist
mit dem Glase zusammen durch Guss her-
gestellt ; in der Form war sie rechtläufig
eingegraben. Erhalten sind nur noch Beste
von drei Buchstaben, von denen der erste
ein T, der zweite ein C oder G war.
^
}4. Hellgrüne viereckige henkellose Flasche mit langem Hals,
i am 16. September 1898 in einem Steinsarg des römischen Fried-
der Nähe der ehemaligen Heiligkreuzkirche zwischen Mainz und
Jim. Geschenk des Herrn Bauunternehmers Groh in Kastei. H. 19 cm.
Auf dem Boden die Buchstaben G F I und H
(oder vielleicht richtiger F, G, H und I), deren
Bedeutung unklar ist. In der Mitte eine mensch-
liche Gestalt in langem bis auf die Füsse herab-
reichenden Gewände ; auf der rechten Hand ein
undeutlicher Gegenstand. Figur und Buchstaben
sind mit dem Glase zusammen durch Guss her-
gestellt. Aus derselben Form scheinen zwei
Flaschen des Bonner Museums zu stammen, die
Klein, B. Jahrb. LXXXX. S. 19, Nr. 12 und 13
veröffentlicht hat.
1:2
li
)5. Zwei ganz gleiche grünlich-gelbe, doppelt-gehenkelte,
irmige Flaschen mit nachgebildeten Fassreifen (vergi. Abb.
Nr. 2 und 4). Gefunden zu gleicher Zeit und an demselben Ort
wie Nr. 181. (Katal.-Nr. 4459 und 4460.)
H. 19 cm. Auf dem Boden steht die schon
in die Form eingegraben gewesene Inschrift
Nero. Bohn nimmt jedoch an, dass das E
ein im Guss schlecht ausgekommenes F sei,
und dass man also Fronitinus) zu lesen
habe. Gleiche Flaschen wurden auch sonst
gefunden, z. B. auf dem Gräberfeld am Kirch-
berg bei Andernach (vergl. Konen, B. Jahrb.
86, S. 186, Tafel X, 19 und Klein, B. Jahrb.
90, S. 18). Unsere beiden Flaschen scheinen
aus derselben Form hervorgegangen zu sein,
wenigstens stimmen sie selbst in Kleinig-
keiten überein. Die Fabrik ist nach Bohn
im nördlichen Frankreich zu suchen. (Vergl.
Mainzer Zeitschr. I, 1, Tafel 2, Fig. 32).
1:2
1. Thongefässe.
16. Schwarz gefirnisster Becher mit eingeritzter Inschrift
'Stellung der Wochengötter, (s. Abb. s. 115, Nr. 4. Katal.-Nr.
;m Sommer 1888 auf dem römischen Friedhofe in der , Neuen
— 114 —
C ^v,.
^J^
f^
Anlage** gefunden. Figuren und Buc
sind eingeritzt, bevor der Thon gebran
gefimisst wurde. (Um sie auf der Ab
besser sichtbar zu machen, wurde vor der
graphischen Aufiiahme etwas Kreidepub
gerieben).
Die Eeihe der Götterbüsten beginnt,
Inschrift zeigt, mit Saturn. Er ist blü^
gestellt, mit einem Gegenstand, der wc
Harpe vorstellen soll. Ihm folgt Sol, an S
kröne und Peitsche, dann Luna, an Peits
Mondsichel kenntlich. Den Mars bes
Speer, Helm und Schild, den Merkur die
am Kopf, sowie der schlangenumwundene
Stab. Nach dem mit dem Blitzstral
gezeichneten, bärtigen Juppiter schliessi
die Reihe. Sie ist durch den blatt- od»
formigen, wie an einem Stengel schw»
Spiegel (?) charakterisiert. Bemerkenswert
ihre Haartracht. — Die Inschrift steht
bildlichen Darstellung in keiner Beziehui
lautet : Accipe me [8i]tie(n)9 et trade sodali
mich, wenn Du dürstest, und gieb mi<
Zechgenossen weiter." Hinter me ist das
derart verletzt, dass jede Spur verloren is
^ Räume nach könnte ein breiter oder zwei i
^Buchstaben hier gestanden haben; di
gegebene Ergänzung scheint das Richtige g
zu haben. Vor s ist n infolge seiner sei
Aussprache sehr häufig — schon in
kanischer Zeit — weggefallen, so dass di
cipialform sities keinerlei Schwierigkeiten
Die Woche der Römer zählte bekf
ursprünglich acht Tage: allemal der acht
nach römischer Zählweise nundinae „N
genannt. Die siebentägige Woche ist ein
Einrichtung der Babylonier, von denen
den Juden und später zu allen Kultu]
gekommen ist. Sie hängt mit dem Gesti]
der Chaldäer zusammen. Diese betrachte
7 Planeten, d. h. Sonne, Mond und die 5
im Altertum bekannten Wandelsterne als n
Gottheiten, die einen tiefgreifenden
nicht nur auf die ganze Natur, sondei
auf das Leben jedes einzelnen Menschen ai
Daher benannten sie je einen Tag nacl
und gelangten so zur siebentägigen Wocl
ursprüngliche Planetenordnung, aufgestel
der angeblichen Entfernung von der Erc
Saturn, Juppiter, Mars, Sonne,''
Merkur und Mond. In dieser Reil
regierten sie auch die einzelnen Stun(
Tags. Jeder Tag aber gehörte dem Plan
welcher die erste Stunde regierte. Dem Saturn gehörte nun die
15. und 22. Stunde des ersten Tages, die 23. dem Juppiter, die J
Mars, die 25. aber, d. h. die erste Stunde des 2. Tages und soi
ganze 2. Tag der Sonne. In dieser Weise folgen dann noch ]
Mars, Merkur, Juppiter und Venus. Der Tag des Satu
- 115 —
ako der erste. In Eom finden wir die Bezeichnung der Wochentage nach
den Planetengöttern nicht vor dem ersten Jahrh. v. Chr. In der Kaiserzeit
jedoch breitete sie sich aus, da auch das Ansehen der „Chaldäer" immer
mehr stieg, bis diese zu Anfang des dritten Jahrhunderts sich officielle
Anerkennung errangen. Unter dem halborientalischen Herrscherhaus des
Septimius Severus sind jedenfalls die meisten der Denkmäler in den Rhein-
landen entstanden, welche mit den Bildern der 7 Wochengötter geschmückt
sind. Unser Becher gehört einer noch etwas späteren Zeit an; denn in
demselben Steinsarg, wie er, befanden sich ausser 3 Kugelgläsern, 1 Glas-
becher, 3 kleinen Gläschen, einem schwarzen Thonbecher mit eingedrückten
Wänden, 5 Goldperlen, eisernen und broncenen Beschlagteilen eines Käst-
chens auch noch 6 kleine Kupfermünzen, von denen eine unter Claudius Gothicus
(268—270) geprägt war, die anderen aber aus derselben Zeit stammten.
Auch paläographische Erwägungen würden auf das dritte Jahrhundert
geführt haben. Bezeichnend ist namentlich das Anschwellen der Linien
nach dem Ende zu, der geschlängelte Mittelstrich beim A (der übrigens
einmal fehlt) u. a.
Vergl. Lindenschmit, Westd. Zeitschr. VIII, S. 270. Hang, die
Wochengöttersteine in d. W. Z. IX, S. 17 jff. (bes. S. U).
187 — 190. Vier braun-schwarz gefirnisste Thongefässe mit
aufgemalter Inschrift (s. Abb. Nr. l, 2, 3 und 5). Gefunden im Winter
1883—84 in der „Neuen Anlage" bei Mainz. (Vergl. Fr. Lindenschmit,
1:7,B
Westd. Zeitschr. III, S. 181). Genauere Fundnotizen sind leider nicht mehr
vorhanden, doch weiss man, dass diese mit weisser Farbe bemalten schwarzen
Gefösse erst von der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts an vorkommen.
K/l ▼* -o -t • ^^^ finden sicli vielfach am Rhein
ivL E K V" Jt\A.*^* zum Teil mit denselben Aufschriften.
Vergl. z. B. Klein, B. I., 87, S. 61
Vr -Xr A ^ Ä/l fff-» Becher Nr. 1 (Katal.-Nr. 813)
/ \/ /\ ^ A/V L zeigt die Inschrift meruvi „lauterer
^^ ^ ^¥A.-^ ^y^,i^« Er ist 9 cm hoch und
B stand nebst einem Glasbecher und
T 1^ C einem sehr schönen zweihenkeligon,
^ *^ kelchartigen Glas in einem bleiernen
Kindersarg. Nr. 2 (Katal.-Nr. 815)
J) () SV *^^^ ^^^ Inschrift bibe „trink!";
am Bauch des 1() cm hohen Ge-
1:2 fässes befinden sich rundliche Dollen,
tt denen es sich besser halten lässt. Der fiaschen-ähnliche, 21 cm liohe
wog Nr. 3 (Katal.-Nr. 927) ist mit weissem und gelbem Thonschlanim
J^ert; die Inschrift lautet: vivaa mi „mögest Du kben, mein** = „heil
Dir, mein Lieber". Becher Nr. 5 (Katal.-Nr. 814) endlich ist 11,5 cm hoch
Wid durch eine griechisclie Inschrift ausgezeichnet: dos = JoV „gib!".
9
1:7,5
— 116 —
191 — 195. FUnf braun-schwarz gefirnisste Becher mit auf-
gemalter Inschrift (s. Abb.). Becher Nr. 1 stammt ans der Hepp'schen
Sammlung. Fundort unbekannt. Die Inschrift lautet vinum ,Wein!*.
Das I hat nur unten einen
Querstrich; N und V sind
verbunden. — Wahrscheinlich
aus Mainz ist auch ein im
Jahre 1898 angekauftes 6e-
fäss mit der Inschrift müee
, mische (den Wein)*. Gestalt wie
Abb. S. 115, 1. — Die Ge-
fasseNr.2 und 4 stammen beide
aus Bingen. Das letztere mit
der Aufechiift vita .Leben!*
ist 10,ö cm hoch, das erstere
mit der Aufschrift frui ,ge-
niessen!* nur 8,5 cm (KataL-
Nr. 1526). Der Becher Nr. 3
(Katal.-Nr. 2550), gehört zu
dem berühmten Eökier Grab-
funde, den Lindenschmit in
der Westd. Zeitschr. XIII,
S. 294, Tafel VI und in den
Altertümern unserer heid-
. ^ C "^ IT nischen Vorzeit Bd. IV, Tafel
^i I ^ <mä Jir 57, veröffentlichte. Die zwei-
zeilige aufgemalte Inschrift
R I 7^ ^ \ß *v^ / .^ ist sehr zerstört, aber noch
^ J"^^ ";;, "^ - •' lesbar; merkwürdiger Weise
A ^ ^ ist sie zur einen H&lfte latei-
I . I nisch, zur anderen Griechisch :
bibamuspie ,lasst uns trinken!
mnk'^ irtUi. — Die übrigen Beigaben bestanden aus einem 90 cm langen
Ei4^iL5*:hwert mit Elfenbeingritf und reioh mit Gold und Niello verziertem
?ilbr?m'rn »>rtbaüde, einem eisenien Sohildbuckel, einer sUbemen Gürtel-
».•hnAlIr. 2ä silbernen l^ürtelbesohlägen. einem Kugelglas und einem Glas-
örtrh-rr. «riner Si^illaia-Si'hüssel und "drei Krüglein aus hellem Thon.
196. Graffito auf einem BodenbruchstUck von einem verzierten
KMipeit srefanden im JAiiuar 1897 zu AYoisenau. In einem Augenblicke
irf Wclt5*.'hni'rr£cs f rinnerro sich der Schreiber wohl der Worte des Dichters :
VITA
M 1 .tJ- ML cO\
y^ numenui twmus « /r^yw afntunnfrr: nati Hor. ep. L IL 27). ,Wir
>::;.i nzr ZifTrHi I. h. ohii-j FiiTt'nwcTti und i^*bon?n der Erde Fracht zu
vrrirhr^n*. Ei dtrr:-: wr^vA^K- Aur■ühruIlt^?!l aa> Honu g«b«. die so. wie
>:•: -m^ j-rtz: vorlir-^-ri!. ^-.is äiror^T /r'i: staiunuri. Mehr als das eine Wort
* »t« '^j I ürrtr ll ri ^i: :: > t: :..- i: : v r* rl ■ rv' 'i i?;'^au sreii sc in.
Vrri::. K:ri:er. korrLl d. W . Z. XVL Sp. lÄl,
,1
— 117 —
197. Graffito auf dem Hals eines braun-gefirnissten Gefässes,
lieh Konen, XVI, 10. Gefanden am 12. Januar 1898 in Mainz, Mombacher-
sse (röm. Friedhof). Der Verfasser unserer Inschrift war ein griechisch
• \ redender Mann.
'TTYy(?\ Nl K >\ ^-r»"-
/ \ * ' \ ^Glück auf! sie-
ge !" Es scheint,
l'«2 dass durch den
ch kein Wort verloren ging. Der kleine Strich am Ende dürfte das
lasszeichen sein.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVH, Sp. 101.
198. Bruchstück eines grossen Sigillata-Gefässes mit weiss
aufgemalter Verzierung und Inschrift.
Leider sind nur noch die Buchstaben SEV
oder SEX mehr oder minder erhalten. Sie
sind aus kleinen Punkten gebildet und
in Barbotine-Technik aufgetragen. Wohl
erhaltene Sigillata-Gefässe dieser Art sind
ausserordentlich selten (s. B. Jahrb. 71, S. 110
if. und 84, S. 112).
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV,
^.._, S. 10.
1:1
199. Bruchstttck eines grossen, dickbäuchigen Doliums aus
rtthnlichem Thon mit schwarz aufgemalter Inschrift. Dieselbe
nd sich auf der Schulter des Gefösses und ist nach Zangemeister zu
1:1
i: [A f]nnio Cra88[o] duracinas „An Annius Crassus Härtlinge*. Annius
isus war der Adressat, an welchen die duracintte {sc. uvae), hartbeerige
iben, die zwar sehr haltbar und wohlschmeckend, aber zur Weinbereitung
ig geeignet waren, (aus Südfrankreich oder Italien) geschickt wurden.
ti macht es mir die Verteilung der Schrift wahrscheinlich, dass am
ing Junio zu lesen ist, nicht Ännio, zumal von einem verblichenen A
t die geringste Spur mehr sichtbar ist. Auch nachher sind die Buch-
en zum Teü sehr nahe zusammengerückt.
In Pompeji haben sich solche — dort meist mit roter Farbe auf-
alte — Adressen auf Amphoren öfter gefunden, vergl. C. I. L., IV,
2626, 2628, 2648, 2660 (m. Add. p. 226), 2671. Der 2660 genannte
idiu8 Natalis wohnte nachweislich in Pompeji (IV, 1011).
118
üebrigens wird unsere Sorte von den Schriftstelleni öfter erwfthni
So empfiehlt z. B. Colomella III, 2, 1 als Speisetranben in der Nähe da
Stadt neben bestimmten anderen Arten besonders auch die duracinas
anzupflanzen, und der ältere Plinius sa^ in seiner Xaturgeschichte (XlY,
4, 40 ed. Detlefsen): Hed sunt eüamnum fvites) insignes uva, non [vino.
Ambro iia e duraeinis sine ullh rasis in rite serratur: fanta est contra fri-
gora, aestiu lempestatesque firmitax. Der Dichter Martialis aber hat die
uva9 duracinae sogar in einem Epigramm besungen (XIII, 22):
Non hahilU cyathU et inutüU uva Lyaeo,
Sed non pofanti me tibi neclar ero.
«Zwar taug ich nicht für Bacchus Dienst,*
,Doch wenn Du mich nicht trinken willst,*
«Wird Dir die Traube Nektar sein.*
Vergl. Becker, röm. Inschr. v. Mainz, S. 109, d, 1. Erklärung nach
Zangemeister.
m. Andere Gegenstände aus Thon.
200. Untere Hälfte eines Thonfigllrchens. unbekannten Fundortes,
aus der Lindner'schen Sammlung stammend. TKatal.-Nr. 1659). Jetzige
Höhe 8,7 cm. Von dem Bild auf der Vorderseite sind nur noch zwei auf
einem Schemel st»,*hende Beine erhalten, darunter die Buchstaben DO,
womit der Name der «largestellten G<»ttheit abgekürzt ist. In die obere
1:1
Hälfte der glatten liückseite ist vor dem Brande eine Inschrift eingeritzt.
Zuiigi'iiM'ister liest: AeliuH Afaiiliaiivls] ad can[f.u'n]a« no[va8] feeit und
riinunt danobeii Rrste einer ältor<*n nur unvollständig beseitigten Fassung
— 119 —
«b
1:1
an. Ad eaniunas novas ist eine Strasse in Köln, in welcher auch ein
gewisser Lucius und ein Viudex ähnliche Thonfigürchen gefertigt hahen.
Cantuna scheint eine dem Munde des Volkes entnommene Bezeichnung zu
sein, die sich im franz. cantine und im ital. cantina erhalten hat. Aus dem
Namen, den auf einem Erzeugnis aus der Werkstätte des Vindex die Stadt
Köln fahrt (Colonia Claudia Augunta Agrippinensium), wird geschlossen,
dass diese Töpfereien in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts
geblüht haben, (s Klein, B. Jahrb., LXXIX, S. 192 und LXXXVII, S. 82;
Weckerling, röm. Abteil, d. Paulusmus. II, S. 82).
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII, Sp. 69.
201. Thonfigürchen, gefunden im Frühjahr 1897 in der Bauem-
gasse. Geschenk der Herren Gebr. Harth. (Katal.-Nr. 3998}. Dargestellt
ist ein jugendlicher Gott. Von dem Gewand liegt noch ein Zipfel auf
der linken Schulter, von der rechten
ist er bis zum Knie herabgesunken,
während das andere Ende auf dem
linken Unterarme ruht. In der rechten
Hand hält er eine Schale, links
kauert ein Hund (s. Abb. Westd. Zeit-
schr. XVI, Tafel 17, 9). Jetzt, wo
der Kopf fehlt, ist die Figur noch
etwa 17 cm hoch. Auf der Rückseite
ist eine sehr verwaschene Inschrift vor
dem Brande eingedrückt: Servandus
feci. Auch dieser Servandus hatte
nachgewiesener Massen seine Werk-
stätte in Köln und zwar ad forum
hordiarium „am Kornmarkt " (s. Klein,
a. a. 0.). Das Figürchen wird aus
d*;riwlben Zeit stammen wie das vorige. Die Auffindung solcher Kölner
Eraeugnisse in Mainz (und Worms) verschaffen uns einen hübschen Einblick
in die Verkehrsverhältnisse am Rhein in römischer Zeit.
Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVII, Sp. 68.
202. Tragbare Sonnenuhr, gefunden am Linsenberg bei Mainz.
Elfenbein. (Katal.-
Nr. 2321). Durchm.
6,8 cm, Dicke 0,7 cm ;
der Rand steht etwas
über die Fläche vor.
Zu beiden Seiten des
einen Halbmessers,
auf dem 12 Löcher
durch die Scheibe hin-
durchgebohrt sind,
stellen in punktierter
Schrift die Namen der
Monate. Links von
oben: Jaii{uarius)^
Fel(ruarius) ,
Mar(tiub) , Apr(Ui8),
^fai{us)J Juii(iwi);
rechts von unten :
Jul{iu8), Aug(ustus)j
Seji(t€mber)^ Oci(ober)j
Noo(einher)^ Dec{em-
ber). Neben letzterem
Monatsnamen steht
noch ein bis jetzt nicht
— 120 —
gedeutetes Wort (die auf der Abbildung gegebenen Buchstaben sind nicht ganz
sicher). Vielleicht war hier der Name derjenigen Stadt genannt, für welche die
Uhr zunächst gearbeitet war; wenigstens finden wir eine solche Angabe auf zwei
anderen in Wien und Aquileja aufbewahrten Sonnenuhren von ähnlicher Art
Die Einteilung des Tages in 12 Stunden geht auf die Babylonier
zurück, welche auch die Sonnenuhr erfanden. Beides lernten die Griechen
von ihnen kennen, doch dauerte es sehr lange, bis der Begriff , Stunde* bei
ihnen volkstamlich wurde: erst der alexandrinische Mathematiker und
Astronom Hipparch (160 — 125 v. Chr.) braucht w^a in diesem Sinn. Nach
Born kam die erste Sonnenuhr im Jahre 263 v. Ohr. als Beutestück aus
dem eroberten Catina in Sicilien, und diese Uhr war dort 99 Jahre im
Gebrauch, obgleich sie, für eine andere Polhöhe bestimmt, natürlich falsch
zeigte ! Von jener Zeit an bürgerte sich auch in Bom die Stundenrechnung
allmählich ein, aber man teilte nicht, wie bei uns, den ganzen Tag in 24
gleiche Stunden — dies geschah nur für astronomische Zwecke — , sondern
die Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang in 12 Stunden, ohne Bück-
sicht darauf, ob die Tage lang oder kurz waren, so dass in Bom zum
Beispiel eine Stunde zur Zeit der Sommer-Sonnenwende 75*/2, zur Zeit der
Winter-Sonnenwende aber nur 44*/s Minuten lang war. Mit der höheren
Breite wuchs natürlich noch der Unterschied, und in Mainz betrug er zum
Beispiel nicht weniger als 42 Minuten (81 — 39), das heisst eine Winterstunde
war hier mehr als doppelt so lang sSa eine Sommerstunde! Nur zur Zeit
der Tag- und Nachtgleichen waren die Stunden der Alten den unsrigen gleich.
Die Einrichtung unserer Uhr ist nun die folgende. In der am oberen
Bande befindlichen Aushöhlung ist durch die Bandfläche ein Loch gebohrt,
durch welches ein Faden gezogen wurde. Daran aui^ehängt wiuxle die
Seheibe in lotrechter Stellung so gedreht, dass die Sonne in ihrer Ebene
stand. Auf dem nunmehr der Sonne zugekehrten Halbmesser sind zum
Einsetzen des Stiftes 12 Löcher nicht ganz regelmässig durchgebohrt, neben
welchen die Monatsnamen stehen : immer zwei Löcher für zwei Monate von
ungefähr gleicher Sonnenhöhe, das erste für den Dezember, das zweite für
den Januar, das dritte für den November, das vierte für den Februar u. s. w.,
das letzte, in der Mitt^ der Seheibe, für den Juni. Steckte man in dieses
im Monat Juni einen Stift, so fiel bei der oben angedeuteten Stellung der
Scheibe sein Schatten um 12 Uhr Mittags bei a auf den Band, freilich nur
dann, wenn man sich annähernd unter dem Breitegrad befand, für den die
Ilir gearbeitet war. das heisst unter dem 44., in dessen Nähe Florenz liegt.
Nach einer römischen Stunde war der Schatten bei b, nach einer weiteren
bei c, bei Sonnenuntergang bei g. Hier war er natürlich auch bei Sonnen-
aufgang gewesen und hatte bis zum Mittag den entgegengesetzten Weg auf
der Scheibe zurückgelegt. Dabei gilt die innere BancUinie für die Monate
April— August, der nach der Mitte hin folgende Ejreisabschmtt für März
und September, der dritte für Februar und Oktober, der vierte (letzte) für
November — Januar. Zwischen dem zweiten und dritten ist ein nur in
Spuren noch sichtbarer Kreisabschnitt offenbar schon in alter Zeit, weil
irrtümlich gezogen, beseitigt worden. Schnitt nun der Schatten des Stiftes
einen der radienartig — freilich nicht nach dem Mittelpunkt — nuammen-
laufenden Stundonstriohe genau auf der dem Monat entsprechenden Kurve,
so konnte man die Stunde ohne weiteres ablesen, fiel er iwischen iwd
Stundeiistrioh'.\ so musste man schätzen. Selbstverständlich Hess unsere Uhr
in Bezusr :iut' Genauigkeit schon an ihrem Ursprungsort, etwa in Bayenna,
viol ;u wünschen übrig, in unserer Breite vollends entsprach sie kaum den
besohl idonsteii Ansprüchen. Da die Sonnenwenden und oie Tag- und Nacht-
irl'.ioho:: nicht auf ilen Anfang der Monate, sondern auf den Anfimg des
i.titen Drittels troffoii. so haf man vielleicht an den Iden, das heisä am
13. odc r lö.. die Löcher gewechsvlt. wodurch der Fehler etwas veningert winde.
Verijl. Becker. Mainzer Inschr.. S. 116, J. 1. Sohliebeiit Nasa. Ann. XX,
^. olo fi. u:ul XXL S. HS S.
— 121 —
n. Hölzerne Schreibtafeln.
Ein ganzes und drei halbe, teilweise noch mit Wachs über-
zogene hölzerne Schreibtäfelchen mit Schriftresten wurden Anfangs
September 1898 auf dem Bauplatze des Herrn Henrich, Grosse
Emmeransstrasse 8 gefunden. Die treffliche Erhaltung ist der
moorigen Beschaffenheit des Bodens zu verdanken, der von den
Eömem zum Zwecke der Trockenlegung mit Abfällen aller Art
aufgefüllt wurde. Zum ersten Male kam man im Jahre 1857
auf diese merkwürdigen Beste römischer Kultur, und damals schon
fand man unter anderem auch drei Stücke von Schreibtäfelchen
(vergl. Lindenschmit, Altert, uns. heidn. Vorzeit, IV, 37 und 46),
doch ohne Spuren von Schriftzeichen, wie sie die neu erworbenen
alle aufweisen.
Bis auf einen unwesentlichen Unterschied gleichen unsere Schreib-
täfelchen denjenigen aus Pompeji, wo im Jahre 1875 im Hause des Bankiers
L. Caecilius lucundus eine grosse Anzahl von solchen zwar verkohlt, aber
doch zum Teil noch lesbar aufgefunden wurde Hier liess sich nachweisen!
dass in der Kegel drei Täf eichen zusammengehörten, also ein „Triptychon**
bildeten (neben 145 Triptychen fanden sich nur 8 — 10 Diptycha), und nichts
spricht dagegen, aber manches dafür, dass auch unsere Täfelchen sämtlich
zu solchen Triptychen gehörten.
Ihre Einrichtung war folgende. Zunächst sind die drei zusammen
gehörigen Täfelchen, nennen wir sie A, B und C, aus einem dickeren Holz-
block nicht etwa durch die Säge, sondern lediglich mit dem Spaltmesser
hergestellt, damit die Einschiebung eines falschen Täfelchens sofort entdeckt
werden könne. Vor dem Spalten aber wurden in den Band (in Pompeji ist
es der obere, in Mainz der untere) etwa 10 cm von der rechten und linken
Kante entfernt zwei Löcher eingebohrt, durch welche später die Bindfäden durch-
gezogen wurden, welche als Charnier dienen sollten ; legte man nun die drei
Täfelchen aufeinander, so bildeten A^, die erste Seite des ersten, und C^
die zweite Seite des dritten Täfelchens, die Deckel; sie sind geglättet und
bleiben in der Regel unbeschrieben. Die übrigen vier Seiten sind dagegen bis
auf einen etwa 1 cm breiten Rand 1—2 mm tief ausgegründet. Das so ent-
standene vertiefte Rechteck wird mit einer dünnen Schichte Wachs überzogen,
in welche dann mit dem spitzen GriJBEel (stilus) geschrieben oder vielmehr
geritzt wurde. Die hochstehenden Ränder dienten zum Schutze dieser Schrift.
Die eigentliche Urkunde wurde auf die Seiten 2 und 3 ( A ^ und B *)
geschrieben, worauf man beide aufeinander legte und vor den Zeugen mit
einem Bindfaden umwand, zu dessen Aufnahme — damit er sich nicht
verschiebe — an den Kanten von A^ und B^ oben und unten kleine Ein-
kerbungen gemacht sind. Die vierte Seite (B^) zeigt aber ausserdem noch
in der Mitte eine von oben nach unten gehende etwa 2 cm breite besondere
Vertiefung, in welche die Enden des zum Verschluss dienenden Fadens
hineingelegt wurden, um dann mit dem Wachs übergössen zu werden, auf
welches die Zeugen ihre Siegel drückten *). Ihre Namen schrieben sie in
*) Ein aus dem Jahre 61 nach Christus stammender Senatsbeschluss be-
stimmte, um Fälschungen nach Möglichkeit vorzubeugen, dass der zur ümschnürung
dienende Faden bei Privat- wie öffentlichen Urkunden nicht um die Kanten gelegt,
sondern durch zwei oben and unten in der Mitte des Bandes angebrachte Löcher
gezogen werden aolle (Paulus, sentent. V, 25 § 6 und Suetonius, Nero 17). Daraus,
dass diese Einrichtung bei unseren Tafeln noch nicht getroffen ist, schlieast
Zangemeister mit Recht, dass dieselben der Zeit vor Nero angehören, wie sich dies
auch von den meisten anderen Fundgegenständen aus jener Schicht, soweit sie
datierbar sind, beweisen lässt.
122 —
Breite: 13,7 cm.
— 123 —
der Regel nicht selbst; dies besorgte vielmehr ein Schreiber, wie man aus
den gleichmässigen Schriftzügen erkennt. Dabei stehen Praenomen und
Nomen links, Cognomen rechts von den zugehörigen Siegeln. (Auf den
pompejanischen Täfelchen ist freilich die vierte Seite (B ^) meist, abgesehen
von der Vertiefung für die Siegel, nicht ausgehöhlt, und sind dann die
Namen der Zeugen mit Feder und Tinte rechts neben die Siegel un-
mittelbar auf das Holz geschrieben.) Zum Schutz der Siegel wurde auf
Seite B' das dritte Täfelchen gelegt, dessen innere wachsüberzogene Seite
C* eine Abschrift von A^ und B^ enthielt, so dass man also nicht nötig
hatte, die Siegel zu verletzen, wenn man die Urkunde lesen wollte. Hatte
man eine grössere Anzahl von solchen Tafeln aufzubewahren, so wurden sie
in einen geeigneten Kasten neben einander gestellt — nicht gelegt — , und
auf die obere Aussenkante eine kurze Bemerkung über den Inhalt mit
Tinte geschrieben. Damit ermöglichte man einen raschen Überblick.
Vergl. Zangemeister, C. I. L., IV, Suppl. I, Einl.
203. Vollständiges Täfelchen, (s. Abb. s. 122; Katal.-Nr. 4086.)
Breite 137, H. 111, D. 8 mm. Es war die mittlere Tafel (B) eines Tripty-
chons. Das Wachs ist auf beiden Seiten grösstenteils noch erhalten ; es hat
jetzt eine graue Farbe, nur das Siegel- Wachs auf der Rückseite B^ ist
ganz weiss. Die Charnierlöcher sind auf der Innenseite unten, auf der
Aussenseite oben sichtbar.
Auf letzterer erkennt man auch in der Mitte der oberen und unteren
Kante die Einkerbungen, die zum Festhalten des Umschnürungsfadens dienten.
Auf der Innenseite sind links oben in der Ecke noch unbedeutende
Reste der drei ersten Zeilen erhalten. Z. 1 a. A. steht (kursives) F oder
P, dann folgt L, dann (?) und ein unbestimmbarer Buchstabenrest, also
flo . . oder plo . . Z. 2 scheint auf D ein kursives E, dann vielleicht ein L
zu folgen, also del . . . . Z S scheint noch ein kursives E erhalten zu
sein. — Auch auf der Aussenseite sind noch Spuren von Schrift erhalten:
im unteren Drittel links beginnt eine Zeile mit VXO, und auf der letzten
Zeile a. A. könnte man mit einigem guten Willen VXORIXI herausbuch-
stabieren, wahrscheinlich heisst es aber anders !
204. Hälfte eines Täfelchens. (Katal.-Nr. 4087.) Br. 137, h.
ö7, D. 7 mm. Die Rückseite ist glatt, bildete also den Deckel. Die
Schriftseite wäre demnach, wenn zu einem Triptychon gehörig, als C^ zu
bezeichnen. Oben ist ein grösseres Stück abgesprengt, aber erhalten. Von
Wachs ist kaum noch eine Spur vorhanden, aber da die Schiclit desselben
offenbar sehr dünn war, so hat der spitze (Iriffel durch das Wachs hin-
durch das Holz geritzt und auf diese Weise zahlreiche, zum Teil freilich
schwer lesbare Spuren der Schrift hinterlassen. Gundermann hat die Güte
gehabt, auf meine Bitte ihre Entzifferung zu versuchen, ist jedoch zur
Zeit der Drucklegung dieser Schrift noch nicht ganz zu Ende gekommen.
Einstweilen sind folgende Worte oder Buchstabengruppen als sicher zu
betrachten: Z. 1 Mitte ROMA, Z. 2 Anfang PUR CALONIIS, hinter der
Mitte MILITI. Z. 3 hinter dem Anfang URO QVI, hinter der Mitte IIST
VNI. Z. 4 Ende VOLO. Z. 5 QVI ADOR. Z. 6 Anfang NIO MII VINCIIS.
205. Dritteil eines Täfelchens. (Katal.-Nr. 4088). Br. 127,
H. 30, D. 7 mm. Es gehörte zu Tafel B eines Triptychons. Der Rand
ist auf drei Seiten erhalten, darin die ])eiden Charnierlöcher, zwischen
denen auf der Aussenseite (B-) eine tiefe Kerbe zur Aufnahme des
Umschlingungsfadens sichtbar ist. Auf beiden Tafelseiten sind im Holz
verhältnismässig noch sehr deutliche Schriftspuren erhalten, die auf der
Innenseite (B^) freilich zum Teil noch mit Wachs bedeckt, das hier wohl
— 124 —
AUiu Z>veck vöUijfer Lesung entfernt werden muss. Schon in seinem jetzigen
i£u«!^caiid ifUubt li und ermann auf der letzten Zeile mit Sicherheit zu lesen:
KV11K.VT UI>)?0N1IVS. — Auf der Aussenseite standen rechts und
hük?4 von dtT ü>iegel-ttinne die Zeugennamen. Z. 1 ist ... . IVS — PARATVS
deutlich leisbÄr. Z. 2 nur das Cognomen OMVLVS (viell. für Homulus?,
duch iüt d»* nioht ganz sicher).
206. Stück (ungefähr Hälfte) aus der Mitte eines Täfelchens.
^K*Ul.-Nr. Mm). Hr. 142, H. 43, D. 7 mm. Die Rückseite ist wieder
ijlntt, wio boi Nr. 2, die Tafel bildete also den Deckel. Rand ist nur
rwhu und link« erhalten, vom Wachs kaum noch Spuren. Die in das Holz
>;vriXitcu Zoiohon werden schwerlich je ganz entziffert werden, da mindestens
4N^ci Schritton, eine kleinere und eine grössere, übereinander liegen.
o. Ledersachen.
!^>:oiTii
207. In Leder geschnittene Inschrift, in Mainz gefunden (wahr-
^ivhoiuUoh im .Jahre 1857 an der Ecke des Schillerplatzes und der Grossen
Emmeransstrasse . (Katal. - Nr.
286.) Das Ganze war, wie die
feinen Nadellöcher in beiden
Längsstreifen beweisen, auf einer
Unterlage aufgenäht. Die Zahlen
und Buchstaben (LXXDVII) sind
^•^ in dem Leder ausgeschnitten.
Unv Umlouiung ist noch nicht enträtselt.
Vor^rl. Lindonschmit, Altertümer uns. heidn. Vorz. IV, Tafel 46, 8.
Fünf Loderstücke mit eingeschlagenen Stempeln. Sie ent-
ölt Auuuon alle derselben Moorschicht unter dem südlichen Teil
kWx liroHHon Emmeransstrasse. Die Inschrift bezeichnet wohl
den Fabrikanten.
\J V ^^ I \f /\ Q. 208. Fnregelmässiger, bis 16 cm breiter
yf ^ I V ^ V mj^ 10 ^.^1 hoher Lederfetzen mit einem
f^ jk A/v<B. Schlitz in der Mitte : gefunden 1857 an der
SÄRI'rArST E^^*^ ^^*^=^ Schillerplatzes (Katalog-Nr. 39).
Deutlich losbar sind die vier ersten Buch-
C\y C iVCrM stabon MONA, obsohon einzelne Teile beim
* V t INI 1/ ' iStompeln ausgeblieben sind ; der fünfte ist
,» unsicher B?\ davor, wie es scheint, ein
L» \A. t Punkt.
Vergl. Becker. S. 1 U>, G. 4 ; Lindenschmit,
Altertümer unserer heidnischen Vorzeit IV,
V I h / I A r ^"^"""-^ Altertümer u
1:1,6
209. Unregelmässiger Lederfetzen. 21 cm breit und bis 6Vs cm
\\\w\\ ; K''*^**»*^**" *"" ^^- ^^^^ • ^^"^'^^ ^^^'"" Neubau des Hauses Nr. 2. (Katal.-
Ni r.\'i(V^ Per Stempel Satri J''aus:\^i) ist. wie man deutlich sieht, zweimal
rtUtK«'«*''*'^ gewesen.
Nergl. Körber. Korrbl. d. W. Z. XVUI. Sp. 19.
— 125 —
210. Unregelmässiger Lederfetzen, bis 10V2 cm breit und I6V2 cm
hoch, gefunden wie Nr. 1. (Katal.-Nr. 40). C{ai) Venedi.
Vergl. Becker, S. 115, G. 1 ; Lindenschmit, a. a. 0. IV, Tafel 46, 9.
211. Unregelmässiger Lederfetzen, bis 12 cm breit und 9^2 cm
hoch, gefunden wie Nr. 1. (Katal.-Nr. 38). L(uci) Vale
Vergl. Becker, S. 116, G. 2.
212. Lederfetzen wie abgebildet, 72 mm breit, 13 mm hoch;
gefunden wie Nr. 1 (Katal.-Nr. 41). Lesung nicht sicher. Der zweite
Buchstabe scheint ein cursives L zu sein, das durch einen nicht zur Schrift
gehörigen Kreisbogen einem R ähnlich wurde, also VLSIO ; darauf ein
cursives A, hinter dem noch die Köpfe zweier Senkrechten sichtbar sind.
Vergl. Becker, S. 116, G. 3.
Vni. Frülmiittelalterliclie Insdniften
auf &ebrauchsgegeiistäiideii.
Zwei deutsche Runen - Inschriften.
Die Runenschrift ist die alte nationale Schrift der ger-
manischen Stämme; sie ist aus dem lateinischen Alphabete
entlehnt, oder, wie Gundermann nachzuweisen versprochen hat, aus
einem östlichen und zwar vor der ersten (sogen, germanischen)
Lautverschiebung, also lange vor Christus. Tm Norden Europas
wurde die Runenschrift noch bis tief in das Mittelalter hinein
angewendet, während sie in Deutschland als heidnisches Teufels-
werk früh dem Glaubenseifer der Geistlichkeit zum Opfer fiel
und durch die lateinische verdrängt wurde. Hier sind daher
in Runen abgefasste Inschriften ausserordentlich selten und über-
haupt erst in den letzten Jahrzehnten entdeckt worden — die vier
ersten durch Lindenschmits Verdienst im römisch-germanischen
Museum zu Mainz. Ihre Zahl ist inzwischen, wenn man von den
wenigen Brakteaten absieht, auf zehn gewachsen ; davon befinden
sich zwei in Mainz, zwei in Augsburg, je eine in Berlin, Darmstadt,
Ems, Müncheberg, Stuttgart und Worms. Dazu kommen noch
fünf ausserhalb der jetzigen Grenzen Deutschlands gefundene Runen-
Inschriften in deutscher (oder gothischer) Sprache.
214. Die Spange von Freilaubersheim, gefunden im Winter
1872.'7»3 in einem Frauengrab zusammen mit einer anderen
inscliriftloscn Spange gleicher Art, zwei kleineren rosettenförmigen
Gewandnadeln aus vergoldetem Silber und mit Almandinen besetzt,
einer Halskette von Glas- und Bernsteinperlen, einem grossen
Spindelstein aus geschliffenem Bergkrystall, einem kleinen Beschläg-
stück aus Erz mit zwei Ringchen, zwei Schuhschnällchen aus
Erz, einer grösseren Schnalle aus Eisen, einem gläsernen Trink-
becher und einem Thongefäss. (Katalog-Nr. 1761.)
Unsere Runenfibel besteht aus Silber, das auf der Vorder-
seite bis auf die mit Niello eingelegten Streifen stark vergoldet
ist oder war.
127
1: 1
[Nach Wimmer^ de tyake Bunemindesmaerker,)
Die Inschrift befindet sich, in zwei Linien verteilt, auf der Rück-
seite. Sie ist neben derjenigen auf der einen Nordendorfer (jetzt in Augsburg
befindlichen) Spange die längste und dabei eine der best erhaltenen Runen-
Inschriften, die bisher in Deutschland zu Tage gekommen sind. Besonders
gilt dies von der oberen Zeile, welche daher auch gleich anfangs — von
Max Rieger in Darmstadt — richtig gedeutet wurde. Die untere ist freilich
weit mehr abgegrijffen, da auf dieser Seite die Nadel eingebogen wurde ;
daher war die Lesung dieser Hälfte lange bestritten und ist erst in der
neuesten Zeit sicher gestellt worden.
Die Inschrift lautet in Runen (durch eine Ungenauigkeit des Zeichners
ist beidemal der Querstrich des Runcn-ii etwas zu tief gesetzt worden) und
mit Beifügung der entsprechenden lateinischen Buchstaben in Uebersetzung :
Boso ritzte die Runen; Dich
Dalina, beschenkte er (mit diesem
Spangenpaar).
Die Wörter sind durch Interpunktions-
zeichen von einander getrennt; nur
zwischen den beiden letzten Wörtern
der ersten Zeile fehlt ein solches, oJBEenbar
aus Raummangel. Boso ist die häufig
vorkommende Form eines abgekürzten Mannesnamens wie Boso-gast, Boso-
chind u. a. — wraet ist eine merkwürdige dialektische Nebenform für die
westgermanische wralt^ die dritte Sing. Praet. des Verbums nritan „reissen*.
boso: wraet runa
th(i)K- dalina. -^oddla]
— 128 —
Dieses war das eigentUche Wort für das Einritzen der Kunenzeichen oder
Runenstäbe in die buchene Tafel (daher der , Buchstab "); aus diesem
Gebrauch entwickelte sich dann die Bedeutung „schreiben* (verrf. „Reiss-
feder" u. s. w. und das engl, to write). — runa könnte der Form nach
sowohl Acc. Sing, als auch Acc. Plur. von dem Fem. runa sein; letzteres
ist wahrscheinlicher. — In dem ersten Worte der unteren Zeile thik = „dich*
ist der Vokal ausgelassen. — Das nächste Wort liest Henning Dathena,
indem er annimmt, dass bei der dritten Rune dieses Wortes der untere
Seitenstrich verschMen sei (vergl. die th-ßune a. A. dieser Zeile) ; einfacher
scheint die Annahme Wimmers, dass der einzige sichtbare Seitenstrich
statt am oberen Ende der Senkrechten etwas tiefer angesetzt sei, wie dies
bei den d-Runen dieser Inschrift unbestritten überall der Fall ist, und dass
wir es also hier mit der 1-Rune zu thun haben. Die folgende Rune
bezeichnet einen zwischen e und i liegenden Laut. Der Frauenname Dalina
(oder Dalena) ist allerdings bis jetzt sonst noch nicht nachgewiesen;
Daliina aber wäre die regelrechte Femininform altgermanischer Sprachstufe
zu dem im ahd. vorkommenden Mannsnamen Tallo (vergl. an. Heim-dallo). —
Von dem letzten Worte unserer Inschrift sind nur vier Buchstaben und
auch diese zum Teil nur schlecht erhalten, doch hat sicher noch ein fünfter,
ein a, dahinter gestanden, von welchem aber jede Spur verwischt ist.
Henning las anfangs golda „begrüsste", entschied sich nachher aber für
godda „beschenkte*, welch letzteres Wimmer mit Recht für allein möglich
erklärt. Es ist die dritte Sing. Praet. von dem allerdings nur im ags.
und an. in entsprechenden Formen nachweisbaren Verbum gbdian imd
nach einem sehr häufigen Lautvorgang aus gddida entstanden.
Was nun die Zeit anlangt, in der unsere Inschrift verfasst wurde,
so ist zunächst darauf hinzuweisen, dass ihre Consonanten von der zweiten
oder hochdeutschen Lautverschiebung, welche um 600 n. Chr. begonnen
haben muss, noch keine Spur zeigen (z. B. sagte man von da an st.
writan: rizan, da um diese Zeit auch das w vor r wegfiel). Femer ist
auf demselben Friedhof, wenn auch in einem anderen Grabe, neben einem
spätrömischen B^leinerz eine olfenbar noch nicht lang im Gebrauch gewesene
kleine Silbermünze des Ostgothenkönigs Totila (541 — öö2) gefunden worden.
Somit kommen wir auf das sechste Jahrhundert, d. h. über hundert Jahre
vor die Zeit, aus der uns durch Überlieferung der Schriftsteller auch nur
das kleinste Sätzchen von der Sprache unserer Ahnen erhalten ist; denn
die ostgermanischen Westgothen dürfen ja nicht dazu gezählt werden.
Vergl. Lindenschmit, Altert, uns. heidn. Vorz. lU, 4, Tafel VI, 1.
Henning, d. deutschen Runendenkmäler, S. 78 ff. u. 139 f. Wimmer, de
tyske runemindesmaerker, S. 51 ff.
215. Die scheibenfttrmige Gewandnadel von Osthofen. Geschenk
des Herrn Gutsbesitzers Keibel. Sie kam schon im Jahre 1854,
wie es scheint, zufällig auf dem fränkischen Friedhofe dieses
uralten Ortes zu Tage, leider in arg verstümmelter Gestalt, da
fast die Hälfte fehlt. Die Runeninschrift auf der Rückseite wurde
jedoch erst mehrere Jahre später bei Gelegenheit einer sorg-
fältigeren Reinigung entdeckt. (Katalog-Nr. 2280.)
Das Ganze besteht aus zwei dünnen Erzblechen, welche auf
einer dazwischen liegenden Holzscheibe durch einen Stift in der
Mitte und durch einen umgebogenen dünnen Bronzering am
Rande verbunden sind. Die Vorderseite war in der Mitte jeden-
falls mit einem bunten Glasfluss geschmückt, im übrigen ist
das Erzblech, dessen ursprüngliche Vergoldung an den vorstehenden
— 129 —
1:1
[nach Wimmer ^ de tyske RunemindesmaerTur)
Teilen meist abgerieben
ist, durch förmliche Prä-
gung mit einem Stempel
reich verziert. Besonders
bemerkenswert sind die
langschnäbeligen, phan-
tastischen Vögel in den
durch ein Blattornament
von einander getrennten
Kreisen.
Die Eunen stehen auf der
Rückseite zwischen zwei von
den sieben concentrischen
Kreisen, mit denen diese ver-
ziert ist. Leider sind nicht
nur auf dem erhaltenen Teil
der Scheibe manche Zeichen
durch den Rost mehr oder
minder zerstört worden, son-
dern es ist auch wahrschein-
lich die ganze eine Hälfte
der Schrift abgebrochen, wo-
durch die Deutung natürlich
sehr erschwert wird. Folgen-
des sind die erhaltenen Runen
(die Fragezeichen bedeuten,
dass die darunter befindlichen
Stäbe zu Runen unbekannten
Wertes gehören, die ein-
fachen Punkte bezeichnen die
Stelle der vermutlich aus-
x«-]:rnRMxji ixji
§0- furad--d-
gefallenen Runen) mit Beifügung der entsprechenden lateinischen Buchstaben :
Wimmer glaubt einen kleinen Schräg-
'5^'rirMX ^*^^^^' ^^^ ^^^^ hinter dem zweiten
Zeichen sichtbar ist, als Rest einer
f i 1 6 & Rune betrachten zu soUen ; gewiss mit
' vD Unrecht, denn der Strich ist weit
stumpfer, als die sicheren Runenstäbe. Ebenso kann die kurze senkrechte
Linie, welche sich an das obere (linke) Ende jenes schrägen Striches anzu-
schliessen scheint, durchaus nur als zufälliger Kritzer aufgefasst werden, da
sie in ihrer Verlängerung der vorausgehenden o-Rune bis zur Berührung
nahe kommen würde ; auch vermisst man bei ihr die sichere Führung einer
geübten Hand. Die Folgerungen, welche Wimmer aus dem Vorhandensein
jener einen oder gar beider Striche für die Ergänzung der SteUe zieht, sind
daher hinfällig. Dagegen halte auch ich die rechts von der tiefgehenden
Beschädigung des Metalles, in ihrer unteren Hälfte eben noch sichtbare
Senkrechte für den Rest einer Rune, hinter welcher zwei von den ver-
schiedenen kleinen Vertiefungen als Trennungszeichen aufzufassen sind.
Hinter /wrac? ist noch ein senkrechter Stab deutlich sichtbar; ebenso hinter der
in einer Entfernung von 3 mm darauf folgenden zweiten d-Rune, aber der
schräge Beistab, den Wimmer an dem oberen Ende des letzteren gesehen
zu haben glaubt, scheint mir zum mindesten nicht sicher zu sein (auf der
Abbildung ist er ausgeblieben). Vor fileg meine ich zwei Trennungs-
punkte zu sehen, vor denen noch der rechte Winkel einer o-Rune sichtbar
wird. Dass die g-Rune am Schluss so verkümmert aussieht, hat seinen
Grund darin, duss der Schreiber für sie nicht mehr Platz hatte : die Platte,
— 130 —
a.cf" ■»>
'>,' >'i.'JrIhtJTrT v-Tz:. CrLiiT.- ?icL l»i? Qr'nftiTn Hufe. Tmd€T?tTor
r dr'T'. Ai^jTzi.-^rZi Q^i Nji-Jel rriiiiTrriTn rvTTtÄän iriirr.
i-'jbfrJ taiJJj -rhr W'-h] •A'l'h
d^iL rrL&hrDrii Tri! dtr Fibel gesunden:
"■Triiisr^tTLs =-..irr]i Ttrlortii. das« mu ihren
•::.• kiTiTi. >•:• rrtJÄn e? «iciu das« die Deutung
rijjaui j-iLSrJi kauTj. -'L iHT -abeiiuipt «De in
Wihz^n.' l'rLi; mit der eroen Hilft« der
•i'.-r ALfauiT t-irr djtj> Endr der Insehrift
■iir risi-eii KuLrTj njüssäi nifbr eixunal not-
w'-.'jdj;^ rln ^V'-n brijvjjij-rj! höW;.-. "br'-horj es nicht iraLiseheiiilieh ist. dass
«rjjj f'jWii-i 'i'jr-.}. 'Jir PJatt-ir. auf Welch -iT die Feder der X*del sass. durch-
^'.IjjjJTt^jj M'jrJ^ HKiiiiiLii i^st jjjrrirj^i WibJrrDä der letzte- der eine Deutung
ver'sU'.'ht hat. Kr llrrrX: y-xi^ ^-J-rr yvM uirad LdaroJUeg ^G<"tt T ertraue
d ^r Ji W *: ^ {jrr Jl j jj f k ] 1 j g^ k v j t a D*" . .7«]?^ (»der poda irire Dat. Sing. ;
fura/J ^V'irx. Wr{^. Bahn*" 'rju äuT^rh jvarabhaktisches a erweitena- Acc. Sing.;
lodaro ■ - da- zwr;jfe]haft*r.rtf: W'Tt — Gen. Piur. von lodar^ welches,
urjfprüijji-jjcjj Adj. in der liedtrutunsr .eitel, nichtig-*', nachher zum suhstanti-
y'itiJVrsi Neutrjjjj geworden ist: .n/^^ endlich ein durch srarabhaktisches e
*ir'^ti\V:r\^,r Irjijvrrativ = nlh verd : .emp-fiehPi. wobei der Wechsel
TLv^hnhrii h und j^ am Ende -jii.lj wüIjI erklären lie»e. Von den gnunma-
ti-jcheij ."*'■}] wi-rrii^^kTit*.'/! abj;-«."j'-}j«.'n. «lörft«.' di-r Ergänzung dem Torhandenen
linuiii rjnd dejj vorljaJideii','n .*^j»urt-n ni«:lit überall TOllig angepiasst sein. Auch
>;''ljeint d»:r f.djri-t]l«:li»,- Wun-r^dj für di^ v.irauszusrrtzt-nde Zeit — etwa das
re^hrte .Jaljj}i'jjjd-rt - - etwa- {rar zu UWr^innliches an sich zu haben, um
wahr'icljeinJicij zu r«rin. hides i«t ein^- andrre. einwandfreie Lesung bis jetzt
\'t:riii. IJjid'-n-chniit. Altert uns. lieidu. Vorz. II, 2. Tafel TT, 2 und 3.
\i*:UJiiuir, d. deutijcliejj J<Tniendenkiiiäl«rr. .S. 6*5 ff. Wimmer, de t^k'ske Rune-
liiiiid'vnia'Tker. .S. 70 ff.
216. Thongefäss mit inschriftartiger Verzierung, gefanden im
Pfarrgarten zu Freilaubersheim ; vergl. Xr. 214). H. 16,4, Br. 21 cm.
(Katalo;(-Nr. \H1H.)
Auf dem Gefass. welches die typische
Form fränkischer Töpfe zeigt, ist unter-
hallj d».*r um den Bauch laufenden
.srliarfi.'ii Kante auf der einen Seite eine
Zrioljiiung tdngeritzt, die am ehesten
Bau1Mä^^t(.•n in kindlicher Auffassung
<;l»i«lit is. d. Abb.), auf der anderen Seite
laufen die Linien ganz wild durch-
bin ander. L'ni den oberen Teil des
<nt*ä.<.<L's läuft dagegen ein Band punk-
lirrter Zeichen, von denen sehr riele
IJuclistaben gleichen. Leider fehlen
iinhnre Stücke davon und es sind darum
auch die drei vorhandenen in ihrer Lage
'-■ /
1:
l),0
ZU ririaiidrr u'whi ülxTall vidli^^ j:<'si(di«'rt. AlxT selbst ohne dies würde es
\v<dil uniuöj^'lich sein, cirirn Sinn in der Insclirift zu entdecken. Der Künstler
hier ojVenliar Zeichen, die er öfter <,^'S(du'n, deren Bedeutung er aber
iiat
nicdit
kannte, zum Schmucke seines Werkes angebracht.
— 131 —
217. Gürtelschnalle aus Bronze, gefunden 1878 auf dem
fränkischen Friedhofe von Dietersheim a. d. Nahe. Das Beschlag,
mit dem die Schnalle auf dem
Leder aufsass, zeigt am Sande die
in echt nationalem Geschmack aus-
geführte Verzierung mit phan-
tastischen Tierköpfen. (Katalog-
Nr. 1932—3).
Auf dem glatten Mittelfeld steht die
Inschrift : Ingeldus ficit, = Ingeldus
hat es gemacht. Für /cct* steht hier
das im Vulgärlatein häufige ficit, aus
welchem durch weitere Entwickelung das
französische ßt geworden ist. Paläo-
graphisch beachtenswert ist die Form des
G, und namentlich die des S, welche Le
Blant (Pal^ogr. des inscr. lat. du III«
siöcle ä la fin du VII', p. 50) aus dem
Jahr 301, in einer stumpfwinklicheren
Form auch aus 253(?), 330, 338, 374,
384 und 405 nachweist. Es ist eine
Weiterbildung einer gekrümmten cursiven
Form, die in die Unciale eindrang und
auch in christlichen Steininschriften
Brittanniens vorkommt (Hübner, exempla
Script, epigr. lat. p. LXVI). In unserer
Inschrift ist diesem S das T völlig gleich,
d. h. der Querstrich ist ganz auf die
rechte Seite gerückt, was nach Hübner
(a. a. 0.) auf Inschriften der Eaiserzeit
nicht vorkommt, von Le Blant (a. a. 0.
S. 53) aber vom Jahr 388 an wiederholt
belegt wird. Vergl. auch in diesem
Katalog Nr. 222, Z. 2 a. E Das Gegen-
beschläg ist in Bezug auf Verzierung
und Inschrift eine Wiederholung des
Beschlages, nur ist das I a. A. in die
Umrahmung mit einbezogen und rund
geworden und am Schlüsse der Inschrift
folgt noch, durch eine Senkrechte von
dieser getrennt, ein Hakenkreuz sowie
ein dem S oder T gleichender Winkel
nebst einem Punkt. Ausserdem steht
die Inschrift des Gegenbeschlägs bei
natürlicher Lage der Schnalle auf dem Kopfe (s. d. Abb. Lindenschmit,
Altert, uns. heidn. Vorz. III, 11, Tafel V, 1). Auf der Platte des Schnallen.
doms befindet sich ein gleicharmiges Kreuz, das man als einfache Verzierung,
rielleicht aber richtiger als christliches Symbol auffassen kann (vergl. Nr. 220).
Nach dem ganzen Charakter des Dietersheimer Grabfeldes gehört unser
Schmuckstück in das 5. oder 6. Jahrhundert.
Vergl. M. Eieger und H. Lindenschmit, Korrbl. d. Gesamtv. XXVII
(1879), Nr. 1. Kraus, ehr. Inschr. I, Nr. 63; mehreres nach Gundermann.
218. Bronzering, gefunden 1856 auf dem fränkischen Fried-
hofe bei östrich. Auf dem kleineren Schild an der Rückseite
ist ein sechsarmiges Kreuz, wohl das Monogramm Christi vor-
stellend. (Katal.-Nr. 1474.) lo
1:1
— 132 —
1:1
Die Inschrift auf dem grösseren Schilde ist -^
lesen: in d{e)i numine (= nomine) a(fnen) =sz ^ M
Gottes Namen, Amen. Die Abkürzung ^
für amen scheint sonst nicht vorzukommen, vielleicli^
ist sie also anders zu erklären.
Vergl. Becker, Zeitschr. d. Mainzer Ver. R
S. 216. Becker, Nass. Ann. Vm, 2, S. 52. Linden-
schmit, Altert, uns. heidn. Vorz. 1,11, Tafel 8. Kraus, chrisÜ. fnschr. I, Nr. 57.
219. Gegossene Bronzefibei mit Nachahmung einer rSmischen
IWbnze, aus der Gegend von Saar-Gemünd ; aus der Gruppe der
von Mainzer Bärgern im Jahre 1895 gestifteten fränl^ischen
Schmuckgeräthe. (Katal.-Nr. 4797.)
Die Umschrift um den einigermassen an die Züge
des Maximinus Thrax erinnernden £opf lautet: Adrianut
imperatur, offenbar für HadriantLe imperator. Das A
ermangelt des Querstriches; E ähnelt einer der am
pompeianischen Wandkritzeleien bekannten cnrsiven
Form; N ist verkehrt und M ganz missglückt. — Die
Fibel dürfte der römischen Zeit noch nahe stehen und
vielleicht ins 6. Jahrhundert gehören.
1 : 1 Vergl. Lindenschmit, Westd. Zeitschr. XV, S. 371.
220. Gegossene Bronzefibel mit Nachahmung einer spät-
rSmischen IWUnze, angeblich von dem fränkischen Friedhofe zn
Dietersheim. (Katalog-Nr. 3335.)
Die Umschrift, scheint hinter dem Kreuze mit
ROMAE zu beginnen (die Formen far R und M sind
der lat. Cursivschrift, und zwar die des M derjenigen
der Wachstafeln entlehnt), worauf vielleicht ein bis
jetzt noch nicht gelesener Eigenname folgt ; der Kopf
erinnert an manche römischen Münzen des 4. Jalu--
hunderts, doch ist unsere Fibel natürlich viel jünger.
Auf der Rückseite befindet sich ein Kreuz ; dieses und
das Kreuzchen oberhalb des Kopfes weisen auf christ-
liche Zeit hin (vergl. Nr. 217).
Vergl. Lindenschmit, Altert, uns. heidn. Vorz. I, 12, Tafel Vm, 18
und 19. Ders Handb. d. deutsch. Altertumsk. I, Tafel XXII, 3 und 4.
221. Fibel aus Zinn mit Nachahmung einer Icarolinglschen
IWUnze, aus der Umgebung von Dietersheim. (Katalog-Nr. 5336.)
1:1
-^55?^
Für die Inschrift schlägt Gundermann vermuthungs-
weise folgende Deutung vor: T(ueatur) «(m) o(mnipotenM)
d(eicf() ae(temu8) m(undi) r{ex) =Es beschütze uns
der allmächtige Gott, der ewige Beherrscher
d e r W e 1 1. Im übrigen liegt auch hier offenbar Nach-
ahmung einer Münze vor, und zwar einer karolingischen,
wodurch die Zeitbestimmung gegeben ist. Bemerkens-
wert ist auch die runde (unciale) Form des verkehrt
stehenden E. Dass das Schmuckstück wirklich aus reinem
Zinn besteht, hat Herr Dr. Mayrhofer, Direktor des hiesigen chemischen
Untersuchungsamtes, festzustellen die Güte gehabt.
K. Prtilimittelalterlicile Steininsclirifteii
222. Grabstein des Fiorentius, gefuDden am 24. April 1896
beim Bau des Hauses Forsterstrasse Nr. 10. Kalkstein. H. 55,
Br. 55, D. 5 cm.
ti
1:5
i
H(%c) iacet Florent(iu8) millx vixit an{'n)o8 viginti et VI mensü III.
Hier liegt der Soldat Florentius; er lebte 26 Jahre und 3 Monate.
Die Platte ist nur ganz oberflächlich geglättet. — Z. 2 a. A. steht
wohl die im späteren Vulgärlatein übliche Form müix (vergl. Seelmann,
Außsp. d. Latein, S. 353) : der Steinmetz hat den schrägen Strich des l
entweder zu weit links gesetzt oder, wenn hier, wie es wahrscheinlich ist,
eine zufällige Verletzung des Steines vorliegt, ganz weggelassen, a. E. ist
der wagrechte Strich des T ganz nach rechts gerückt (vergl. z. Nr. 217). —
— 1»4 —
'iia t»*a hvMur^v^ *rzm»*n -o^c* ja fit FaaikfB. aar Onsin
m^^riJvr'rL Zrimvf i^fTVfi ^ FTiiSirL •ü v^io. -&aL ^swwy» wi hm w l da
jKiaiMUiiSim. ▼*ii*-iii^ Tat*«* IsHf^äsä« bec •£)£■.
223u B iä Mm #er PHfaL eetimdcB im Jakrr 1;^2 nf dem
L^$Jbfnf»&JdrdBib«f> bei Wonn«: kam im Jakrr 1S62 mit dar
Rioi^t^i«. S^mnAung nach Mainz. Kalkstö. H. 47. Br. 43,
J>. 'S tSL. Ucter d<eT iDschrift die ÜIck Form da duüffiehm
Jks^jfS^rauciLes, «nng eseUa^en in einen doj^dl« Kreis, redits
ond Kcki dafon ein minnlicher und weibliiter Pfira, beide aof
O\zw^0!n fitzend. Auch da- Pfan ist ein diiisUiclws Symbol.
y^N P- N A\'B\ V TA- A N'
^'E T € VTTTHtIic CO-
l:B
7/(tc) fj(uiescit) in p(ace) n{o)m(ine) Pauta an{^orum) [L\ VI d{ieryim)
AT, titu{lum) p(piueruni) Puasi et Quito et Siggo^ Boddi, Itio.
Hifr ruht in Frieden (eine Frau) namens Panta, 56 Jahre und 16
'Vüi^a alt; den Grabstein setzten Puasi und Quito, und Siggo, Boddi, I?io.
— 135 —
Z. 1 a. A. ist von H nur noch ein kleiner Best vorhanden, auch der
Punkt, welcher dahinter gestanden hat, ist verloren. — a. E. scheint ein
Buchstabe oder vielmehr, wie der Zusammenhang ergibt, ein Zahlzeichen
ausgemeisselt zu sein; der dazu gehörige Punkt ist noch vorhanden. Es
kann nur ein L gewesen sein, wobei es allerdings auffallt, dass es durch
einen Punkt von VI getrennt ist. Die Wiederholung dieses Punktes a. A.
der Zeile kommt auch Z. 4 vor. — Puasi u. s. w. sind wohl die Kinder
der Pauta gewesen. — Paläographisch interessant sind die cursiven Formen
des G und die des Q ; A hat, wie auf allen unseren frühchristlichen Grab-
steinen ausser Nr. 222 und 235 gebrochenen Querstrich. — Bei dem Skelett,
von welchem der Schädel und ein Armknochen noch erhalten sind, fanden
sich : ein Armring aus Broncedraht, ein Halsband von Glasperlen, ein Spindel-
stein, zwei broncene Eiemenzungen, eine Glasschale und ein Thonschüsselchen.
Sämtliche Gegenstände werden im Mainzer Museum aufbewahrt. Ihre Mitgabe
lässt auf eine Zeit schliessen, wo christliche und heidnische Anschauungen
noch mit einander kämpften, also etwa auf das 6. Jahrhundert.
Vergl. Lindenschmit, Altert, uns. heidn. Vorz. I, 3, Tafel VIII, 7;
ders. Handb. d. deutsch. Altertumsk. I, S. 102. Klein, Zeitschr. des Mainzer
Ver. n, S. 343. Becker, Nass. Ann. VH, 2, S. 9. Kraus, ehr. Inschr. I, Nr. 27.
224. Grabschrift des Grutiio, gefunden im Jahre 1842 auf
dem Liebfrauenkirchhof bei Worms; kam im Jahre 1862 mit
der Bandeischen Sammlung nach Mainz. Kalkstein. H. 33,
Br. 31, D. 4 cm. Unter der Inschrift die ältere, seit Anfang
des vierten Jahrhunderts nachweisbare, später aber neben der
jüngeren beibehaltene Form des Monogrammes Christi zwischen
zwei Tauben, die seit 268 ebenfalls als christliches Symbol
vorkommen.
Hie in pace quisscet
OrutUo.
Hier ruht in Frieden
Grutilo.
Z. 2 quieacet steht für
quiescif, das kurze i wech-
selt auf gallisch - germa-
nischem Boden infolge
seines zwischen beiden
Vokalen liegenden Klanges
ungemein häufig mit e
(Seelmann, S. 195 ff). —
Paläographisch bemerkens-
wert sind bei dieser schönen
Inschrift die cursiven For-
men des Q, L und G; T
und I sind in der letzten
Zeile etwas anders gebildet
als vorher. — Der Stein
stammt wohl ebenfalls noch
aus dem 6. Jahrhundert.
Vergl. Klein, Zeitschr. des Mainzer Ver. 11, S. 344. Lindenschmit,
Altert, uns. heidn. Vorz. II, 5, Tafel V, 4. Lindenschmit, Handb. d.
deutsch. Altertumsk. I, S. 101. Kraus, ehr. Inschr. I, Nr. 26.
a
— 136 —
( tfÄCEVQplNOQÜl
riToCaMToiPJI
225. Grabstein des Ludino, gefunden im Jahre 1842 auf
dem Liebfrauenkirchhofe bei Worms; kam im Jahre 1862 mit
der Bandeischen Sammlung nach Mainz. Kalkstein. H. 57,
Br. 40, D. 2 cm. Unter der Inschrift die jüngere seit dem
Jahre 355 vorkommende Form des Monogramms Christi mit
den christlichen Symbolen Alpha und Omega und zwei Tauben.
Hie quieseet in paee Ludino
qui vixit annus XXX \ iitolum
po8uit tixor Duda,
Hier rnht in Frieden Ludino,
welcher 30 Jahre lang lebte;
den Denkstein setzte seine Gattin
Dnda.
Z* 1 quieaeet steht für quieseit
(s. zn Nr. 224). — Z. 3 annua ftr
anno8 und Z. 4 tiiolum fOr HiU'
lum : auf gallisch-germanischem
Boden fielen das ursprüngliche
lange o und das ursprüngliche
kurze u ganz gewöhnlich zu-
sammen (Seelmann, 213 ff.)- —
posuii durch ein Versehen des
Steinmetzen ftlr pomit, — Das
L hat cursive Form. — Trotz
der hier hereits auftretenden
uncialen Bildung des Y wird die
Inschrift nicht viel später zu
setzen sein, als die beiden voraus-
gehenden. Darauf deuten die
ebenfalls im Mainzer Museum
befindlichen Beigaben : Erz-
becher, Scramasaz, grosses und
kleines (dolchartiges) Messer,
2 Pfeile und 8 Rieme nzung en.
Vergl. Lindenschmit, Altert, uns. heidn. Vorz. I, 3, Tafel VIII, 1.
Klein, Zeitschr. d. Mainzer Ver. 11, S. 342. Becker, Nass. Ann. VII, 2,
S. 8. Lindenschmit, Handb. d. deutsch. Altertumsk. I, S. 101. Sjraus,
ehr. Inschr. I, Nr. 24.
226. Grabstein des Unfachlas, gefunden im Jahre 1842 auf
dem Liebfrauenkirchhofe bei Worms; kam im Jahre 1862 mit der
Bandeischen Sammlung nach Mainz.
Roter Sandstein. H. 20, Br. 19, D.
1,8 cm.
ffic quieaeet ünfaekku qvi vixit anntu V,
Ti(tulum) po(suit) pater.
Hier ruht Unfachlas, welcher fOnf Jahre
lebte. Sein Vater setzte diesen Stein.
Z. 1 und 2 quieteet steht für quieadt und
Z. 4 und 5 annus für annoa (s. zu Nr. 224 und
225). — Beachtenswert ist die unciale Form
des Buchstabens V, während das Zahlzeichen
spitz gebildet ist. Q und F sind der Cuiut-
schrift entnommen. Bei dem P der letrten
1:7,6
HICQ.ÜIEiC
rruNKAc
HLA5QUI
UIX)TANH1
5
1;B
— 137 —
Zeile ist der Bogen durch die Senkrechte hindurchgezogen. — Die Inschrift
wird ebenfalls in das 6. Jahrhundert gesetzt.
VergL Lindenschmit, Altert, uns. heidn. Vorz. I, 3, Tafel VIII, 2.
Klein, Zeitschr. des Mainzer Ver. II, S. 343. Becker, Nass. Ann. VII, 2,
S. 13. Kraus, ehr. Inschr. I, Nr. 28.
227* Grabstein des Aldualuhus, war nach Schannat {hist.
episcopatus Wormatiensis. Frankfurt 1734) in die Wand des
sogen. Bergklosters bei Worms eingemauert; in der Nähe wird
er wohl auch gefunden sein auf einem noch in der letzten Zeit
nachgewiesenen fränkischen Friedhof. Er kam mit der Bandei-
schen Sammlung im Jahre 1862 nach Mainz. Kalkstein. H. 45,
Br. 30, D. 13 cm. Die Buchstaben waren rot nachgemalt.
Z. 4 in der Mitte ist der Zirkelpunkt sichtbar.
JSic paUiSat corptia Aldua-
^ luhi cuiua anima gaudet in
cctelo.
Hier ruht der Leib des
Aldualuhus, dessen Seele im
Himmel jubelt.
Vom paläographischen
Standpunkte aus betrachtet,
ist unsere Inschrift eine der
merkwürdigsten, die es über-
haupt giebt. Besonders auf-
fallend (und sonst wohl nir-
gends vorkommend) ist es,
dass nicht weniger als sechs
Buchstaben, nämlich A, C, H,
L, und V, sich in doppelter
Form finden, in einer eckigen
und einer runden, wobei bald
diese, bald jene von der
üblichen abweicht; bei H
und L thun dies sogar
beide. Gundermann macht
darauf aufinerksam, dass in
betonten Silben vorwiegend
die eckige, in unbetonten
aber die runde Form der
Vokale gebraucht ist. Be-
achtenswert sind femer die
der Uncialschrift entnom-
menen Buchstaben D, E und
M. — Aus paläog
pa8-/^D
UUUhl-CV
iygAHIQ3l J
&W10
i^Kät
\
TTZ
^
1:B
Gründen, sowie wegen der Formel cuiua anima gaudet in caelo wird die
Inschrift dem Ende des 7. Jahrhunderts zugewiesen.
Vergl. Lindenschmit, Altert, uns. heidn. Vorz. I, 3, Tafel VIII, 8.
Klem, Zeitschr. des Mainzer Ver. II, S. 344. Becker, Nass. Ann. VII, 2,
S. 14. Kraus, ehr. Inschr. I, Nr. 29.
^
188
228. Grabstein der Radermdis, gefimden im Jahre 1882 ia
den Grnndmauern der (alten) Peterskirche, jetzt Eaiserstr. Nr. 39.
Kalkstein. H. 64, Br. 42, D. 14 cm. Unter der Inschrift ein
gleichschenkeliges EreuK, dessen vier Balken nach aussen keil-
förmig anwachsen; in den vier Ecken des das Kreuz ein-
schliessenden Rechteckes ankerartige Zeichen.
- - In hunc titolo re-
h
n7"
:t^'*^
.^
'^
pAc&aK}%
S3(W
1
quiiscit bone memorU
Radelindia qui vixU tu
paee annug XXV.
In diesem Grabe
ruht gesegneten An-
denkens Eadelindis,
welche 25 Jahre in
Frieden lebte.
Z. 1 in m. Acc. auf
die Frage wo ? in früh-
christl. Inschr. nicht
selten. — ütolo fftr
riftt/ttfi»; über das
Schwanken zwischen o
und u vergl. zu Nr.
225, das m aber war
am Ende der Wörter
schon in der repu-
blikanischen Zeit so
schwach, dass es viel-
fach wegfiel. — Z. 2 re-
quüscit fttr requieacit,
das e hatte im Latei-
nischen teilweise eine
nach i hinneigende
Färbung. — Z. 3 u. 4
Ixme memorie für bonae
memoriae; der Ersatz
des ae durch e in un-
betonter Silbe, in den
ersten beiden Jahrh.
n. Chr. selten, nimmt
seit dem vierten Jahr-
hundert massenhaft zu
(Seelmann, S. 225). —
Z. 5 qui fftr quae in christlichen Inschriften häufig. — Z. 6 annus ftr
annos (s. o.). — Paläographisch bemerkenswert sind die cursiven L und Q,
die eckigen und C (Z. 2 steht auch ein rundes) und besonders das M mit
doppelt gebrochenem Zwischenstrich. — Der Stein wird ins 7. Jahrhundert
gesetzt.
Vergl. Liesen und Schneider, Korrbl. d. W. Z. I, S. 75. Heckmann,
Mainzer Zeitschr. III, S. 258. Kraus, ehr. Inschr. I, Nr. 43.
229. Grabstein des Adalharius, gefunden im Jahre 1882 in
den Grundmauern der (alten) Peterskirche (s. Nr. 228). Kalk-
stein, in drei Stücke zerbrochen, wodurch die vierte Zeile stark
beschädigt wurde; der untere Teil fehlt ganz. H. 49, Br. (oben)
139
I, D. 15 cm. Die Inschrift ist von einem mit Zickzack-
•nament gefüllten Kahmen eingefasst, dessen längere Seiten
ch unten sich einander nähern. Seine Verzierung scheint eine
olzschnitzerei nachzuahmen.
1:B
f In hunc tumolo requiiscit bene memorie Äda{l)hariu8 qui vixit
oace . . .
In diesem Grab ruht gesegneten Andenkens Adalharius , der in
iden (. . . Jahre) lebte.
Z. 1 beginnt mit einem Kreuz ; rechts in der Ecke des Rahmens (zur
imausfuUung?) ein Viertelkreis. — Z. 2 tumolo für tumulum. Über den
usativ, den Vokalwechsel und den Schwund des M am Ende s. zu
228, 1. Der Raum a. E. der Zeile wurde vielleicht wegen der schon
lals vorhandenen Löcher nicht beschrieben. — Z. 3 requiiscit für requieacit
bene memorie für bonae memoriae s zu Nr. 228. — Ausser der Unregel-
sigkeit der Schrift sind noch die eckige Form des und die cursive
Q bemerkenswert. Die Inschrift stammt aus derselben Zeit wie die
lergehende, also wohl aus dem 7. Jahrhundert.
Vergl. Liesen und Schneider, Korrbl. d. W. Z. I, S. 74. Heckmann,
nzer Zeitschr. III, S. 358. Kraus, ehr. Inschr. I, Nr. 42.
?^«•
230. Grabstein des Dructacharius, gefunden mit den beiden
•igen im Jahre 1882 in den Grundmauern der (alten) Peters-
che. Kalkstein. H. 60, Br. 50, D. 12 cm. Die Umrahmung
Bft ein Zickzackmuster, ähnlich wie bei dem Grabsteine der
delindis. Die erste Zeile ist ganz abgehauen.
140 —
'-m
10
[f In hunc titulumf] requiiscit Dructachariua qui vixit in pact
annua XX J.
Condita (hjoc tumulis requiiscit ossa sepuUhrum
(Ijhique tumulaius propriam subteriacit arcem
Flivelia evinit meserorum cor da parentum,
Eo filius!
In diesem Grabe ruht Dructacharius, welcher in Frieden 21 Jahre
lebte. Nachdem seine Gebeine bestattet, ruht dieser Tote im Grabhügel
und nachdem er daselbst gebettet, liegt er am Fusse der eigenen Burg.
Beweint starb, ach, der Sohn der Eltern, die traurig sind im Herzen.
Z. 1 ist fast vollständig zerstört; nach den erhaltenen Bachstaben-
resten — die Abbildung gibt sie deutlicher wieder als sie in Wirklichkeit
scheinen — könnte in hunc tilulum (oder etw. Ähnliches) mit voraus-
gehendem Kreuze dagestanden haben. — Z. 2 requiiscit für requieacit und
Z. 4 annus für annos (s. zu Nr. 228). — Mit Z. 5 beginnen drei Hexameter,
die dem Dichter freilich offenbar sehr schwer gefallen sind, denn, von den
metrischen Fehlern ganz abgesehen, stehen die zwei letzten Worte ausser-
halb des Verses. Ferner sind die Worte, um den Ehythmus heraus zu
bekommen, bunt durcheinandergewürfelt, so dass, zumal die Syntax eine
sündhaft barbarische ist, eine sichere Construction unmöglich ist. Zu
requiiscit scheint (h)oc sepulchrum in der Bedeutung ,der Tote" Subjekt zu
sein, worauf tumulatus dem Sinne nach bezogen ist; condita o$$a ist dann
141
Accusativ absoL, wie im Fran^sösischen^und Spätlateinischen. — Z. 7 wird
bique wohl verschrieben sein für ihique. — Z. 10 st^hi fiivelia für flebüis^ evinit
für evenit f= mortavs est) und meserorum für niiierorum: dreimalige Ver-
tauschung von e und i (s. zu Nf. 228, 2). — Z. 12 co für Äeit, mit dem es in der
Aussprache des niederen Volkes zusammenfloss (vergl. Seelmann, S. 228).
Dann wäre filiua Subj., flivelia Prädikatsnomen, und corda gehörte als
Acc d. Bez. zu meserorum f= qui miseri corda sunt), — Paläographisch
bemerkenswert ist, dass die Senkrechten oben und unten über die Arisatz-
stelle der Bogen (bei B, D, P und E) und der Querstriche (bei F, E
und L) hinausragen; F erhält dadurch die Form der altdeutschen Eune.
Bei L schneidet der Querstrich die Senkrechte. ist rautenförmig, Q
zeigt die cursive Form.
Auch diese Inschrift wird, wie die beiden vorhergehenden, aus dem
7. Jahrhundert stammen.
Vergl. Liesen und Schneider, Korrbl. d. W. Z. I, S. 75. Heckmann,
Mainzer Zeitschr. III, S. 359. Kraus, ehr. Inschr. I, Nr. 44. Die obige
Erklärung nach Gundermann.
231. Grabstein der Audolendis, gefunden 1803 bei Anlage
des jetzigen Friedhofes auf dem Platze der ehemaligen Aureus-
kapelle. Die in dem Sarge noch gut erhaltenen Gebeine gehörten
einem krüppelhaften Körper an. In der Nähe wurden auch noch
andere römische und altchristliche Gräber gefunden. Kalkstein.
H. 64, Br. 41, D. 10 cm.
AN NV^-S 1 1 1 +-
1 : 7,6
f In hunc titolo requiiscü
Äudolendis qui f vixit in pace
annus III f filiciter.
In diesem Grabe ruht Äudo-
lendis, welche drei Jahre glück-
lich lebte.
Z. 1 in hune titolo requiiseit
s.Z. Nr. 228, 1. — Z. 3 qui &a
' quae und Z. ö annus fdr annos
(s. zu Nr. 225, 3). — Z. ßfilieiter
mifelidter (s. zu Nr. 228, 2) (es
wird von Kraus als ein Segens-
wunsch für die Seelenruhe des
Toten aufgefasst). — Paläo-
graphisch beachtenswert ist be-
sonders die Form des F, welche
der altdeutschen Eune gleicht,
ferner das L, dessen schräger
Querstrich die Senkrechte schnei-
det, das rautenförmige und
das cursive Q. Die Inschrift
ist wohl an das Ende des 7.
oder den Anfang des 8. Jahr-
hunderts zu setzen.
Vergl. Becker, Nass. Ann. VII,
2, S. 14. Lindenschmit, Altert,
uns. heidn. Vorz. 11, 5, Tafel
V, 2. Kraus, ehr. Inschr. I,
Nr. 37.
7^
142 —
'OL
232. Grabstein der Bertisindis und des Randoaldus. Fund-
ort nnbekaDnt, jedenfalls in unmittelbarer Nähe der Stadt Mainz.
Kalkstein. H. 112, Br. 53, D. 9 cm. Die Schriftseite des
^_ Steins ist mit einer
durch Zickzack-
Linien gefüllten
Umrahmung ein-
gefasst und durch
verzierte Streifen
drei Vierecke
m
zerlegt. Das obere
zeigt in der Mitte
ein an einer Schnur
aufgehängtes,
gleichschenkeliges,
etwas ausladendes
Kreuz; an seinen
Armen sind die
von Vortragskreu-
zen herabhängen-
den Bänder nach-
geahmt. Auf den
Seiten vier mit
Kreuzen gefüllte
Kreise. Die untere
Abteilung ist durch
zwei Streifen mit
Wellen- Ornament
in drei Dreiecke
eingeteilt. Ob diese
ganze Verzierung
des Steines symbo-
lischen Sinn hat
oder nur zurBaum-
AusfüUung dient,
bleibe hier uner-
örtert. — In der
Mitte befindet sich
die Inschrift.
In htme tüolo re-
quiücü bane memoriae
BertinndU qui vixxU
an{n)u8J[X, RcmdodU
du8 qui vixxü annu§
tri[8 felie\eter,
Bertisindis, welche
In dieHom Grab ruht gesegneten Andenkens
2ü Jahre lebte, (und) Kandoaldus welcher 3 Jahre glücklich lebte.
— 143 —
Über die Eingangsfonnel vergl. das zu Nr. 228,1. Gesagte. — Z. 3
Ifone für bonae (während unmittelbar darauf memoriae richtig geschrieben
ist) vergl. zu Nr. 228,3. — Z. 4 qui für quae vergl. zu Nr. 228,5. — Z. 5
vixxit Ar vixtt; antLs für annos (s. zu Nr. 225,3). — Z. 6 vixxit wie Z. 5,
aber darauf folgend annua mit zwei n, von denen das eine wohl aus Platz-
mangel arg verkümmert ist. — [felic]eter für feliciter, vergl. zu Nr. 224,2
und 231,6. — Paläographisch beachtenswert sind namentlich die eckigen
Formen des C und des ; ferner die des L, bei welchem die Querlinie
die Senkrechte am unteren Ende oder etwas darüber schneidet; an dem T
ist einmal (Z. 4) der Querstrich dermassen gebrochen, dass er dem T der
Runenschrift gleicht, Z. 5 ist es mit I verbunden. Die sonst senkrechten
Striche sind vielfach sehr schief gestellt, so dass z. B. das I Z. 6 dem
linken Strich eines V gleicht.
Der Grabstein gehört offenbar derselben Zeit an, wie der der Audo-
lendis (Nr. 231) : dem Ende des 7. oder Anfang des 8. Jahrhunderts. Dem
scheint allerdings eine Notiz bei Lindenschmit, Handb. S. 104, zu widersprechen,
wo von reichen Beigaben die Rede ist, die zum Teil noch heute in der
Graft. Erbach'schen Sammlung auf Schloss Erbach aufbewahrt würden.
Darunter befindet sich aber ein 76 cm langer Scramasax, der dem drei-
jährigen Randoald gewiss nicht beigegeben wurde. Die Nachricht beruht
also auf einem Irrtum. Auch weiss L. an der früher geschriebenen Stelle,
Altert. II, 5, nichts davon.
Vergl. Becker, Nass. Ann. VII, 2, S. 24. Lindenschmit, Altert, uns.
heidn. Vorz. II, 5, Tafel V, 1. Ders. Handb. d. deutsch. Altertumsk. I,
S. 102. Kraus, ehr. Inschr. I, Nr. 36.
Grabstein eines Unbekannten.
1:5
Fundort jedenfalls in
oder bei Mainz. Kalk-
stein. Leider in meh-
rere Stücke zerbrochen
von denen nur zwei er-
halten sind, die nicht
zusammen passen.
1).H. 18,Br.30,D.8
cm. 2). H. 25, Br. 13,
D. 8 cm. Eigentüm-
lich ist die Verteilung
der Zeilen: nur die
erste und letzte laufen
von links bis rechts
durch , die übrigen
lassen am Bande für
senkrecht stehende
Zeilen Platz. Die
Buchstaben waren rot
ausgemalt.
In hunc tüulum re[qui-
iscit in pace . , , ci bo]ne
[memo ?] ri[ c ? . , . cm[, . ,]
dua qui /[eHidter) vt\xit
[ in p<ice an[niA9 . . .].
r^'
— 144 —
In diesem Grabe ruht in Frieden gesegneten Andenkens . . ., welcher
in Frieden lebte . . . Jahre.
Z. 1 und 2 hunc titulum Accusativ fttr Ablatiy (s. zu Nr. 228, 1. —
Paläographisch bemerkenswert ist der gebrochene Querstrich bei A und
T. — Die beiden senkrecht herunterlaufenden Zeilen enthalten die Schluss-
formel ; in derjenigen auf der rechten Seite ist bei Q der Schwanz links
statt rechts. — Vor . . , it scheint der Rest eines x zu stehen, so dass
vixit zu ergänzen wäre, dem wohl ein abgekürztes felicüer vorausgegangen
ist. Es fehlen dann zwei wagrechte Zeilen vollständig.
Vergl. Kraus, ehr. Inschr. Nr. 40 a und b. Ergänzung zum Teil nach
Gundermann.
105
234. Bruchstück vom Grabsteine des oder der Ursu . . .
Fundort ungewiss, jedenfalls aber in oder
bei Mainz. Kalkstein. H. 21, Br. 20,
D. 14 cm. Rechts ist ein Stück der
in barbarischem Geschmack verzierten
Bandleiste erhalten.
. . . bene .... ursu . . . rius et , , , ,
Bei bene kann an bene memorie (yergl.
Nr. 229, 3) gedacht werden, bei ursu an ürsulus
(Hettner, Steindenkmäler Nr. 204 und 344) oder
Ursula (Hettner, Nr. 334), dem oder der von
ihren Eltern . . . rius ei .... der Stein gesetzt
wurde.
1:6
^'^ Vergl. Kraus, ehr. Inschr. Nr, 40, c.
C5
235. Bruchstück vom Grabstein eines Unbekannten. Fundort
ungewiss, doch sicher in oder bei Mainz.
Kalkstein. H. 22 (an der Schriflfläche
17), Br. 18, D. 22 cm. Nirgends ist die
ursprüngliche Begrenzung erhalten.
[qui\ vi88[it annu]s XXXV
welcher (oder welche) 35 Jahre lebte.
Z. 1 vissit für vixit, d. h. das in z enthaltene
s hat sich das palatale Element assimiliert
(Seehnann, 353). — Die Buchstaben und Buch-
stabenreste der beiden letzten Zeilen entziehen
1.5 sich vorläufig der Deutung.
236. Grabstein eines Unbekannten. Fundort wahrscheinlich
Kastei. (Pauli, rhein. Altertümer I, 30: In diesem — d. h.
dem Mainzer — antiquarischen Museum sieht man auch einen zu
Kastell gefundenen Stein mit Runenschrift.) Kalkstein. H. 59,
Br. 41, D. 18 cm. Links unten fehlt ein grosses Stück.
— 145 —
Der Steinist mit buchstaben-
ähnlichen Zeichen bedeckt, aus
welchen Kraus (von oben an-
fangend) herauslas: hie q^
VIIocIT NI (?) MVM VLA QVI
VIXIT IP A XV = Ate quiia-
dt nomini {nomine 'i) Mumula
qui vixit i[n] p[ace] a[nno8]
XV,
Die Zeilen können zum Teil,
wie das grosse Stemkreuz im
Mittelfeld und das einfache
kleinere darunter, als christ-
liche Symbole aufgefasst wer-
den, im übrigen aber sind sie
durchaus dunkel : vielleicht
gehören sie einer Art Geheim-
sprache an, dergleichen es im
Mittelalter mehrere gab.
Vergl. W. Grimm, über
deutsche Bunen, S. 321 und
Tafel XI. Kraus, ehr. Inschr.
I, Nr. 39.
1:7,B
237. Obere Hälfte des Grabsteines eines Unbel(annten. Kalk-
stein. H. 30, Br. 30, D. 15 cm.
Der Babmen ist mit einfachem
Zickzack-Ornament gefüllt.
Durch eine Querlinie ist das erhaltene
Stück in zwei Felder geteilt. Das obere
enthält zwei grössere und zwei kleinere
Kreise, sowie links unten drei Buch-
staben oder buchstabenähnliche Zeichen.
Das untere zeigt in der Mitte roh ein-
gehauen den Oberteil einer menschlichen
Figur, daneben ähnliche Zeichen wie
oben. Eine Deutung will ich nicht ver-
suchen.
1:7,6
Vergl. Kraus, ehr. Inschr. Nr. 40 d.
238. Das sogen. Drususdenkmal, gefunden im Jahre 1808
über dem Brunnen des Gasthofs zum römischen Kaiser (Lieb-
frauenplatz Nr. 5) und im Jahre 1820 ins Museum verbracht.
Bis zum Jahre 1688 war es in der Nähe der Bockspforte in
den Zollturm der Vorstadt Vilzbach eingemauert. Boter Sand-
stein. H. 90, Br. 50, D. 16 cm. In Wirklichkeit ist es kein
Denkmal jenes römischen Feldherrn, dessen Namen es gewöhnlich
trägt, sondern die vordere Hälfte eines Viergöttersockels; die
hintere ist abgeschlagen, wobei auch die Beliefs der beiden
Nebenseiten bis auf unbestimmbare Beste vernichtet wurden.
— 146 —
Erhalten ist das Bild der Minerva, worin man mit ün
eine im frühen Mittelalter gefertigte Nachahmung einer äl
Darstellung des Drusus erkennen wollte. Die Göttin trägi
bis auf die Füsse herabwallenden Chiton und darüber da
der linken Schulter durch einen Knoten zusammengehe
Himation. In der Rechten hält sie die Lanze, mit der 1
stützt sie sich auf den Schild. Bemerkenswert ist der
dreifachem Busch geschmückte Helm, der auch sonst
kommt. Das bekannteste Beispiel bietet die Statue der A
Parthenos; es trägt ihn aber auch Mars auf einem im ,
1898 gefundenen
des Mainzer Mus<
ein gallischer Got
einem Stein aus <
Sulzbach im Elsass
Minerva selbst auch
auf einem Vierg(
Sockel in Trier (He
Nr. 26). Unser Der
gehört wohl dem d:
Jahrhundert an
älteste datierbare
götter - Sockel sU
aus dem Jahre 170),
die auf dem Band<
gemeisselte Inschr:
In memöriam Dm»
man[ci\, zur Erinne
an Drusus Germaii
der es seiner Berühi
verdankt, und derent
es hier besprochen wi
zweifellos erst im I
alter hinzugefügt w«
Zangemeister setzt sie
9. Jahrhundert. Der
würdige Buchstabe a.
Namens Drusus ist ein
gewordenes unciales 1
dem der obere Quei
weiter nach rechts g
ist als sonst. Eine
17 aus Bordeaux (Inscr. de la
liehe Form notiert Le Blant p
Nr. 490) vom Ende des siebenten Jahrhunderts
Vergl. Lehne, ges. Schriften I, Nr. 120. Bramb., C. I.
Nr. 32. Becker, Mainzer Inschr. Nr. 130.
Rh.,
X. Inschriften aus romanischer, gothischer
und noch späterer Zeit.
239. Sockel eines Denkmals aus dem (zehnten oder) elften
Jahrhundert. War an dem sogenannten Fischturm eingemauert
und wurde nach dessen Niederlegung ins Museum verbracht.
Weisslicher Sandstein, in mehrere Stücke zerbrochen. H. 65,
Br. 110, D. 45 cm.
] TEN
f3'm
^EFKVRAS
1;10
es poteris cogno8ce[r\e [l yxtor
U8 qui me formav[e]rat auctor
ni[* %\u88u p{er)fecta manebo
[r]*.bu8 iLb[i]q{ue) p(er)egi
5 q{ue) meaa ceu ceransjponte figuras,
[Ao«?] amhos parit{er) dJ{pmt^n(u)8 c{pn)8ervet in {a)evum,
[S%f]ridu8 8c[riptor scripsit 8CtUp8iiq{ue) lapillo,
' ' ' wirst Du, Leser, erfahren der mich als Künstler (?) gebildet
hatte auf des • * Befehl vollendet, werde ich dauern habe
ich überall verbracht und meine Formen (meine Gestalt?) freiwillig
gleichsam aus Wachs bildend. Die beiden möge der Herr gleichennassen
in alle Ewigkeit beschützen. Sifridus der Schreiber schrieb es und meisselte
es in den Stein.
11
— 148 —
Das Gedicht besteht aus 7 Hexametern, von welchen namentlich die
5 ersten am Anfang so stark beschädigt sind, dass ihr Inhalt sich nur
erraten lässt. Wie es scheint spricht das Bildwerk (eines weiblichen Wesens?
perfecta!), das auf dem Sockel stand, zu dem Leser. Z. 2 und 5 scheint
von dem Bildhauer und dem Maler (?) die Rede zu sein, welchen die Her-
stellung des Bildes zu verdanken war. Z. 6 wird Gottes. Segen auf sie
herabgefleht. Sifridus meisselte die Inschrift.
Gundermann, dem ich auch sonst manchen wertvollen Beitrag zur
Aufhellung der vorliegenden Fragen verdanke, macht für Z. 7 auf die offen-
bare Anlehnung an Alcuin aufmerksam. Dieser sagt (Poetae lat. aevi Karolini
ed. Dümmler u. Traube — in den Monum. Germ. hist. — I, p. 331): Qwt
pariter dominus iotitm conservet in aevum; conservet in aevum kommt auch
noch p. 330 und 333 vor, pereglt 333, lector 334, cognoscere 344. Freilich
würden wir auch aus dem Nachweis unmittelbarer Anlehnung an Alcuin
nur erfahren , was ohnehin sicher genug ist , dass unsere Inschrift nicht
älter ist als dieser. Unter den Mainzer Inschriften steht ihr in paläo-
graphischer Hinsicht keine so nahe wie die in der Stephanskirche befind-
liche Grabschrift des Propstes Wignand vom Jahr 1048 (Kraus, christi.
Inschr. d. Rheinl. II, S. 122). Daher hat sie denn auch schon Falk (bei
Kraus, II, S. 339, 38) der karolingisch-ottonischen Zeit zugeschrieben.
Bemerkenswert sind die eckigen C (die auch schon auf Grabsteinen der
Merowingerzeit und ebenso in den Kandzeilen von Wignands Grabschrift
und der Willigis-Inschrift auf den Bronzethüren des Mainzer Domes vor
kommen) und die eckigen G, sowie die Vorliebe für Buchstabenbindung,
wozu auch die öfter eingeschriebenen kleinen Vocale — einmal, Z. 7, auch
ein Consonant — zu rechnen sind. Die Silbenkürzungen bei . . qtie, con . .,
per . ., pariter, doviimts erinnern schon ganz an den Gebrauch in mittel-
alterlichen Handschriften, in welchen auch die Schreibung evum für aevum
oft begegnet. — Dass für die ersten 5 Zeilen bei genauerem Studium des
Steines noch etwas mehr herauszubringen ist, als wir mit Sicherheit gesehen
haben, scheint nicht ausgeschlossen. Nach dem Abklatsch glaubte Gundermann
Z. 2 a. A. HTCVARDVS QVI (Hincvardus qui), Z. 3 SIPAT[RO]NI[S]IVSSV,
Z. 4 SIOCENO . . N . S[R]EBVS, Z. 5 VIRQ[VEJMEAS lesen zu sollen.
Vergl. Becker, Nass. Ann. VII, 2, S. 24. Kraus, ehr. Inschr. I,
Nr. 38. Bücheier, carm. lat. epigr. I, 135, Nr. 321.
240. Silberner Lbffel, nach unsicherer Überlieferung aus dem
ehemaligen Kloster Iben stammend. Der Stil ist als gewundener
Schlangenkörper gebildet.
Die Inschrift bestoht aus dem Mcmogranun Christi zwischen Alpha und
Oniegci. Die beiden anderen Buchstaben C (viell. = S) und V sind noch
nicht sicher erklärt. Ansprechend ist Gundermanns Vermutung, sie möchten
vielleicht atoTjjo vlog (i'^tovj = Heiland, Solin (Gottes) bedeuten, wobei
t'reilieli das Fehlen von t^sov auffallend ist. — Der Löffel dürfte dem elften
Jahrhundert anj^ehüren.
Vergl. Kraus, ehr. Inschr. I, 41.
149 —
241. Sargdeckel mit den Namen Methilt und Rudolf^ wahr-
scheinlich aus dem zwttiften
Jahrhundert. Gefunden am 20.
Nov. 1893 auf dem Gebiet
des ehemaligen St. Jakobs-
Klosters in der Citadelle.
Geschenk der Militärbehörde.
Boter Sandstein. H. 235 cm,
Br. 70—90 cm, D. 12 cm.
Die Oberfläche ist mit flecht-
werkartigem, seicht einge-
hauenem Strichmuster bedeckt
und trägt die Inschriit Methilt
Budölf,
Herr Prof. Dr. Falk, Pfarrer in
Klein- Wintemheim, macht auf eine
Stelle bei Trithemius, chron. Sponh.
et Hirsaug. S. 238 aufmerksam
(vergl. auch Joannis II, 745), wo
aus dem Jahr 1124 die Stiftungs-
Urkunde des Klosters Sponheim
mitgeteilt wird. Als Stifter werden
hier genannt : Meginhard, Graf von
Sponheim, mit seiner Gemahlin
Idechulde und Rudolf, Graf von
Sponheim, mit seiner Gemahlin
Richarda. Die Schenkung findet
statt im Dom zu Mainz und in Gegen-
wart des Erzbischofs Adelbert I.
Ob auf unserem Sarg der dort
genannte Rudolf von Sponheim mit
seiner Schwägerin gemeint ist, lässt
sich natürlich nicht mit Sicherheit
behaupten, und man muss allerlei
romantische Beziehungen zwischen
beiden annehmen, um ihre Ver-
einigung im Grabe zu erklären;
doch war das weit berühmte Kloster
von St. Jakob gewiss nur den Vor-
nehmsten jener Zeit als letzte Ruhestätte zugänglich.
Paläographisch bemerkenswert ist nur das unciale E.
Vergl. Lindenschmit, Westd. Zeitschr. XIU, S. 305.
Sechs Zinnensteine. Einige Dörfer in der Umgebung von
Mainz — für Speier, Worms und Bingen ist Ähnliches nach-
gewiesen — hatten die Pflicht, bestimmte Teile der Stadtmauer
zu unterhalten und im Notfalle zu besetzen und zu verteidigen,
wofür ihnen das Bergerecht zustand. Um jene Pflicht dauernd im
Bewusstsein zu erhalten, wurden an den betreffenden Stellen der
Mauer Steininschriften angebracht, in welchen die Strecke, für die
jedes Dorf aufkommen musste, nach der Zahl der Zinnen bezeichnet
wurde, die sich daran befanden, weshalb diese Inschriften auch
— 150 —
ZinDensteine genannt werden. Dass jene Mauerstrecke jedesmal nach
dem betreffenden Dorf hin gelegen war, ist selbstverständlich. —
In einer von Hegel wieder entdeckten Würzburger Handschrift
des 14. Jahrhunderts findet sich nun von späterer Hand nach-
träglich eingetragen ein (unvollständiges) Verzeichnis jener Ort-
schaften, das bereits Bodmann (Rheing. Altert. I, 23) veröffent-
lichte. Herr Dr. Baier hat es auf meine Bitte neuerdings ver-
glichen und dabei bemerkt, dass der Schreiber seine Vorlage an
mehreren Stellen offenbar nicht lesen konnte und darum manches
ausliess. Vielleicht hat er aus demselben Grunde auch manches
falsch abgeschrieben, denn seine Angaben decken sich nicht mit
denen der Steinurkunden. Freilich stammen diese wahrscheinlich
aus der Zeit der Wiederherstellung der Mainzer Stadtmauer ums
Jahr 1200 und sind also über 200 Jahre älter, so dass sich
inzwischen manches geändert haben kann.
^..M
^^^-^
stt:
242. Eltville. Kalkstein. H. 60, Br. 105 cm. War an der
alten, nach dem Rheingau gerichteten, Peterspforte eingemauert
und wurde schon im vorigen Jahrhundert von Fuchs ins Museum
verbracht.
Cfives de EUevüe
habent IUI csn-
nas. Die Bürger
Ton EltvUle haben
4 Zinnen.
Der Stein zeigt
im aUgemeinen
noch die römische
Kapitalschrift; mit
kleinen Abweich-
ungen, um so be-
merkenswerter ist
das Auftreten des
einen uncialen E
in der ersten Zeile,
wo der Steinmetz offenbar unbewusst einmal das zu seiner Zeit übliche
Zeichen eingemeissdt hat. Ursprünglich war unser Stein als römisches
Grabdenkmal verwendet (vergl. Nr. 88) und man hat es nicht einmal für
nötig gehalten die alte Schrift und den jetzt auf der Seite stehenden Giebel
gänzlich hinweg zu meisseln. — In der Würzburger Handschrift wird EltviUe
nicht erwähnt.
:CIVB§?>E€lfE-
MIIE-HRBSNT
u?
w^^— I i:z,
1:15
243. Eisheim. Kalkstein. H. 31, Br. 50, T. 26 cm. Die
auf der rechten Seitenfläche noch sichtbare Umrahmung beweist,
dass wir auch hier einen wieder verwendeten römischen Inschrift-
stein vor uns haben. War zuletzt in den Festungsmauern des
17. Jahrhunderts am Gauthor, wohl in der Nähe seines ursprüng-
lichen Platzes, eingemauert und wurde im Jahre 1880 ins
Äluseum verbracht.
~ 151 -
Egeh{h)elm^ ältere Form des Namens Eisheim.
Das erste und dritte £ haben unci^e, das
mittlere dagegen sowie L fast cursive Form;
das unciale M hat in der Mitte einen Ansatz,
der an die Form des E auf anderen Zinnen-
steinen erinnert. Nach der Würzburger Hand-
schjift hat Eisheim, hier Igelesheim genannt,
5 Zinnen.
1:7,5
244. Saulheim. Kalkstein. H. 67, Br. 85, T. 34 cm. Sass
bis 1887, wo er in das Museum verbracht wurde, an seinöm
ursprünglichen Platz, dem südlichen Teil der Stadtmauer, da wo
der Eisgrubenweg entlang führt (vergl. Schneider, Korrbl. d. W.
Z. V, Sp. 196).
: VI Sowelheim. Den Doppel-
« \ punkt vor der Zahl weiss ich nicht
f V zu deuten ; Sowelheim, ist eine alte
\ Form für Saulheim. Ihm werden
hhier offenbar 6 Zinnen zugeschrie-
ben; in der Würzburger Hand-
schrift wird dagegen »Sauwelen-
heim maior" mit 14, ,Sauwelenheim
minor" mit 3 Zinnen aufgeführt,
so dass es ungewiss ist, ob auf
unserem Stein Ober- oder Nieder-
saulheim gemeint ist. — Ab-
gesehen von den uncialen E, deren
erstes den aus der Buchschrift
stammenden Ansatz zeigt, sind
hier die Formen der Kapitalschrift angewendet. — Auch dieser Stein
hatte offenbar schon in römischer Zeit als Inschriftstein gedient; darauf
deutet das zur Rechten noch erhaltene Rahmen profil. Später war er auch
noch zu anderen Zwecken gebraucht worden, wie die durch den ganzen
Stein hindurch gehauene Scharte beweist, welche zum Versetzen mit dem
Wolf gedient haben wird.
245. Udenheim. Sandstein. H. 26, Br. 56, T. 36 cm. War
7 m weiter östlich in demselben Mauerzug eingelassen und wurde
1887 ins Museum gebracht.
/// Uote{n)he[i{m)] , ältere Form des
■^^ Namens Udenheim, dem nach der Würzburger
^^^JH^fe'""'^ Handschrift nicht 3, sondern 13 Zinnen zu-
gewiesen waren. — Bemerkenswert ist die
genaue Bezeichnung; die Nasale N und M
sind durch wagrechte Striche über den voraus-
gehenden Vokalen E und EI angedeutet ; das
1:7,5 E hat beidemal die unciale Form.
246. Stadecken. Sand-
stein. H. 45, Br. 84, T.
35 cm. Sass noch weiter
östlich in demselben Mauer-
stück am Eisgrubenweg, bis
er 1887 in das Museum ver-
bracht wurde.
1:7,6
— 152 —
Incipit (?) Hedeshem d. h. hier beginnt die von Hedeshem zn unter-
haltende Mauerstrecke. — Die erste Zeile ist nicht mehr mit Sicherheit
lesbar ; am Ende der zweiten hat wohl ein S gestanden, das fast völlig ver-
loren gegangen ist; die letzte beginnt und endigt mit einem Kreuz, von
dem am Anfang stehenden ist aber die Hälfte verschwunden ; kern für ä«m»,
wie oft. — Bei Anfertigung der Schrift hat man sich nicht die Mfihe
genommen, die beschädigte Oberfläche des alten Werkstückes wieder zu
glätten, sondern hat die Buchstaben unregelmässig da eingehauen, wo jene
noch erhalten war: ein deutliches Zeichen der Zeit. — In der Würzburger
Handschrift fehlt das jetzt ausgegangene Dorf Hedesheim, dessen Stelle
heute noch in der Nähe von Stadecken deutlich erkennbar ist.
247. Massenheim. Kalkstein mit Spuren roter Bemalung
in den Buchstaben. H. 41, Br. 47 cm. Gefunden im November
1884 bei der Kanalisierung der Kheinstrasse. Der Stein sass
also, wie bei der Lage des Dorfes zu erwarten, im nordöstlichen
Teile der Stadtmauer.
Jf<M»e(n)Ä«m/ec(i)«c»n(nam)(?) oder ein{nM)i^)
Massenheim liess eine (oder mehrere) Zinnen
machen. — Beachtenswert ist die unciale Form
des am Anfang stehenden M und der drei vor-
kommenden E; von diesen hat das letzte (Z. 2
a. E.), wie das vorausgehende P einen aus der
Buchschrift stammenden Ansatz. — Die Lesung
des letzten Wortes ist nicht sicher, doch liegt
hier wohl die auch in Nr. 249 angewendete Form
des C vor, hinter dem in fecü das I ausgelassen
ist. Sonst müsste man annehmen, dass in fedt
1'^»^ und in cin(na8) CI zusammengeschrieben, in
letzterem Worte aber das I infolge eines Missverständnisses noch einmal
wiederholt wäre. Der letzte Buchstabe dürfte wohl ein N sein. — Auch
Massenheim fehlt in der Würzburger Urkunde.
Vergl. Schneider, Korrbl. d. Gesamtv. d. deutsch. Geschichts- und
Altertumsvereine XXVIII (1880) Nov.
248. Mit Goldfäden eingewebte Inschrift aus dem dreizehnten
Jahrhundert, gefunden am 12. August 1897 bei Neubauten an
der Gonsenheimer Hohl, Geschenk des Herrn Brauereibesitzers
Schmitt. Die Stickerei befindet sich auf einer ursprünglich
purpurfarbenen Binde aus Wollstoff, welche, noch am Arme des
Skelettes haftend, einem hölzernen Sarge entnommen wurde. In
der Mitte der Binde sind heraldische einköpfige Adler mit Gold-
fäden eingewebt. Nur einer ist völlig erhalten, doch erkennt
man aus den erhaltenen Besten, dass sie abwechselnd mit den
Köpfen und dann mit den Beinen einander zugekehrt waren.
An den Rändern lief eine Inschrift, auf der einen Seite in lateinischer,
auf der anderen in deutscher Sprache. Auf dem grössten erhaltenen Stück
liest man : amor vincit = die Liebe besiegt und . . iget der Nalme], Eine
Kichere Ergänzung ist leider noch nicht gefunden. Zu der deutschen Inschrift
geliört das auf einem anderen Rest erhaltene Wort Tugende, während das
Wort . . soll (ein unsicherer Buchstabenteil geht voraus) etwas kleinere
— 153
^^m
n.?»-yr
VlIUUiUflfiHIHK
jiiuiiflooiiiiiiir'iiiiiiniuiiioniir!^
1:2
Schrift zeigt und also einer an anderer Stelle angebrachten zweiten
lateinischen Inschrift angehört.
Vergl. Lindenschniit, Westd. Zeitschr. XVI, S. 359.
249. Grabstein des Propstes von Heilig-Kreuz Johannes, genannt
zu Strassburg, f 1363. Der Grabstein wurde bereits abgeschrieben,
als er noch an seinem ursprünglichen Platze sich befand, in der
Heilig-Kreuz-Kirche zwischen Hechtsheim und Mainz. Er ist,
wenn auch ungenau, veröffentlicht bei Gudenus, cod. diplom. II,
709 und III, 993. Nach der Zerstörung der Kirche während
des dreissigj ährigen Krieges wurde der Stein in zwei Hälften
zerschlagen, wobei auch ein Teil der Inschrift verloren ging, und
in Hechtsheim verbaut. Bei Umbauten wieder aufgefunden,
wurde der Stein im Frühjahr 1899 dem Besitzer, Herrn Richard
Wagner, abgekauft. Der Verstorbene ist in priesterlicher Tracht
dargestellt mit dem Kelch in den Händen. Unter seinen Füssen
windet sich ein Hund, der im Mittelalter neben dem Löwen und
— 154 —
t
Drachen das Symbol des bösen
Princips, des Teufels, ist. Über
dem Haupte des Probstes erhebt
sich von zwei Fialen flankiert
ein reich verzierter gothischer
Wimperg. In den Zwickeb
zwischen Fialen und Wimperg
sind zwei Wappenschilder an-
gebracht; das linke zeigt einen
Schwan, das rechte ist durch einen
Querbalken in zwei Hälften ge-
teilt, deren oberste zwei kleinere
Schwäne enthält, während das
Bild der unteren zerstört ist.
Um den Sand läuft die Inschrift:
t Anno damini MCCOLXIII Jdibui
Augusti obiü Joanne* dieius zu Straz-
borg de Moguntia Praeponhu pridem
tarnen canonicra et custos huius eecletiae
cuius anima requiescat in sancta pace.
Im Jahre des Herren 1863 am 13.
August starb Johannes genannt zu
Strassburg aus Mainz, Propst, früher
jedoch Kanonikus und Pft^rtner dieser
Kirche. Seine Seele ruhe im heiligen
Frieden.
Der Hof „zum Strassburg" stand
in der Nähe des Holzturms an der
Stelle des jetzigen Brauhauses zum
Bären.
Zum Teil nach Mitteilung des Herrn
Prof. Dr. Falk in Klein- Wintemheim.
250. Grabstein des Priesters Ewaldus von Byddelborn, f 1429.
Fundort unbekannt. Boter Sand-
stein. H. 50 cm, Br. 58 cm, D.
9 cm.
Die Inschrift lautet: [Ann]o domini
M[CCCC\XXIX ohiit pater Ewaldm de
Byddelborn aacerdos.
Im Jahre des. Herrn 1429 starb der
Priester Pater Ewald aus Büttelbom.
Der Buchstabe a. A. des Eigennamens
ist wohl als zungenloses E, niät — was
nahe läge — als A, aufzufassen. Zungen-
lose E in der Buchminuskel erwähnt
Wattenbach 4, p. 48.
oomuu Ulli
;jTif oüur
m i>vDöiiboru
SacivDoo
l : If)
— 155 —
251. Grabstein des Priesters Adam Wyman, f 1470. Fund-
ort unbekannt. Geschenk des Herrn Bildhauers Saintonges in
Mainz. Roter Sandstein. H. 47 cm, Br. 74 cm, D. 4 cm. In
der Mitte Darstellung einer segnenden Hand nebst Kelch und
Hostienschale. Um den Rand die Inschrift:
1:7.6
Anno domini MCCCCLXX die IX men^U Augmti ohiit reverendus
dominus magisler Adam Wyman quondam sacerdos ad aanctam Katherinam
in Oppenheym^ cuius anima requiescat in sancta pace.
Im Jahre des Herrn 1470 am 9. Tage des Monats August starb der
ehrwürdige Herr Magister Adam Wyman, ehemals Priester an der Katharinen-
kirche zu Oppenheim. Seine Seele ruhe im heiligen Frieden.
252. Grabstein des Spitalpfarrers Job. Pistor, aus dem 15.
Jahrhundert. War bis zum Jahre 1895 im Thorbogen des
„Eisernen Turmes" aufgestellt, in dessen Nähe das Heilig-Geist-
Spital lag, aus welchem der Stein stammt. Roter Sandstein.
H. 220 cm, Br. 115 cm, D. 15 cm. Die Gestalt des Priesters
nimmt die Mitte des Grabsteines ein. Über der Alba trägt er
die Casula, und als Mantel das Pluviale, welches in einem drei-
eckigen Zipfel von der Brust herunterhängt. Die Manipula wird
an der linken Hand sichtbar. In letzterer hält er den Kelch,
über den er die Rechte segnend erhebt. Neben dem Kopf zwei
einfache Wappen, in demjenigen rechts zwei gekreuzte Hämmer,
in dem links (in Anspielung auf seinen Namen : Pistor = Bäcker)
eine ßretzel. Die Inschrift steht um den Rand:
— 156 —
"^IlÖ Olli t^W
Oljtjt 005 lotltJnilltDmrijrvinm^
lt20
Anno domini MCCCC obiit dominus Johannes Pistoris de
So . . . ., plebanus huius hospitalis sancti spiritus^ cuius anima requiesctU in
pace. Amen.
Im Jahre des Herrn 14 . . am ... starb Herr Johannes Pistor
aus Ho . . . , Pfarrer dieses Heilig-Geist-Spitals. Seine Seele ruhe in
Frieden. Amen.
Für die genauere Angabe von Tag und Jahr war Eaum frei gelassen ;
der Stein wurde also wohl noch zu Lebzeiten des Pfarrers gefertigt. Sein
Familienname steht, wie dies häufig vorkommt, im Genetiv. Der Heimat-
narae ist beschädigt und bis jetzt noch nicht gelesen.
253. Grabstein des Bruders Johannes Schilling, f 1485. Stammt
gewiss ebenfalls aus dem Heilig-Geist-Spital und war bis 1895
im Thorbogen des eisernen Thurmes aufgestellt. Roter Sandstein.
H. 217 cm, Br. 117 cm, D. 14 cm. Wieder nimmt die Gestalt
des Verstorbenen im Ordensgewand die Mitte ein. Rechts und
links vom Kopf zwei Wappenschilder mit prächtiger Verzierung,
in dem einen eine Kanne mit Aufguss, in dem anderen ein wildes
Tier (Bär). Auf dem Rande die Inschrift, in welche die Helmzier
des Wappens noch hineinragt.
Imi) öir öaia iit ftbruari lOlnit «tlilis hm
lobniifs ütnllftt Mtnöw
lntt'Dnni'aifiniiiua xtruiitoni pairaiiii
1:20
Anno domini MCCCC L XXXV die declma mensis Fehruari obiii
vener ab ilis frater Johannes Schilling commendator huius domus euitu anima
requietcat in pace, Amen,
— 157 —
Im Jahre des Herrn 1485 am 10. Tage des Monats Februar starb
der ehrwürdige Bruder Johannes Schilling, Wohlthäter dieses Hauses. Seine
Seele ruhe in Frieden. Amen.
Schilling wird sein Vermögen dem Spital vermacht haben und dann
in den Orden der , Bruder des heiligen Geistes" eingetreten sein.
254. Bauinschrift des Erzbischofs Johann Philipp von Schttnborn
(1647 — 1673). Dieselbe war im Fort Philipp angebracht und
wurde dem Museum von der Königl. Fortification überlassen.
Erzbischof Johann Philipp hatte von 1656 an durch den
italienischen Ingenieuroffizier Spalla die veralteten Festungswerke,
die noch vom Jahr 1200 und früher herstammten, nach modernen
Grundsätzen völlig umbauen lassen und brachte, wie es scheint,
an verschiedenen Stellen monumentale Inschriften wie die unsrige
an. (Von einer ähnlichen stammt wohl das gewiss nicht
römische Bruchstück bei Becker, röm. Inschr. d. Stadt Mainz,
Nr. 277.)
E
„ü- ** ^ -..
iro^nv
Johannes Philippus^ archiepUcopua Moguntinus^ episcopus Herhipolenais
Franciae orientalis dux.
Johann Philipp, Erzbischof von Mainz, Bischof von Würzburg, Herzog
von Ostfranken.
Vergl. Lindenschniit, Westd. Zeitschr. XVII, S. 381.
Nachweisungen.
ere Lesungen oder Ergänzungen sind durch einen Stern (*) kenntlioh
, wenn sich nicht der Grad der Sicherheit aus der Binklammerung
lenden ergibt; die frühmittelalterlichen Denkmäler sind mit
reuz (t) bezeichnet, die späteren überhaupt nur in Bezug auf Paläo-
graphisches berücksichtigt.
und nächste Um-
gebung.
ergasse 9.
52. 65. 67. 79.
180. 186—190.
nergässchen 48.
^asse 201.
trasse 12.
thor 238.
e 30. 32. 33.
iühlengässchen3.
r Ort 148. 158.
176.
tanerstrasse 108.
enweg (in d. alten
mauer) 13-17. 19.
. 120.
irhofstrasse 40.
trasse (und Kur-
nstrasse) f 222.
rl 49. 53. 128. 130.
[anerstrasse 163.
lof 231.
berger Hof 177.
(i. d. alten Stadt-
r) 18. 24. 25. 35.
d—m. 121—123.
) 38. 39. 77. (da-
55. 114. 125. Üb-
} vergl. Kästrich.
Emmeransstrasse
3-206.208-212.
Tgsplatz 110.
1. Fundorte,
Hint. Christophsgasse 1.
Höfchen 106.
Kaiserstrasse (alte Peters-
kirche) 60. f 228— 230.
Kästrich 101. 103. 105.
107. 112. 162. (vergl.
auch Gauthor).
Kurfürstenstrasse 129.
131—135. 137. 138.
(t 222).
Linsenberg 202.
Markt 20.
Mathilden terrasse 111.
Mombacherstrasse 197.
Münsterthor 31. (117).
Münsterweiher 182.
Neue Anlage 52. 65. 67.
79.179.180.186—190.
Neuthor 68. 124. 140.
I Petersstrasse 7. 42. 54.
i 64. 76. 98.
! Rhein 88. 151—154. 157.
170. 173.
ßheinallee 69. 70. 72. 75.
röm. Rheinbrücke 4. 113.
168. 172. 174. 175.
Schillerstrasse 2. (139?).
Schusterstrasse 10. 11.
Stephanskirche 63.
Wallstrasse (hinter der
Conservenfabrik) 21.
Walpodenstrasse 34. 92.
Das Übrige Rheinhessen.
ein 181. 183. 185. Bingen 44. 56. 57. 81.
Bleiche (Peters- 193. 195.
!) 83. (Münster- Bretzenheim 43. 46.
117. Büdesheim 8.
t Dietersheira 217. 220.
221.
Ebersheim 159.
t Freilaubersheim 214.
216.
Heilig-Kreuz (bei Hechts-
heira) 136. 184.
Jungenfeldsche Au 102.
Kastei 5. 26—28. 41. 47.
66. 104. 116. 141. 1 236.
hinter Kastei (Elisa-
bethenstrasse) 51.
Klein-Wintemheim 29.
74. 178.
Mettenheim 178.
Nieder-Ingelheim 126.
Nierstein 73.
Ober-Olm 109.
t Osthofen 215.
Weisenau 196.
t Worms 223—227.
Preussen.
Heddemheim 165.
Köln 193.
t Östrich 218.
Nicht nachweisbar, aber
wahrscheinlich Mainz.
6. 22. 23. 37. 45. 50. 55.
58.61.62.78.80—82.
84. 87. 93-97. 99.
100. 119. 142—147.
150.155.156.161.164.
166.167.169.191.192.
199. 200(?). t232-23ö.
t 237.
— 160 —
2. Geographie und Topographie^.
Alba, Camilia tribu
43.
Aq(uae) 28.
Aquae he(lveticae) 162.
Aquae Mattiacorum 27.
Brutti 1,18.
*Aresaces [vicani] 29.
Betasius cives 60.
Brittania 108.
♦Cadyanda 19. (118).
Calabria 1,17.
*Cantunae novae 200.
Castellum Mattiacorum
109.
♦Chalitani 1,12.
Cybira 19. (118).
Delmata 57.
Elvetius cives 129.
* Germania 1,12.
Germania superior 14,12.
15,11. [16,13. 17,11]. 108.
114.
*Haliquenses 1,12.
(H) elvetius cives 129.
Hippus 19. (118).
* limitis Germaniae civi-
tates 1,11.
Lindus, Quirina tribu 112.
Lucania 1,18.
Mattiaci 27. 109.
Mediolanium 1,17.
Moesia superior 108.
Mogontiacenses 121.
*Mogontianae canabae
111.
Narbo, Papiria tribu 127.
Nertobriga, Galeria tribu
44.
Placentia, Veturia tribu
48.
Pollen tinus 71.
Raetia 108.
Eomani cives 117.
Sumelocenses cives US.
Taunensium civitas 121.
Thracia 108.
* Transpadana regio 1,1&.
Tolosa 46.
Treverorum civitas 120.
*Valentia 45.
*Veientes 1,15.
Vercellae, Aniensi tribu
50. * 106.
Virunum 54.
* quannensis 20.
3. Religionswesen.
* Ammon 14.
Aufaniae et Tutela loci 7.
Bonus eventus (militum exerc. Germ
sup.) 114. (equitum leg. XXII) 115.
Caelestis dea, lulia Augusta etc 13.
Ceteri di deaeque omnes 1,1.
Conservator (als Beiname eines Gottes)
17. 121.
t Deus 218.
* Dolichenus 14.
Domus divina 1,6. 4 104. 121.
Fortuna 2 11. 106. (salutaris) 10.
(supera) 112.
Genius (centuriae) 107. (legionis) 113.
Haruspices HO.
Hastiferi Castelli Mattiacorum 109.
Honos (aquilae legionis) 16. 18. 112.
113. (legionis) 17.
Inno regina 3. 4. 104. * 105. 106.
* luppiter invictus Dolichenus, imp.
Caes. M. Aurel. etc. 14.
luppiter optimus maximus 1,1. 2. 3.
4. 101-106. 121.
luppiter optimus maximus et Inno
regina 3. 4. 104. * 105.
luppiter optimus maximus, Inno
regina, Fortuna, Minerva 106.
luppiter optimus maximus ceterique
di deaeque omnes 1,1.
Kaiser (Caracalla) als Gott verehrt
14.
Kaiserin (* Julia Domna) als Göttin
verehrt 13.
Di Manes 51. 62. 64. 69. 72. 80. 81.
*97. 131. *132. 136.
* Dens Mars 157.
Matronen 5. 6. 7. 8.
Minerva 106. 160
Dens invictus Mithras 9.
* Numen 23.
Numina Augustorum, Juppiter opti-
mus maximus, Fortuna, Vesta, — ,
Lares, Penates 2.
Numina castrorum 17.
Nympae 12.
Ollogabiae 5. 6.
* Orientalischer Gott 19 ; ein solcher
conservator genannt 17.
Penates 2.
Pietas legionis et honos aquilae 15.
* Dens invictus SoL, imp. Caes. M.
Aurel. etc. 14.
Suleviae 8.
Tutela loci 7.
* Vesta 2.
Wocheiigötter 186.
161 —
4. Öffentliches Leben.
A. Kaiser und ihre Familien.
t Drusus (t 9 V. Chr.) 238.
Claudius (41 — 54 ; Inschr. v. J. 43)
117.
Traianus (98—117 ; Inschr. v. J. 99?)
26.
Hadrianus (117—138; Inschr. v. J.
122) 27. — t 219.
Antoninus Pius (138 — 161 ; Inschr.
V. J. 140) 106.
Commodus(180-193; Inschr. zw. 191
und 193) 101.
Septimius Severus (193—211, z. T.
mit einem oder zwei Söhnen zu-
sammen) 2. 24. (Inschr. v. J. 197)
120. (v. J. 202) *18. (v. J. 204)
25.
lulia Domna (t217 n. Chr.; Inschr.
zw. 213 u. 217) 13. *25
Caracalla(198— 217; Inschr. v. J.202)
* 18. (V. J. 204) 25. (y. J. 212) 16.
(v. J. 213 od. etw. später) 14. (zw.
213 u. 217) 13. Femer 2. * 24. —
leg. XXII Antoniniana 13. 16. 119.
Geta (209-212). Sein Name aus-
gemeisselt: 25. Vergl. auch 2 u. 24.
Alexander Severus (222—235. Inschr.
V. J. 229, Name ausgemeisselt) 15. —
(Legionsbeiname getilgt) 15. 17.
Gordianus Pius (238— 244 ; Inschr. v.
J. 242) 1. — Mattiaci Gordiani 109.
Tranquillina (Gordians Gemahlin) 1,B.
Valerianus (254—260) mit Gallienus
zus. (Inschr. v. J. 255) 111.
Kaisemame getilgt (Alexander Seve-
rus) 15. 17. (Geta) 25.
B, Konsulate.
140 n. Chr
. imp. Antoninus III 106. | 215 n. Chr. Laetus et Cerialis 104.
1^6 « «
Erucius Clarus II et Clau-
229 „ ,
d. n. Alexander III et Dio
dius Severus 106.
(II) 15.
157 , „
Barbarus et Regulus 106.
231 , ,
Pompeius et Paelignianus
192 , ,
Commodus VII et Per-
115.
tinax II 106.
242 , „
Atticus et Praetextatus 1.
202 , ,
duo Augg. Severus III et
255 , „
Valerianus III et Gal-
Antoninus 18.
lienus II 111.
204 , „
CUo et Libo 25.
258-268
n. Chr. Censor II et Lepidus
211 „ ,
Gentianus et Bassus 7.
II 20.
212 „ „
d. n. imp. Antoninus Aug.
IUI et Balbinus II 16.
C. Höhere öffentliche Ämter und Würden
(abgesehen von denjenigen der Kaiser).
consularis (= Statthalter) 7. 73. *109.
* curator censibus civitatium admi-
nistrandis 1,11.
* curator (Veientium) 1,15.
decemvir stlitibus iudicandis 1,8. 116.
iuridicus (per Calabriam, Lucaniam
et Bruttios) 1,17.
legatus (leg. XXII) 131. 132.
legatus Augusti pro praetoro (Ger-
raaniae superioris) 14. 15 16. (pro-
vinciarum Thraciae, Moesiae supe-
rioris, Raetiae, Germaniae supe-
rioris et Brittanniae) 108.
legatus Caesaris Augusti (legionis . . .)
116.
legatus pro praetore (Germaniae supe-
rioris) 117.
missus adversus hostes publicos tiro-
nibus legendis et armis fabrican-
dis 1,1B.
— 162
praefectus frumenti dandi plebi ro-
manae 1,14.
* praefectus praetorio 106.
quaestor 116.
quaestor pro praetore 1,10.
praetor 116.
sevir turmae I eqtiitum romanoruml,13.
tribunus 10. (leg. XXH) * 15.
tribunus militum (leg. I Min. et
* XXX IJlp.) in quo vices legati
sustinuit 1,9. (leg. X . .) 116. Vergl.
118.
tribunus plebis 116.
5. Das Kriegswesen.
A. Bürgerheer,
exercitus Germaniae superioris 114.
leg. I (centurio) 106.
leg. I adiut. 36. (coh. V) 123. (coh. X)
122. (centuria L. Flavi Pudentis)
30. (c. D. Juni Verecundi) 31. (c.
C. Porci Valentis) 32. (c. M. Sili
lanuari) 33. (c. L. Valeri Modesti)
34. (c. C. Vetti Paulli) 35. — * 124.
(seplasiarius) 21.
leg. I Min. (tribunus) 1,9.
leg. im Mac. (mües) 43. 44. * 45. *46.
leg. VIII Aug. (miles) 47.(centurio)106.
leg. XIII gem. (centurio) 106.
leg. XIIII 41. (veteranus) 48. (cen-
turia luü . . .) 39.
„ gem. 37. (miles) *49. *50.
(*eques) 126.
„ „ gem. Mart victr. (centuria
Caecili) 85. (c. Corneli
♦Capitonis) 38. (coh. II. c.
luli Sedati) 40.
leg. XX 111.
leg. XXII 24. 26. 125. (* miles) 105.
127. (miles pecuarius) 72.
(* custos armorum) 51 . (pri-
mi ordines et * centuriones
et * evocatus) 25. (* signifer
et tesserarius cum dupli-
cariis) 103. (centurio) 107.
(tribuni militum) 19 u. 118.
„ j, primig. (miles) 54. 55.
(eques) 53.
leg. XXII pr. p. f. 42. (miles) 52. equi-
tes u. deren qnaestores) 115.
(tesserarius; 51. (sbrator
consularis) 114. (librarius
legati) 131. (beneficiarius
legati) 132. (* evocatus,
ordinibus adscriptus in X
pili prioris ob virtutem
viritim successit, centurio
— annos meruit) 106. —
(genius 113.(hono8 aquilae)
18. 112. 113. (bonos vir-
tusque) 120.
j, „ pr. Alexandriana p. f. (pie-
tas et bonos aquilae) 15.
(bonos) 17.
„ „ Antoniniana pr. p. f. 119.
(bonos) 13. (aquila) 16.
„ „ pr. p. f. Gordiana (legatus)
1,18.
* leg. XXX Ulp. (tribunus) 1,9.
Unbestimmbare Legion, (centurio)
106. (tribunus militum und legatus
Caesaris Augusti) 116. (centuria
Calpumi Maximi) 164. (c. Claudi
Secundi) 63. (c. Octiumei) 164. (c.
Virei und c. Vet. .) 84.
* coh VII praetoria (miles, princi-
palis, exactus, tesserarius, optio,
signifer, beneficiarius praefecti prae-
torio) * 106.
B. Hilfstruppen,
coh. III Delmat. (miles) 57.
coh. I sagitt. (missicius) 5().
coh. Thrac. (* miles) 58.
ala I Flav. (missus) 129.
ala II Flav. (* eques) 60.
ala Hispan. (eques) 59.
ala Noric. (* eques) 128.
Mattiaci Gordiani (comicularis) 109.
— 163 —
C. Niedere militärische Rangstufen,
beneficiarius (consularis) 7. 73. (legati)
132. (* praefecti praetorio) 106. (tri-
buni) 66.
centurio 102. (leg. I, VIII, XIII etc.)
106. (leg. XXII) 107. —
* centuriones (coh. I, leg. XXIIJ 25.
— Vergl. 154. 164. (leg. I) 30—35.
(leg. XIIII) 38-40. 85.
cornicularius (Mattiac. Gord.) 109.
*ciistos armorum 51.
decurio (alae Indianae) 74.
duplicarii 103.
eques (leg. XIIII) *126. (leg. XXII)
*61. 53. (al. Hisp.) 59. (al. II Flav.)
*60. (al. Noric.) 128. — equites (leg.
XXII) 115. (romani) 1,13.
♦evocatus (leg. XXII) 25. 106.
* exactus (coh. VII praet.) 106.
* ex custode armorum 51 .
ex signifero (leg. XIIII) 48.
ex trecenario 16.
librarius legati 131.
mües (leg. IUI) 43. 44. *45. *46.
(leg. VIII) 47. (leg. XIHI) 49. 50.
(leg. XXII) 52. 54. 55. * 105. 114.
127. (coh. VII praet.) 106.
milites (exercitus Germaniae supe-
rioris) 114.
miles pecuarius (leg. XXII) 72.
*optio (coh. VII praet.) 106.
primi ordines (leg. XXÖ) 25.
primus püus (leg. XXII) 15. *16. 17.
18. (19. u.) 118. *106. 112.
* primus pilus ex trecenario 16.
* principalis (coh. VII praet.) 106.
quaestores (equitum) 115.
seplasiarius (in leg. I) 21.
* signifer 103. (coh. VII praet.) 106.
strator (consularis) 109.
tesserarius (leg. XXII) 51. 103. (coh.
VII praet.) 106.
veteranus ex signifero (leg. XIIII) 48.
D. Soldaten-Abschied.
* ex custode armorum 51.
ex signifero (leg. XIIII) 48.
ex trecenario 16.
missicius (coh. sagit.) 56.
missus (ex ala I Flav.) 129.
quondam primus pilus 15. * 18.
veteranus ex signifero (leg. XIIII)
48.
(). Bürgerliches Leben.
A. Tribus.
Aniensis (Vercellae) 50.
*106.
Camilia (Alba) 43.
Fabia 1,7.
Galeria (Nertobriga) 44.
Papiria (Narbo) 127.
Publilia 61.
Quirinal3.* 96. (Lindas)
112.
Teretina (Atina) 16.
Veturia (Placentia) 48.
Voltinia 49. 62. 126.
B. Städtische Ämter
und Würden.
decurio civit. Taun. 121.
tabularius 67.
C. Handel und
Gewerbe.
hospes 2.
manticulari negotiatores
117.
E. Patrone und
Freigelassene.
I patrona 75.
patronus 48. 102.
liberta 56. 76.
libertus 75. 102.
D. Bürger. F. Datumsangaben.
canabenses 111.
cives Betasius 60.
cives (H)elvetius 129.
cives Romani 117.
cives Snnielocensos 115.
202. a.d. VKal. [*Apr.]
I 18.
j 211. Idibus lulis 7.
I 229. a. d. V Kai. April.
15.
242. Kai. lulis 1,20.
September (?) 103.
12
164 —
7. Personennamen.
A. Die römischen Geschlechtsnamen mit Vor- und
Beinamen.
Adn(amius) Sequens 110.
Primus Aebutius 48.
Aelius Manlianus 20().
Albanius Agricola 115.
Ammianpus) IJrsus 25.
* Aniiius Crassus 199.
L. Antonius Senilicus
126.
Ap[ronius] * Sentianus
103.
Aquil[inius *MenJsor 136.
Aq(uilius) Men8[orJ 23.
Arrpus] 6.
Q. AtUius 12.
Atdnius lust 103.
Attiania TJrsa 70.
Attillia Euna 72.
Aurelia . . . rocla 67.
Aurelius 113.
T. Aur(elius) Apollinaris
110
Aur(elius) Candidus 109.
Aurelius He[rjmes 105.
M. Aurelius Metelus 43.
T. Aurelius Saturnin us
110.
Caecilius 85.
Caerellia Germanilla 108.
(^laerellius Marcianus 108.
CalpvUrnius) Maximus
154.
[Ca]lvis(ius) Primus 25.
[Sex(tu8) Catius] Clemen-
[tinus] 17.
Clau(dius) [S]ecundus 63.
[Cl(audius) Seve]rus 106.
y. Clodius 50.
Ij. Cominius PoUentinus
71.
L. Corelius 151.
[Corjnelius [Capjito 38.
bativius Victor 121.
*I)oomartius 157.
Doinitiii Salvia 70.
li. Domitius lulianus 15
(zweimal).
Domitius Salvianus 70.
Domitius Frsus 70.
Kirn(atius) VU^ax !()(>
Eru'<*(ias) Claras] 106.
L. Kabius * Kabius 44.
L. Otacilius Fabricius ....
116.
! Fer8(. . . .) Sabinus 164.
, L. Flavius Pudens 30.
! t Florentius 222.
* Fron tinus) 185.
Hostilia Alpina 8.
C. Hostilius Satuminus 8.
lan(uarius) 159
lulius 39.
L. lulius B . . . . 29.
C. lulius Hastaius 56.
lul(ius) Hispan(us) 25.
lulius Ingenius 129.
lulius Paterninus 74.
lulius Sedatus 40.
C. [IJullinius Decimus 51.
' lunia Lucilla 110.
j * lunius Crassus 199.
I Q. lunius Quintianus 14.
I D. lunius Verecundus 31.
I Q. L[omu8J 49.
Lucania Victorina 73.
Lucilius Hilario 76
L. Lucr(etius) Secun(dus)
167.
Macrinius lulianus 115.
Mainetius 171.
L. Maiorius Cogitatus 7.
C. Mam .... 6.
Marcellinia Marcella 74.
Mateniius Perletus 114
Metonius 85.
M. Minicius Mar[cel]li-
[nusj 112.
Mogetia Quintina 75.
Musentiuö 85.
L. Nerius Sabinus 168.
Octiumeius 164.
L. Otacilius Fabrit-ius . . .
116.
Papirius 102.
L.Peregrinius Iustinus69.
IN'rvinciUvS I^omanus 73.
Pervincius Koiimlus 73.
[l*lja<'i<iius Curio 11.
C. Pondus Valens 32.
P|riva|tia Maximina 10.
C.[P|ullinius Decimusol.
Quiotius {So(Min<lus 131.
132.
Q(nintinia) Qnintina 53.
Quintinius Fraendus 75.
Beginins 61.
Respectins Respectinus
72.
Bespectius Servandus 72.
* C. Boman[i]us 172.
Sabineius 86.
L. SallustiTis Sedatus 2.
Salutaria Victorina 53.
Salutarins Victor 63.
Salutarius Victoriniu 63.
Satrius Faustus 20d.
Secundinia Paula 131.
132.
Senilia) eta 110.
P. Septimius 130.
Servandia Maximina 72.
Servandius Severinus 72.
Sexti[lius] Marcfianns]
106.
M. Silius lanoarius 33.
[M. TiUius Rnftia] 16.
Turrania SuaduUa 76.
L. Vale .... 211.
Valerius 181.
Val(eriu8) Alexander 25
(zweimal).
[VJaKerius) Catulus 25.
L. Valerius Modestus 34.
C. Valerius Secundns 52.
Valerius Veranius 52.
Vena(tius) Satuminus
103.
C. Venedius 210.
C. Vettius PaoUus 36.
C. Vibius Rnfinus 117.
Victorpus] 121.
* Vindius Pri . . . 66.
L. Vireius Dexter 21.
Vitalinius Salntaris 53.
* L. Ulentius 165.
* T. ülpius 173.
Q. Voltius Viator 65.
V[o]lus(iu8) Veras 26.
.... acidins Curio 11.
.... lius Lucianus 10.
.... mia Nigrina 134.
I . . . rius Rect 1.h7.
C. ullinius Decimus öl.
8 Du ... . 17.
— 165 —
B. Römische Beinamen, unrömische Namen.
IH» in eokixe Klammem elngesclüossenea Zahlen beseichnen eognomiMa, die aebat
Ihrem nomm schon unter A aufgeführt sind.
fAdalhariiis 229.
Agricola [115].
fAldnaluhus 227.
Akxander [25, zweimal].
Alpina [8].
Alpinos 175
Amoena 56.
An . . . 13.
AiMJang TiH 64.
Aniuuuo 60.
Annianufi 1,7.
AnuYa 5.
Apollinaris [HO].
Asper 62.
Atticns 1,21.
Aucissa 155.
t Audolendis 231.
Avitus 16.
B . . . . [29].
[B]arbaru8 106.
Bassns 7.
iBertisindis 232.
ensas 57.
t ßoddi 223.
tBoso 214.
Camdidns [109].
[Capjito [38].
Catnlos [25] 54.
Censor 20.
Cerialis 104.
Cao 25
[C'anis] [106].
Clemeii[tinu8] [17].
Oogitatus [7].
Curio [11].
tDalina 214.
Decimns [51].
*Deomartas 157.
Deiter [21].
t Dructacharius 230.
t Drusus Gennanicus 238.
Du .... 17.
t Duda 225.
* Fabius [44].
Faustus [209].
[F]loreiit(inu8) 25.
t Florent(iu8) 222.
*Fron(tiims» 184.
Fruendus [75].
<jamuxperus 64.
[6emellian]a8 162.
Gentianus 7.
GermaniUa [108].
tGrulilo 224.
HMtAins [56].
, He[r]me8 [105].
Hüarius [76].
Hispan(u8) [25].
Iwiuarius [33]. 159.
flngeldus 217.
Ingenius (. . . uu8?;[129].
lovina 160.
t Ivio 223.
lolianus [15, zweimal].
[115].
lust .... [103].
lustinus [69].
Laetus [104].
Lepidus 20.
Libo 25.
Luciana8 10.
LuciUa [HO]
fLudino 225.
Macrina 77.
Manlianus [200].
Marcella [74].
Marcellinus [112].
Marcianus [108].
Marina 77.
Mas8a 129.
[Mate]m(us) 25.
Maturu8 77.
Maximina [10. 72].
Maximus [154].
Mens[or][23].vergl.[135].
Metelus [43].
Modestiana 108.
Modestus [34].
Mucurus (?) 152.
t*Mumula 236.
*Nero 185.
Nigrina [134].
Nigrinus 127.
Paelignianus 115.
Paterninus [74].
Paula [131. 132].
Paulina 131.
Paullus [351.
t Pauta 223
Perletus [114].
Pollentinuö [71].
tPo]rapeianus 115.
^raetextatus 1,21.
Pri [66].
Primit[ival 139.
Primus [25].
fPuasi 223.
Pudens [30].
Quintianus [14].
Quintina [53. 75].
t Quito 223.
t Radelindis 228.
fRandoaldiis 232.
Eect . . . . [137].
*Reginu8 138.
[Regulus] 106.
72].
Respectinus
RomanuB [73]
Romulus [73"
Rufinus [117
Rufds [16].
Rnna [72].
SabinuB [164. 168].
Salvia [70].
Salvianus [70].
Salutaris [53].
Satuminus 87. [8. 103.
HO].
Secundus87.[52.63.131.
132. 167].
Sedatus [2. 40].
Senüicus [126].
♦Sentianus [103].
Sequens [HO].
Servandus [72]. 201.
Severinus [721.
[Seve]ru8 [106].
t Siggo 223.
* Strato 123.
SuaduUa [76].
Suttus 57.
Titus 64.
t Unfachlas 226.
Ürbana 76.
IJrsa [70].
Ursinus 156.
t Ursu . . . 234.
Ursus [*25. 70].
Valens [32].
Veranius [52].
Verecundus [31].
Verus [25].
Viator [65].
Victor [53. 121].
Victorina [53. 73]. •
Victorinus [53].
* Vividus 161.
Zosimus 102.
. da 67.
. eta [HO],
ndus 77.^
. rocla [67].
rus 18.
scinus 66.
ÜCU8 79.
166
C, Namengebung.
Praenomenausgesclirieben(Primus)48.
Praenomen als Einzelname gebraucht
(Titus) 64.
Praenomen aus früherem Gentile
(Flavius) *168.
Gentile abgekürzt (Adn.) 110. (Aq.)
23. (Aur.) 109. 110. (Calp.) 154.
(Clau.) *63. (Egn.) 166. (Fers.) 164.
(lan.) 159. (lul.) 25. (Lucr.) 167.
(Sen.) 110. (Val.) 25 dreimal. —
Durch den blossen Anfangsbuch-
staben bezeichnet *9. *53.
Gentile gleich dem Cognomen * 44.
Doppeltes Gentile 116.
Gentile der Kinder von dem Cog-
nomen des Vaters abgeleitet 53.
*69. 72. 121.
Gentile des Freigelassenen von dem
Cognomen d.Patrones abgeleitet75.
Cognomen gleich dem Gentile* 44.
Cognomen durch den blossen Anfangs-
buchstaben bezeichnet * 9.
Cognomina der Geschwister von
einem Stamm gebildet 53. *66.
Cognomina der Kinder nach denen
der Eltern gebildet, und zwar das
des Sohnes nach dem der Mutter,
das der Tochter nach dem des
Vaters 70; das der Tochter nach
dem der Mutter 131.
8. Formelhaftes.
A. Auf den Altären und öffentlichen Inschriften.
agentes lustro 103. — * curam agente
114.
* concessit fontem et iter actumque
per possessionem suam ad templum
29.
devotissimus numini eins (imperatoris)
dicatissimus 14.
dono dedit ob merita 15.('vergl.l6 — 18.
24). — coUegis dedit dedicavit
110. — aram dedicatam posuit 20.
honori aquUae 15. 16. 18. 112. 113. —
in honorem domus divinae 4. 104.
121. — honori legionis 17. — in
honorem legionis 13. — honoris
virtutisque causa 120.
in suo 11.
posuit 114. — publice posuerunt 29. —
ex voto posuerunt * 103. 111. —
pro patrono suo posuit 102.
pro salute imperatoris 101. — pro
salute dominorum nostrorum impe-
ratorum 114. — pro salute sua
suorumque omnium 20. — *pro
salute atque incolumitate et vic-
toriis domini nostri totinsque
domus divinae 1,2.
Votum solvit 1,19. 12. — votum solvit
libens merito 7. — votom solvit
libens laetus merito *23. 105. —
voto suscepto Votum solvit libens
laetus merito 21. — (pater) vovit,
Uli et heredes consummaverunt 121.
— ex voto posuerunt * 103. 111. —
vovit solvit libens laetus merito
9. — ex voto libens laetus merito
22. — *pro filio libens vovit 10.
Altarstifter nicht mit Namen ge-
nannt *9.
Weihung eines für das Fahnenheilig-
tum bestimmten Altares durch den
Statthalter 15 (vergl. 16 17. 2ö).
B. Auf den Grabdenkmälern.
Dis Manibus 51. 52. 64. 69. 72. 80. i
81. *97. 131. *132. 136. I
Dis Manibus et perpetuae secnritati I
* 66. !
memoriae aeternitatis 73. i
hie Situs est 43. 48. 49. 54. 59. 63. ■
65. 71. 128. 129. liic siti (sitae) ,
sunt 56. 76. — f hie iacet 222. |
sub hoc lapidtj iacet 80. — f l^i^ j
quiescot 226. liic qnieseet in paco ,
(223). 224. 225. t in hnnc tituluni
(titolo) requiiscit 228. * 230. 231.
232. 233. t in hunc tumolo requiis-
dt bene memorie 229. — f hie
pausat 229. — f condita ossa tumn-
latus propriam subteriacit arcem
230. fvixit anos 222. qui viiit
amios 137. f qui vissit annas *235.
t qui vixit (vixxit) annns (anos) 225.
226. 232. f qui vixit in pace annus
— 167
228. 229. 230. f qui vixit in pace
aonus . . . filiciter 231. * 233. qui
vixxit annus . . . feliceter 232. —
annorum 65. 76. 131. f 223. an-
norum .... stipendiorum 43. 44.
49. 51. 54. 59. annorum — aerorum
48. stipendiorum 52.
fecit (fecere) 128. 63. faciendum
curavit (curavere) 43. 44. 52. 53.
54. 64. 66. 67. 70. 72. 74. 75. 82.
129. 134. 135. — posuit (posuere)
58. 65. t226. ftitulum posuit
(posuere) 225. 223. de suo posuit
79. — pro pietati dat de suo dat
138.
Bezeichnung des Toten: patri caris-
simo et fratri 135. — ffilius
230. — filiae 131. filiae karissimae
134. — co(n)iugi 77. coniugi dilec-
tissimae adque castissimae, coniugi
incomparabili 74. coniugi incom-
parabüi et pientissim(a)e marito
obsequentissima(e) 132. coniugi
pudicissimae adque castissimae 73.
Vergl. 139. — fratri 52. — soro-
ribus 76. — matronae sanctissimae,
patron(a)e optimae in se pietatis
et reverentiae 75. — f bone (bene)
memorie 228. 229. ♦ 234. — f cuius
anima gaudet in caelo 227.
Bezeichnung des Stifters : f pater 226.
patres 131 f meseri parentes 230.
mater et pater 65. — mater 134.
— coniunx filiae et heredes 67. —
coniunx et filii 70. — filii et nepotes
72 — filius 64. — frater et fratris
Uli *66. — heres, heredes 43. 44.
54. 58. 63. 66. 67. 75. 82. * 128.
129. — libertus et heres 75.
Veranlassung: iussu eins 74. — testa-
mento fieri iussit 61. — ob in-
mensurabilem pietatem 73. — pro
pietate 65. 138. — *merito 79.
Gruss: ave frater 136.
Wunsch : viator dicat : sit tibi terra
levis 63. — (filiciter, -eter 231.
232. *233).
Gedicht als Grabschrift 68. f 230.
9. Abkürzungen.
A annos 136.
t 5 Amen (?) 218.
AD, ADI, ADIVT adiutrix 21. 31 u. ö.
— 32. — 30. 35.
ADIVT adiutor 85.
ADN Adnamius (?) 110.
ADV adversus 1,85.
AL ala 129.
AN, ANN, ANNO, ANO annus (anno-
rum) 43. 54 u. ö. — 49 — 48.
131. — 59.
ANI Aniensis (tribus) 50.
APR, APRIL Aprilis 202. — 15.
AQ Aquae 28.
AVG Augustus, Augusti (PI.) 15. 16
u. ö. — 202. — 2.
AVR Aurelius 109.
BP beneficiarius 7. 66 u. ö.
C Gaius 6. 8 u. ö.
C cohors 122.
), > centurio 102. 106. centuria 30
u. ö.
C*A custos armorum 51.
CAES Caesar 14. 24 u. ö.
CALP Calpumius 154.
C * C • C trecenarius 16.
C-C-CIVIT-ADM curator(?) cen-
8ibus (?) civitatiuiu administrandis
1.11.
CHO, CHOR, COH Cohors 40. —
56. — 57.
CIVIT civitas 1,11. 121.
CLAV Claudius * 63.
COL coUega 110.
CONS conservator 103.
COS consul, consules (-ibus) 27. 1,21.
7 u. ö.
C • V clarissimus vir 15.
D Decimus 31. 63.
t D dies 223.
I) • D domus divina 1,6 121 u. ö.
D • D dono dedit, dedit dedicavit 15.
18. 110.
DD ' NN domini nostri 113.
DEC December 202.
DEC decurio 74. 121.
tDI dei 218.
Die dicat 63.
D • I • M deus invictus Mitliras 9.
D • I • S „ , Sol. 14.
D • M dis Manibus 64. 131 u. ö.
DMA , „ 52.
D • N dominus noster 15. 16.
D • S • P de suo posuit 79.
EE • QQ equites 115.
EGN Egnatius 166.
EQ eques 53.
EXS ei signifero 48.
i
— 168
FEL felii 101.
F, FIL fiüus 1,7. 16 u. ö. — 15. 18 u. ö.
FAB Fabia (tribus) 1,7.
F • C, FAC • CVR faciendum curavit
52. 53 u. ö. — 64.
FEB Februarius 202.
FL Flavius 129. * 168.
FR jErumentum 1,14.
G • M • V gemina Martia victrix 38.
40 u. ö.
GAL Galeria (tribiu) 44.
GEM gemina 37. 49 u. ö.
G • S Gennania superior 15.
H bonos 120.
t H hie 222. 223.
HE helvetius 162.
HER heredes 67.
H ' F • C heres faciendum curavit 43.
44 u. ö.
H • H • P • P bostes pubüci 1,16.
HI hie 69.
H-SE, HICSITEST hie situs
est 43. 48 u. ö. — 129.
H-SS hie siti (sitae) sunt 56. 76.
lAN lanuariu» 159. — 202.
I * D luppiter Dolichenus * 14.
IMP imperator 14. 24 u. ö.
IMPP imperatores 113.
IN • H • D • D in honorem doums divi-
nae 121.
t IN P in pace 223.
I • • M luppiter optimus maximus
1. 2. 3 u. ö.
IVL lulius 1,20. 202. — 25.
IVN lunius 202.
IVN- REG luno regina 3. *106.
KAL Kalendae 1. 15 u. ö.
L legio 36. 41 u. ö.
L leuga 28.
L liberta 56. 76.
L Lucius 1,7. 7. u. ö.
LEG legatus 1,10. 1,IK.
LEG legio 1,18. 17 u. ö.
LEG • LEG legatus legionis 1,1«.
LEG • A VG • PR • PR legatus Augusti
pro praetore 14. 15. 108.
LIB libertus 102.
LIB librarius 131.
L • L libens laetus 9.
L • L • M libens laetus nierito 7. 21 u. ö.
L • M libens merito 2. 11.
M Marcus 33. 43 u. ö.
M mens (mi) 180.
MAC, MAC Macedonica(legio)44.-43.
MAI Maius 202.
MAR Martins 202.
MIL miles 43. 44 u. ö. milites 113.
MIN Mincrvia (legio) l,y.
MISS missus, missicias 129.
M ' P milia passamn 87.
NARB Narbo 127.
NERTO Nertobriga 44.
t NM nomine 223.
NOV November 202.
OCT October 202.
fP pax (pace) 223.
P Publius 130.
P posuit 102.
PATR patronus 102.
P • F • L • V pro filio libens vorit * 1'
t PO posuit 226.
P ' P pater patriae 26. 27.
P * P primus pilus 15. 17 u. ö.
PONT • MAX pontifez manmiu »
27 u. ö.
PRAEF ' FR ' DAND praefectos fri
menti dandi 1,14.
PPF, PR-PP, PRIMIÖP-:
primigenia pia fidelis 51. — 1«
15 u. ö. — 1,19.
PR primigenia 13. 54 n. Ö.
PR praetor 117. praetorins 1C6.
PR provincia 108.
PR • PR pro praetore 1,10. 14. u. <
PVB Publilia (tribus) 61.
t Q quiescit 223.
Q Quintus 9. 14 u ö.
Q Quintinia * 53.
QVIR Quirina (tribus) 112.
Q PR • PR quaestor pro praetoro 1.
QQ quaestores 115.
Q • V • A qui vixit annos 136.
S suus 102.
SAGI sagittarii 56.
SEN Senilia (?) HO.
SEP September 202.
SP Spurius 71.
S • S supra scriptus 17. 113.
STIP, STVP stipendia (stupc
43. 49 u. ö. — 69.
STLITIB • IVDIC [decemvir] stf
iudicandis 116.
T Titus 76. HO.
T (=1) primus 129.
TES tesserarius 103.
T • F • I testamento fieri iußs
i TI, TIB Tiberius 117. — 1'
i t TIPO titulum posuit 226.
i fTNODAEMR tueatur nc
1 potens deus aetemus mund
: TRIB tribunus 10. 116.
: TRIB • PLEB tribunus plel
! TRIBPOTtribuniciapotes^
i VAL Valerius 52 (dreimal
! V • F utere felix 168.
VI viator 63.
169 —
\yr|C Yices 1,10.
^OL Voltinia (tribus) 126 u. ö.
V • S • L ■ M Votum solvit libens merito
2. 11.
V • S • L • L * M Votum solvit libens
laetus merito ^1.
VT utere 157.
Abkürzung bricht mit d. Ende statt
mit d. Anfang der Silbe ab : CHO
40. NERTO 44. SAGI 56. CLAV
♦63. D • MA 5ä. TI 117. HE 162.
VALE 211.
Abkürzung bricht vor dem letzten
Buchstaben ab: AERORV(m) 48.
PIETAT(i) 65. COIVG(i) 77. LE-
GIONI(s) 113. ETATI(s) 131. SIS-
TRV(m) 166. M(i) 180.
Bezeichnung des PluraUs durch Wie-
derhohmg des Anfangsbuchsta-
bens; QQ quaestores 115. H*HP-P
hostes pubüci 1,15 ; durch Wieder-
holung der b e i d e n Anfangsbuch-
staben : EE • QQ equites 115. — Be-
zeichnung des Pluralis fehlt : AVG
Augusti ^; COS consules l,*^! u. ö.
10. Grammatisches und Orthographisches,
Apex 13. 14. 102 (zweimal). 114
(zweimal, einmal irrtümlich). Vergl.
71.
Sicilicus 114.
aerorum für aerum 48.
ala (Abi. wo später der Gen. üblich
ist) 59.
t in m. Acc. auf d. Frage wo?: in
hunc titulum 233. in hunc titolo
228. 281. 232. in hunc tumolo 229.
t qui für quae: 228. 231. 232.
Constructions- Wechsel: 71. f 230.
VergL 21.
zur Silbentrennung: Sat-urninus 8.
H-astaius, Amoen-a 56.PolIent-inus
71. Qu-ietius 131. Sec-undus 132.
Serv-andu-s 201. G-rutüo f 224.
aim-us t226. Radelindi-s, annu-s
t228.
griechische Inschriften: 147. 195. 197.
a fftr ae : obsequentissima (keltische
Form des Dativs neben der latei-
nischen? vergl. Hettner, Stein-
denkm. Nr. 191) 132.
d far t: adque 73.
d geschwunden: stipeniorum 51.
e Ar ae: etati infelicissime 131. Paule,
pientissime 132. Quintine, patrone
75. Minerve 160. f bone 232. fbone
memorie 228. f bene memorie 229.
♦234.
e für i: matre 13 (verhauen), luce
68. t qniescet 224. 225. 226. f lii-
veHs, meserorum 230. f [feKc]-
eter 232.
t e für : bene 229. * 234.
t eo für heu : 230.
f für ph; sarcofagufl 71.
h geschwunden : Nympis 12. ave 136.
t Adrianus 219. f oc, eo 230.
t i für e : (pietati 138 wohl nur aus
Platzmangel für pietate, vergl. 71).
ficit 217. milix 222. requiiscit
228—232. flivelis, evinit 230. fili-
citer 231.
i für u (verhauen): Ingenius 129.
i überhöht: 15. 25. 53. 70. 101. 108.
115. 117. 120. 121.
k für c : karissime 134.(Kal.l,ao. 15.18).
I geschwunden: Metelus 43.
m geschwunden : titolo 228. 231. 232.
tumolo 229.
n geschwimden: coiugi 77. sities 186.
anus 1 132.
fo für u: titolum 225. titolo 228.
231. 232. tumolo 229.
p für ph: Nympis 12.
s geschwunden: teserarius 51. misi-
cius 56.
tss für x: viasit 235.
u für i: stupendia 59.
t u ftir : numine 218. imperatur 219.
annus 225. 226. 228. 230. 231.
anus 232.
t V für b : flivelis 230.
t X für s : müix 222.
t X verdoppelt : vixxit 232 (zweimal).
Consonanteii- Verdoppelung beseitigt :
Metelus 43. teserarius 51 . niisioius
56. fanus 232.
Ausfall von Vokalen und Silben (über-
all wohl aus Versehen): incohnitate
7. Verdis 50. Maticorum lOi».
— 170 —
11. Palaeographisches.
cursive Vorlage missverstanden 9. 44. I Verhauungen (besonders) 9. 44. 72.
Vergl. 1 216. f 219. f 220. | 132. 134. Vergl 13. 200.
inschriftartige Verzierung 1 21 6. t2B6. | f deutsche Runen 214. 215.
Bemerkenswerte Buchstabenfformen.
(Da hier fast nur mittelalterliche Inschriften berücksichtigt sind, ist von einer
besonderen Bezeichnung derselben abgesehen.)
A 219. 220. /l 247.^^218. /\22d. 226.229. /\ 223-233.
A 186. A 226. A 1-^ 227. [^249. — P 230. § 232.
C L 227. 228. Uä 232. 239. ü 247. 249. — D 230. 232. 227. 0238.
P 230. 231. 232. [7^218. 228. cG 242. G 221. 227.241.244.245.
C ^ 243. Vi 249. Q 253. - 1 222. f 226. T 230. 231. J^ 247.
b 239. S 217. C 222. C^G^ 223. V% 224. 249. Om.
ri 242. h n 227. V247. 1? 249. — A 224. 243. — T 134. 111
\ 222.225. X 224. L L 227. 'S 228. r^ 230.231.232.233. 7^243.
11 218. 228./^ 219. II 1/220. QP 227. 9x247. CO243. 10249.
H 227. Vi 219. IC 249.- OV 227. V*22& 229. 230. 231. 232.
F 230. 231. I r-' 227. 1226.
Ml 228. "229. ^230.231.HW232.^223.S 224.0. 226. O239.
K 226.231. K227.228.K224. Pv 230-234. R 221.222.11219.11220.
ü 227. 1217.— *T^230. ^232J233. 1217. I 222. A 224. V 249.
A \ 232X^23.224. VÜ227. U 225. 226. ¥245.- V 223.
171
letzige Aufstellung der Steindenkmäler.
idenkmäler befinden sich fast ausnahmslos in der grossen nach dem
3,tz gelegenen Halle. A l = Abteilung 1, bedeutet den Baum vor der mit
leten neben der Eingangsthür befindlichen Wand, F 1 = Fenster 1, den
* dem darauf folgenden Fenster der Hofseite. Entsprechend A u. F 2-8.
k, in Kopfhöhe an der Wand angebracht ; 8 = Steinsarg, Gestell auf
chen; 8ohr ^ Schrank; 1 und r = links und rechts vom Mittelgang,
vom Standpunkt des Eintretenden aus.)
W
W
B
B
ehr
W
W
W
F21 W
■. 118)
ehr
B
W
V51
W
^5r W
A5r
W
^ 5 r W
A61
A 4r
48 A 4 r W
49 u. 50 A 6 r
51 u. 52 A 4 1 W
53 nw. Schmalw.
54 A 4 1 W
55 F 4 1 S
56 F 4 r
57 A6r
58 F 5 r W
59 A 4 r W
60 F3r
61 A 6 r W
62 F 5 r W
63 A41
64 A 4 1 W
65 A4r
66 A6r
67 F4r
68 A 6 r W
69 Fll
71 A6r
72 F41
73 F3r
74 F 4 r
75 A6r
76 A 4 1 W
77 A6r
78 F 4 1 S
79 F 5 r W
80 F 5 1 S
81 A IIW
82 F 5 r
83 A 8 r W
84 F 1 r
85 bei d. röm.
Kleinalter-
tümern
86 A31
87 A 6 r W
88 A4 1
89 u. 90 A 5 1
91 (s. Nr. 128)
92 A 5 1 S
93 u. 94 F 4 1 S
95 A 5 1 W
96 A 6 r W
97 F 4 1 S
98—100 A 5 1 S
101 A 3 r
102 A 2 r W
103 F 2 r
104 F 1 r
105 A 2 B
106 A 3 1
107 A 2 r
108 F 2 r
109 A 6 r W
110 F 2 r
111 F 1 r W
112 F 1 1
113 F 3 1
114 u. 115 A 3 r
116 F 3 r
117 A 5 1 W
118 A 3 r
119U.120A51W
121 A 5 1
122 u. 123 A 5 r
124 A 5 1 W
125 A 5 r W
126 A 4 r
127 A 4 1
128 A 4 r W
129 A 4 1 W
130—132 A 4 1
133 F 3 Sehr
134—136 A 4 1
137 A 6 r
138 A 4 1
139 A 5 r
140 A 5 1 W
222 A 7 r
223 A 7 1
224 A 7 r
225 A 7 1
226 A 7 r
227 u. 228 A 7 1
229 u. 230 A 7 r
231 A 7 1
232 F 7 r W
233 A 7 1
234—237 A 7 r
238 A 6 1 W
239 A 7 1 W
241 A 7 r W
242— 247 ASrW
249 A 8 m
250 u. 251 FBI
252U.253A81W
254 Hof, vor F 8.
BericJtitigtaiigeii.
bij^esehen von eiiiij,a*n Kleinigkeiten bittet man folgende Fehler zu
n :
ist der letzte Satz der ersten Anmerkung: „dafür dass— ein-
gf e h a u e n ist" zu streichen.
Z. 1 lies Antoninus st. „Antoninius".
ist ersetzt durch Xr. 118.
ist in der lat. l Inschrift Z. 7 v. u. wahrscheinlich Ammian(ius) zu
ergänzen st. .,Ainniian(us)", ebenso ist in der deutschen Übersetzung
auf der iiäclisteu Seite Ammianius zu lesen.
— 172 —
Nr. 31 Fundort: Münsterthor, linke Seite (nach Fuchs, I. 112).
Nr. 45 Anm. Z. 10 lies: Strassburg st „Vindonissa (j. Windisch in
der Schweiz)".
Nr. 47 Anm. Z. 1 lies: „in der ersten Zeile" und Z. 6 ff. lies: „beide
haben nicht in Mainz gestanden, sondern in Strassburg, jene
von 14 — 43, diese von 70 an sehr lange Zeit".
Nr. 49 Anm. letzte Z. lies : „Qaudius (41—54)".
Nr. 55 Fundort: Gutenbergsplatz.
Nr. 59 Anm. z. Z. 2: ala steht insofern nicht für alae, als der Ablativ
Absicht und auf älteren Steinen Regel ist.
Nr. 70 zweite Anm. Z. 2 lies zweimal: Cognomen st. „Gentile".
Nr. 75 Z. 1 der lat. Umschrift lies: Quintin{a)e matronae 8anetis8i{mae).
Nr. 91 ist ersetzt durch Nr. 123.
Nr. 114 Anm. Z. 3 lies: Sicilicus st. „Silicus".
Nr. 219 müsste auf der Abb. das m in Imperator die in der Buchstabentafel
am Ende dieser Schrift unter Nr. 219 wiedergegebene Form haben;
der auf der Abb. dem p vorausgehende Punkt ist mit dem Kopf
zu verbinden und gehört zum Lorbeerkranz.
Schlusswort-
Der erste Teil dieser Schrift, Nr. 1 — 100, erschien zu
Herbst 1897 als Programm-Abhandlung des hiesigen Gymnasiums,
die für den nächsten Winter beabsichtigte Herausgabe des
Schlussheftes verzögerte sich aus mancherlei Gründen bis in das
neue Jahrhundert. In der Zwischenzeit stellte sich eine Erweite-
rung des ursprünglichen Planes als wünschenswert heraus und es
wurden deshalb nicht nur unsere mittelalterlichen lateinischen
Inschriften aufgenommen, sondern auch ein paar griechische und
sogar zwei Runen-Inschriften. Zu dem ursprünglichen Titel
passt das nun freilich nicht, doch wird man mich hoffentlich
entschuldigen. Die in der Vorrede genannten Herrn von
Domaszewski, Gundermann imd Zangemeister haben
mich auch bei Bearbeitung der zweiten Hälfte durch wirksame
Unterstützung zu Danke verpflichtet. Von den neu hinzu-
gekommenen 135 Abbildungen beruhen diejenigen der Stein-
denkmäier sowie der Buchstaben - Tafel auf Zeichnungen des
Herrn Heinrich Wallau, der auch die betreffenden Cliches
dem Vereine stiftete. Die übrigen Abbildungen sind unter meiner
fortwährenden Aufsicht von dem Hilfs-Conservator des Alter-
tumsvereines, Herrn P. Th. Kessler gezeichnet worden.
3
I
2044 050 629 171
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This book should be returned to
the Library on or before the last date
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beyond the specified time>
Please return promptly.
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